bekoren,
V.
1.
›sich zu etw. entscheiden, Gefallen an etw. finden‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod.
1430
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Herodes ez bekorte, | Jesum er vorsmete, | in pfelliner wete | sand er in Pilato wider.
Pyritz, Minneburg
4856
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Daz ich nuͤr sprech ein einig wort, | Daz ir daz hertze niht bekort, | An frevel sie daz niht enliezz.
Niewöhner, Teichner
477, 18
(Hs. ˹
oschwäb.
,
1368
˺):
der waz ain haiden und hat bekort, | scham und mauss, wie gůt daz sei.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
12430
.
2.
›etw. kosten, probieren, schmecken, genießen; etw. wahrnehmen; etw. zu spüren bekommen, etw. kennenlernen‹; auch ütr. auf Bezugsgegenstände moralischer wie konkreter Art.
Bedeutungsverwandte:
2
, , .

Belegblock:

Schöpper
35a
(
Dortm.
1550
):
Gustare. Schmecken versuchen bekoren bekosten.
Thiele, Minner. II,
22, 23
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
wer heils van wiben nicht hait becort.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
9403
(
rib.
,
1444
):
dat du nummer vynden en macht | Noch gevunden en hais hie voeren | Quaider hende, du salt sij balde bekoren.
Chron. Köln
2, 8r, 50
(
Köln
1499
):
als sy die vrucht bekaert hadden vã stund an so voilden Sij beyde den brickell [...] yrre menlicher vnd vreulicher geleder.
Ebd.
8v, 39
:
also syn vnser alderen. die de verboden dynge bekoirt hauen. geuallen van dem hoghen in dat nidder.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb.
1, 77, 4
(
Köln
um 1490
):
Ick woude dat wij eyn quertgijn hadden. | Id steit to becoren mit ju lip. | So bald as ichs hadde geproifft, | Pensde ich in mynem hertzen.
Asmussen, Buch d.
7
Grade 1196 (
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Der funfte grot treit solhen hort: | Swelh sel dez ze aimol hot pekort, | deu kan noch mach furpaz niht me | sorgen, wie daz korn ge.
Ebd.
1928
:
daz si kain auge nie gesach, | noch nie kain ore gehort, | noch menschenherze pekort.
Rieder, St. Georg. Pred.
331, 7
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
swer nu welle in disem libe bekoren der vroͤde die da ist in hýmelriche.
Niewöhner, Teichner
595, 9
(Hs. ˹
önalem.
,
um 1433
˺):
waz ich nie gesach noch hort, | ez sy wiß oder wort, | da ist mir ain nuͤwez bekoren.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
5, 58, 22
(
Straßb.
1466
):
das ich hab bekort ein lútzel von disem honige.
Schmidt, Rud. v. Biberach
74, 18
(
whalem.
,
1345
/
60
):
di sv́, das ist, wisheit, búkort vnd enphindet vnd wirt gelv́stiget.
Koppitz, Trojanerkr.
137
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
das du mütterlicher brust | Nie bekortest won der min.
Chron. Köln
2, 8r, 40
;
Schmidt, a. a. O.
11, 12
;
Koppitz, a. a. O.
11013
;
17491
.
3.
›jn. prüfen, einer weltbezogenen Prüfung unterziehen; an jm. etw. ausprobieren‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod.
1484
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
sprichet doch, er si gotes son | und wil unse e zustoren, | daz tumme volc bekoren.
Thiele, Minner. II,
28, 18
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
syne manlicheit, syne zůesse woirt | haint mich sendes wyf bekoirt.
Ebd.
32, 206
:
waer om solde ich deme lonen | die scoonde mynt und richen hoirt | vur lieflich ducht die home becoirt?
Buch Weinsb.
1, 62, 10
(
rib.
,
um 1560
):
Ob ich aber ehe heimlich darmit bekort sin, ist mir nit kundich.
Jellinek, Friedr. v. Schwaben
5280
(
schwäb.
, Hs.
1478
):
Fräw, [...] | [...] beschaid mich der wort | Wer sy mit losung hab bekort.
Niewöhner, Teichner
437, 22
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
davon ist er in meim bechoren
[›meiner Meinung nach‹]
| pesser der daz wuecher gelt | wider pringt in di werlt | denn ders wuecherleichen gewan.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
27
.
4.
›sich e. S. unterziehen, unterwerfen; etw. auf sich nehmen‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod.
4073
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
des fleisches tot, den al die werlt bekoren muz.
Ders., H. v. Hesler. Apok.
12878
:
Wen her die botschaft durch in warb | Und vor die menscheit starb | [...], | Daz des todes hie bekorte | Der gotheit drinne luzende.
Matthaei, Minner. I,
8, 332
(Hs.
15. Jh.
):
mynne; wer der bekort | in irem reinen wesen, | der ist aller untugend genesen.
Henschel u. a., Heidin
1019
(
nobd.
,
um 1300
):
der selben not | Mvz ich nv bekoren | Sint ich sinne nv hant v́loren.
Niewöhner, Teichner
459, 39
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
und lebt in dem guten wan | untz daz er der puez bechoret.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
494, 5
.
5.
›jn. überkommen‹.

