besitzen,
V., unr. abl.;
zum
part. Adj.
vgl. .
1.
›(auf einem Thron, Stuhl, auch: einem Tier) sitzen, (den Thron und die damit verbundene Würde) einnehmen, innehaben‹; allgemeiner: ›einen Platz (z. B. am Tische) haben, einnehmen‹; auch ütr. auf den Besitz moralischer und geschichtsideologischer Würdepositionen.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
den stul / tisch / tron, die stat, das ort
)
b
.
Wortbildungen:
besitzung
1 ›das Sitzen‹.

Belegblock:

Stackmann u. a., Frauenlob
5, 106, 11
(
md.
, Hs. 
v. M. 14. Jh.
):
e daz ein wib mit bernder we vrouwen stul besitze.
Froning, Alsf. Passionssp.
82
(
ohess.
,
1501ff.
):
der meyde son, | der do besiczet des hymmels thronn.
Ebd.
4909
:
das konde gott mentsch werden | und kommen uff disße erden | und Davidis stule besiczen!
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 707, 12
(
Nürnb.
1631
):
Den Regenbogn als Richters Thron, | Der hoͤchste Richter bsitzet.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
283, 14
(
els.
,
1362
):
Do kam fliegende ein ymbe binen vnd besossent dez kindes antlicz.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
7, 102, 9
(
Straßb.
1466
):
do er hette gesehen mardocheum sitzen vor den túrn dez pallastz wann vnd nit allein nit zesein aufgestanden gegen im wann ernstlich noch die bewegung von der stat seiner besitzung.
Dierauer, Chron. Zürich
183, 16
(
halem.
,
1415
/
20
):
do schied únser heiliger vater [...] von Costenz [...] gen Rom und besaz den stůle ze Rom.
Roloff, Brant. Tsp.
1025
(
Straßb.
1554
):
Das du [...] | [...] besitzen solst billich | Den stůl der Ehren.
Primisser, Suchenwirt
4, 152
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Da man der eren tisch wesaz.
Munz, Füetrer. Persibein
1, 7
;
Schweiz. Id.
7, 1775
.
2.
›als Reiter ein Pferd beherrschen; sich (z. B. beim Turnier) im Sattel halten; sich wo aufhalten; in bestimmten Verhältnissen sitzen; sich wo halten, standhalten‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
23217
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Nû wurden dî Karsouwin | an dem urloige schouwin, | daz sî mit keinen witzen | mochten dâ besitzen | noch den brûdren widirstân.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
14468
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Jen die die pfert besazen, | Die waren glich den unturen | Und trugen halsperge vuren.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 90, 64
(
Frankf.
1557
):
Vnd blieben wie die tollen Fritzen | Biß an den abent da besitzen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
21, 11
(
thür.
,
1474
):
er solle syne sweger, [...], in den guttern besitczin laßin.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 84, 27
(
schles.
,
1539
):
soll der aufnemer [...] im ambthaus zum wenigsten mit einem oder zween geschwornen besitzen und warten.
Henschel u. a., Heidin
497
(
nobd.
,
um 1300
):
Den heiden was gar leide | Daz der kristen was besezzen.
Drescher, Hartlieb. Caes.
290, 29
(
moobd.
,
1456
/
67
):
erschrack des raubers rosz so ser das ez auff seine knye viel und das er kawm besassz.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
262, 35
(
moobd.
,
1478
/
81
):
da rennt in hertzog Cristoff gantz frey an alle wider heb herab, und vnd besass hertzog Cristoff gantz frey.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 80, 6
;
Brandstetter, Wigoleis
203, 6
;
215, 28
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
39, 15
;
Schwäb. Wb.
6, 1625
.
3.
›jn. (einen Herrschaftsträger), etw. (ein Heer, eine Stadt o. ä.) belagern, militärisch einschließen; jn. bedrängen, jm. etw. (z. B. seinen Zorn) widerfahren lassen‹.
Bedeutungsverwandte:
 18, ,
1
 1,  8, .
Syntagmen:
jn.
(z. B.
den feind / könig, die Juden / Römer
)
/ etw.
(z. B.
das her, die burg / feste / stat, Jerusalem / Troja
)
b., etw. mit gewalt / hereskraft / macht b
.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
63a, 31
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
dar nach besaz konigh Karl de Romere vnde wan den strit in an.
Ebd.
212a, 17
:
der Ioden wart besetten in Ierusalem dre stůnt achtenzich tůsent.
Eggers, Psalter
44, 27
(
thür.
,
1378
):
daz gesamende der arkwilligen besassen mich.
Mayer, Folz. Meisterl.
41, 33
(
nobd.
,
v. 1496
):
Dor auff ich manchen singer hab besessen, | Das seines hoen rumes wart vergessen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
311, 23
(
els.
,
1362
):
Vespasianus [...] besas Jherusalem uf einen ostertag vnd besas gar uil iudesches folkes.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
4, 341, 7
(
Straßb.
1466
):
wann do sy hetten besessen
[
Luther
1545:
verkunschaften
]
die statt die vor was geheyssen lusa.
Koppitz, Trojanerkr.
16834
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
wol uff, helden unvermesen! | Troye ist aller erst besessen!
Adrian, Saelden Hort
6452
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
daz man mit kainen dingen | besitzent noch betwingen | si [burg] mag.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
3443
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Gott, der die welt fúnf tusent jar | Hie vor gar zornlich hat besessen.
Chron. Augsb.
1, 345, 3
(
schwäb.
,
1437
/
42
):
darumb beseßen | der vater [Priamus] in sinem kuͤngreich wart.
Primisser, Suchenwirt
1, 127
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Do er besaz ein grozzes her, | Und daz mit ritterleicher wer | Wolt gern han bestanden.
Chron. baier. Städte. Regensb.
14, 6
(
noobd.
,
1511
):
1145 besassen dy stat Regenspurg mit höreskrafft all fürsten von Bayren.
Leidinger, A. v. Regensb.
652, 16
(
oobd.
,
um 1430
):
1408, da ward herczog Johans in Nidern Bayren von den zu Lütich zu Mastricht besessen.
Geier, Stadtr. Überl.
144, 24
;
Koppitz, a. a. O.
5254
;
Bernoulli, Basler Chron.
5, 137, 7
;
Müller, Stadtr. Ravensb.
96, 1
;
Dreckmann, H. Mair. Troja
35, 21
;
Weber, Füetrer. Poyt.
83, 7
;
Schwäb. Wb.
1, 920
.
4.
›etw. (eine Gerichtsverhandlung) einberufen; (eine Versammlung, oft: eine Gerichtssitzung) halten, abhalten; (einem Gremium) angehören; (dem Gericht) vorsitzen‹; dies letztere mit Öffnung zu: ›(die Gerichtsbarkeit) innehaben, besitzen‹.
Phraseme:
al ürten besitzen
›auf allen Hochzeiten tanzen‹.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
den landfrieden / rat / send, die frage / gerechtigkeit / schranne, das ding / gericht / recht / teiding / urteil
)
b., das gericht mit eigner person b
.
Wortbildungen:
besitzer
1, a) ›j., der eine Gerichtssitzung abhält‹; b) ›Mitglied eines Gremiums‹,
besitzung
2 ›Abhaltung (des Gerichts)‹; als Metonymie: ›Gegenstand einer Gremiensitzung‹.

