besitzung,
die
;
-Ø/–
.
1.; 2.; 3.; 4.; 5.,
s.  146810.
6.
›Besitz von etw. als Rechtsverhältnis e. P. zu einer liegenden (meist) oder fahrenden Habe; Besitz als Verfügung über Rechte oder abstrakte Gegebenheiten (wie die Seligkeit); im Besitz e. P. befindliches Gut; Streben nach Besitz‹; Metonymieverhältnis der Varianten zueinander;
offen zu 7; vgl.  5.
Bedeutungsverwandte:
 1,
1
 1,
1
 1,  1, (
die
4, .
Syntagmen:
die b. erkunden / erlangen / haben
;
sich der b. entziehen
;
etw. in b. sein / stehen, etw. in b. haben / nemen, jn. in b. setzen, (jm.) etw. zu b. geben
;
b. des bodens / erbes / gutes / hauses / reiches, der habe / rente / seligkeit
;
alte / eigene / erbliche / ewige / volkommene / kirchliche / rechtliche / ruhige / stäte b
.;
begierde / titel der b
.;
ane nachteil der b
. (als Verwahrformel).
Wortbildungen:
besitzungsbrief
›Besitzurkunde‹ (a. 1535).

Belegblock:

Luther, WA
12, 587, 3
(
1522
):
dein besitzung sollen sein alle endt des erdbodems.
Ders. Hl. Schrifft. 1. Mos.
17, 8
(
Wittenb.
1545
):
ich wil [...] dir [...] geben [...] das gantze land Canaan / zu ewiger besitzung.
Quint, Eckharts Trakt.
223, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
als ob er allez guot hæte gehabet, daz ie wart, in ganzer besitzunge und des williclîchen wære ûzgegangen.
Ebd.
270, 13
:
sîne obersten krefte die hâten eine besitzunge und eine gebrûchunge êwiger sælicheit.
Köbler, Ref. Wormbs
55, 2
(
Worms
1499
):
Von forderung der besitzung und eigentschafft.
Behrend, Magd. Fragen
146, 14
(
omd.
,
um 1400
):
ab is
[Durchlaufrecht für Wasser]
yener mit der besiczunge iar unde tag unde vil mer besiczen [...] moge.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
70, 30
(
thür.
,
1474
):
hath denne der genante Adam sothene gutere [...] uff sogethanne besprochin beteyding in syne gewere unde besitczunge genomen.
Ebd.
123, 10
:
Nigkel Tuber, so er dy besitczunge sollicher guttere [...] irkunden unde zcubrengen magk.
Küther, UB Frauensee
318, 34
(
thür.
,
1513
):
dy schenckstadt mitsampt haus schurnn stallung garten, wy sy in besiczung stedt dem closter.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mk.
10, 22
(
osächs.
,
1343
):
her wart betrûbit in dem worte und gînc inwec grînende, wan her hatte vile besitzunge
[Luther
1545
:
güter
].
Bihlmeyer, Seuse
356, 9
(
alem.
,
14. Jh.
):
daz ist volkommú besitzunge der weslichen selikeit.
Vetter, Pred. Taulers
17, 12
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
dise genuͤgede [...] ensol nit lust darsetzen sunder hinfliessen und nút in eigener besitzunge das man út daruf raste mit genuͤgede oder mit lust.
Ebd.
256, 15
(
1359
):
So kumet die minne und beroͮbet den willen aller eigenschaft und besitzunge.
Ebd.
332, 5
:
alles das den grunt verunlútert hat in deheiner besitzunge, das ensi al ze mole us, und alles das der mensche mit lust ie besas willeklich in geist oder in nature, [...], das enwerde als gantz abgetilgget.
Schmidt, Rud. v. Biberach
155, 4
(
whalem.
,
1345
/
60
):
reiset den sin der geistlichen beruͤrde, ze enphindenne ewiger dingen hab vnd besitzzvnge.
Grundmann u. a., A. v. Roes
195, 29
(
alem.
,
15. Jh.
):
das sy [fúrsten] nit durch den geyt weltlicher eren und gewaltes ynen selbeß die reht und besitzungen des riches an sich zychent.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
509, 3
(
halem.
,
1416
):
und setzen si [...] in liplich besitzung und in vollen nutz mit kraft diß brieffes.
Ders., Staat/Kirche Bern
570, 13
(
halem.
,
1570
):
uns ane nachtheil siner besitzung biß an den thod, das eigenthůmb [...] zeübergeben.
Maaler
62v
(
Zürich
1561
):
Besitzung (die) Possessio. Rechte Besitzu͂g vnnd brauch / als eines gebeüws oder bodens. Possessio. Eines yeden Besitzung vnd eigengůt. Regnum. Besitzung die einem Fürsten heimfalt auß mangel deß erbens.
Luther, WA
21, 483, 28
;
Köbler, Ref. Nürnberg
310, 2
;
Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
74, 36
;
Küther, a. a. O.
198, 29
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
51, 31
;
Illing, Albert. Sup. miss.
524
;
Strauch, Schürebrand
16, 7
;
Köbler, Stattr. Fryburg
199, 14
;
Pfeiffer-Belli, Murner im Glaubensk.
1, 3, 49, 2
;
Rennefahrt, Statut. Saanen
181, 21
;
ders., Staat/Kirche Bern
569, 36
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
156, 25
;
227, 4
;
Niewöhner, Teichner
590, 103
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
46, 3
;
Maaler
407v
;
415r
;
Hulsius B iv;
Rwb
2, 150
f.;
Schweiz. Id.
7, 1781
.
Vgl. ferner s. v.
2
(
das
2.
7.
›auf einem Besitzverhältnis beruhende wirtschaftliche Nutzung von etw.; Verfügung über etw. (Fahrhabe)‹;
vgl.  9.
Bedeutungsverwandte:
,  1,  2, .

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
311, 8
(
thür.
,
1474
):
daz in syner besitczunge unde nutczunge zcu behalden.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
5, 8
(
halem.
,
1218
):
die [guͤtre] ein burger jar und tag in gewonlicher besitzunge hat.
Köbler, Stattr. Fryburg
67, 7
(
Basel
1520
):
Ein iärig besitzung in varendem / vnd zehen iaͤrig in ligendem gůt / gibt kuntschafft.
Rennefahrt, Statut. Saanen
180, 19
(
halem.
,
1555
):
das [...] wir von Bern unsern ober teil der grafschaft Gryers [...] in unsern gwalt, besitzung, beherschung und regierung nemmen.
Luther, WA
28, 575, 21
;
Küther, UB Frauensee
233, 3
;
Goerlitz u. a., Magd. Schöff./Schweidnitz
256, 11
;
Rwb
2, 150
.
8.
›Besessenheit (z. B. durch den Teufel); Erfaßtsein, Beherrschtwerden durch etw.‹;
vgl.  12.

Belegblock:

zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
183
(
Nürnb.
1517
):
Die ,teuflisch besitzung‘ ist ein zugefügte pein von got.
Strauch, Schürebrand
40, 29
Var. (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Hůtent úch durch got von aller eigenschaft und lont sú bi núte wurtzeln in uwerm hertzen in keiner besitzunge.
Vgl. ferner s. v. .