Belegblock:

Reissenberger, Väterb.
26063
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Wan im betrubet was der sin | Unde mit leide bekort.
Helm, Maccabäer
12842
(
omd.
/
nrddt.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Do daz Antipater horte | groz zorn en des do bekorte.
6.
›jn. versuchen, in Versuchung führen, js. Glauben einer Prüfung unterziehen‹.
Texte religiösen Inhalts.
Syntagmen:
feind / teufel / der helle fürste jn. b., anfechtung / bosheit jn. b
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
1512
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Her was so selic bi der zit | Daz in der helle vursten | Bekorn nicht entursten.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
4, 1
(
osächs.
,
1343
):
Dô ist Jhêsus gefûrt in di wůstenunge von dem geiste, ûf daz her bekorit worde von dem tûfele.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
761
(
omd.
,
1338
):
Des suchet der tuvel loube | Daz er unschult beroube, | Versuche und bekore | Mit sinem valschen spore.
Rieder, St. Georg. Pred.
114, 30
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
so ist der túvel in dem mentschen, und fuͤget denn mit sinen raͤten daz der mentsch bekort wirt.
Ebd.
117, 1
:
in ain ander wis wirt der mentsch bekort von sin selbes boshait.
Bihlmeyer, Seuse
490, 22
(
alem.
,
14. Jh.
):
kan uns der túfel bekoren und betruͤben, so kan uns daz goͤtliche ewige liep Jhesus Cristus heimliche bi ston.
Vetter, Pred. Taulers
44, 15
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Wie moͤhte er sú me versůcht und bekort han, und sú naher gejaget und getriben haben?
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 580
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
wurdent sv́ von solichem geiste vnd von solichem liehte bekort, sú enmoͤhtent im nút schaden.
Rieder, Gottesfr.
130, 30
(
els.
,
1371
):
sú wurdent doch alse gar balde bekoret, daz sú zů stunt wider von uns wurbent mit grosseme ernste.
Helm, H. v. Hesler. Nicod.
569
;
ders., H. v. Hesler. Apok.
2106
;
9973
;
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
2237
;
Reissenberger, Väterb.
2770
;
Rieder, St. Georg. Pred.
93, 5
;
Eichler, a. a. O.
1, 269
;
Vetter, a. a. O.
404, 25
;
Päpke, Marienl. Wernher
6849
;
Diefenbach
58
c;
577a
;
578a
;
Dietz, Wb. Luther
1, 249
/50;
Pfeiffer, Kölner Ma.
1854, 306
.
7.
›(Gott) herausfordern, in ungebührlicher Weise versuchen‹.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc. Jes.
7, 12
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
do sprach Achaz: ich bitte nicht, ich bekore ouch den herren nicht.
Vetter, Pred. Taulers
362, 17
(
els.
,
1359
):
Nút das man Got út súlle bekoren.
Feudel, Evangelistar
20, 26
.
8.
›jn. ernsthaft um etw. bitten, ansuchen, angehen‹.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 295, 16
(
rib.
,
1412
):
sodat sich vele goider lude [...] darumb moeden ind unse herren ernstlich moeden, baden ind bekorden.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 21, 61
(
Frankf.
1557
):
das wir | [...] | Mit eim Pater Noster Gott bekoͤren, | Ob er vielleicht vns wuͤrd erhoͤren.
Quint, Md. Karl u. Eleg.
1051
(Hs. ˹
thür.
,
n. 1455
˺):
Got, aller werlde he
s
re, | Ich bekoͤre dich czů sere, | [...] | Gyb my frist noch eine nacht.
Pyritz, Minneburg
3841
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Daz du wollest gevolgig sin, | Waz din liep an dich bekort.
Quint, a. a. O.
872
.
9.
›nach etw. trachten, sich um etw. bemühen‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
9628
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Dise rede hâte | ein abt vornumin und gehoͤrt | unde wart darûf bekort, | daz er irvarn dî mêre | wold, ob iz wâr wêre.
Reissenberger, Väterb.
14230
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Horet ieman von den nehsten sin | Uf sich sagen ein bose wort | Und sich sine herze des bekort | Daz er im scharpfe antwurte gebe.