bieder,
bider,
Adj.;
zu
mhd.
biderbe
›tüchtig, brav, bieder, angesehen‹
(), so noch in Texten im älteren Frnhd., durch Betonung auf der ersten Silbe verkürzt zu
bieder
(
Pfeifer, Etym. Wb. d. Dt.
1993, 132
).
›brav, rechtschaffen, tüchtig, ehrbar‹.
Syntagmen:
ein b. bischof / man / ritter / vater, eine b. ehefrau / frau, ein b. weib
.

Belegblock:

Dat nuwe Boych (
rib.
,
1396
):
do der man do genomen was, Do oeuervielen sij die birve lude van dem wullenampte.
So wer byrue were, den sculde man vur berue halden.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
2137
(
rib.
,
1444
):
Ich bin de schone ungeminde, | De godertieren, sere untsiende, | De birve sunder prijs, | Ind de unbehegelijche, hoefsch ind wijs.
Ebd.
5200
:
Id en is geyn staff wale geneme | Eyme birven manne, so wanne he queme.
Loesch, Kölner Zunfturk.
1, 94, 16
(
rib.
,
1327
):
Want vur uns komen sint die beirve lude die gurdilslegere, die binnen Kolne wonent.
Ebd.
1, 190, 39
(
rib.
,
1293
):
Hieover, da dis brif gescriven wart, warin dise berve lude: her Herman Stillegin. her Simon Hircelin.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
Disser keiser Otto vurß hadde ein geil unkuisch wif, die gesan einen mechtigen greven an leifden ind boilschaf, dat he ir dicke weigerde, umb dat he ein eirbair birve eefrauwe hatte.
Redlich, Jül.-Berg. Kirchenp. 
1, 33, 2
(
rib.
,
um 1460
):
Arnt Smaell, der seittet mit sinre neisten nichten ind haven sess of echt kinder; ind hee hait sine birwe elige huisfrauwe van sich gegait.
Schöpper (
Dortm.
1550
):
Frumm tugendsam erbar ersam tugendreich bider redlich billich gerecht vnschuͤldig auffrichtig.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
, zu
1349
):
Want wen man hatte gehalden in sime contract unde in siner kuntschaft vur einen erbern birben man, der machte sich selber zu eime schalke.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. (
mosfrk.
,
1357
):
und halden wir sie dar vor birve bescheiden lude und wollen auch, daz menlich sie darvor habe und halde.
Chron. Mainz (
rhfrk.
,
15. Jh.
):
daz daz antwerk oder die zunft, ußer der er gewessen ist, ein ander biderwerben man an sin stad bin eime mande kisen mogen.
so […] habent macht die nun und zwenzig, die in dem rade gewessen sint, einen biderwerben ersamen bescheiden man zu kisen.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
127, 10
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Da sach die konnigynne vmb sich / vnd ersach eynen fromen byderben ritter.
Ebd.
171, 17
:
Edeler konning nement uwer husfrouwe widder / wan als wyt das ganz lant ist / so findet man kein schoner biderbe frouwe / dann sie ist.
Karnein, Salm. u. Morolf
190, 11
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Da von so sol ein iglich bider man | sin frouwe selber hutten lan.
Froning, Alsf. Passionssp. 
7373
(
ohess.
,
1501ff.
):
Saget mer, ir herren, was ist uch gescheen | ader was hot ir gesehen, | das er an der wachte nicht sijt bidder, | das man alßo uch slehet nidder?
Küther, UB Frauensee
230, 24
(
thür.
,
1456
):
were iß himite nicht genugk, czo wuldin wir ein sulchis […] bewere wi wir von biddir lutin geheizin adder gelort wuͤrdin.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
19, 39
(
thür.
,
1474
):
Des hat Bartel Rysener müßen vorbrengen bedderbe lute, dy syne geburt ußgesagit habin, unde dy bederbin lute, dy er vorbracht hat, daz recht gebotin habin zcu thunde.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
12, 8
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
di lute sint do in gewerre und in kyve gar vorsichtik unde bederbe in den wopin.
Ermisch, Sächs. Bergr. (
osächs.
, Hs.
1482
):
zo zal der nuwe bergmeister und dy nuwen burger dy sollen denne daz entscheyden noch kuntschaft der bederben lute.
Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
unde sullen ouch kisen zwene biderbe man uz der stat, di ouch bi den burgeren sitcen darubir.
unde sullen denselben man oder wip damite brengen in di hafte unde sullen den valsch antwerten einem biderben manne, der gemeine si.
Ist ouch der wirt also biderbe, daz he sich wert der unrechter gewalt in sinem huse oder hilfet sime ingesinde.
