betagen,
(vereinzelt:)
betegen,
V.
1.
›seine Tage verbringen, zubringen; alt werden‹; in 1 Beleg: ›jn. alt machen‹.

Belegblock:

Luther, WA
24, 155, 18
(
1527
):
So haben die lieben veter unternander gelebt, alte betagte leute.
Kurz, Waldis. Esopus
2, 55, 23
(
Frankf.
1557
):
Weil niemandt, den die Jar betagen, | Des Alters vnlust kan abtragen.
Ebd.
4, 6, 63
:
die weiß, darin man betagt, | Verleßt man nit, wie der Poet sagt.
Ebd.
84, 71
:
Wer in vnwissenheit betagt, | Von jugent auff nach Gott nit fragt.
Ebd.
93, 37
:
[welch] Dazu in boßheit gar betagen, | Da hilfft kein singen oder sagen.
Niewöhner, Teichner
44, 18
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
Es schadet min | der mit eren wirt erslagen | denn mit schanden hie betagen.
2.
›bis zum Anbruch des Tages bleiben, eine Zeitlang verweilen‹;
betaget sein
›vom Tag überrascht werden‹.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp.
7410
(
ohess.
,
1501ff.
):
zwore sie mußen betagen!
Quint, Md. Karl u. Eleg.
856
(Hs. ˹
thür.
,
n. 1455
˺):
Nů wart ich nye vorczaget; | Wir czwene sint hye betaget. | Sicz vff din roß vnd ich vff min!
Schweiz. Id.
12, 1082
.
3.
›eintreten, herankommen (von der Zeit); so weit kommen, daß [...]‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
208
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
daz zie [irwelten] nicht vorzageten | Swen die tage betageten.
Niewöhner, Teichner
540, 35
(Hs. ˹
nobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
ez werd noch dar zu betagent | daz die man auch sloyr tragent.
Gierach, Märterb.
7705
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
do dye czeit betagt.
Helm, a. a. O.
19100
.
4.
›jn. bescheinen (von der Sonne gesagt)‹.

Belegblock:

Adrian, Saelden Hort
7344
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
die schónsten magt, | so minneclich als ie betagt | dekain von der sunne wart.
Ebd.
1166
.
5.
›etw. anberaumen, festsetzen‹.
Syntagmen:
die friedenshandlung / hochzeit / zent b
.

Belegblock:

Rwb
2, 209
(
16. Jh.
);
Vilmar
409
.
6.
›jn. vorladen, jm. zu erscheinen gebieten‹; als Synekdoche: ›jn. anklagen‹; auch: ›jn. wohin schicken‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 7,  10, (V.) 2, ,
2
 4.
Wortbildungen:
betagesbrief
›Dokument mit einer Vorladung‹,
betagung
›Vorladung‹, mit Tendenz zu ›zu behandelnder Gegenstand‹ sowie ›Tagung‹ (in letzterem Falle auch an 8 anschließbar).