Belegblock:

Behrend, Magd. Fragen
29, 21
Var. (
omd.
,
15. Jh.
):
so hat her synen eyd gebrochen unde ist meyneydig geworden unde ist unwirdig me den rot czu besiczczende.
Buch Weinsb.
2, 313, 30
(
rib.
,
1575
):
den 6. nov. ist min broder Gotschalk als gesworner zu Mertinshoven dahin gezogen und das hoffgeding besessen, das man gewontlicher weis uff sontag vor Martini jarlichs pleicht zu besitzen.
Wyss, Limb. Chron.
100, 23
(
mfrk.
,
1. Dr. 15. Jh.
):
so das he uß der burg ginge, das gericht zu besitzen.
Koeniger, Sendgerichte
172, 32
(
rhfrk.
,
1488
):
Ich N. will myme hern dem dumprobst gehorsam sin, jars sin send helfen besitzen und zu rugen.
Ebd.
238, 26
(
mosfrk.
,
E. 17. Jh.
):
wehm von recht und gewohnheit zustehe den heiligen send in der statt Montabaur zu halten oder zu besitzen?
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 256, 11
(
omd.
,
1427
):
do wart gesatczt Kirstan Schoneweze und gemacht tzu scholtze, und Evert Engilswalt und Claus Hasse wurden im tzugefugt [...] tzu dingwarter und tzu besitzer.
Mayer, Folz. Meisterl.
52, 340
(
nobd.
,
um 1480
):
So er [Got] besiczt daz jungst gericht.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
95, 1
(
Bamb.
1507
):
Von besitzung vnd beleutung des entlichen gerichts.
Chron. Nürnb.
5, 796, 19
(
nobd.
,
1516
):
ein gericht, des besitzer die fünf herrn haissen.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V.
1, 8
(o. O.
1532
):
sollich peinlich gericht, [...], als Richter vnd vrtheiler selbst besitzen vnd darjnne handlen [...]. Wan aber etliche vom Adell vnd andere sollich gericht von altherkomen biss anher eigner person besessenn, Wollen wir, das dieselben hinfurter auch on ferrer weigerung besitzen.
Chron. Nürnb.
3, 366, 9
(
nobd.
,
1440
/
4
):
am freytag besaß unser herr der kunigk auf dem rathauß daß erste hoffgericht zwen stund vormittag.
Lemmer, Brant. Narrensch.
77, 87
(
Basel
1494
):
Wer all ürten besitzen wil | [...] | Der můß wol vff zů setzen han.
Spanier, Murner. Narrenb.
84, 64
(
Straßb.
1512
):
Das gott ein vrteil bsitzen wil.
Chron. Augsb.
3, 433, 7
(
schwäb.
,
1555
):
das [...] vil unehrliche und untüchtige personen den rath besitzen.
Turmair
1, 357, 22
(
Nürnb.
1541
):
daher auch die schrannen iren namen haben, da man das recht offentlich besitzt.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
179, 8
(
smoobd.
,
1570
):
das er dem pfarrer und seinen holden ir järliche stiftrecht besitzen und darumb des rechten fragen mug.
Winter, Nöst. Weist.
3, 660, 15
(
moobd.
,
1536
):
ob unsern richter nott saumet daß er der täding aienes nit besitzen mechte an den ehe genannden tägen ainem, so mag er daß aiens andern tags woll besitzen.
Ebd.
4, 2, 7
(
A. 16. Jh.
):
ich frag euch ob es huet an weil und zeit sei das ir ain schran pesitzen sollt als ir than pesetzt habt?
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
150, 39
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
alle die die solch freiheit hie, [...], geniessen, auch darinn gehören, sint die selbigen all dem besizer des panntäding die kostung und zöhrung schuldig zu bezallen.
Ebd.
151, 23
(
1573
):
die gerechtigkait [...], die man jarlich besizt und verlist in dem pandäding.
Ebd.
222, 2
(
1568
/
1603
):
die rechte frag soll man jährlich wie bißhero in der von Reichenburg ambtmanhauß besizen.
Mayer, a. a. O.
5, 74
;
Chron. Augsb.
1, 101, 19
;
3, 82, 1
;
Siegel, a. a. O.
10, 12
;
32, 32
;
Rwb
2, 145
;
149
;
Schweiz. Id.
7, 1776
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
35
.
5.
›(selten:) jn. (z. B. einen Freund) / (in der Regel:) etw. (Bezugsgrößen sehr unterschiedlicher Art, Ungegenständliches wie Gegenständliches, oft liegendes, seltener bewegliches Gut) mit rechtlichem Anspruch, aufgrund pragmatischer Verhältnisse, aufgrund moralischer und religiöser Normen besitzen, innehaben und darüber verfügen‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 2,  1, (V.) 3.
Syntagmen:
jn
. (z. B.
einen freund
)
/ etw
. (z. B.
ere / geduld / gemach / lob / tugend, silber / gold, den acker / himmel / hof / schank / wald / zol, js. schirm, eine gewere / kirche / pfründe / stat, die erde / creatur / freude / warheit, das erbe / feld / fürstentum / gut / haus / land / lehen / reich / ewige leben / wesen
)
b., etw. ane ansprache / hindernis, mit gutem titel, in ganzem gewalte, mit eigenschaft b., etw. frei / ledig, zu eigen b., etw. für sein eigen / gut b.
;
besessenes gut
.

Belegblock:

