blau,
blaw,
blo,
Adj.;
zu
mhd.
blâ
›blau‹
(Lexer
1, 294
); ursprünglich wohl
›hell, glänzend‹
und damit
ahd.
zur Wiedergabe von
lat.
flavus
›gelb‹
dienend, bildet es erst
mhd.
seine endgültige Bedeutung aus (Pfeifer, Etym. Wb. d. Dt.
1993, 146
).
1.
natürliche Farbe des Farbspektrums, ›blau‹.
Zu phraselogischen Verbindungen mit
blau
vgl. Wanzeck, Etym. lexikalisierter Farbwortverbindungen
130
 ff.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
in Verbindung mit Bezeichnungen für Blumen, Edelsteine, Himmelserscheinungen, Stoffe, Tiere (in Wappen), auch allegorisch und symbolisch verwendet.

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb.
274, 35
(
preuß.
,
1403
):
7 fird. vor 8 elen bloes gewandes.
Thiele, Minner. II,
23, 24
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
das pruevede ich dair unden bas | das bloe die cleider wairen.
J. W. von Cube. Hortus
93, 7
(
Mainz
1485
):
diß krut [...] hait oben eyn blae blome glich eynẽ stern.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
196, 11
(
Frankf.
1535
):
Tvrchois ist ein steyn des farbe ist blae.
Ebd.
200, 9
:
Das glas hat vil farben / eins ist rot / eins gruͤn / eins gele / eins blaw.
Ralegh. America
5, 11
(
Frankf.
1599
):
wir [...] waren gezwungen vnder dem blauwen Himmel / im Windt / Regen [...] zu verharren.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
132, 25
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Münzen, balsamkraut, weise und blaue lilien bekommen auch von ihren wurzeln.
Lappenberg, Fleming. Ged.
321, 33
(
1639
):
Du durchkennst die große Welt, | was sie hält | an und unter diesem Blauen
(›Himmel‹).
Jahr, H. v. Mügeln
271
(
omd.
, Hs.
1463
):
Die virde kunst Rethorica | gink vor den werden keiser da. | bla sam lasure was ir wat.
Chron. Nürnb.
2, 259, 7
(
nobd.
,
1449
/
50
):
daz warn pinten, ein weil rot, ein weil weiß, ein weil ploe, nicht ain weil von varben als die andern.
Gille u. a., M. Beheim
339, 10
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Frucht pringet er genucht. | blumen gel, praun, weiss, plaw | die sicht man auff der aw.
Fastnachtsp.
730, 5
(
nobd.
,
15. Jh.
):
Des lieb die leuchtet auß falschem schein; | Dem schüln blob farb verpoten sein.
Mayer, Folz. Meisterl.
6, 5
(
nobd.
,
v. 1496
):
Dar auff [anger] von plumen manch gespreng | Pla, gel, rot, praun und weiß.
Ebd.
88, 51
(
nobd.
,
1517
/
8
):
Aüs orient saffire pla | Ir zücht pestetet schöne.
Sachs
3, 133, 12
(
Nürnb.
1537
):
Ein fraw inn eytel blaw, | Hieß Pacientia.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 358, 4
(
Nürnb.
1631
):
Sein Haupt vnd Antlitz schlugen weich, | Gelb, gruͤn vnd schwartz, braun, blaw vnd bleich.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
10, 169, 11
(
Straßb.
1466
):
er nam vil goldes vnd silbers vnd edel gestein blo geuerbt purpur vnd roten purpur vnd groß reichtum.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 435, 12
(
Hagenau
1534
):
Der hymel ist blaw / [...] daher wir eyn blawe farbe nennen hymelblaw.
Chron. Augsb.
1, 61, 2
(
schwäb.
, zu
1378
):
darnach fuͤrt man im vor ain panier mit zinnen in ainem plawen feld des landes von Bawditzein.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
32
(
schwäb.
,
1435
):
Der trůg ain sail in siner hand | Mit blawer siden von palmand.
Ebd.
4436
:
Du bist doch nit der blaw ißfogel.
Barack, Zim. Chron.
4, 106, 6
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
war ein Rotweiler hauptman, ein bloer
›blau gekleideter‹
Schweizer mit den gelen füesen, zugegen.
Henisch
408
f. (
Augsb.
1616
):
Blaw / blab / blawfarbig / wie der Him̃el / wann er in seiner natürlichen farb vnd schön ist / item wie das Meer ist.
Barack, Teufels Netz
12948
(
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wan bla, rot, grün gewand | Bringt wib und man in schand.
Koppitz, Trojanerkr.
13760
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Uff daz gesidel wunneklich | Waz manig purper herlich | Gelaitt, als es der küng gebott, | Wis, gel, blaw, grün und rott.
Sudhoff, Paracelsus
10, 532, 31
(
1536
):
so wiß das der morbus auch besser ist, voraus so schwerze und blaue nit mit liefen.
Lauater. Gespaͤnste
33r, 27
(
Zürich
1578
):
Zů letst hat diser pfarrer ein blaw tůch mit guldinen sternen vß der kilchen genom̄en.
Mollay, H. Kottanerin
11, 11
(
moobd.
,
1439
/
40
):
oben auf der kisten lag ain plaber, samedeiner polster.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
251, 7
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Aglon ain straussen gulden | in plabem schilt fuert.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
465, 33
(
oobd.
,
1349
/
50
):
der [lazûrstain] ist himelvar, wan er ist plâ mit goltvarben sprekeln.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
11, 108
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Zwen herbstmon bringent wein und prot | für durst und hungers not, | hais zeit was rot, die stet saphirlich plau.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
80
, 22c (
mslow. inseldt.
,
1616
):
Ein gürtl mit einem blauen Porten.
Fastnachtsp.
376, 22
;
634, 13
;
729, 13
;
729, 22
;
729, 31
;
730, 19
;
774, 9
;
776, 2
;
793, 15
;
Vetter, Pred. Taulers
18, 25
;
379, 18
;
Thiele, Minner. II,
6, 32
;
7, 80
;
Koller, Ref. Siegmunds
288, 4
;
340, 10
;
Klein, Oswald
42, 39
;
53, 11
;
101, 4
;
102, 94
;
Deinhardt, Ross Artzney
240
;
287
;
Mollay, Ofner Stadtr.
423, 45
;
423, 47
;
Rechn. Kronstadt
3, 310, 28
;
315, 33
;
373, 19
;
428, 12
;
Voc. inc. teut. c
viijr
;
Schmitt, Ordo rerum
463, 10
;
Dasypodius
298r
;
Serranus
39r
;
Maaler
71r
;
Hulsius
B iijr
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 24
;
Hyrtl, Anatomie.
1884, 22
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 16
;
Weber, Oswald.
1847, 401
;
Dietz, Wb. Luther
1, 313
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 637
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
41
;
Schwäb. Wb.
1, 1180
;
6, 1662
;
Schweiz. Id.
5, 240
;
Öst. Wb.
3, 319
f.
2.
›blutunterlaufen, blau (wie nach Schlägen auf den menschlichen Körper)‹.
Phraseme:
jn. braun und blau schlagen
.
Syntagmen:
ein blauer arm / flecken / leib / mund, ein blaues mal
.