Palm, Veter Buoch (
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
Die bosen vielen in sunde vnbenoetet vnd wurden erslagen; die biderben versmaheten sie aber vnd rachen die sunde.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
56, 45
(
schles.
,
v. 1361
):
das warth do bericht gutlich, wissintlich Rittir vnde knechtin vnde vil bedirbin luͤtin.
Ebd.
156, 24
(
schles.
,
1366
):
Do sint byͤ gewest dy vromen luͤte: Herman deynhart, Johes perske […] vnd anderr vyle byderbin luͤte.
Gerhard, Hist. alde e
1457
(
omd.
,
um 1340
):
Gedeon der bederbe, | Menlich behilt sin erbe.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
28, 33
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Schonten wir nicht der biderben frauen, von den unbiderben kunden wir vil mer singen und sagen.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 26, 11
(
md.
, Hs. 
v. M. 14. Jh.
):
sol er nicht geniezen, | der biderbe, siner werden tat, sus möcht in verdriezen, | swenn sich sin mut, sin lib, sin ger zu hohen tugenden pinet.
Helbig, Qu. Wirtsch.
1, 55, 18
(
md.
,
1415
):
sij haben sich alle vorwillkorit, daz sij wollen kysen tzwene bidderbe manne, dij sullen sweren zu den heiligen, daz sij wollen czeichen laken.
Ebd.
1, 111, 26
(
md.
,
1308
):
Wen man dis gelubdes vnde dis gesetzis mit zwen biderbin mannen oder mit drin, den man gelovben mac vnde uberzvgen mac, der sal gebin daz gelubde, daz dar vf gesatz ist.
Ebd.
2, 174, 35
(
md.
,
1410
):
so mochte de kleger twene unvorlechte bederve man, de den frede gesworen hebben, to om nemen.
Gille u. a., M. Beheim
445, 77
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
darumb so tar schir nirn kain biderb man | uber den nechsten aker gan.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
143, 14
(
Nürnb.
1548
):
vnd sich / wie ein from̄ bider weyb soll mit haußhalten / vnd anderm / recht vnd geschicklich helt / Da kan ein Mann kein groͤsser leid geschehen / denn so sie in kranckheyt felt / oder gar stirbet.
Sachs (
Nürnb.
1557
):
Mich dünckt, weib, du seyst nit fast bider, | Sonder du henckest an dem pfaffen; | Du hast ie vil mit im zu schaffen.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Den Menschen auch Herodes sah, | Vnd achtet jhn für bider.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
284, 15
(
els.
,
1362
):
Sin biderber vatter frowete sich daz sin wort an ime erfullet was.
Ebd.
584, 7
:
Es was in Cylicia ein man Theophilus genant, der was so biderbe vnd so wise das der bischof des landes in hette pfleger gemachet.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
donoch stůnd uf bischof Kůnrat von Tullienst oder Tole, der waz genant der biderbe, von barfůßen orden.
do trat ouch manig bider man in die geischelfart in sinre einvaltigen wise, der nüt den valsche erkante der dinne verborgen lag.
Ebd. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
er satte ouch uf, […] das men nieman solte zů priester oder ewangelier wihen, er were denne biderbe und gelert.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
so tůt er rehte also ein gůt biderbe husman.
Ebd. (
els.
,
1359
):
keme denne ein erber biderber worhaftiger man und spreche.
Roloff, Brant. Tsp. 
1937
(
Straßb.
1554
):
Wie moͤgen ir leiden lieber Herr | Das der bůb also redt an mein ehr | So ich doch bin ein biders weib | Und ye khein mann beruͤrt mein leib.
Ebd.
2087
:
Darzů so mag ein fromm biders weib | Mit ehren wol zieren iren leib | Damit sie gefall irem Ehman.
Morrall, Mandev. Reiseb.
66, 5
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
dar nach nam sie zů ainem elichen wib Salomon, Naason sun, und ward byderb und frum und dienet unserm herren.
Ebd.
85, 8
:
Und fúr die warhait kain byder mensch solt wonen in dem land, wann daz land ist ze nicht gůt.
Pfaff, Tristrant (
Augsb.
1498
):
Doch bedacht sy sich bald anderst, und sprach: ,Ir gedunckent mich so bider, wenn ir mein landsmann und genoß werent und meinen freünden gefellig‘.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
der [herr] ließ mich gen schuel gan in die Reisnitz und dinget mich in die kost zu ainem biderben man.
Geier, Stadtr. Überl. (
nalem.
,
1378
):
das denn ir einer einen andern biderben man setzen mag an sein stat.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1299
):
Dirre brief wart gegeben ze Inderlappen […] vor biderben luten gnůgen.
