1
bruch,
broch,
der
;
-es/-e
, auch
(+ Uml.);
zu
mhd.
bruch
›Bruch, Riß, abgebrochenes Stück, Mangel, Gebrechen‹
(Lexer
1, 362
), ablautende Bildung zu
brechen
.
– Bedeutungen 4-6 vorw. in Urkunden und Rechtstexten.
1.
›das Brechen, Ab-, Zerbrechen‹, dann auch das Ergebnis des Brechens ›der Bruch, Riß, das Zerbrochene‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
22063
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Swie kranc die fiole si, | Doch ist groz zirde da bi | Des morgens an ir bruche | Von varwen und von ruche, | Wen ir smac und ir brune | Vrowet daz gesune.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
2688
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
wen als der bogin wirt gezogin | gecrummit und widirbogin | und doch blibit bruchis ân.
Stackmann u. a., Frauenlob
1, 14, 12
(
schles.
, Hs.
14. Jh.
):
doch min cleider bliben ganz | an allen bruch.
Euling, Kl. mhd. Erz.
813, 537
(
nobd.
,
E. 15. Jh.
):
O, herr, deines herczen broch | laß mein hercze prechen.
Päpke, Marienl. Wernher
2988
(
halem.
,
v. 1382
):
Ein tempel och ze Rome was, | [...] Der viel nider in der nacht | Wan es was lange vor geseit | Im geschehe von bruche niemer leit.
Bihlmeyer, Seuse
215, 11
(
alem.
,
14. Jh.
):
du mit dinen wunden, mit dinem ser versuͤnet hast und geheilet hast den bruch, den alle kreaturen nit mohten widerbringen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
48, 56
(
Basel
1494
):
Boͤß zymmerlüt vil spaͤnen machen | Die murer důnt gern grosse brüch.
Dirr, Münchner Stadtr.
419, 21
(
moobd.
,
um 1365
):
swem sein zymmer wirt geprochen, beleibt dann daz fewer hie derhalb seiner hofstat, so helffent im sein nachtpawren, den der pruch ze frum ist choͤmen, wider zimmern nach dez ratz haizz.
Buijssen, Dur. Rat.
22, 28
(
moobd.
,
1384
):
Der pruch des oblates bedewtt den pruch des procz.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1222
(
oobd.
,
1607
/
11
):
diß quader hatt ettlich brüch.
Bremer, Voc. opt.
1, 226
;
Schmitt, Ordo rerum
35, 22
;
234, 18
;
Voc. Teut.-Lat.
e iijv
;
Voc. inc. teut. d
iijv
; t
vijr
;
Dasypodius
301v
;
487r
;
Serranus
43v
;
44r
;
Maaler
79r
;
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 38
;
Lehmann, Rezeptb.
163
;
Patocka, Salzwesen.
1987, 134
;
Dietz, Wb. Luther
1, 349
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 825
;
Brinckmeier
1, 422
;
Bad. Wb.
1, 338
;
Pfälz. Wb.
1, 1265
;
Schwäb. Wb.
1, 1455
f.;
Schweiz. Id.
5, 367
f.;
Öst. Wb.
3, 1124
f.;
Vorarlb. Wb.
1, 462
;
Rwb
2, 523
f.
2.
›Bruch in Stein, Felsen; Felsspalte‹; dann auch ›bergmännischer Bau zum Abbau von Gestein, Erz‹.

Belegblock:

Schoop, Qu. Düren
73, 4
(
rib.
,
1342
):
Vort is ze wissen, dat in binnen deim wiltbande des waltgreven neyman in sal roeden noch steine breichgen, noch wervende bruchgen machgen noch vestincge.
Ermisch, Sächs. Bergr.
107, 25
(
osächs.
,
1497
):
oder yemant newe oder alte bruche aufnemen wolt.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 193, 14
(
schles.
,
1640
):
zugesaget und versprochen, den Schindlerschacht als wie bergwergksmanier zu bauen und kein bergfest wegzuhauen, damit der gruben dardurch kein bruch beschehe.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
89, 10
(
omd.
,
um 1559
):
Alle alte bruche, behauene genge und klufte in stollen, strecken ader schechten, dergleichen verriczt felt am tage sollen durch die geschwornen freygemacht werden.
Valli, Baldemann
67
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Do ich qwam durch der felse bruch.
Ermisch, a. a. O.
14, 10
;
40, 10
;
116, 15
;
149, 29
;
Veith, Bwb.
118
f.
3.
›Bruch, Riß, Quetschung am menschlichen/tierischen Körper oder an Körperteilen‹.
Syntagmen:
den b. heilen

Belegblock:

