besetzung,
besatzung
(ersteres etwas häufiger),
5.
›Viehauftrieb auf die Weide‹;
Belegblock:
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
(
halem.
,
1637
):
das ermelter meymärit von uffahrt und besatzung der bergen [...] inen umb vil komlicher falt dan der St. Johansmärit.
6.
Die drei hier subsumierten Verwendungen stehen im Metonymieverhältnis zueinander, in einer Reihe von Zitaten deren Zuordnung unterschiedlich möglich ist;
a) ›Besetzung (als Handlung) einer militärisch relevanten Anlage zu Verteidigungs- oder Angriffszwecken‹; auch ›Belagerung‹.
b) ›Besatzung, Truppe, Mannschaft, die eine Besetzung vollzieht‹.
Bedeutungsverwandte:
,
(
der
)
4;
5,
,
.
c) ›Befestigung, befestigter Ort, Befestigungsanlage, Militärstandort‹.
Belegblock:
Zu a): waͤren die meisten Janitscharen auff Execution der Contributionen auff dem Lande auß / und kaum zwey tausend in der Stadt zur Besatzung uͤbrig.
Gille u. a., M. Beheim
453, 875
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Da machtens ain new ordenung | und auch ain ander beseczung | Mit den purgern und den irn.
von der newen besaczung vor der Triester stat.
ist die festen mit allen amptleuten, [...] turn und turner in aller besetzung und beschlißung beliben.
Uhlirz, Qu. Wien
(
moobd.
,
1471
):
dass
die veint aus Beheim [...] mit aim merklichem volkh in sein fürstentumb Österreich ziehen und darin besaczung machen wellen.
Zu b): Luther. Hl. Schrifft.
1. Makk. 4, 2
(
Wittenb.
1545
):
Vnd furten den Hauffen etliche die auff der Burg / in der Besetzung gelegen waren.
daß sie das Schloß berennen / und die Besatzung mit gezuckten Schwerdern [...] herauslocken solten.
Die Armada mit einer besatzung versehen / und fuͤhren.
das also dreyer vnderschidlicher fürnemmer Potentaten besatzungen / gar nahend bey einander gelegen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
darin dy veindt mit gewallt lagen mit vill guetter besetzung.
Zu c): Gille u. a., M. Beheim
453, 849
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
In geviel wol dis newe | beseczung und gepewe.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
(
schwäb.
,
v. 1542
):
Etlich fußknecht schicket man nach Johannis eyletz hinab in die besetzungen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
begunten die Vngrischn aus anndern benannten besetzungen das land zw berauben.
Zu Passau [...] haben die Römer da auch ein besetzung gehebt.
wie man die pesetzung weg pringen, die wasser abgraben [...] müg.
in die geleger und besezung der gränizen mitsambt den streitschiffen warden die her nach den reichslanden ausgetailt.
Roder, Hugs Vill. Chron.
;
‒
Vgl. ferner s. v.
3,
1.
7.
›Besetzung eines Amtes, einer Funktion o. ä.‹; mit verschobener Bezugsgröße: ›Einsetzung e. P. in ein Amt‹;
Syntagmen:
sich der b. verzeihen; b. des amptes / gerichtes / rates / schlosses, der vogtei / präsenz,
(verschoben:)
b. des ammans / vogtes
.
Belegblock:
Schmidt, St. Kastorst.
2, 2208, 33/34
(
mosfrk.
,
1478
):
von besatzunge wege der selber gemeyner presencien.
Welti, Stadtr. Bern
(
halem.
,
1480
):
das wir nu fuͥrer besatzung, hanndel vnd luͥttrung vnnsers grossen raͮts, [...] vff donrstag in der heiligen oͤsterlichen wuchen bruchen soͤllen.
Besetzung der vogteyen auff ein neüws.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
(
tir.
,
1525
):
von wegen besetzǔng des sloß Eernberg [...], wann des yetzigen phlegers zeit [...] aǔs ist.
8.
›rechtliche Festlegung, Bestimmung‹; speziell: ›Testament‹; dazu metonymisch: ›testamentarisch vermachtes Gut, Hinterlassenschaft‹;
Bedeutungsverwandte:
,
2,
1.
Belegblock:
Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
313, 31
(
preuß.
,
1423
):
etliche erbe, die dem vorgeschrebene Nicolao Grans [...] angehoren als unser besatczunge.
Schmitt, Ordo rerum
106, 23
(
salem.
,
2. Dr. 15. Jh.
):
testament
[...]
eyn geczugnisße
[...]
beseczung.
Besatzung / erbgemaͤcht / bescheiden gut.
9.
›gerichtliche Beschlagnahme, Arrest (eines Gutes), rechtsförmliche Inanspruchnahme‹; metonymisch: ›Recht auf Beschlagnahme‹;
Gehäuft omd. / preuß.; Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
1,
3.
Syntagmen:
b. tun, jm. die b. übergeben; sich der b. verzeihen; ein gut in b. haben, der lezte in der b. sein; b. auf ein gut, b. der person
(gen. subj.).
Belegblock:
Behrend, Magd. Fragen
(
omd.
,
um 1400
):
Von besaczunge vier personen uff eynis mannis gut, wer der erste besessir bleibe.
sal man ouch uffbiten pfant unde dy beseczen unde
[Var. für
die beseczen unde
:
beseczunge
]
in gehegetem dinge irwerben.
Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
285, 33
(
preuß.
,
1411
):
Terminus vorgangen. Hirvor haben wir in besatczunge syne gut.
Lippert, UB Lübben
2, 110, 18
(
osächs.
,
1436
):
habin dy ratmanne vormittage eyne besaczczunge getan zcu Hans List gute.
Leisi, Thurg. UB
7, 193, 26
(
halem.
,
1379
):
und verzihent sich och genzlich [...] an dem vorgeschriben dorf [...] mit aller zůgehoͤrd, [...], aller aigenschaft, aller mannschaft, aller lehenschaft, aller kuntschaft, aller besatzung, aller zúgnust.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 756, 14
;
3, 139, 23
;