Luther, WA
4, 668, 8
(
1515
?):
Besitz nichtts mit lust, habeantur tanquam non sint, si amittuntur.
Ders. Hl. Schrifft.
1. Mose 15, 7
(
Wittenb.
1545
):
Jch bin der HERR / der dich von Vr [...] gefurt hat / das ich dir dis Land zu besitzen gebe.
Ebd.
1. Kor. 7, 30
:
die da keuffen / als besessen sie es nicht.
Quint, Eckharts Pred.
1, 96, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz wir alle wârheit müezen besitzen âne mitel und âne underscheit in rehter sælicheit.
Ebd.
423, 8
:
in disem gegenwertigen anesehenne hân ich alliu dinc besezzen.
Ebd.
2, 558, 2
:
dâ er sîne eigene sælicheit inne hât und dâ er sîn eigen wesen inne besitzet.
Ders., Eckharts Trakt.
17, 16
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
herre, ich enwolte dich niht verliesen, ich wolte aber mit dir besitzen die crêatûren von mîner gîticheit.
Ebd.
36, 7
:
daz ein mensche hât êre und gemach besezzen manic jâr und verliuset daz nû on gotes verhencnisse.
Ebd.
195, 6
:
als sie [alliu dinc] sîn vrî eigen wæren und sie besezzen hæte in ganzem gewalte.
Ebd.
300, 4
:
ich hân mêr versmæhet, dan dû besezzen hâst.
Köbler, Ref. Wormbs
230, 2
(
Worms
1499
):
zwuschen gebrüdern die in gemeinschafft güter besitzen.
Feudel, Evangelistar
117, 25
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
meister, waz ist mir czu tune daz ich besicze daz ewyge lebyn?
Behrend, Magd. Fragen
53, 19
(
omd.
,
um 1400
):
myne vorfarn unde ich han is [gut] von uwern vorfarn ane ansproche unde hindernisz besessen.
Jostes, Eckhart
92, 31
(
14. Jh.
):
man sol tugent uben, niht besitzen!
Thür. Chron.
17r, 2
(
Mühlh.
1599
):
das die Sachssen bey der See bleiben / vnnd das Land geruwig besitzen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
70, 1
(
thür.
,
1474
):
daz Ticzel Slegers, ir vater, sollich gud dryßig jar unde jar unde tag vor sin gud ynnegehabit, besessen, daz vorschosset, vordynet unde vorzcinßet hette.
Ebd.
99, 16
:
hat sy daz erbe [...] behalden unde besessin biß an yres lebens ende.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
5, 4
(
osächs.
,
1343
):
Sêlic sint die senftmůtigen, wan si sullen besitzen di erden.
Schönbach, Adt. Pred.
7, 6
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
silber und golt [...] zů haben iz ist nicht suͤnde und zu besitzenne mit der gotes minnen.
Ebd.
25, 31
:
Dune solt niht gern dines ebeneristen wibes noch viehes noch alles daz er besezzen hat.
Ebd.
28, 33
:
sol der mensche daz gůt gewinnen, daz můz geschehen mit arbeit; sol erz bezitzen, daz můz er tůn mit vorchten.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
31, 30
(
omd.
,
1487
):
ßo ein man eÿn from weÿpp hatt, besitztt gar ein hoches gütt.
Opitz. Poeterey
56, 6
(
Breslau
1624
):
das es weit besser sey / viel wissen vnd wenig besitzen / als alles besitzen vnd nichts wissen.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 65, 25
(
nobd.
,
1464
):
das [haws] besiczt Heincz Beck.
Vetter, Pred. Taulers
197, 14
(
els.
,
1359
):
recht als ob si die edel tugent weselichen besessen haben.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
48, 26
(
els.
,
1362
):
das sine iúngern súllent abesagen alle demme das sú besitzent.
Lauchert, Merswin
24, 20
(
els.
,
1352
/
70
):
so mvͦst dv aller diner selbes ane genomener eiginer werke vnd wisen lidig werden, die du in ettewas lustes mit eiginschaft gevͤbet vnd besessen hest.
