benügen,
V.;
vgl. auch (V.).
1.
›sich mit etw. zufriedengeben, begnügen, sich auf etw. beschränken, sich mit etw. bescheiden‹; vereinzelt auf Personen bezogen: ›sich mit jm. begnügen, mit jm. zufrieden zusammenleben‹; als part. Adj.
benügt
›zufrieden‹.
Phraseme:
sich mit kleinem benügen
;
sich an gleich und recht benügen lassen
;
las dich benügen
.
Bedeutungsverwandte:
 2.
Syntagmen:
j. sich e. P
. (z. B.
des dieners
)
b. lassen, j. sich eines dorfes / hauses / seines eigentums / standes, des rechten, einer antwort / weisung, der besoldung b. lassen, adel
(Subj.)
sich des seinen b. lassen
;
j. sich mit einer frauen, mit bier / brot / wasser, mit einem erbteil / königreich b. lassen, j. sich an der antwort / besoldung / notdurft, an einem dorfe / einkommen, an dem liechte / solde b. lassen, j. sich in armut b. lassen
;
j. sich b. lassen, zu [...] / wie [...] / das [...]
;
j. e. S
. (Gen., z. B.
der besoldung
)
/ an etw
. (z. B.
am brote
)
benüget sein, j. so benüget sein, das [...]
.

