behemisch
(am häufigsten),
bemisch,
beheimisch,
bömisch
(jeweils seltener),
Adj.
1.
›böhmisch‹, von sehr unterschiedlichen Bezugsgrößen gesagt (vgl. die Syntagmen); je nach Bezugsgröße z. B.: ›nach böhmischer Art gemacht‹; ›zu Böhmen gehörig‹.
Syntagmen:
behemischer käse / ketzer / könig / schleier / trinkkrug, behemische arbeis / haube / krone / mütze / tonne
(Maßeinheit),
behemisches gebirge / messer / schmalz / tuch
.

Belegblock:

Hajek, Gůte spise 
63
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Heidenische erweiz. Wilt du machen behemmische erweiz, so nim mandelkern vnd […].
Lichtenstein, Lindener. Katzip. 
215
(o. O.
1558
):
sonderlich imm Schweytzerland wären die bessten [käß], die auch uber die böhemischen und engelländischen wären.
Ebd.
384
:
brannten-wein mag er gar nit, alle morgen nur ein wenig, nämlich eine behemische thunnen, ist schier ain gůt halb faß wasser.
Alberus
Zz ijv
(
Frankf.
1540
):
Albis, die elb kũpt auß dem Behmischen gebirg.
Sachs
2, 341, 13
(
Nürnb.
1537
):
Auch ist die behemische kron | Der siben churfürsten ob-mon, | Durch den bestätigt wirdt die wal | Eins römischen keysers allmal.
Chron. Augsb.
8, 190, 18
(
schwäb.
, zu
1562
):
In disem monat septembris am montag adj. 7. gemelts ist der erwölt kunig zů Beham [...] zů ainem böhemischen könig gesalbt und gekrönt worden.
Stopp, Kochbuch S. Welserin
149, 1
(
Augsb.
1553
):
Bemisch erbis zú machen Nim 3 lot erbis, seuds trucken.
Winter, Nöst. Weist.
1, 1029, 1
(
moobd.
,
1431
):
der in ein haus sticht [...] mit ainem pechmischen messeͣr auch 72 ₰.
Roth, E. v. Wildenberg 
148, 10
(
moobd.
,
v. 1493
):
zů Hilkersrewͦt wurden der beheimischen ketzer erschlagen 1800 auf einer walstat.
Moscouia
D 4r, 34
(
Wien
1557
):
FERDINANDO jetzmals Roͤmischen Hungerischen / vnd Behamischen Khuͤnig.
Zingerle, Inventare 
91b, 3
 (
tir.
,
1462
):
ain pehemischen trinckhkrueg.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
29, 28
;
Loose, Tuchers Haushaltb. 
45, 29
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
49, 13
;
Mollay, Ofner Stadtr. 
423, 26
;
Öst. Wb.
2, 811/2
;
Foltin, Kopfbedeckungen.
1963, 162
;
167
.
2.
›tschechisch‹.

Belegblock:

Roth, E. v. Wildenberg 
155, 23
(
moobd.
,
v. 1493
):
die Beheim hieten den fürsten sonderlich lieber gehabt dann ander darumb, das er die behemische sprach gar wol künd.
Moscouia
B 1r, 38
 (
Wien
1557
):
G. wird gemaingelich / wie auch Behaimisch / für ain H. außgesprochen.
Dietz, Wb. Luther
1, 770
.
3.
phras.:
behemischer grosche
, meist als subst. Adj.
behemisch
, (
der
); seltener:
behemischer gulden / behemischer kreuzer
›Prager Groschen‹; ab dem 16. Jh. allgemein Bezeichnung für einen Groschen.
Zur Sache: Kahnt u. a., Alte Maße [...].
1987, 39
und 234; Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 34
; v. Schrötter, Wb. der Münzkunde.
1970, 529
 f. (s. v.
Prager Groschen
).

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
7, 7
(
preuß.
,
1392
):
an golde […] 5½ hundert ducaten, ungerische und bemische goldin.
Chron. Köln
2, 160, 20
(
rib.
,
15. Jh.
):
ein man van 1000 gulden rich gaf 2 gulden, […] dat gemein vulk, man ind vrouwen, […] dat moiste geven einen bemschen.
Küther, UB Frauensee 
319, 27
(
thür.
,
1513
):
ein ander wisen […] davon sie uns alle jare reichet und gibitt funf bemhisch.
Hoffmann, Würzb. Polizeisätze 
119, 10
(
nobd.
,
1434
):
daz nymant keinen schnyter mee zu lon geben sol dann ein tag 2 behemisch.
Sachs
21, 126, 26
(
Nürnb.
1556
):
ich hab | Ein schock alter behemischn groschen.
Scherzius
112
:
Behemsch, moneta Bohemica. […] ein BEHEMSCH ist eine gute muintz, ist gut silber, aber der gemeyn man kennt sye nicht, dorumb so schlecht ein statt ir zeichen doruff
[Geiler von Kaysersberg 1491].
Michels, Murner. Badenf. 
35, 61
(
Straßb.
1514
):
Ein behemsch / crützer / was ich hat, | Gab ich im.
Maaler
55v
(
Zürich
1561
):
Behemsch / Ein müntz gilt drey kreützer.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 119, 12
(
schwäb.
,
1554
):
wan einer in die statt fir die herren geschickt und er nit über nacht sein darf 6 kreizer oder 2 böhmisch.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 132, 32
(
schwäb.
,
16. Jh.
):
wo aber einer also seumig were und solches verachtet, der soll gebiest werden umb vier Böheimisch.
Ebd.
425, 10
(
1570
):
derselbig soll allwegen den richtern von einem gulden ein Behmisch [...] zue clagschatz verfallen sien.
Ebd.
577, 33
(
1640
):
so soll derselbig gast zue fürbott geben zwen Bömisch.
Ebd.
2, 236, 25
(
schwäb.
,
1618
):
Es sollen auch unsere bevelchhaber von der kaufsumme wie hoch oder nider die sei von jedem guldin ein Bömisch zue herrnweinkauf wie von alter hero gebräuchlich gewesen einnemmen.
Leidinger, V. Arnpeck
613, 6
(
moobd.
,
v. 1495
):
pis oft im ain paur oder arm man nur ainen pehamisch gab, den nam er.
Skála, Egerer Urgichtenb.
137, 7
(
nwböhm.
,
1574
):
Dem Gardian Im obern kloster hab er 4 Behemische Auß 1 Buchsel gestolen.
Chron. Köln
3, 765, 15
;
Chron. Mainz
1, 54, 33
;
55, 9
;
Küther, a. a. O.
231, 40
;
276, 11
;
Hoffmann, a. a. O.
90, 22
;
Sachs
14, 76, 3
;
Schib, H. Stockar 
165, 14
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 257, 18
;
Müller, Grafsch. Hohenb.
2, 72, 32
;
108, 35
;
Skála, a. a. O.
100, 16
;
Rwb
2, 401
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 705
;
Schwäb. Wb.
1, 1268
(mit Wertangaben);
Schweiz. Id.
4, 1093
;
Schmeller/F.
1, 897
.