Koller, Ref. Siegmunds
203, 32
(
wobd.
,
1440
):
die [Premonstratenses] oͮch wellent [...] grosse fryheit han und oͮch vil kirchen besitzent.
Lemmer, Brant. Narrensch.
30, 19
(
Basel
1494
):
Mancher vil pfrůnden bsitzen důt | Der nit wer zů eym pfruͤndlin gůt.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
27, 5
(
Straßb.
1650
):
welcher nichts hat noch besitzet von dem, was die Welt hat.
Ebd.
19
:
der anders nichts wünschet, als das du tod, vnd er dein Guth besitzen möchte.
Päpke, Marienl. Wernher
139
(
halem.
,
v. 1382
):
Das die vil geschlachten | Dri gelich tail machten | Uss allem das sú besaͮssen.
Goldammer, Paracelsus
2, 53, 13
(
1531
/
4
):
Der feldbau ist in zweien teilen, nämblich die, welliche das feld besitzen, und die, so es pauen.
Wiessner, Wittenw. Ring
3817, 44
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Ich gelaub [...] | [...] nach disem leben daz ewig | leben ze besitzend werden.
Köbler, Stattr. Fryburg
78, 9
(
Basel
1520
):
so sol er von stundan in sollich guͤt gesetzt werden / das mag er besitzen / niessen / vnd inhaben.
Reu, Süddt. Kat.
1, 159, 37
(
Zürich
1580
):
Die gottsäligen den himmel zu besitzen, die gottlosen zum vnerlöschlichen fhür.
Heydn. maister
8v, 2
(
Augsb.
1490
):
Die freünd solt du nit balde besiczen / noch dich der bald vnderziehen.
Chron. Augsb.
9, 337, 15
(
schwäb.
,
1536
):
mit dem undern zoll zu Wertenbrugk. den besaß er nit mer.
Henisch
314
(
Augsb.
1616
):
Etwas besitzen besser ist / Denn haben nichts zu aller frist. Vil besitzen / vnd nicht handhaben / ist ganz vergebens.
Weber, Füetrer. Poyt.
3, 3
(
moobd.
,
1478
/
84
):
dy ye tugenndt wiellten | vnd dy hie hannd pesessen | der eren stat.
Ebd.
148, 4
:
ich wil, das er [fürste] das reich hie sol pesitzen.
Moscouia
C 1r, 40
(
Wien
1557
):
Also hat der Georg das Großfuͤrstenthumb on jrrung sein lebenlang besessen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
16, 29
(
tir.
,
1464
):
sein geschlëcht das würt pesiczen das erbtail des ertreiches.
Dies., Zist.-Pred. Haller
91, 215
(
tir.
,
1466
):
das ir die freuden müget enpfhahen vnd pesiczen in dem reich gottes.
Piirainen, Stadtr. Sillein
168, 35
(
sslow. inseldt.
,
1426
):
Allis das das dy erber / frawe [...] bezytczet ı͂ d(er) Stat vnd voͤr d(er) Stat.
Fuchs, Kart. Aggsbach
216, 19
(
moobd.
,
1409
):
wer das gut nach im ynnhat oder besiczet von eynem weingarten.
Luther, WA
8, 547, 11
;
41, 3, 12
;
Chron. Köln
2, 2r, 19
;
Köbler, Ref. Wormbs
99, 4
;
181, 12
;
ders., Ref. Franckenfort
72, 5
;
ders., Stattr. Fryburg
36, 14
;
161, 3
;
Weise. Jugend-Lust
106, 21
;
Mon. Boica, NF.
2, 1, 105, 12
;
Gille u. a., M. Beheim
109, 48
;
Vetter, a. a. O.
221, 20
;
Lauchert, a. a. O.
19, 29
;
Sappler, H. Kaufringer
18, 155
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
37, 46
;
Dietz, Wb. Luther
1, 276
;
Rwb
2, 146
;
Schwäb. Wb.
1, 919
;
Schweiz. Id.
7, 1778
.
Vgl. ferner s. v.  2.
6.
›mit jm. so in religiöser Einheit verbunden sein, daß ein Anspruch und eine Heilserwartung daraus hergeleitet werden können‹, sowohl innertrinitarisch von der Einheit des Vaters mit dem Sohn, wie von der Beziehung des Menschen zu Gott und (seltener) Gottes zu dem Menschen prädiziert, in letzterem Fall inhaltlich an 5 anschließbar.
Gehäuft Texte religiösen, auch didaktischen Inhalts.
Wortbildungen:
besitzung
3.