Lippert, UB Lübben
2, 138, 12
(
osächs.
,
1438
):
2 g. 7 d. vor cawent frischbier deme pherde zcu deme broche.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
17, 35
(
omd.
,
n. 1474
):
vssewendig dor ane ist eyn gemeyne bat, do das gemeyne volg ynne badet; das ist danne ouch gar lustig vnd heylit alle alde bruche.
Cirurgia H. Brunschwig
33rb, 2
(
Straßb.
[
1497
]):
als ich sagenn würd in dem capitel von den brüchen der gebein.
Morrall, Mandev. Reiseb.
102, 10
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
er behuͤt die gelider des menschen vor brúchen und vor verrencken.
Lemmer, Brant. Narrensch.
55, 20
(
Basel
1494
):
Dar vß die scherer all jr plaster | Machent / all wunden heylen mit | Es sygen gswaͤr / stich / brüch / vnd schnyt.
Sudhoff, Paracelsus
10, 137, 11
(
1536
):
Das zwelft capitel, von vertreibung der wuntsucht, hiz, frost [...] auch den schnitarzeten am stein und bruch.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
236r, 19
(
md.
/
oobd.
,
1446
/
8
):
das mancher wenen wil / ess sey ein pruch, do dy dermer auß gen.
Weitz, Albich v. Prag
147, 20
(Hs. ˹
oobd.
,
A. 16. Jh.
˺):
mach dar aus ain pflaster vnd leg es auff den pruch.
Deinhardt, Ross Artzney
72
(
oobd.
,
1598
):
So ain pferdt brochen ist [...] See das in alle brüch, wo es brochen ist. Es hailt.
Mylius
C 3v
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 69
.
4.
›Bruch des Gesetzes, Rechts; Vergehen, Verstoß‹.
Syntagmen:
einen b. machen / meren / richten / rügen / tun / verdammen; der b
. (Subj.)
entstehen / geschehen
.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc
18, 31
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
werft von uch alle uwir bruche, an den ir obirtreten hat, und machet uch eyn nuyes herze unde eynen nuwen geist.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 400, 17
(
preuß.
,
1442
):
den broch, den sie an unserm herren bisschoffe haben gethan [...] hat her en gancz vorgeben.
Dat nuwe Boych
432, 39
(
rib.
,
1396
):
doch vmb dess bruche wille So hiesse yn der Rait eyn Jair vp den Torn gain.
Loersch, Weist. Boppard
103, 33
(
mosfrk.
,
1452
):
abe einiche broche geschine weren odir geschegen binnen eins proibsts dingdagen.
Altmann, Wind. Denkw.
217, 4
(
wmd.
,
um 1440
):
es wart aber nit lang gehalten und der bruch was an dem lantgrofen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
185, 37
(
thür.
,
1474
):
daz gerichte hat von rechte an den bruchen nicht meher danne von iglichem, her sy teter addir volger, syn gewette.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
707, 31
(
thür.
,
1421
):
her were denn grutlichen unde gar mit dem marggraven gericht unde hette gnug umb alle bruche noch des herren gnadin gethan.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
555, 1
(
osächs.
,
1523
/
4
):
Ap der rat verweist umb bruche, die sie wider ire kore getan haben, ap sie der erbherre oder sein richter darumb anlangen moge.
Behrend, Magd. Fragen
38, 4
(
omd.
,
um 1400
):
Der rat hat dy bruche zcu richten, ab her bekennet, das her sich in des rates genade gegebin hat.
Leman, Kulm. Recht
2, 3, 57
(
Thorn
1584
):
Beschuldiget der rat yrre keynen vmme bruche dy her getan hot kegen der stat.
Fischer, Brun v. Schoneb.
9833
(
md.
, Hs.
um 1400
):
daz cruze [...] | ist alles broches ein bezzerunge.
Chron. Augsb.
2, 74, 2
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
also machet er ain pruch in das burgrecht von seinem aignen nutz wegen.
Roder, Stadtr. Villingen
169, 24
(
önalem.
,
1592
):
davon ein bruch oder schädlich uffruor und rottieren entstehen mochten gegen unser gnädigisten herrschaft.
Hör, Urk. St. Veit
99, 29
(
moobd.
,
1370
):
ob in dhainerlay pruch, irrung, abganch oder anvall daran geschach.
Bastian u. a., Regensb. UB
168, 15
(
oobd.
,
1360
):
War ouch daz in in den vier jaren dheinerli bruch oder irrsal an der vorbenanten satzzung geschach.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
152, 10
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
do rayt des kunigs hawbtman Hawgwitsch zw dem kunig und verchund im solich pruch des frides.
Grosch u. a., a. a. O.
59, 24
;
234, 4
;
270, 32
.
5.
›Mangel, Gebrechen, Schaden‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,
1
 24.
Syntagmen:
b. haben / machen; b
. (Subj.)
geschehen / werden
.

