begeren,
V.
1.
›(einen Partner) erotisch begehren, erotisch nach jm. Verlangen haben‹; meist vom Mann auf die Frau gerichtet, mehrfach aber auch umgekehrt; mit Verschiebung auf die erotische Beziehung: ›Verlangen (auf eine erotische Bindung oder ein Erlebnis) haben‹.
Bedeutungsverwandte:
 15,  2,
1
 4,
1
 3,  7, .
Syntagmen:
ein weib, einen man b., die schöne
(›Schönheit‹)
b
., (verschoben:)
die ehe / geselschaft / minne, einen umfang
(›Umarmung‹)
b
.;
des weibes, der frauen
, (verschoben:)
e. S
. (Gen., z. B.
der schöne
)
b
.
Wortbildungen:
begererin
.

Belegblock:

v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
34, 21
(
omd.
,
1487
):
das weÿp begertt den man. […]. Weÿber au̇ß natürlicher zcu neÿgúng begern geselschaft der menner vmb ÿrer vnuolkõmenheitt willen.
Ebd.
63, 27
:
Wehr ein weip sÿhet dÿe zcubegeren. vornÿm Jn vnehlicher weise. hat itzu̇ndt den ehbruch Jn seÿnem hertzen mitt ÿr vorbracht.
Dubizmay, kurß zu Teutze
90, 14
(
hess.
,
1463
):
Häre tochter vnd sich vnd neyge deyn ore wan der kungk hat deyne schone begert.
Jostes, Eckhart
65, 23
(
14. Jh.
):
Sunderlich lieb on hůte die ist ein valsch minnerin […] und ist ein begererinne der untugent.
Neumann, Rothe. Keuschh. 
2723
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
des sin [mannes] unkusches hertze begert, | des wirt bewilen gewert.
Luther. Hl. Schrifft. 
Mt. 5, 28
(
Wittenb.
1545
):
Wer ein Weib ansihet jr zu begeren / Der hat schon mit jr die ehe gebrochen.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
beGaͤren mit vnzüchten.
Fuchs, Murner. Geuchmat 
691
(
Basel
1519
):
Ein yede ouch nit mer begeret, | Denn allein ein lieb zů han, | Begert ouch sunst keins andren man.
Schmidt, Rud. v. Biberach 
173, 18
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Dv́ dritte ist tempurnissi, si ordenot die búgererin. Dv́ vierde heist gerechtikeit, dv́ rechtigot alle krefte der sel.
Lindqvist, K. v. Helmsd. 
636
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
nit úber gang din ee, | Beger och kainer frowen me | Denn der dinn.
Maaler (
Zürich
1561
):
Brunst […] die zeyt […] da das weyble des mennleins begaͤrt.
Lauater. Gespaͤnste
22r, 7
 (
Zürich
1578
):
wie diser jung mann in liebe der edlen frouwen gantz vnd gar entzündt / an sy fründtlichen begaͤrte / sy woͤltind so wol thůn vñ helffen daß er mit jren der liebe pflaͤgen moͤchte.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
229, 6
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
Unde (daz) ist da von, wan einre ieklichen creaturen natürlichen ist, daz ez begeret unde minnet etwaz, nach dem unde ez zimlich geborn ist zesin.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Der Buler weiß wol was er begert.
Kehrein, Kath. Gesangb.  (Hs. wohl ˹
sböhm.
,
15. Jh.
˺):
Wye daß ain junckfraw mug geperñ | dy kainen man nye thet pegerñ.
Dubizmay, a. a. O.
69, 6
;
Neumann, a. a. O.
2767
;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. ;
Roloff, Brant. Tsp. 
710
;
Wiessner, Wittenw. Ring
1836
;
3994
;
Klein, Oswald
107, 15
;
Sappler, H. Kaufringer
7, 139
;
Vgl. ferner s. v.  5.
2.
›jn. zur Ehe begehren, um jn. werben‹.
Bedeutungsverwandte:
, .
Syntagmen:
mit Gen. und Dat.