Belegblock:

Pfefferl, Weigel. Ges.
27, 26
(
Hamburg
1646
):
der Heilige Geist muste kommen, vnd die Jünger besizen, vnd einwohnen.
Luther, WA
17, 2, 15, 5
(
1525
):
doch ist das eynerley und gleich, das der glaube besitzt, nemlich Jhesus Christus. Denn der schecher am kreutz hatt eben so wol Jhesum Christum [...] als S. Peter.
Ebd.
17, 2, 171, 2
:
der glaube besitzt Gott selber, vermag und hat alle ding.
Quint, Eckharts Pred.
2, 13, 13
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Diu grœste einunge, die Kristus besezzen hât mit dem vater, diu ist mir mügelich.
Dubizmay, kurß zu Teutze
77, 10
(
hess.
,
1463
):
GOt hat mich besessen von anbegynnen seynner gescheffte.
Neumann, Rothe. Keuschh.
1875
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
[sancte Afra] ward van gote also reine | das sy besitzt der merteler schar.
Jostes, Eckhart
95, 40
(
14. Jh.
):
Der weis man spricht: Der herre hat mich besezzen in dem beginne seiner weg.
Eichler, Ruusbr. steen
20, 27
(
els.
,
sp. 14. Jh.
):
sol der mensche geistlich werden, so mvͦz er [...] an got alleine mit lust vnd mit liebe kleben vnd in also besitzen.
Ebd.
29
:
in dem besitzen gottes mit liebe so wurt der mensche von inen vnverbildet.
Ebd.
42, 18
:
Dis besitzen ist ein einvaltig abgrv́ndig smag alles gůtes vnd ewiges lebens.
Ebd.
43, 32
:
daz wir vns selbe vs gegangen sin vnd got besitzen in entsunkenheit von minnen.
Warnock, Pred. Paulis
5, 115
(
önalem.
,
1490
/
4
):
gott hat den menschen darzů geschaffen, daz er in bekenn, und als er in bekent, daz er in werde lieb hon, und so er in lieb hab, daz er in besitz.
Lemmer, Brant. Narrensch.
22, 20
(
Basel
1494
):
Mich [wißheyt] hat besessen gott der herre | Von anbegynn jn ewikeyt.
Höver, Bonaventura. Itin. A,
180
(
moobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
allew ding hast du volbracht in der weyshayt, vnd daz erttreich ist ervollt (erfullt) mit deiner besiczumb.
7.
›etw. genießen, in den Genuß von etw. kommen‹.