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm
3306
(
preuß.
,
1331
):
si straften sine spruche, | Di doch nicht hatten bruche, | Valsch geczug si vurten.
Volz, Prophet Daniel C
9, 24
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
Sibenzic wochen sin bezelit vf din volk vnd vf dine heilige stat, das der bruch geswendet werde vnd di sunde ein ende neme.
Brinkmann, Bad. Weist.
3, 18
(
rhfrk.
,
1416
):
derselb junker Reinhart hies uns do furbas, was uns als von der vorgenanten zent wegen furbas broch were oder not gescheen würde.
Chron. Mainz
1, 32, 2
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
wan sie die stad nustnit sal schermen vor den briefen of daz, daz kein ander broche dar uß icht moge werden.
Küther, UB Frauensee
119, 25
(
thür.
,
1350
):
Daz wir disen kouͤf stede halden und in di kein bruͤch an deme cinse werde.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
74, 26
(
thür.
,
1474
):
Worde abir den erbin bruch an sollicher bewisunge, so musten sy der frouwen dy sechczig schog an yres vater guttern reychin.
Ermisch, Freib. Stadtr.
45, 4
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
ab deme kleger bruch wirt an siner vorderunge.
Reissenberger, Väterb.
25608
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Ich viel in der unkusche bruch.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
463
(
omd.
,
1338
):
Alleine er wer ein heide zwar, | Doch was er vollenkumen wol | Und waz richer tugende vol | An allen bruch, an alle schult.
Pyritz, Minneburg
1667
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Wo mir wirt an dem lobe bruch, | Erhore ich dann ir liplich ,juch‘.
Chron. Nürnb.
2, 334, 5
(
nobd.
,
1449
/
50
):
zumol ein großer bruch gewesen ist an wolreitenden knechten und fürern.
Chron. Augsb.
3, 294, 6
(
schwäb.
,
1456
):
Man sol auch mercken, was pruch und mangel im Ungerland sei.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
39, 25
(
schwäb.
,
v. 1542
):
Zu duser zeyt was grosse armut, bruch und mangel, widerwertikeyt in allen stenden.
Hör, Urk. St. Veit
123, 12
(
moobd.
,
1378
):
Darzwͤ welherlay pruch, irrung oder invall in daran geschæch, wy sich daz fuͤgt, daz sulln wir in auch allez austragen vnd richtig machen.
Dirr, Münchner Stadtr.
316, 17
(
moobd.
,
1340
):
swederr nicht chumpt auf daz selb recht, dem ist pruch geschehen an seinem rechten.
Piirainen, Stadtr. Sillein
92r, 4
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
wirt ym aber an dem geweren bruͤch iener beheldet sein eigenleichen geweren an dem gut mit rechte.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
128, 22, 4
;
128, 22, 8
;
128, 23, 3
;
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 76, 17
;
39, 8
;
Reissenberger, a. a. O.
1513
;
10330
;
16045
;
Karsten, a. a. O.
9352
;
13140
.
6.
›Strafe, Strafgeld‹.

Belegblock:

Koeniger, Sendgerichte
162, 24
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
dye ruwe und pene von der frykirchen: der bruch ist 30 heller.
Behrend, Magd. Fragen
50, 14
(
omd.
,
um 1400
):
Ein scholtis in dorffern adir in steten, der den dritten pfenning hat von deme gerichte, was syn hogister broch ist, den her irwerben mag an deme gerichte von rechte.
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 235, 14
(
omd.
,
1427
):
kein meister sal seynen gesellen stugwerk czu arbeiten gebin, sunder her sal ym syner arbeit by wochenczal lonen, bi der broche eyner i tonne bieres.
Ebd.
591, 13
(
omd.
,
1435
):
allerley broche, dy do gefallen in dorffern, dy sal man nicht vortrinken, sunder zemeliche broche sal man wenden in des dorffis nutcz bey dren mark.
Rwb
2, 525
f.
7.
in der spätmittelalterlichen Rechenkunst (Arithmetik) ›Zahl, die angibt, in wieviel Teile eine Einheit teilbar ist; gebrochene Zahl eines Ganzen, Bruchzahl‹.

Belegblock:

Ries, Rechenb.
C 3v, 3
(
Erfurt
1522
):
Wiltu wissen wieuil ein yetzlicher bruch in sich behelt / so resoluir den zeler in seynem werdt / vnd teyl ab mit dem nenner.
M. Cunitia. Ur. Prop.
162, 48
(
Öls
1650
):
1 secund 1/60 einer prim; 1 prim: 1/60 eines gantzē. Wird dan̄h. nach diesen Bruͤchen / auß welchen sie entsprungen / Sexagenaria genennet.
8.
›Phase des Halbmondes‹, nach einigen Glossaren auch ›Phase des Vollmondes‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Turmair
1, 368, 5
(
Nürnb.
1541
):
Wann er [môn] halb auf oder ab genomen hette und sach wie ein horn, so hiessen si es im bruch.
Maaler
79r
(
Zürich
1561
):
Es was vollmon od’ Bruch.
Dasypodius
61r
;
301v
;
Hulsius
C ir
;
Schweiz. Id.
5, 368
;
Dwb
2, 408
.
9.
bedeutungsverwandt zu  3.
10.
bedeutungsverwandt zu  4.