betören,
V.;
reimbedingt im Part. Prät. vereinzelt unr.
1.
›jn. zum Narren, Toren machen; jn. übertölpeln, überlisten, betrügen‹; offen zu 2 und 3.
Wortbildungen:
betörlen
1,
betörler
.

Belegblock:

Schöpper
16b
(
Dortm.
1550
):
Fallere. Betriegen verforteiln geferden einfuͤren teuschen vberkluͤgen bescheissen hintergehen bethoͤren hinterkommen vbers seyl werffen schrencken feinantzen das huͤtlin vffsetzen beruͤcken jns stuͤblin fuͤren mit den Judenspieß nieder rennen.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
4871
(
omd.
,
1338
):
Uch selber ouch nicht betoret | Und min strafen ebne horet!
Pyritz, Minneburg
3904
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Nu hat die selb [juncfrawe] gar betoͤrt | Disen jungen ritter gut.
Voc. Teut.-Lat.
ii vijv
(
Nürnb.
1482
):
verspotten bespotten belachen. bedorn.
Bobertag, Eulensp.
94, 25
(
Straßb.
1515
):
dz in wol lüstet ein man anzesehen der in betriegen solt, vnd in in seiner clůgheit bedoren.
Maaler
64v
(
Zürich
1561
):
Betoͤren / Zum narren machen. Infatuare. Mit worten Bethoͤren. Verba dare. Einen betriegen / überlisten vnd Betoͤrlen. [...]. Betoͤrler (der). Haͤler worten Glatt mit worten. Pellax.
Henisch
344
(
Augsb.
1616
):
Er hat niemand mehr so bethoͤren koͤnnen / das er jhm einen pfennig gelihen hette.
Niewöhner, Teichner
357, 180
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
dw habent sich da mit betoren | und gent selb in hell swaͤr.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
11, 142
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
der haiden, juden, ketzer list | ist gar betört zu aller frist, | seind aller zaichen in geprist, | die uns oft lerent die genist | durch Jesum.
Klein, Oswald
2, 46
(
oobd.
,
1421
):
wie si di barschafft von mir drung; | si tüt mich vil betoren.
Froning, Alsf. Passionssp.
4814
;
4944
;
Sappler, H. Kaufringer
6, 290
;
Niewöhner, a. a. O.
396, 30
;
Schweiz. Id.
13, 1251
;
1255
.
Vgl. ferner s. v. ,  9,  1.
2.
›jn. verleiten, verführen, vom rechten Wege abbringen‹ (in den Belegen unter erotischen, religiösen, moralischen Aspekten als Verführung durch Frauen, den Teufel, Reichtum gesehen).
Bedeutungsverwandte:
.
Wortbildungen
betörer
(dazu bdv.: ; 1. H. 17. Jh.),
betörlen
2 (dazu bdv.: ; a. 1534/5);
betörung
1 (dazu bdv.:  2; a. 1538).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
4882
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz her sich nicht liez betoren | Den argen Leviathan.
Luther, WA
28, 530, 18
(
1529
):
wo er [Teufel] ein Regenten kan betoͤren, so thut er es nur gern.
Luther. Hl. Schrifft.
Sir. 19, 2
(
Wittenb.
1545
):
WEin vnd Weiber bethören
[
Froschauer
1530,
Eck
,
Dietenberger
1534:
machen abtrünnig
]
die Weisen.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
108, 6
(
osächs.
,
1523
/
4
):
hat sie [tochter] ein knecht betort, mit ir seinen willen gebabt.
Mayer, Folz. Meisterl.
56, 6
(
nobd.
,
um 1480
):
Dar ein die menscheit wart bedort | Durch Eva fal.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
79, 4
(
Nürnb.
1548
):
Da dagegen die sichern hertzen / sehr leychtlich vom Teuffel betoͤret werden.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 115, 6
(
Nürnb.
1631
):
Wem die Welt lehrt, der wird bethoͤrt, | Er wirdt verkehrt, vnd zletzt verstoͤrt.
Henisch
344
(
Augsb.
1616
):
Gab vnd verehrung bethoͤren auch die weisen. Gebrauch der welt vnd sehe dich vor / Das sie dich nit einmal bethor. Gelt vnd gut bethoͤret die leut. Wen das gluͤck zu wol helt, den bethoͤret es.
Luther, WA
28, 639, 16
;
37, 586, 22
;
Mayer, a. a. O.
75, 26
;
Kehrein, a. a. O.
2, 396, 72
;
Dietz, Wb. Luther
1, 286
;
Schweiz. Id.
13, 1252
;
1255
.
3.
›jn. in seinem Wahrnehmungs- und Urteilsvermögen blenden‹; als part. Adj.
betört
ansatzweise lexikalisiert, dann: ›verwirrt, verdutzt, von Sinnen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1.
Syntagmen:
liebe / schein / zauberei b
.,
das schreien jn. b., die kutte den leib b., jm. die sinne, das haupt b
.;
der sinne, an witze betört sein, durch etw
. (z. B.
durch eine gestalt
)
betört werden
.
Wortbildungen:
betörung
2.

Belegblock:

Luther, WA
28, 371, 2
(
1529
):
Da sind die besten Heiden und feinesten Philosophi betoͤret gewesen.
Froning, Alsf. Passionssp.
3980
(
ohess.
,
1501ff.
):
Syne zeubery uch beteret, | Pilate, her min, heret!
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
191, 12
(
wmd.
,
1634
):
Daphnis war von Lieb bethöret.
Gille u. a., M. Beheim
193, 3
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
[Ich wil] von den lotern lassen horn, | die dann petriegen und petorn, | czu prechen und vermeilet | [...] | den reichen, cheuschen magetum.
Hampe, Ged. v. Hausrat
2, 7, 11
(
Nürnb.
1544
):
Die lieb hat mich plent vnd pedört | Weil ich pedacht in meinem herzen | in der E wer nur schimpfen vnd scherzen.
Thiele, Minner. II,
10, 248
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
sie sind an wicz bedortt | die bulschafft thund versmahenn!
Barack, Zim. Chron.
1, 590, 14
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Wan ich was so btoren, | Das ich sie hett verloren.
Henisch
344
(
Augsb.
1616
):
Das dein sinn nicht bethoͤrt werde. [...]. Bethoͤrt / deprauatus, deceptus. Et demens [...]. Bethoͤrung / fatuitas, dementia, amentia.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
38, 61
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
vier sin betören | tet Jacob Ysaac zwar.
Klein, Oswald
10, 8
(
oobd.
,
um 1423
):
der sinn bin ich bedoret.
Ebd.
18, 56
(
1416
):
die wolt mein nie genaden ainer nussen vil, | bis das ain kutten meinen leib bedoret.
Ebd.
112, 265
:
so man in fragt auf seinen aid | das recht zu treffen klar gemait, | wie weis er ist, er wirt betört, | er hab der recht dann vil gehört.
Quint, Eckharts Pred.
2, 83, 6
;
Gille u. a., a. a. O.
53a, 20
;
29
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
690, 10
;
Schlosser, H. v. Sachsenh.
1276
;
2276
;
Sappler, H. Kaufringer
16, 28
;
Klein, a. a. O.
26, 97
;
30, 4
;
58, 16
;
Schwäb. Wb.
1, 955
.