Belegblock:

Schöpper  (
Dortm.
1550
):
Procari. Werben freyen zur ehe begeren.
v. Birken. Erzh. Österreich (
Nürnb.
1668
):
was massen die 3 Churfuͤrsten jeder eine von Rudolph Toͤchtern begehret.
Lemmer, Brant. Narrensch. 
52, 32
(
Basel
1494
):
Es sindt gar wenig Boos me | Die Ruth begeren zů der ee.
Roloff, Brant. Tsp. 
700
(
Straßb.
1554
):
ein reicher ehren mann | Der begert dich zů seim gemahel han.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Wer eines Kind zun Ehren begert | der ist sein Feind nicht.
Turmair 4,  (
moobd.
,
1522
/
33
):
der [tochter] begert zue der ê Dareios.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
45, 48
.
3.
›(Hunger, Durst) als natürliches Verlangen nach / auf etw. verspüren‹; bei Übermaß des Verlangens: ›von etw. besessen sein‹.
Syntagmen:
das essen, den tropfen wasser b
.;
des wassers, eines fisches b
., mit Subjektschub:
bauch des essens / trinkens b
.;
auf geitigkeit b
.;
b., zu […]
.

Belegblock:

Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk. (
osächs.
,
1343
):
her begerite sînen bûch zů fullene von den hulsin di die swîn âzin.
Gille u. a., M. Beheim 
194, 18
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
das ein iglich unkeüsch person | aintweder ist unsauber | Oder auf geitikait peger.
Ebd.
195, 14
:
alle mal pegert sein pauch | essens und trinkens und darnauch | leipliches lustes.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Die mutter begeren / wollen saugen / uberibus inhiare.
Ein […] Hirsch begert des kuͤlen wassers.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
65, 48
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
wann ainr nach dem hunger oder vasten pegert das essen vnmaͤssleich.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
16. Jh.
):
ob aber wer […] ein kranker mensch, der eines fisch begehret.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
24, 21
(
tir.
,
1464
):
ir werdet pegëren mit dem reichen mann […] den minsten tropffen wasser in dem leiden der ewikhait.
4.
›nach e. P. verlangen, jn. zu sprechen, zu konsultieren bitten, jn. um etw. angehen‹.
Syntagmen:
js
. (z. B.
des herren / gehilfen
)
b
.;
jn. um etw
. (z. B.
den mangel
)
b
.

Belegblock:

