1
beliegen,
V., unr. abl.;
zu
mhd.
ligen
›liegen‹
(Lexer
1, 1915
).
1.
›(seltener:) jn. / (häufiger:) etw. (oft: eine Stadt) belagern, einschließen, jn./ etw. militärisch bedrängen‹.
Bedeutungsverwandte:
 4,  3,  3, .
Syntagmen:
den feind, das gezelt / haus / keisertum / schlos, die burg / feste / stat
(häufig)
b
.;
belegene stat
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
6844
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
dî von Swantopolkis wegin | wârin ûf der burc belegin.
Volz, Prophet Daniel C
1, 1
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
quam nabuchodonosor der kunig zu iherusalem vnd belac di.
Chron. Köln
2, 19, 4
(
rib.
,
14. Jh.
):
do belach buschof Engilbrecht de stat van Collen mit eime groissen her.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
7650
(
omd.
,
1338
):
sy han mir an under laz | Benumen beide kint und gelt | Und han belegen min gezelt.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
670, 6
(
thür.
,
1421
):
das sie zogen vor Arnstete unde belagin das mit gewalt.
Vetter, Pred. Taulers
324, 8
(
els.
,
1359
):
Der mensche sol tůn als ob ein stat belegen were.
Koppitz, Trojanerkr.
5819
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Do Gamorith mit kreften sus | Hette das kaysertüm belegen.
Bernoulli, Basler Chron.
5, 184, 23
(
alem.
,
A. 15. Jh.
):
Und zugent die herren durch Basel und belagent die obgenanten slos.
Adrian, Saelden Hort
5099
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
die úberritent und bligent | ir vigent.
Boos, UB Aarau
237, 38
(
halem.
,
1415
):
als die so in krancken muren mit keinen werlichen sachen gewarnet und ane allen trost besessen, belegen, begriffen und gefangen waren.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
150, 6
(
moobd.
,
1473
/
8
):
ob sy [statt] pelegen wurde, | das sy von aller welt ist ungewunnen.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
19025
;
Reissenberger, Väterb.
19491
;
Chron. Köln
1, 170
;
2071
;
2, 10r, 18
;
3, 809, 16
;
Schönbach, Adt. Pred.
23, 15
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
6, 141, 12
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
80, 23
;
Bernoulli, a. a. O.
5, 64, 5
;
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 141, 14
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
1, 101, 28
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 518
;
Bindewald, Reichsk. Wenzels.
1928, 200
.
2.
›jn. nötigen, bedrängen; jn. ergreifen, bedrängend umschlingen, umfangen, vergewaltigen; jm. anhaften (z. B. von
ere
gesagt)‹; von sehr unterschiedlichen Bezugshandlungen.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
26009
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
daz er eine dirne, | dî bin der súch im dînen pflac, | unkûschlich mit gewalt belac.
Ziesemer, Proph. Cranc. Jon.
2, 6
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
mich hat ummeringet daz wazzer biz an di sele, das abgrunde hat mich belegen.
Strauch, Par. anime int.
40, 8
(
thür.
,
14. Jh.
):
der ere inmac he nicht forzihin, di ist ume allir nehist belegin.
Munz, Füetrer. Persibein
337, 5
(
moobd.
,
1478
/
84
):
mein frawe ist pelegen | von ainem valant vntrew vol.
Löffler, Columella/Österreicher
1, 10, 1
.
3.
›(ein Grundstück) mit Schafen belegen, als Schafschläfe verwenden‹.

Belegblock:

Küther, UB Frauensee
305, 37
(
thür.
,
1507
):
des hoffes acker und wisen in guter besserunge halten [...] den wil dungen vnd mit seynen schaffen [...] beliegen, also das derselbige agker vnd wießen mitsampt dem hoff in guter besserunge [...] sie.
4.
›wo liegen, sich befinden, liegenbleiben (von Sachen); daniederliegen, zu Fall kommen, zugrunde gehen; auf dem Schlachtfeld bleiben, fallen; etw. (z. B. eine Krankheit) im Liegen überwinden‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
11849
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
und snalt im ab den druzzil, | daz er tôt aldâ belac.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
2109
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Sie [werld] beliget nimmer unde | Biz an die jungesten stunde.
Ders., H. v. Hesler. Nicod.
2345
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
daz [tuch] was da belegen | mit dem blute gar besegen.
Ebd.
2498
:
bi dem eide, daz sie swigen, | oder sie musten tot beligen.
Ders., Maccabäer
13368
(
omd.
/
nrddt.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Hyrcanus des so hart irschrac, | daz er uf der erden belac | vur tot unde ane sinne.
Hübner, Buch Daniel
6884
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Bi den wirden er belit, | Unselde en hie houwet.
Thiele, Minner. II,
32, 10
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
is was ein selige stonde | dat got gescoef die vrauwe fyn, | alhy so billicht dr vreuden schyn.
Matthaei, Minner. I,
5, 111
(Hs.
15. Jh.
):
die liebe ir groz gewalt do maz, | in der mazz er sus belag.
Chron. Nürnb.
2, 492, 6
(
nobd.
,
1450
):
so belagen guter lewt, edler und raysiger, auf der walstat bey 80.
Dirr, Münchner Stadtr.
472, 5
(
moobd.
,
um 1365
):
im belig dann ein wenik [saltz], daz mag im sein wirt wol aufgeben.
Klein, Oswald
23, 87
(
oobd.
,
1431
/
2
):
in wasser, wetter, wegen | ,husch‘ lert ich maierol | und was ouch nach belegen.
Helm, a. a. O.
8099
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 518
;
Schwäb. Wb.
6, 1614
.
5.
›jm. schwinden (z. B. Mut); zu Ende kommen, aufhören, sich legen (z. B. von einem Aufruhr gesagt, ütr. auch vom Wind)‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
11364
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Zuletst belac darûf ir mût.
Roth, E. v. Wildenberg
127, 3
(
moobd.
,
v. 1493
):
do zůgen sie auch nit mer fur Müldorf, und der krieg belag also in dem jar.
Ebd.
152, 23
:
mit dem belag die aufrur auf das mal.
Schwäb. Wb.
1, 835
;
Schweiz. Id.
3, 1214
.
6.
›jm. an etw. liegen, sich etw. angelegen sein lassen‹.

Belegblock:

Opel, Spittendorf
275, 26
(
osächs.
,
um 1480
):
Was ime darane belegen was, das die brieffe so wurden gelesen, das weis ich nicht.
7.
phras.
um jn. belegen sein
›um jn. bestellt sein‹.

Belegblock:

Rwb
1, 1531
(a. 
1593
).