Belegblock:

Klein, Oswald
32, 33
(
oobd.
,
1431
/
2
):
Die dritte kamer tunkelfar, | [...] | des scheines klar sol da kain mensch besitzen.
Ebd.
98, 27
:
Vil zarter, engelischer weib, | durchleuchtig schön, mit liechtem glanz | besessen haben meinen lib.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
134, 1
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Indem Josan besessen | hett ander frawen minn.
8.
›etw. (z. B. Tugend, Treue) ausüben, üben, e. S. (z. B. der Ruhe) pflegen, (z. B. eine Ehe) führen, etw. (z. B. einen Gedanken) hegen, etw. verwirklichen, etw. vollziehen‹.
Wortbildungen:
besitzung
4.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
2322
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
daz sint tugint, | dî alleine mugint | den menschin, [...], | sêlic machin mit ir pflicht | und iren besitzêre | bewarn mit craft gewêre.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
2536
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz Got den gibt ezzen | Die tugent hant besezzen.
Quint, Eckharts Pred.
1, 29, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wan dîn sêle bringet dekeine vruht, si enhabe daz werk getân, daz dû mit eigenschaft besezzen hâst.
Ebd.
2, 203, 10
:
in dem selben grunde, dâ er sîne eigene ruowe inne hât. dâ suln wir ouch unser ruowe inne nemen und mit im besitzen.
Behrend, Magd. Fragen
117, 2
(
omd.
,
um 1400
):
sy mochte nicht rechte ee besiczen mit irem vater.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 93a, 19
(
nobd.
, Hs.
3. V. 15. Jh.
):
wilt du zu himel riche sin, laz dich die triuwe besitzen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
144, 32
(
Nürnb.
1548
):
so du anders ein rechte Gottselige Ehe wilt besitzen.
Vetter, Pred. Taulers
70, 10
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
das du keinen boͤsen unnútzen gedank mit willen nút besitzest.
Eichler, Ruusbr. steen
20, 4
(
els.
,
sp. 14. Jh.
):
dise drv́ punten, alsus besessen, machent einen gůten menschen.
Klein, Oswald
8, 21
(
oobd.
,
1423
?):
Das alle kunst mit reichem gunst ain mensch besäss.
Ebd.
112, 113
(
1438
):
von allen, die gewaltig sein, | das recht besitzen für und für | an vorcht.
Steer, Schol. Gnadenl.
6, 61
(
moobd.
,
15. Jh.
):
daz ein v̈bertreffend vnd herrischend besiczunge der tugent ein andaͤchtige sel gotformig machet.
9.
›etw. (eine rechtliche oder wirtschaftliche Position) innehaben und bestimmungsgemäß bewirtschaften; (ein Haus o. ä.) bewohnen‹; im Unterschied zu 5 mit stärkerer Gewichtung der sich aus der Position ergebenden Tätigkeiten.
Bedeutungsverwandte:
 8,  4,  1,  2,  6, (V.) 3,  1, , .
Wortbildungen:
besitzer
2,
besizlich
3 ›bewohnbar‹ (a. 1493).