Grossmann, Unrest. Öst. Chron.  (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Da pegerten die lanndtlewt ires herrn, den in der kunig Fridreich antwuertet.
Mollay, H. Kottanerin 
14, 7
 (
moobd.
,
1439
/
40
):
Vnd willigat mich der swëren rais […], vnd begerat ains gehilfens.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
2
 (
mslow. inseldt.
,
1492
):
pergmeister: wo man seÿner pe gerth do soll er helff(e)nn.
Ebd.
38
(
1537
):
d(a)s er […] einfar, Vnd die mengel, darumb in d(er) Waltpurg(er) begert hat, Vleÿsig besech.
Schlosser, H. v. Sachsenh. 
1492
.
5.
›etw. aufgrund der dem Menschen eigenen Habgier, ohne moralischen Grund als Besitz, zur angenehmen Verfügung begehren, aus Besitzgier, Ruhmsucht, sexuellem Verlangen oder ähnlichen, negativ bewerteten Gründen nach etw. streben‹; offen zu 6.
Phraseme:
der bärenhäuter leinen begeren
›etw. Nebensächliches, nicht die Hauptsache begehren‹;
etw. mit dem schwanz begeren
›etw. beiläufig begehren‹;
wes / was das herz begert
.
Bedeutungsverwandte:
(V.), , .
Syntagmen:
an jn
. (›von jm.‹)
e. S
. (Akk. oder Gen.)
b., ere / geld / gold / silber / reichtum / gut / wollust, den preis b., etw. von herzen b
.;
der ere / mächtigkeit / welt, des geltes / gutes / hauptes / hauses / landes / lones / nutzes b
.
Wortbildungen:
begerer
1.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Ir eigen êre, ir nuz und swaz ir ist, des ensol si niht mêr begern […] dan eines vremden.
Daz ist gar ein swæriu rede, daz wir niht lônes begern sölten!
Froning, Alsf. Passionssp. 
4845
(
ohess.
,
1501ff.
):
du magest wol viel des begeren, | des der nymmants magk geweren!
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann 
20, 30
 (Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Was schöne ist, ist mit tegelicher besorge swerlich zu halten, wann sein alle leut begeren.
Anderson u. a., Flugschrr.
27, 6, 30
([
Erfurt
1522
]):
yr sollen euerem nechsten zcu hilff kum̃ vnnd nit daruon begeren.
Luther. Hl. Schrifft.
2. Mose 34, 24
(
Wittenb.
1545
):
Wenn ich die Heiden fur dir ausstossen / vnd deine Grentze weitern werde / sol niemand deines Landes begeren.
Ebd.
5. Mose 5, 21
:
DV solt nicht begeren deines Nehesten Haus / Acker / Knecht / Magd / Ochsen / Esel.
Banz, Christus u. d. minn. Seele 
2048
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Ich han begriffen alles das, | Deß min hertz ie begeren was.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
557, 22
(
els.
,
1362
):
Hette aber die dochter ires vatters oder der můter hǒbet begeret, one zwifel Herodes hette ir dis fúrseit.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel  Var. (
Straßb.
1466
; Var.
Augsb.
um 1475
):
leyden als der manschlaͤchtig oder als der dieb, oder als der verflůcher, oder als der begerer der frembden guͤtter.
Lindqvist, K. v. Helmsd. 
643
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
du nit begeren solt | Dins neben menschen silber ald gold.
Goldammer, Paracelsus
2, 89, 23
(
1530
/
5
):
man soll dem hund nit alles geben, so er mit dem schwanz begert.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
aber wisset, der Teuffel begehrt der Bernhäuter leinen, dann der meiste theil vnder ihnen ist viel ärger als der Teuffel.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Er hat was das hertz begeren mag […]. Du begerest võ mir die Landschafft Arcadiam / das ist / […] vnnutze ding […]. Er hat gebraten oder gebacken meel begert / das ist / er ist mit seim haußmaͤlin nicht vergnuͤgt.
Arm ist der vil begert / Wer vil begert dem gehet vil ab […]. Drey ding begeren die Menschen / Ehr / Reichthumb / Wollust. Du solt ehe dein eigen Gut verzehren / Dann das wollst frembdes begeren. […]. Kein Reichthumb begeren ist das groͤste Reichthumb.
Klein, Oswald
83, 37
(
oobd.
,
1431
/
2
):
von irem kloben mich bevilt, | des gümpels er zu dick begert.
Bauer, Zist.-Pred. Haller 
47, 127
(
tir.
,
1466
):