Dierauer, Chron. Zürich (
halem.
,
1415
/
20
):
herren, ritter ald ander biderb lúte.
Rennefahrt, Statut. Saanen (
halem.
,
1454
):
also von wunderlicher underwisung, so die priester mit biderben lutten an iren todbetten machend.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
wart von biderben lúten vil gelts an die cappellen ufgenomen.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Ecuba die kaiserin | Was nüwlich an die zinnen getretten. | Ir kind biderb und usser jetten | Begunde si an der farwe sechen.
Dar umb mag ain bider man | Gern der weltt lobe han.
Pfeiffer-Belli, Murner im Glaubensk.
1, 9, 9
(
Luzern
1526
):
das man die frummen biderben mann […] also mit der vnworheit sol yß hippenbůben und schelten.
Ebd.
3, 53, 18
(
Luzern
1528
):
sy stelen vnnd rauben, brennen frommen biderben lüten vnd den kirchen das ir wider alle gerechtigkeit.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen (
halem.
,
1533
):
das nun hinfür jetlicher vogt und amptman in siner vogty und ampt die biderben lüt […] selbs versechen […] söllen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
287, 17
(
halem.
,
1534
/
5
):
wann jr biderben fromenn lüt jn jrn aͤmptern des rechten grunds und warheytt bericht.
Lauater. Gespaͤnste
21r, 4
(
Zürich
1578
):
Etwan habend ouch dieben vnder disem schyn jr sach gemachet / by nacht vnd näbel biderben lüten das jren vßtragen.
Hör, Urk. St. Veit
21, 28
(
moobd.
,
1301
):
So sint diser rede gezivge: […] Vlrich der Strachener, Vlrich von Imperndorf vnd ander piderb lavte.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1328
):
Ist awer daz sih ewer aines seins guͤtz hilt und versweigt […] und dem maister oder einem andern piderm mann nah dez maisters rat niht chunt tůt.
Niewöhner, Teichner
187, 9
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
dem geleicht ein tumer man | der ein pider weib hat.
McClean, Havich
2962
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
dy fraw viel chreuczling nider | gegen dem sarich pider | und rüft sand Stephan an.
Hör, Urk. St. Veit
195, 12
(
moobd.
,
1421
):
Der gepet vmb das insigel sind zewgen: […] Ekchart Schreiber, Hanns Halbinger vnd ander pider lauͤt genuͤg.
Weber, Füetrer. Poyt.
346, 3
(
moobd.
,
1478
/
84
):
do macht auch der piderbe | ain samlung gros von frawen klar vnd licht.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
423, 5
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Ich main Hector, den rainen und bederben.
Meisen u. a., J. Eck
49, 6
(
Ingolst.
1526
):
Mein bruder münch, man hat zů Baden wol gehört, mang bider hertzhafftiger mann.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
Wan zween landmanen oder auch ander frumb biter leit mit einander umb erbrig handlung zu krieg kämen.
Guth, Gr. Alex. (Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
die wilden dracken, | Die mit ir posen acken | Vergiften mangen pider man.
Gereke, Seifrits Alex.
114
(
oobd.
, Hs.
1466
):
du redest nit als ain pider man | sunder als ein vorichtiger zag.
Ebd.
427
:
chunig Philipp der pider | wann der zu lanndt chumbt wider.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Pei der turteltauben verstên ich ain rain pider weip.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
O Teichner, piderber Hainreich, | Dein leben waz rain und guet.
Die piderben helt die vielen ab, | Und traten zu dem hawffen.
Loesch, a. a. O.
1, 62, 41
; ;
Große, Schwabensp. ;
Kurz, Waldis. Esopus ; ;
Anderson u. a., Flugschrr.
19, 10, 21
;
Bindewald, a. a. O.
48, 34
;
Thiele, Minner. II,
31, 632
;
Reissenberger, Väterb. ;
Hübner, Buch Daniel ;
Morrall, a. a. O.
85, 14
;
Roder, Hugs Vill. Chron. ;
Graf-Fuchs, a. a. O. ;
Koppitz, a. a. O. ;
Schib, H. Stockar
102, 3
;
Hör, a. a. O.
64, 18
;
Niewöhner, a. a. O.
242, 36
;
Herzog, Landsh. UB
522, 3
;
Winter, Nöst. Weist. ;
Primisser, a. a. O. ; ;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 23
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 117
;
Dietz, Wb. Luther ;
Henne, Hochspr.
1966, 47, 76
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 325
;
Schmitt, Ordo rerum
486, 2
;
493, 3
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 595
;
Shess. Wb.
1, 827
;
Bad. Wb.
1, 223
;