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Ps. 69, 36
(
Wittenb.
1545
):
Denn Gott wird [...] die stedte Juda bawen / Das man daselbs wone vnd sie besitze.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
3, 501, 41
(
mosfrk.
,
1661
):
der da zo der selber zit das gerichte zo Irank selbes besessen haet.
Neumann, Rothe. Keuschh.
1592
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
da di tuvel worden vorstossen, | da sollen wir die stete bessitzen nu.
Küther, UB Frauensee
329, 28
(
thür.
,
1518
):
solche wustening rumen und rodenn nach alle seynem gefallenn und die bauwen und besiczenn in der gestalt, wan [...].
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
70, 32
(
thür.
,
1474
):
hath denne der genante Adam sothene gutere [...] ynnegehabit, gebruchet unde besessin.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
6, 3
(
Bamb.
1507
):
welche person von irer guͤter wegen die halssgericht zu besitzen schuldig sein vnd dasselbig auss swacheyt [...] ires leibs, vernuft, yugent, alter [...] nit besitzen vnd verwesen moͤgen.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
158, 13
(
halem.
,
1352
):
recht, lidig und bewert manlehen [...] von Berne ze hanne, ze besitzenne und ze niessenne, ze besetzen und ze entsetzenne.
Köbler, Stattr. Fryburg
115, 15
(
Basel
1520
):
das die genanten vnser burger vnd inwoner / [...] / derselben ligende guͤter genoß sin / die iñhaben vnd besitzen moͤgen.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 114, 17
(
halem.
,
n. 1529
):
Welcher priester ein pfrůnd hat, er sîe pfarher, chorher oder caplan, die sol er selbs besitzen und versehen, kein absent nemen.
Maaler
62v
(
Zürich
1561
):
Vbergaͤben zebrauchen vnd zenutzen oder zů Besitzen.
Chron. Augsb.
2, 167, 14
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
baider herrn land und leut ererbet und ingenommen und mit gewalt beseßen.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
114, 32
(
moobd.
,
1455
):
das sich dieselben in unser stet ziehen und dieselben irr hewser selbs besiczen.
Winter, Nöst. Weist.
3, 574, 5
(
moobd.
,
1371
):
ob ein man ein zueguet hiet das er selb nicht besaͤzz.
Piirainen, Igl. Bergr.
37b, 11
(
slow. inseldt.
,
16. Jh.
):
Dem soll man zẅ Recht seine lechen anntwurtt(en), Der soll sich auch mit Recht paẅenn vnd Rödlichen besizen.
Henisch
314
;
Schweiz. Id.
7, 1781
.
Vgl. ferner s. v.  8, .
10.
›etw. übernehmen, etw. einnehmen, in Besitz nehmen, in etw. (z. B. ein Besitzrecht) eintreten; etw. erlangen, erreichen‹; im Unterschied zu 5 mit Betonung des Eintritts in ein Besitz- oder besitzähnliches Verhältnis; hier anschließbar als Spezialisierung: ›ein Recht ersitzen‹.
Wortbildungen:
besitzung
5.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Jes. 57, 13
(
Wittenb.
1545
):
wer auff Mich trawet / wird das Land erben / vnd meinen heiligen Berg besitzen
[
Dietenberger
1534:
einnemen
].
Große, Schwabensp.
137a, 31
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
de s
e
one besitzen daz ansedel vor de tochtere.
Leman, Kulm. Recht
2, 4, 44
(
Thorn
1584
):
Ist eyne vrouwe swanger noch eres mannes tode. so mag sy dy were besitzen.
Ebd.
61
:
sal noch en mag syne eliche vnbegobete husvrowe iren wyttewen stul besitzen ane der erben wille.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
389
(
pfälz.
,
1436
):
wie wal der almechtig got von hiemelrich vns also berüfft hat zu der arbeit in sinen wingarten vmb besietzunge des ewigen lebens.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
699, 14
(
thür.
,
1421
):
welchir erst under on storbe, sso sulden die andirn seyn erbe besitzen.
Pyritz, Minneburg
3726
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
min vorcht ist quek | Daz sie mit iren witzen | Die edeln burk besitzen.
Chron. Nürnb.
3, 284, 5
(
nobd.
,
1450
/
80
):
erstach den hern von Veron sein bruder, der margraffen Ludwigs [...] tochter het, und treib sie auß der herschaft, besaß die.
Gille u. a., M. Beheim
81, 236
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
das dortig, das ewig ist, | sy nymer mer in chainer frist | pesiczen oder erben.
Anderson u. a., Flugschrr.
18, 6, 21
([
Straßb.
]
1523
):
alle rechtsprecher / die den wůcher gezwang vff den gemeynen man dringen / moͤge͂ gotts reich nit besitze͂.
Roth, E. v. Wildenberg
111, 16
(
moobd.
,
v. 1493
):
er besas darnach die Pfaltz zů erbrecht.
Mell u. a., Steir. Taid.
191, 37
(
m/soobd.
,
1572
):
wo ainer nit sun hette, alsdan sein jüngste tochter zu besizung der hueben kumen.
Bauer, Imitatio Haller
48, 14
(
tir.
,
1466
):
Der da mër mag leiden, der würt auch grössern frid pesiczen.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
19494
;
Quint, Eckharts Pred.
2, 414, 4
;
Gille, a. a. O.
69, 194
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
508, 11
;
hail. altvaͤter
86r, 17
;
Rwb
2, 146
;
Schweiz. Id.
7, 1779
.
11.
›etw. mit jm. besetzen, jm. in Besitz geben‹.

Belegblock:

Siegel u. a., Salzb. Taid.
314, 32
(
smoobd.
,
17. Jh.
):
das dann sein und seiner nachkomen anwält die leut übersetzen und die urbar nach notturft besitzen und bestiften mugen.
12.
›jn. in seinem Innersten erfassen, ergreifen, beherrschen; jn. überkommen; in jn. fahren; sich von etw. erfassen, beherrschen lassen‹, häufiger in negativem als positivem Sinne.
Bedeutungsverwandte:
 1b.
Syntagmen:
Christus / der teufel / satan jn. / etw. b., js. fleisch / herz b., jn. mit gewalt, mit lügen b., aberglaube / afterreue / üppigkeit / verdamnis jn. b., sich mit etw
. (z. B.
mit liebe / lust
)
b.
;
mit schalkheit, sünden, mit den creaturen, mit got, mit js. gegenwärtigkeit, in seines herzen grunde besessen sein
;
besessener grund
.
Wortbildungen:
besiz
3 ›Verhaftung mit Irdischem‹.