Die lieb der welt die pegert der ganczen welt vnd würt nimmer ersatt.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.  (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Wer der machtigkeit und vorgangs begertt auff erttreich, der vindt nyderung.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V.  (o. O.
1532
):
Das die Richtere, […], sonndere belonung vonn dem Ancleger begern vnd Nemen, das gantz widder das ampt […] eines Richters.
Turmair 4,  (
moobd.
,
1522
/
33
):
Wen ainer etwas an den kaiser begern, etwas von im haben wolt, so lief er und kam zu disem Veturio.
Quint, a. a. O. ;
ders., Eckharts Trakt. ;
Kehrein, Kath. Gesangb. ; ;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
41, 30
;
Gille u. a., M. Beheim 
99, 645
;
Lemmer, Brant. Narrensch. 
10, 26
;
59, 1
;
Thiele, Minner. II,
6, 75
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
111, 35
;
Klein, a. a. O.
30, 33
;
Kummer, Erlauer Sp. ;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
114, 1
;
Ulner
71
;
6.
›etw., auf das man ein Recht hat oder auf das man ein Recht in Anspruch nimmt, fordern, verlangen, gebieterisch einfordern; jm. etw. abverlangen‹; offen zu 8; 10.
Bedeutungsverwandte:
, (V.) 3,
1
 5.
Syntagmen:
an
(oft)
/ auf jn., von
(oft)
/ zu jm. e. S
. (Akk. oder Gen.)
b
.;
absonderung / abtrag / antwort / ausrichtung / steuer / tribut / wandel / weisung, die erbschaft, eine copie, ein zeugnis, einen bürgen, sein teil b
.;
des briefes / urteils / friedes b
.;
b., das […] / zu […]
;
begerende partei
›klagende Partei‹.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Nû begert got niht mê von dir, wan daz dû dîn selbes ûzgangest […] und lâzest got got in dir sîn.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 633, 15
(
preuß.
,
1444
):
so begeren wir eyne rechtfertige wicht als am steyne, am zcentener.
Reichert, Gesamtausl. Messe
5, 32
(
Nürnb.
um 1480
):
das er nuer seines guttes beger und nicht den tod des diebes.
Köbler, Ref. Wormbs
255, 26
(
Worms
1499
):
so moͤgen sie alle gemeinlich […] begeren das die schulden vnder sie verteilt werden.
Ders., Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
Weñ ein erb vom gůt ein Copy begert.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
103a
 (
schles. inseldt.
,
1455
):
ist kommen Hannus Weysbar vor gehekte bang vnd hot begart dan reyster czu lasen.
Ebd.
682
(
1481
):
Greger Schẅberth […] hot begaret eyn geczeẅgnos aws gehegtem dinge.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
153, 18
(
els.
,
1362
):
Diz werte sant Johannes vnd begerte daz man der kirchen gůt solte vnder die armen cristen teilen.
Roloff, Brant. Tsp. 
670
(
Straßb.
1554
):
Ich beger zů ir khein ehsteur meh.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.  (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
darumb der kunig von Vngern von den lanndlewten von Kerndten ains fridbrif begertt.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.  (
moobd.
,
1478
/
81
):
edler künig, ich beger von euch ainer urteil umb ain sach.
von den seinen Geistlichen und weltlichen Stewer zu pigern und zu nemen.
Moscouia
B 3r, 22
(
Wien
1557
):
vnd hat von jnen ain Tribut […] begert vnd genumen.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
20, 8
(
mslow. inseldt.
,
1568
):
Sie hat für die 3 Rinder begert nur ein Khu vnnd ein Khalb.
Ebd.
108, 3
(
1615
):
Weil er die giltin śchon Zalt begerts Zue protocolliren.
Qu. Brassó
5, 496, 19
(
siebenb.
,
1614
):
Sein die Schueller […] auf dem Rathaus, weil der Herr Simon mit Recht auf sie begehret, gestrechen worden mit Rueten.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck 
180, 32
;
Köbler, Ref. Franckenfort 
82, 2
;
Ders., Ref. Wormbs
78, 12
;
184, 14
;
222, 11
;
256, 8
;
Ders., Stattr. Fryburg ; ;
Küther, UB Frauensee 
223, 25
;
Roth, E. v. Wildenberg ; ;
Siegel u. a., Salzb. Taid. ;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
Winter, Nöst. Weist. Anm. 2;
Dietz, Wb. Luther .
Vgl. ferner s. v.  2,  3,  3,  6.
7.
›etw. aus Sachgründen erfordern, verlangen; etw. voraussetzen‹ (mit sachlichem Subj.).