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 9, 15
(
md.
1521
):
wöllen unsere geistlichen in iezund nit benuͤgen laßen reichtumb zů haben.
Ebd.
3, 65, 9
(
obd.
1521
):
laß dich eins zimlichen und meßigen stands benuͤgen.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
16, 37
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Hör auf! Laß dich benügen!
Thiele, Chron. Stolle
496, 29
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
das als danne eyn yder benuget sye.
Luther, WA
30, 2, 26, 2
(
1528
):
Er solte sich an solcher guͤtiger, demuͤtiger antwort lassen benuͤgen.
Ders. Hl. Schrifft.
Lk. 3, 15
(
Wittenb.
1545
):
lasset euch benügen an ewrem Solde.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
107, 14
(
omd.
,
um 1559
):
sondern sol sich an einer mundtlichen weisung benugen laßen.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 132, 13
(
schles.
,
1563
):
Weil er uns aber keinen versorg, daran wir benuegt gewesen, hat einsetzen kunden.
Schottenloher, Flugschrr.
74, 19
(
Bamb.
1523
):
het ich am maisten acht | Des adels [...] | [...] | Der sich benuͤgen ließ des sein.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
623, 20
(
nobd.
,
um 1525
):
sich ain yeder laß benyegen | An gleich und recht on all betriegen.
Sachs
14, 119, 15
(
Nürnb.
1550
):
nichts anders den bier, | Darmit last euch benügen schier.
Lauchert, Merswin
14, 23
(
els.
,
1352
/
70
):
do von mag die gewore edele minnende sele mit keinen dingen [...] benvͤgen die minre denne got sint.
Warnock, Pred. Paulis
6, 68
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Herr, der gfelt mir wol ze ainem richter in der sach, wil mich sin [diener] wol lassen benügen.
Roder, Hugs Vill. Chron.
70, 25
(
önalem.
,
1519
):
aber herzog Uorich lies sich der dorffer nit benůgen.
Hubert, Straßb. lit. Ordn.
9, 20
(
Straßb.
1525
):
O herr got verlyhe inen das sy nach deinen gbotten sich mit einander land beniegen.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 245, 33
(
Straßb.
1522
):
er wolt sich aber nit lassen beniegen, er het gern ein ander Gestalt gehebt.
Sexauer, Schrr. in Kart.
265, 10
(
Basel
,
um 1510
):
mit brot vnd wasser sich lassen benügen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
83, 37
(
Basel
1494
):
ließ man des benuͤgen sich | Was on arbeyt das erterich | [...] trůg.
Ebd.
110b, 45
:
[Mancher] loßt sich nit benuͤgen mit | Das er sich füll biß metten zytt.
Köbler, Stattr. Fryburg
36, 2
(
Basel
1520
):
So sollen die ingesetzten schultherren [...] von der besitzung abstan / vnd sich des rechten benůgen lassen.
Maaler
58r
(
Zürich
1561
):
Er benuͤgt sich mit kleinem.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
1, 36, 57
(
schwäb.
,
1471
):
lasz dich benügen | Vnd trag ain freyen můt.
Fellmann, Denck. Schrr.
2, 30, 36
(
Augsb.
1526
):
Welche sich aber an dem liecht nit benügen lassen, seind vorhin in der finsternuß.
Henisch
279
(
Augsb.
1616
):
Ein jeder laß sich an dem benuͤgen / Was sich zu seinem stand thut fuͤgen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
175, 30
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
und wart an guet ain geschlechter furst und muest sich an Trawtmannsstorff in Osterreich benuegen lassen.
Lohmeyer, K. v. Nostitz
15, 15
;
Thiele, Minner. II,
6, 132
;
Köbler, Ref. Franckenfort
57, 19
;
Luther, WA
30, 2, 26, 2
;
30, 3, 242, 21
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 28, 6
;
2, 702, 29
;
Gille u. a., M. Beheim
79, 41
;
Sachs
14, 150, 23
;
16, 442, 39
;
Meisen u. a., J. Eck
38, 24
;
Bobertag, Schwänke
116, 7
;
V. Anshelm. Berner Chron.
1, 3, 22
;
Lemmer, a. a. O.
67, 73
;
83, 25
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
27, 30
;
Heydn. maister
28v, 3
;
Chron. Augsb.
4, 205, 27
;
7, 251, 9
;
9, 220, 10
;
Barack, Zim. Chron.
1, 267, 22
;
2, 558, 18
;
4, 34, 26
;
Bastian, Runtingerb.
2, 300, 21
;
Klein, Oswald
10, 41
;
90, 17
;
Karnein, Salm. u. Morolf
140, 23
;
Turmair
4, 59, 23
;
318, 7
;
Moscouia
B 3r, 38
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
52, 24
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
482, 37
;
Mollay, Ofner Stadtr.
312, 7
;
Rwb
1, 1545
;
Dietz, Wb. Luther
1, 254
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 525
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
29
;
Schwäb. Wb.
1, 851/2
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 21
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 133
.
2.
›jm. (aus)reichen, genügen, hinlänglich sein, jn. zufriedenstellen‹.
Syntagmen:
der Gegenstand des Genügens kann im Subjektsnominativ (auch in einem Subjektsatz), im Gen. d. S. oder in präp. Fügung stehen; in letzteren beiden Fällen kann das formale Subj. fehlen;
etw
. (Subj. d. S.; oft:
es
)
jn. b
.; ˹ohne formales Subj.:
jn. e. S
. (Gen., z. B.
der missetat
; formelhaft oft:
des
)
b., jn. an etw
. (z. B.
an dem seinen, an dem gute
; oft formelhaft:
daran
)
b
.˺,
jn. b., zu
(+ Infinitivsatz als Subjektsatz)
/ das
(+ Konjunktionalsatz als Subjektsatz);
etw
. (z. B.
armut
)
jm. b
. Formelhaft:
mich benügt (wol)
›etw. stellt mich zufrieden, etw. reicht (völlig) aus‹.

Belegblock:

