bergen,
V., unr. abl.
1.
›jn. (auch: sich) in Sicherheit bringen, schützen‹.
Wortbildungen:
2
bergleute
›Personen, die herrenloses oder schiffbrüchiges Gut sicherstellen‹ (a. 1557),
bergung
1 (in der Formel:
bergung und narung
; a. 1513; 1563).

Belegblock:

Sachs (
Nürnb.
1559
):
wenn mein hasser gleich eim leben | Sich schröcklich ob mir thet erheben, | Wolt ich doch bergen mich vor im.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1294
):
chumpt der fluhtiger in eins frumen mannes hus, derselb frum man [...] sol in bergen und sol im hin helfen. Choment sin veint hin nach, vor den sol er in baergen und beschirmen.
Klein, Oswald
21, 50
(
oobd.
,
1431
/
2
):
ain jegklich wild besücht sein hol, | da es die jungen birgt vor dol.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
538, 1
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Er parg dy keüsch und raine, | das sy was ungefunden, | in ainen holen staine.
2.
›etw. sicherstellen und dadurch vor dem Untergang bewahren, etw. lagern, (eine Schiffsladung) löschen‹.
Bedeutungsverwandte:
, .
Wortbildungen
bergung
2 (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Konventsb.
283, 20
(
preuß.
,
1412
):
das sy eyn eychin brockeczymmer im wasser borgen und herab in die trenke brochten.
Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
503, 36
(
preuß.
,
1430
):
so vortarb das schiff vor dem Swene ende desser terling laken coste zcu bergen 9 ßgl.
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 372, 27
(
omd.
,
1430
):
wie en czwey schiff in unsir lande strowmen ungewitters halben sien vorgangen, dovon edliche guter sien geburgen.
Voc. Teut.-Lat.
oo ijv
(
Nürnb.
1482
):
Wiederlegung oder pergung. repositum.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Bergen sein leib vnd gut / fuͤrsehen / verwaren.
Sattler, a. a. O.
294, 28
;
3.
›etw. / jn. (oft: sich) verbergen, verstecken, unsichtbar machen, der Erkennbarkeit entziehen; sich in etw. hineinsenken, hineinbegeben, sich wo einnisten‹; über Bezugsgegenstände unterschiedlichster Art gesagt; offen zu 4.
Gehäuft Texte religiösen und didaktischen Inhalts.
Phraseme:
die augen bergen
›die Augen schließen‹;
augen und oren bergen sich
.
Bedeutungsverwandte:
.
Gegensätze:
 4, .
Syntagmen:
jn. / etw
. (z. B.
den schaden / geifer / seifer / has / neid, die krone / kraft / schmach / bulschaft, das laster
)
b., sich b
. (von abstrakten wie konkreten Bezugspersonen und -sachen gesagt),
jn
. (auch:
sich
)
/ etw. in / vor / an / unter jm. / etw. b
.

Belegblock:

Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Daz iegelicher die ougen barc | Zu sehen nach den dingen.
Karnein, Salm. u. Morolf
218, 7
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Birtel und sattel barge er in das ror.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
wollust, | Die sich senket in die brust, | Uf daz sie sich da berge.
Strauch, Par. anime int.
60, 16
(
thür.
,
14. Jh.
):
daz der geseligite lip unsis herrin und auch unse lip [...] hette di macht daz he sich burge wan he wolde, und sich uffibarte wan he wolde.
Luther, WA (
1532
):
ob gleich [...] die zunge schweiget, augen und ohren sich bergen, doch steckt das hertz vol mords und todschlag.
Ders. Hl. Schrifft.
Spr. 12, 16
(
Wittenb.
1545
):
wer die Schmach birget / ist witzig.
Langen, Myst. Leben
223, 7
(
nobd.
,
1463
):
leiden macht, das ich mich in dein sel pergen muß.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
95, 5
(
Nürnb.
1548
):
da ists nit muͤglich / dz Got kondte sich lenger bergen.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
so du dich soltest bloss dar bieten, so birgest du dich.
swaz unlútseliges, ungestaltes und gebresthaftes an in [valsche minnerin] ist, daz bergent sú genote.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
nu Got sine alvermúgende kraft berge und swiget und lit, und geborent nu die lúte rehte also sú selber Got wellent sin.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
513, 12
(
els.
,
1362
):
Also floch dirre Philippus vnd barg sich das in Decius iht begriffe.
Lemmer, Brant. Narrensch.
13, 20
(
Basel
1494
):
Myn sůn stat nackt vnd bloß all tag | Dann bůlschafft nyeman bergen mag.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 230, 13
(
Hagenau
1534
):
Wo eyn verstandt ist / der birget sich nicht / er bricht herauß.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Ein Ehfraw soll sich mehr bergen / dann ein Jungfraw. [...]. Den balck kan niemand bergen / den man in den augen sihet.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
20, 32
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
in grüener awen | parg sich Emanuel.
Klein, Oswald
26, 57
(
oobd.
,
1431
/
2
):
man barg mich vor der sunne schein, | für springen lag ich zwainzig tag verholen.
Munz, Füetrer. Persibein
284, 2
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Fraw, hynnder disen staine | pergt euch ain klaine zeit.
Mollay, H. Kottanerin
15, 23
(
moobd.
,
1439
/
40
):
nam die kerczen vnd parig die am weg.
Hübner, a. a. O. ;
Jahr, H. v. Mügeln
1233
;
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe ;
Neumann, Rothe. Keuschh.
941
;
Sermon Thauleri
7r, 24
;
Stackmann u. a., Frauenlob
10, 3, 7
;
Gille u. a., M. Beheim
73, 145
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Gilman, a. a. O.
25
;
Schmitt, Ordo rerum
627, 33
;
Dietz, Wb. Luther ;
Ágel, Valenzlexikon.
1988, 175
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 11
.
Vgl. ferner s. v. .
4.
›(jm.) etw. verhehlen, verschweigen, vorenthalten; etw. verheimlichen‹.
Bedeutungsverwandte:
 4, , , , .
Syntagmen:
jm. etw. b., jm. b., das [...], den anschlag / mangel, die liebe / müe / warheit, das herze / unglük b
.;
der warheit, des lasters b
.; refl. mit Negation:
sich nicht bergen, zu [...]
›sich nicht scheuen, zu [...]‹.

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
,
1521
):
welchs ich e. a. w. und g. [...] zcur antwort nicht habe bergen wollen.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
da mit der warheit ich nicht berge.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
I’n maich des lasters bergen neit.
Luther, WA (
1530
):
wuͤrde niemand seinen mangel [...] offenbaren zu seinem schaden, sondern leugnen, bergen, schmuͤcken.
Gille u. a., M. Beheim
443, 254
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
die driten des rechten verkerer sein, | alz unrecht ampt leut, die in schein | [...] | die warhait bergen und verschalten.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
und muͤst dick ein gruntlos trurigs hertz bergen mit froͤlichen worten.
Meisen u. a., J. Eck
61, 7
(
Ingolst.
1527
):
Dis alles habe ich ainem yeden in gehorsamer [...] mainung nit bergen woͤllen.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Bergen / verbergen / verhaͤle͂ / hindersich legen / heimlich halten / vorhalten / decken.
Es kan keiner den geck also bergen / das er nit zu weilen herfür gucke. Vier ding lassen sich nit bergen / das fewr / kraͤtz oder grind / der husten / vnd die lieb. [...] Wer nicht sein anschlaͤg bergen kan / Der ist kein weiser Mann. [...] Wer sein vngluͤck bergen kan / der traͤgts am leichtesten.
Küther, UB Frauensee
366, 2
;
Löscher, Erzgeb. Bergr.
70, 8
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb. ;
Ulner
33
;
Dietz, Wb. Luther ;