bosheit,
die
;
–/-en
.
1.
›das Böse, die Bösartigkeit, Schlechtigkeit, Sündhaftigkeit‹;
zu (Adj.) 67.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
22861
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Swer schadete, der schade noch, | Und swer in den bosheiten lac, Der tu noch vor sich als her pflac.
Kochendörffer, Tilo v. Kulm
2144
(
preuß.
,
1331
):
der mensch was sich und cranc | Von der bosheit anehanc.
Ziesemer, Proph. Cranc. Mal.
2, 6
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
vil lute machte er abwendic von bosheit.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 143, 2
(
Köln
1582
):
Der bosheit bachen vngestuͤm | Theten fast schrecklich mich bedrangen.
Schöpper
14b
(
Dortm.
1550
):
Vntugend vnfrumbkeit vnerbarkeit laster sünd lasterstuͤck vbelthat boͤßheit missethat vnthat lasterthat vngericht boͤßstuͤck mißhandel vnthädlin schelmerey.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
790
(
mrhein.
,
um 1335
):
Owe, waz wollent sie ime důn? | Nů gedet er doch nie bosheit.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
142, 18
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Als Markair gesach / das yme syner grossen boßheit solde gelonet werden.
Froning, Alsf. Passionssp.
2590
(
ohess.
,
1501ff.
):
mer armen syn an den synnen blynt | von unßer grosßen boßheyt.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
618
(
pfälz.
,
1436
):
wir sollent jn gutikeit bestriten die bosheit.
Quint, Eckharts Trakt.
110, 18
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Daz vleisch rætet untugent und bôsheit.
Strauch, Par. anime int.
106, 1
(
thür.
,
14. Jh.
):
di boisheit enist un nicht fon der pine ane cumen, sunder di boisheit wirdit geoffinbarit in der pine.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
14b
, 5 (
thür.
,
1421
):
Die lewte synt sundigk, das ertreich ist vol bossheit.
Luther, WA
21, 212, 29
(
1544
):
Bosheit heisst allerley untugent und suͤnde, da man oͤffentlich unrecht thut wider Gott und den Nehesten.
Anderson u. a., Flugschrr.
13, 12, 30
(
Leipzig
1522
):
So ist Luder [...] von vns abgesundert / durch ewern mißglauben / neidt / hasse / hoemuth / vnnd alle boßheyt.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
1, 11
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
In bosheit versinket, in jamerigem ellende verswindet.
Langen, Myst. Leben
154, 4
(
nobd.
,
1463
):
Vil mer sol wir vns / furchten vmb hoffart, geytigkait, vnkeuß vnd vmb all / poßhait.
Gille u. a., M. Beheim
30, 60
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Ir wesen wart | [...] in poshait gar verkart.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 292
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
wan waz sv́ zeichen vnd wunders sohent, so blibent sv́ doch in irre bosheit.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
1, 4, 19
(
Straßb.
1466
):
also hat er vberwunden all vnser bosheit mit im selber vnd in seiner person.
Morrall, Mandev. Reiseb.
174, 25
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Und ist gůt volck da, wann sie huͤttend sich vor aller boßheit und vor súnden.
Sappler, H. Kaufringer
19, 63
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
also ist der mensch behaft | mit reichtum und mit großem gwalt, | mit weltlichem lust manigfalt, | damit die boßhait auf in schleicht | und die tugent von im weicht.
Anderson u. a., Flugschrr.
29, 10, 9
([
Augsb.
]
1524
):
So legt nun ab alle boßhait vnd alle list.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 207, 10
(
Augsb.
1548
):
Der boͤsen boßhait sollen wir meiden.
Stammler, Berner Weltger.
46
(
ohalem.
,
1465
):
Er wil jnen gelten | Jr boͤsheit vnd jr missetat.
Schmidt, Rud. v. Biberach
148, 5
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Die wisheit vberwint emzeklich die bosheit des herzen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
82, 20
(
Basel
1494
):
Das statt volck yetz von buren lert | Wie es jnn boßheit werd gemert.
Buijssen, Dur. Rat.
13, 22
(
moobd.
,
1384
):
darumb di pozhait dez priesters irrt nicht die heilichait.
Weber, Füetrer. Poyt.
302, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Nw höret von poshait des argen weibes.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
80, 33
(
tir.
,
1464
):
eür schalkhait vnd pösshait die tüet verr von im.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
145, 37
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Noch hett derselb untrew Kunigsfelder seiner poshait kain aufhorung.
Ziesemer, a. a. O. Jes.
5, 18
; Kl. Jer.
1, 22
; Os.
9, 15
;
Froning, a. a. O.
283
;
4369
;
5103
;
Steer, a. a. O.
173
;
490
;
627
;
770
;
Neumann, Rothe. Keuschh.
1084
;
4357
;
Luther, WA
30, 3, 337, 14
;
346, 16
;
428, 33
;
32, 451, 31
;
41, 307, 30
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 9, 1
;
251, 2
;
274, 5
;
Jungbluth, a. a. O.