Chron. Mainz
1, 144, 16
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
so soll und wil sie wole benungen, an den ersamen der stette [...] frunden zu erkennen, was dar in geburlich [...] si.
Tittmann, Schausp. 16. Jh. Ayrer. Phaenicia
228, 114
(
Nürnb.
1618
):
irs vatters gnad wir bede han, | [...] | doch wil das nicht benuͤgen mich.
Bernoulli, Basler Chron.
5, 155, 17
(
alem.
,
A. 15. Jh.
):
und getruwete, daz das concilium und den kúnge wol benuͤgte, das der babest so tete.
Rieder, St. Georg. Pred.
329, 18
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
dez benůgt in nit und wart Gotte ungehorsam.
Schmidt, Rud. v. Biberach
76, 22
(
whalem.
,
1345
/
60
):
In benůogt nút, daz er vs gieng, er macht sich verre von den dingen.
Boos, UB Aarau
84, 15
(
halem.
,
1359
):
des mich wol benuͤget in dirre sache.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1774
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
O we, wil úch benuͤgen nútz, | Ir boͤsen schamlichen juden hart?
Rennefahrt, Statut. Saanen
85, 3
(
halem.
,
1448
):
dar an uͥns wol benuͤget.
Lemmer, Brant. Narrensch.
69, 4
(
Basel
1494
):
Lůg yeder / was er andern tuͤg | Das jn do mit ouch wol benuͤg.
Ebd.
87, 3
:
Die [narren] nit benuͤgt an aller sünd.
Ebd.
94, 16
:
Eym yeden syn armůt benuͤg | Vnd bgaͤr nit / das es groͤsser werd.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 136, 24
(
halem.
,
n. 1529
):
So benuͤegt d’Eidgnossen [...] ouch wol, dass si [...] zů widerlegung und friden kommen soͤltid.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
187, 7
(
Ulm
1486
):
hat dich nit gerauwen oder benüegt der missetat die der Jüngling [...] geton hett?
Henisch
279
(
Augsb.
1616
):
Mich benuͤgt / was Gott fuͤgt.
Weber, Füetrer. Poyt.
121, 6
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Fraw, es penüeget mich, | ob ich nach vnrŭe sollt allsuß erwarmen.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
86, 5
(
moobd.
,
1473
/
8
):
den pot er’s so, das es sy dorfft benüegen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
37, 13
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Disen Hewnen benüegte wol sölichs gehaiss.
Turmair
4, 74, 13
(
moobd.
,
1522
/
33
):
einen ietlichen benüegt an dem seinen.
Wackernell, Adt. Passionssp. St. I,
514
(
tir.
,
v. 1496
):
Mich penügt an dyssem gelt wol.
Quint, Eckharts Pred.
2, 470, 3
;
Küther, UB Frauensee
317, 28
;
Stackmann u. a., Frauenlob
10, 7, 4
;
Chron. Nürnb.
1, 165, 16
;
Lauchert, Merswin
6, 3
;
Adrian, Saelden Hort
6846
;
Lindqvist, a. a. O.
2649
;
Welti, Stadtr. Bern
92, 4
;
Chron. Augsb.
2, 134, 3
;
Spiller, a. a. O.
165, 17
;
Schwäb. Wb.
1, 851
.
3.
›jm. zu völligem religiösem Genügen gereichen, jn. religiös erfüllen; in jm. / etw. sein Genüge finden‹.
Texte der Mystik; 14. Jh.
Syntagmen:
in denselben Konstruktionen wie 2.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 251, 15
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
im begnuͤget nit (dan) an dem ainigen ain.
Ebd.
2, 52, 5
:
herre, zeige uns den vater, sô benüeget uns.
Ders., Eckharts Trakt.
306, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz klage aleine, daz dû noch klagest und daz dich niht benüeget.
Rieder, St. Georg. Pred.
18, 11
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
also solt úns ôch benuͤgen, an Gotte und soltent in im sůchen swaz wir gern hettint an dekainer creature.
Ebd.
327, 16
:
gib mir nút wan dich allaine, dez benuͤget mich.
Vetter, Pred. Taulers
425, 34
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
der mensche ist alzů gitig dem an Gotte nút enbenuͤget.
Goldammer, Paracelsus. B. d. Erk.
42, 12
(
obd.
, Hs.
n. 1570
):
das wir benugt bleiben jnn denn apostlen.
4.
›jn. zufriedenstellen, jm. das ihm rechtlich (o. ä.) Gebührende zukommen lassen‹.
Syntagmen:
den gläubiger b., jn. für den schaden b
.
Wortbildungen:
benügung
2.

Belegblock:

Rot
286
(
Augsb.
1571
):
quittung / wañ einer bekent / das er vmb ein verheissen ding zu friden sey / ein bekantliche benuͤgung.
Rwb
1, 1545
;
Vorarlb. Wb.
1, 288
.