bekleiden,
V.
1.
›jm. (auch: sich) Kleider anlegen; jn. auf eine bestimmte Weise anziehen, kleiden; etw. mit einem Überzug versehen‹; als pars pro toto auch: ›jn. bezahlen, jm. Unterhalt geben‹; als part. Adj.: ›auf eine bestimmte Weise gekleidet‹; auch in bildlicher Verwendung; ütr.: ›(ein Amt) bekleiden, innehaben‹.
Bedeutungsverwandte:
 5,  1, .
Syntagmen:
jn
. (z. B.
den nackenden, die leute
)
/ tiere b., js. leib b., die holzung, das gesicht b
.;
sich als ein aussätzig mensch, auf die teutsche manier, mit einem hemde / rocke b., jn. mit kleidern b., jn. als eine tocke b
.;
in einem samt, mit samt, in schwarz gewand, in gelb, von häuten, mit einem rok bekleidet sein
;
köstlich / manlich / schlecht / säuberlich / zart bekleidet sein
;
bekleidetes bette, bekleidetes geding
›förmlicher Vertrag‹.
Wortbildungen:
bekleidnis
›Bekleidung‹ (a. 1570).

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 328, 6
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Dâ von hât er sich bekleidet mit dem rocke der glîchnisse des brôtes.
Ebd.
2, 274, 4
:
Wan güete und gerehticheit ist ein kleit gotes, wan ez bekleidet in.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 107, 5
(
Köln
1619
):
der gwaltig Gott, | Der Himmel vnd Erd erschaffen hat, | Der alle Thier bekleidet.
Luther. Hl. Schrifft. Mt.
6, 29
(
Wittenb.
1545
):
Jch sage euch / Das auch Salomon in aller seiner Herrligkeit nicht bekleidet gewesen ist / als der selbigen [Lilien] eins.
Thiele, Minner. II,
14, 168
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
arm nackent lüt bekleiden | du solt, die hungerigen spisen.
Goldammer, Paracelsus
2, 56, 3
(
1531
/
4
):
darumb komben die knecht auch in den teil der erden, werden davon bekleidet.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
628
(
schwäb.
,
1453
):
Die wǎren all beclaidet gar | Mit semit rott.
Heydn. maister
13v
, 17 (
Augsb.
1490
):
vnd hat sÿ mit neüen klaÿdern beklaidet vnd begabt mit heÿrat gůt.
Chron. Augsb.
8, 239, 6
(
schwäb.
, zu
1563
):
nach inen ist ir herr vatter, hertzog Albrecht, gantz schlecht beklaidt, allain geriten.
Klein, Oswald
41, 45
(
oobd.
,
1431
/
2
):
Von mandel, rock recht als ain tock ward ich beklait, | durch füxs und märder.
Weber, Füetrer. Poyt.
64, 6
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Auch het dy keusch peklaidet sich, | das durch ir plick manigen stach dy mynne.
Roth, E. v. Wildenberg
159, 7
(
moobd.
,
v. 1493
):
bekleit er sich als ein aussetzig mensch.
Turmair
4, 904, 20
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Er tet oft das römisch und welsch klaid ab, beclaidet sich auf die teutschen monir.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
9, 26
(
tir.
,
1464
):
Johannes der was peklaidet in der wüest von den heüten der kemeltier.
Kehrein, a. a. O.
1, 15, 9
;
360, 44
;
Stammler, Berner Weltger.
559
;
Adrian, Saelden Hort
1995
;
Wiessner, Wittenw. Ring
5355
;
Sappler, H. Kaufringer
21, 96
;
Brandstetter, Wigoleis
192, 41
;
227, 14
;
Chron. Augsb.
1, 60, 3
;
8, 239, 28
;
Maaler
56v
;
Golius
195
;
Henisch
270
;
Dietz, Wb. Luther
1, 249
;
Rwb
1, 1503
;
Schweiz. Id.
3, 624
.
2.
›(eine Mauer) verputzen, verkleiden; etw. (z. B. Festungsgräben) ausbauen, stützen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1.