Belegblock:

Buch Weinsb.
5, 63, 24
(
rib.
,
1567
):
machten ir einen arm bla und blont.
Küther, UB Frauensee
412, 28
(
thür.
,
1540
):
streiche die blutig ader blau und doch nit thotlich sein.
Ermisch, Sächs. Bergr.
66, 17
(
osächs.
, Hs.
E. 15. Jh.
):
Ist er blaw geschlogenn, ßo vorbust er drei margk.
Behrend, Magd. Fragen
181, 17
(
omd.
,
um 1400
):
Wy wunden blut unde blaw kampwirdig werdin.
Hübner, Buch Daniel
4234
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Blawe mal sich cloben | Über al an siner hut.
Leman, Kulm. Recht
2, 3, 21
(
Thorn
1584
):
Wurde eyn man myt steben geslagen [...] vnd ouch dy slege brun oder bla weren vnd vfgehaben.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 370, 4
(
Nürnb.
1631
):
Verspott, verspeyt, mit Backenstreich, | Geschlagen schwartz, braun, blaw vnd weich, | Dein zarter Leib mit Ruthen scharpff.
Roloff, Brant. Tsp.
1070
(
Straßb.
1554
):
Vil bloger kriechen hab ich doran gesehen.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
4908
(
schwäb.
,
1453
):
Ir mangem wurden flecken blaw | Uff siner nasen.
Chron. Augsb.
7, 210, 23
(
schwäb.
, zu
1550
):
Obgenannter Hürnhaim hat auch des Jacob Meuttings weib bei dem har die stiegen hinab geworfen, daß sie an der ainen seiten alle plau gewesen.
Thiele, Minner. II,
14, 212
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
din bart und och din falwes här | die beyde werdent dir griß und grä | din roter múnd wirt dir blä.
Klein, Oswald
105, 61
(
oobd.
,
1431
/
2
):
Von slegen ward der Steren blaw.
Unger, Richtes Stig
76, 11
(o. O.
1474
):
Sprichstu des wort, dem swartz, brawn ader pla geschlagen ist, ader suenst durch die hawt gekratzt ist.
3.
›dunkel, unklar, ungewiß‹; ütr. zu 1.

Belegblock:

Buch Weinsb.
2, 276, 20
(
rib.
,
1574
):
der licentiat Petrus Rindorf [...] machte ein bla ursach, ob ich Wilhelmo schriben wolt.
Ebd.
366, 29
(
rib.
,
1577
):
das weis man dan mit einer blauwer ursachen oder ander farben uiszustrichen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 399, 2
(
Hagenau
1534
):
Das blawe das vor dem donner herlaufft / das ist nichts gůts / sonder alles unglück.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
235v, 3
(
md.
/
oobd.
,
1446
/
8
):
ist ein wetage des lebes vnd / neht sich czu dem plaüen, ab wol / dy melancolia sey swarcz.
Rwb
2, 361
.
4.
phras.:
blauer dunst, blaue enten
›Nebelhaftes, Nichtiges, lügenhafte Vorspiegelung‹; ütr. zu 3.
Zu phraselogischen Verbindungen mit
blau
vgl. Wanzeck, Etym. lexikalisierter Farbwortverbindungen
130
 ff.

Belegblock:

Spanier, Murner. Schelmenz.
1, 1
(
Frankf.
1512
):
Von blouwen enten predigen.
Schade, Sat. u. Pasqu.
1, 11, 144
(o. O. o. J.):
Es seint fürwar nit blaue enten, | Es ist der ernst und warheit gar.
Ebd.
2, 244, 1772
(
nobd.
,
1524
):
Die hand gethon auch wenig feiren, | Biß sie uns hand mit irn commenten | Vom bronnen gfuͤrt zů bloen enten.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
231, 1
(
Nürnb.
1548
):
diß alles ist / wie ein blawer tunst fuͤr den augen / der dich betriegen [...] wirdt.
Chron. baier. Städte. Regensb.
218, 33
(
noobd.
,
1552
):
Man saget von dem grösten zauberer, man khundt in nit verwunden [...] es was alles nuer plau enttn.
Sachs
15, 514, 32
(
Nürnb.
1562
):
Der offt keins warhafft war zumal, | Sonder gricht mit abenthewr und kunst | Dem volck gemachet ein blober dunst.