23, 8
;
31, 18
;
Hübner, Buch Daniel
6449
;
6784
;
7596
;
Asmussen, Buch d.
7
Grade 10;
499
;
1048
;
Gille u. a., a. a. O.
79, 259
;
109, 119
;
444, 72
;
444, 225
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
46
;
117
;
246
;
Vetter, Pred. Taulers
375, 7
;
405, 11
;
408, 36
;
Ruh, Bonaventura
325, 5
;
326, 26
;
326, 33
;
327, 2
;
337, 24
;
Warnock, Pred. Paulis
3, 272
;
9, 71
;
12, 159
;
Bihlmeyer, Seuse
120, 5
;
161, 17
;
501, 12
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
564
;
1446
;
1589
;
Bauer, a. a. O.
10, 42
;
30, 11
;
100, 42
;
111, 28
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
90, 13
;
146, 1
;
204, 28
;
Schmitt, Ordo rerum
281, 13
;
Dasypodius
123v
;
Serranus
41r
;
Maaler
75r
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 26
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 17
;
Weber, Oswald.
1847, 403
;
Dietz, Wb. Luther
332
f.;
Preuss. Wb. (Z) 1, 740;
Bad. Wb.
1, 299
;
Schwäb. Wb.
1, 1312
;
Schweiz. Id.
4, 1726
;
Öst. Wb.
3, 656
f.
2.
›Frevel, Gewalttat, Verbrechen‹;
zu (Adj.) 67.
Bedeutungsverwandte:
, (s. v.  2), , , , , .
Syntagmen:
b. stiften / treiben / verbringen
.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron.
43, 14
(
mfrk.
, zu
1356
):
umb den großen mort unde bosheit so zogen di zwene fursten [...] vur daz sloß Itter.
Froning, Alsf. Passionssp
488
(
ohess.
,
1501ff.
):
dannoch kan ich boßheit triben | myt manne und auch mit wyben! | die lere ich affterkoßen, | liegen, triegen und boßen.
Altmann, Wind. Denkw.
117, 8
(
wmd.
,
um 1440
):
wann die Venediger dez konigez vigent worent und vil boßheit stiftent.
Anderson u. a., Flugschrr.
22, 7, 32
([
Erfurt
]
1525
):
dz die schuͤldigen an yr boßheit gemanet wurden.
Gille u. a., M. Beheim
23, 8
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wer puberey und poshait vil chan treiben, | der selb ist werd und mag wol treten fur.
Ebd.
82, 536
:
da sah er alles, das man treib, | ubel und auch posshaite.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
74, 27
(
els.
,
1362
):
Dise bosheit wolte got nút vngerochen lohssen, do von verhing er das Herodes sinre kinde schemeliche wúrde berǒbet, alse er vil manige betruͤbete můter irs kindes hette berǒbet.
Roloff, Brant. Tsp.
864
(
Straßb.
1554
):
Das wir ein jüngling bei dir haben funden / | Deßhalb du dann zů disen stunden | Die jungkfrawn hast von dir getriben | Und bist allein im garten bliben / | Das du moͤchtest triben dein boßheit.
Sappler, H. Kaufringer
14, 718
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
der ritter muost auch leiden pein | umb die grossen poßhait sein, | die er an der künigin dett, | da er si valschlich überrett | und si irer er beraubt.
Chron. Augsb.
4, 339, 11
(
schwäb.
,
v. 1536
):
der hat mit der boshait wol 6000 fl überkomen, der ist kaum mit groser bitt erbetten worden.
Welti, Stadtr. Bern
122, 24
(
halem.
,
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
die, so von boßheit wegen von der statt werent entwichen, vnd die fuͥr die rete bringen.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
416, 12
(
halem.
,
1409
):
das ein herschaft umb mort, duͥpstal, todslaͧg, brand, noͧtzog und umb all ander meintet, frevel oder bosheit, so den lip ruͤrent [...] wol sol und mag richten an und uf den vorgenanten gedingstetten.
Reithmeier, B. v. Chiemsee
3, 4
(
München
1528
):
Daz auch frumm vnd gerecht menschen in jrer gwissen verjrrt, vnd vngerecht lewt zuo poszhait vnnd vbeltaten destleichtfertiger seinn.
Bischoff, Steir. Landr.
179
(
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
Ain jsleich schedleich man, vmb welherlay posshait er geuangen stet vor gericht, der hat drey sprach.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
273, 30
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wenn man im [pœser mensch] ain pôshait verpeutt und ez dar umb strâft, sô tuot ez vier pôshait für ain.
Welti, a. a. O.
52, 12
;
126, 3
;
218, 6
;
640, 20
.
3.
›Entzündung, Vergiftung, Eiter (von Wunden, Verletzungen)‹.

Belegblock:

Ott-Voigtländer, Rezeptar
211r
, 1 (Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Sint aber si [geswer] gebrochen, so bind man das / tůch dar v́ber, so zúhet es die boshait vs.