Belegblock:

Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
775
(
Köln
1476
):
Wye man do dye grauen bynnen | Becleytten ind machten | Vast gebolwerckt in der erden.
Ebd.
3137
:
bolwerck dyck myt guden grauen, | Seer dyep ind wayll becleydt, dy moyssz man hauen.
Opel, Spittendorf
211, 43
(
osächs.
,
um 1480
):
die kirche was nicht gewelwet, sondern mit patronenbretern bekleidet.
Henisch
270
(
Augsb.
1616
):
Die wand bekleiden / bewerffen.
3.
›jn. umstrahlen, mit Licht umgeben (z. B. von der Sonne); jn. umhüllen; jn. umgeben, begleiten‹.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. Offb.
10, 1
(
Wittenb.
1545
):
der [Engel] war mit einer Wolcken bekleidet.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 401, 7
(
Nürnb.
1631
):
Sie [Maria] ists Weib mit der Sonn bekleyd, | Mit Tugend hoch geziert.
˹In einem Wortspiel mit ›Sonne‹ und ›Sohn‹: Lindqvist, K. v. Helmsd.
3275
/81 (
halem.
, Hs.
um 1435
):
die was so klar | Das sÿ der sunne hat beklait | Und under ir fuͤss den mon geleit. | [...] | Maria die hat och beklait | Der ware sunn der gotthait
Klein, Oswald
91, 74
(
oobd.
,
1431
/
2
):
nu wend meins herzen laid, | das mich all raid beklaid.
4.
›jn. / etw. mit etw. ausstatten, versehen, schmücken, auszeichnen‹; oft von abstrakten Bezugsgrößen gesagt.
Syntagmen:
oft mit präp. Satzglied oder (seltener) mit präd. Attribut für die Größe, mit welcher die P. / S. ausgestattet ist, z. B.
mit weisheit bekleidet (sein), lobesam bekleidet
, dann: ›voller Weisheit‹, ›im Besitz hohen Lobes‹.
Älteres und mittleres Frnhd.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
228, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Ist diu zunge bekleidet mit bitterkeit.
Ebd.
268, 7
:
wilt dû [...] mit tugenden und gnâden bekleidet werden.
Jostes, Eckhart
7, 6
(
14. Jh.
):
und nimt got blozze, e er worde becleidet in den gedanchen mit weisheit.
Vetter, Pred. Taulers
369, 16
(
els.
,
1521
):
das ist gelassenheit, vnd ledigkeit vñ vnannemlicheit, vnd deñ die drey tugent bekleidt seind.
Schmidt, Rud. v. Biberach
116, 29
(
whalem.
,
1345
/
60
):
so zuht es [gemvͦte] sich selben vs vnd bekleidet sich selber mit einer goͤtlichen begirde.
Päpke, Marienl. Wernher
14387
(
halem.
,
v. 1382
):
Du minnekliche schoͤne, | [...] | Mit allen eren so beklait.
Koppitz, Trojanerkr.
12944
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Waz man von lichten blümen spechen | Mag, der waz der anger braitt | Völlenklichen beclaitt.
Adrian, Saelden Hort
5438
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
den maͤhtigosten lúten, | die tugent, schóne, wishait | vor allen luten hat beklait.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
149
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
die siben gaben vor gezalt | Mit den Cristus ward be klayt.
Ebd.
2674
/80:
So sÿ von siner marter laid, | Sich tugentlich hat beklait | [...] | Hat gaistlich sich beklaidet die zart | Und hat durch uns der helle hund | Da mit ertoͤt.
Sappler, H. Kaufringer
16, 356
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
her Salomon, der mit weißhait | was über all man beclaitt.
Klein, Oswald
109b
, 10 (
oobd.
,
1431
/
2
):
Ave, mütter, frau, magt und maid, | erenreiche, lobesam beklait.
Wiessner, Wittenw. Ring 9;
Brinckmeier
1, 326
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 509.
5.
anschließbar an 1 oder 4 metaphorisch oder bildlich in Syntagmen wie
sich / jn. / etw. menschlich / mit menschheit b
. ›Mensch werden; menschliche Gestalt annehmen; (Gott) als Menschen gebären‹.

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 412, 3
(
Leipzig
1537
):
Dweyl von ihm geborn ist der Herr, | Nach seiner heyligen menscheyt, | Mit welcher er sich hat bekleydt.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
307
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Das sÿ solt schwanger werden | Und bringen uff die erden | Mit menschlicher natur beklaitt | Jhesum.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
10, 5
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
dem höchsten got, der sich verspart | zu dir, du wol versloßner gart, | da er menschleich bechlaidet wart.
Ebd.
3, 26
:
Pflegerinn der taugenhait, | die got menschlich hat bechlait.
6.
›etw. bemänteln, verschleiern, umhüllen‹.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
4, 54, 38
(
Frankf.
1557
):
Das etlich sein also bescheiden, | Jr vnwissenheit zu bekleiden.
7.
›etw. mit angemessenen Worten erläutern, beantworten‹.

Belegblock:

Mayer, Folz. Meisterl.
77, 31
(
nobd.
,
1517
/
8
):
Das ich mit inigkeite | Dir disse frag becleite | Und sindlich gerb.
Klein, Oswald
35, 34
(
oobd.
,
1431
/
2
):
si hat den rüff, | du seist ir kind, sun güter, | Freuntlich veraint, das ich Wolkenstein | die lieb nicht kan beklaiden.