Belegblock:

Pfefferl, Weigel. Ges.
15, 24
(
Hamburg
1646
):
[die Seele] kan sein der baum des todes, so sie zu ihr selber oder auf die Creatur fellet vnd sich mit Lust besitzet, welches verboten ist.
Luther, WA
22, 79, 5
(
1544
):
es ist solche schedliche plage, die den Menschen so gar besitzet, das [...].
Ebd.
48, 150, 17
(
1549
):
Wie er Juda dem verrheter thet, welchen er zuerst mit luͤgen besas.
Ders. Hl. Schrifft.
Hiob 17, 11
(
Wittenb.
1545
):
meine Anschlege sind zutrennet / die mein hertz besessen haben
[
Dietenberger
1534: haben gepeinigen].
Frantzen u. a., Kölner Schwankb.
1, 2, 3
(
Köln
um 1490
):
Eyn wijff myr myn hertz besessen hait, | Die en wils niet merken mit all.
Dubizmay, kurß zu Teutze
65, 1
(
hess.
,
1463
):
KVngk criste here guter besitze vnser hertze das wir dir wirdiglichen lop geben.
Froning, Alsf. Passionssp.
433
(
ohess.
,
1501ff.
):
dach byn ich auch myt schalkeit besesßen.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
2889
(
omd.
,
1338
):
Dy mit sunden sin besezzen | Und Gotes gar vergezzen.
Sermon Thauleri
8v, 35
(
Leipzig
1498
):
wo anders der mensch mit den creaturen in libender weiße in seinem grundt besessen ist.
Gille u. a., M. Beheim
338, 44
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
meines herczen grunt | hat sie mir gancz besessen.
Vetter, Pred. Taulers
100, 28
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Die heiligen jungern worent also gar besessen von innan und von ussen mit der gegenwertikeit unsers herren Jhesu Cristi.
Ebd.
173, 17
(
1359
):
bist du besessen mit Gotte, so enmúgen dir din schiffelin, din gemuͤte, alle creaturen nút getriben noch entsetzen.
Ebd.
433, 26
(
um 1350
):
mit einre stilre gesaster gelassenre under worfenheit in demuͤtiger vorhten Gotz leg ime dinen boͤsen besessenen grunt fúr und in herzelicheme gebette.
Sappler, H. Kaufringer
30, 101
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
üppigkait hat sie [frawen] besessen.
Henisch
314
(
Augsb.
1616
):
Aberglaub besitzt vil leuthe.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 720, 16
(Hs. wohl ˹
sböhm.
,
15. Jh.
˺):
So merck dw warlichen dapey | das dich verdampnyß hat pesessen.
Niewöhner, Teichner
324, 173
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
daz dw sel nicht mag volpringen | ir gewurch in dem besitzz.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
76, 1
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Peleyus’ hertz besessen | was drumb mit neydes purd.
Pfefferl, a. a. O.
16, 25
;
Luther, WA
22, 79, 22
;
Vetter, a. a. O.
72, 23
;
356, 17
;
hail. altvaͤter
106r, 17
;
Dietz, Wb. Luther
1, 276
;
Schweiz. Id.
7, 1777
.
Vgl. ferner s. v.  3.
13.
mit präd. Attribut, Adv., präp. Bestimmung: ›so sein, handeln, sich in dem Zustand befinden, den die zugehörige Ergänzung oder Angabe vorgibt‹.
Syntagmen:
tot b
. (›tot sein‹);
gewaltiglich b
. (›herrschen‹);
den tod alleine b.
(›dem Tod e. P. alleine beiwohnen‹);
ane trost, ane werk, mit bresten besessen sein, mit [...] masse besessen sein
(›einen bestimmten Zuschnitt haben‹),
mit der ehe besessen sein
(›im Ehestand leben‹),
im schaden besessen bleiben
.

Belegblock:

Helm, Maccabäer
4982
(
omd.
/
nrddt.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
do sin vater tot besaz, | do vloch er ilende isa.
Adrian, Saelden Hort
4639
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
daz wir so jamerlich | mit bresten sint besessen.
Boos, UB Aarau
237, 38
(
halem.
,
1415
):
die so in krancken muren mit keinen werlichen sachen gewarnet und ane allen trost besessen.
Edlib. Chron.
1, 12
(
ohalem.
,
um 1500
):
grauff fridrichs von togenburg da er gewaltenklich besass, und jn ouch an geuallen wz von rechtem erb dz turthal.
Niewöhner, Teichner
46, 46
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
also ist an werch besezzen | der da haist ein edel man | und chain tugent wil began.
Gierach, Märterb.
16644
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
schol ich [Johannes] deinenn tot | besiczenn allaine?
Klein, Oswald
61, 21
(
oobd.
,
1417
):
gross hindersetzt, mit gedrolter zal, | mit herter mass besessen.
Rwb
2, 147
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 565
.