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 43, 22
(
nrddt.
,
1565
/
6
):
Der Churfürst hertzog Moritz betagte sie auch oftmals wider hinaus, aber man schickte von ihne allewege zwei oder drei und nicht mehr hinaus, die kamen dan mit einer andern bedagungk wider.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
4, 77, 10
(
hess.
,
1534
):
welcher der secten der widertauf ist und im vorgannen sommer derhalben uf E. F. G. cancelei zu Cassel betaget worden.
Opel, Spittendorf
402, 15
(
osächs.
,
um 1480
):
Ein jederman hilde sich nach seinem betagesbrieffe.
Küther, UB Frauensee
391, 36
(
thür.
,
1530
):
Michel Flach vogt zum closter Sehe erscheint in crafft disser furstlichen betagung.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
307, 26
(
nobd.
,
1416
):
das man in dorumb nicht mer schreyben noch betagen wolt.
Chron. Nürnb.
2, 525, 10
(
nobd.
,
um 1450
):
wie man es zu Nuremberg mit betagung, schaczung, costung [...] halt.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
399, 15
(
nobd.
,
n. 1525
):
wann mich ir furstlich gnad betage, mich zu stellen.
Gagliardi, Dok. Waldmann
1, 265, 7
(
halem.
,
1485
):
das diser knecht Hanns [...] eins vermeinten frävels halb betaget werde.
Ebd.
2, 184, 5
(
1490
):
und das gegen ettlichen sundern personen getaͧn, die darumb betaget sind.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 371, 4
(
halem.
,
1508
/
16
):
Daruf bed partien gen Regenspurg betaget wurdent.
Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 514, 27
(
moobd.
,
1468
):
die sol man betaͤgen fuͤr iren herrn.
Turmair
5, 581, 23
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Ob in aber der benant marggraf Albrecht nit als ainen ledigen fürsten darzue komen wolt lassen und betägn, das er in dan gefangen dahin antwortet.
Buch Weinsb.
1, 271, 4
;
Kurz, Waldis. Esopus
4, 56, 17
;
Opel, a. a. O.
402, 18
;
404, 20
;
Qu. Schweiz. Gesch.
1, 146, 22
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
241, 21
;
Chron. Augsb.
2, 310, 21
;
Henisch
337
;
Rwb
2, 208
;
210
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 274;
Schwäb. Wb.
1, 945
f.;
Schweiz. Id.
12, 1080
;
Öst. Wb.
4, 462
f.
7.
›jn. frei lassen‹.
Bedeutungsverwandte:
.
Gegensätze:
 4,  2.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
5, 227, 35
(
preuß.
,
1467
):
sie wellen sie aber durch seiner unde wnsir bete wille gerne betagen.
Chron. Nürnb.
2, 166, 2
(
nobd.
,
1449
/
50
):
auch sullen alle gefangen auf baiden tailen inner eins monatz, des nechsten nach dato diß briefs, ungeverlich betagt werden.
Chron. Augsb.
3, 288, 12
(
schwäb.
,
1461
):
ob auch iemant in sollichen kriegen gefangen wäre, der sol bis auf den genanten sant Gregorien tag betagt werden.
Rwb
2, 209
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 274.
8.
›mit jm. zusammentreffen, sich versammeln; sich mit jm. beraten‹.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged.
187, 76
(
1638
):
das damals zwar nicht nein zu unsrer Sachen sagte, | doch, daß es sich mit uns hierüber mehr betagte.
Gerhard, Hist. alde e
2041
(
omd.
,
um 1340
):
David unverseret sach | Saul mit mannen sin betagen | In Nabaioth wissagen.
Chron. Augsb.
1, 191, 29
(
schwäb.
,
1394
):
der Aunsorg und die andern, do sie sich betagten.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 152, 11
(
schwäb.
,
1484
):
ain yedlicher burger [...] mag sich der ersten clag wol betagen gegen ainem andern, vor dem richter oder dem gericht, aber die göst gegen ainander nit.
Rwb
2, 209
;
Öst. Wb.
4, 462
.
9.
›jn. / etw. werden lassen, jn. gebären; etw. schaffen‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
14583
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz man mit lugen varen | Truget under den waren, | Als nu die werlt ist betaget.
Kochendörffer, Tilo v. Kulm
1912
(
preuß.
,
1331
):
Wolden si [Juden] gelouben nicht | Das Got von der reinen mait | Were in di werld betait.
Ebd.
1749
:
Do von bin ich ein betait | Beide muter unde mait.
Niewöhner, Teichner
464, 24
(Hs. ˹
moobd.
,
1370
/
80
˺):
unser fraw, die rain magt | sey aͮn alle sünd betagt.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
184, 7
(
moobd.
,
1473
/
8
):
von all weiplichen menschen | auf erd nie ward so schöne frucht betaget.
Gierach, Märterb.
58
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
nie mensche wart betait | der ïr [Gottes güte] mochte ze ende chommen.
Kochendörffer, a. a. O.
6270
;
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich
549, 4
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
45, 2
.
10.
›in Erscheinung treten, ans Licht kommen, klar werden (von Sachen); auftreten, erscheinen (von Personen)‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
4562
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Die Jhesum dinen schepfer dort | In der alden e vor sageten, | Und sider do wir betageten, | Die predigere predigeten.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
6338
(
omd.
,
1338
):
Di durch ir sunde sam eyn synder | Verwurfen worde und ir slayn, | So daz sy nymmerme betayn.
Koppitz, Trojanerkr.
17391
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
War umbe ist üch daz betagtt | Daz ir mir, held, wider sagtt | Hand gehaissen.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 43, 13
(
nobd.
, Hs.
3. V. 15. Jh.
):
Min lob vil manigem hat betaget, | gelachet als ein zarter maget.
Ebd.
16
:
sins wesens jagen, | daz muz betagen.
Matthaei, Minner. I,
10, 328
(Hs.
15. Jh.
):
so wil ich yllens gan | der kungin Venus sagen | was dich dutt her betagen.
Helm, a. a. O.
16256
;
Karsten, a. a. O.
13860
;
Kurz, Murner. Luth. Narr
3503
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
35, 36
.
11.
›jm. zuteil werden (in der Regel von positiv bewerteten Ereignissen); jm. widerfahren (von negativ Bewertetem)‹.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel
1195
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
die vor besanten | Alumme so hin ranten, | Nach dem daz en betagit | Was.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
191
(
mrhein.
,
um 1335
):
Ein selig dag hat vns bedaget.
Koppitz, Trojanerkr.
12046
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Won wurde dem faigen daz betagtt | Daz er sy baide sin strausse | Brechte, daz wer unmasse.
Ebd.
21512
:
Dem werden ritter unverzagtt | Waz vor unfüge nie betagtt.
Henisch
337
(
Augsb.
1616
):
Wenn das Kind geboren ist / so ist jhm die Tauff betaget.
Primisser, Suchenwirt
41, 218
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Der selden tag ist dir betagt.
Munz, Füetrer. Persibein
86, 3
(
moobd.
,
1478
/
84
):
ob mir petagt das haile, | gerecht vnd stäte mynn.
Euling, Kl. mhd. Erz.
889, 7
;
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich
644, 4
;
Primisser, a. a. O.
26, 54
;
Munz, a. a. O.
82, 6
;
Weber, Füetrer. Poyt.
138, 6
;
Öst. Wb.
4, 462
.
12.
›etw. offenbaren, mitteilen, zeigen, beweisen, offen legen‹.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
die güte / sache, den krieg
)
b., jm. b., was [...] / wo [...]
;
jn. e. S
. (Gen., z. B.
des geschlechtes
)
b
.

Belegblock:

Michels, Murner. Badenf.
6, 5
(
Straßb.
1514
):
Alß got sin güte wolt bedagen | Vnd von siner gnoden sagen, | Sagt er von eim verlornen kind.
Kurz, Murner. Luth. Narr
281
(
Straßb.
1522
):
Jch wil dir es sunst in früntschafft sagen, | On alles beschweren selbs betagen.
Kurz, a. a. O.
3731
;
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 62, 33
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
36
.
13.
›etw. herausgeben, gerichtlich ausfolgen lassen‹.

Belegblock:

Kohler u. a., Peinl. GO Karls V.
213, 8
(o. O.
1532
):
Wa aber ymandt die gemellten habe, [...], Vor kundtlicher erfindunge gemellts vnrechten herkomens, vnnd wem die zustunde, auffzubürgen vnnd zu bethagen begert.