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
diu wârheit begert dekeiner koufmanschaft.
M. Cunitia. Ur. Prop.  (
Öls
1650
):
Wird darauff begehrt / die in der laͤng und breite verantheilte parallaxis.
Rupprich, Dürer  (
nobd.
,
v. 1513
):
dy kunst der malerey, dy nit alain begert der geometrei.
Sachs (
Nürnb.
1562
):
Das gsetz aber begeren thut | Ein geystlichs hertz.
M. Cunitia. a. a. O. ; ; .
8.
›(jn.) um etw. bitten, etw. als Geschenk, Gnadengabe erbitten‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1, (V.) 2, , .
Syntagmen:
an jn. / etw
. (z. B.
die erbärmde
)
, von / zu jm. etw. b., für jn. b
.;
etw. ernstlich / heftig / brünstig b., ablas / audienz / barmherzigkeit / gnade
(mehrfach)
/ hilfe / regen b
;
b., das […] / zu […]
;
des rates / urlaubes, der fürderung / huld / seligkeit b
.

Belegblock:

Reu, Süddt. Kat. 1, 
718, 24
 (
Leipzig
1595
):
Fr. Was begerstu denn im heiligen Vater vnser? Ant. Geistliche vnd Leibliche, zeitliche vnd ewige güter.
Asmussen, Buch d. 7 Grade 
504
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
daz du alle di wollest gewern, | di gnoden piten oder pegern.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
66, 5
(
Nürnb.
1548
):
das es ein hohes / grosses werck seye / fuͤr Gott tretten […] / vnd hilff begern.
Ebd.
173, 27
:
ich […] begere auch nichts / denn das du mir woͤllest gnedig sein.
Lauchert, Merswin  (
els.
,
1352
/
70
):
do von begere ich hv́te an dine grundelose v́rbermde, daz […].
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
221, 7
(
els.
,
1362
):
kam dirre mensche aber zů sant Gregorien vnd begerte das almůsen von ime mit erbermiger stimme.
Ebd.
322, 5
:
do von bitten wir die heiligen daz sú fur vns begerent gegen gotte.
Ebd.
392, 9
:
do begerte er in dem anefange daz ime die stimme wurde wider geben.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Gerüch ich üch, fürsten, bitten | Daz ir nitt keren für bas. | Des beger ich önne hass.
Steer, Schol. Gnadenl.
1, 20
 (
noschweiz.
,
15. Jh.
):
Jch begere, daz du mir betútest vnderscheid diser gnaͮd ieglich sunderlich.
Brandstetter, Wigoleis
193, 22
 (
Augsb.
1493
):
Herr des jr an mir begeret. soelt jch mit hoechstem fleiß von eüch begeren vnd bitten.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Ernstlich von einem etwas begeren.
Hat von mir begert / das ich mit […] jhm taͤglich sein solte. […]. Das Goͤttlich Recht widerfehrt wenigen / denn es begeren sein nicht vil.
Bastian u. a., Regensb. UB
200, 34
(
oobd.
,
1361
):
und růfften an unser herre von der stat rat ze R. und begerten ires rates und fuderůnge.
Froning, Alsf. Passionssp. 
919
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
118, 9
;
Vetter, Pred. Taulers ;
Williams u. a., a. a. O.
204, 11
;
376, 19
;
509, 11
;
659, 16
;
817, 3
;
Steer, a. a. O.
1, 141
;
584
;
Reu, a. a. O.
1, 164, 29
;
Weber, Füetrer. Poyt.
121, 4
;
248, 2
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
64, 17
;
Alberus
Tt iijv
;
Ulner
106
;
Dietz, Wb. Luther ;
Vgl. ferner s. v.  5, ,  1.
9.
›muten, die Genehmigung zur Aufnahme des Erzabbaus beantragen‹.

Belegblock:

Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.  (
schles.
,
1615
):
e. f. g. soll ich … nicht bergen, wie das ich an e. g. muten und begeren thue.
Piirainen, Igl. Bergr. 
28b, 29
(
slow. inseldt.
,
16. Jh.
):
der das ärz vindet, vnd d(er) mass zumessen beg(er)t.
Ders., Stadtr. Kremnitz
1
 (
mslow. inseldt.
,
1492
):
so er also wurdt beger(e)nn gerechtikeith Einer fundgrueb(e)nn.
Ebd.
11
:
der do pegerth seine(n) schacht sein gerechtikeith czuweÿss(e)nn.
Ebd.
16
:
ßo bede teil begertt(e)nn Iren schecht(e)n das leh(e)nn czu weÿsß(e)nn.
Ebd.
1
;
Schmitt, Urkundenspr.
1936, 154
.
10.
›wünschen, wollen, daß ein erstrebter Zustand, moralischer, geistiger, religiöser Besitz oder ein erstrebtes Ereignis eintritt, etw. haben wollen, etw. anstreben, auf etw. Gewolltes hinwirken; ein Rechtsverfahren anstreben‹; offen zu 11; 12.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 3, , ; rechtlich:  4, .
Syntagmen:
an jn. e. S
. (Akk. oder Gen.)
b., an jn. der frage b
. ›die Frage an jn. richten‹;
ein lied / zeichen, die bescheidenheit / ehe / ordnung / seligkeit, den ablas, einen brief, recht b
.;
des feuers / gerichtes / lobes / reiches / streites b., sterbens b., der eren b., js
. (z. B.
des Ambrosius
)
zu einem bischof b
.;
in den orden b., zu jm
. (z. B.
der künigin
)
b
.;
b
. + Infinitivsatz mit
zu
(vereinzelt ohne
zu
)
/ das […] /
Hauptsatz;
begerte gesundheit
.
Wortbildungen:
begerer
2.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
der muoz sînen ebenmenschen minnen als sich selben […] und sîner êren als sêre begern als sîner eigener êren.
ein guot mensche begert keines lobes, ez begert wol, lobes wert ze sînne.
Die wîle man der dinge begert, sô enhât man ir niht.
sol der mensche arm sîn von willen, sô muoz er als lützel wellen und begern, als er wolte und begerte, dô er niht enwas.
Sint sie aber siech, sô begernt sie, daz got wölte, daz sie gesunt wæren.
Ders., Eckharts Trakt.  (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Man sol sich selber […] in einem lûtern entwerdenne willen und begerennes legen in den guoten und liebesten willen gotes.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk. (
osächs.
,
1343
):
Sathanas hât begerit ouch daz her dich rêde alse den weisze.
Opitz. Poeterey
11, 13
(
Breslau
1624
):
Dieser begehret ein Lied auff eines andern Weib / jenem hat von des nachbaren Magdt getrewmet.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
117, 34
(
Nürnb.
1548
):
wen̂ sie [kinder] ehelich begerẽ zu werden.
Ebd.
129, 28
:
begerst du ein fridsame / freuntliche / enige ehe mit deinem gemahel zubesitzen.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
wie wir […] verloͤuckenen aller eigenschaft wellendes, begerendes und wúrckendes.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
284, 5
(
els.
,
1362
):
daz er das folk do mitte erschreckete daz sú sin zů einem bischofe […] begerten.
Ebd.
386, 28
:
Dez begerte er ein zeichen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 238, 4
(
Hagenau
1534
):
Der pfaf ward auch noch nie so alt | Daß er des fewers begert / | Die weil daß das opffer wert.
Roloff, Brant. Tsp. 
1320
(
Straßb.
1554
):
die sach geht wie ichs hab begert.
Adrian, Saelden Hort 
1085
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
er dik sterbendes begerot.
Brandstetter, Wigoleis
226, 16
 (
Augsb.
1493
):
Sy begerten zuo der jungen künigin. vnnd wurden von stundan zuo jr gebracht.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1559
):
daß die vom tumbcapitl an meine herrn begert, sant Lenharts capellen zuͤ eröffnen.
Rot
290
(
Augsb.
1571
):
Appelliern, […] Jtem in dem rechten / ein andern Richter anruͤffen vnnd begern. Von einer wenigern Obrigkeit zu einer mehrern waͤgern / vnd daselbs recht begern.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Er begerte vnd trachtet darnach mit fleiß / daß er mich moͤchte zu ehrn bringen […]. Deß tods begeren.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
101, 21
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
vnd pegert alle zeit sein im gegenwurtichleich.
Bauer, Zist.-Pred. Haller 
45, 99
(
tir.
,
1466
):
Pegërstu aber got czue sehen, so soltu dein hercz rainigen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.  (
moobd.
,
1478
/
81
):
[sy] begeret ir zu geben in das Selhaus Järlich […] Tausent gulden.
Mollay, H. Kottanerin 
20, 35
 (
moobd.
,
1439
/
40
):
mein gnedige fraw die begerat an mich, Ich solt auch iren gnaden gevëtrInn werden.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
71, 25
;
Quint, Eckharts Pred. ; ;
Kurz, Waldis. Esopus ;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann 
19, 22
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ; ;
Köbler, Stattr. Fryburg ;
Opitz. a. a. O.
33, 24
;
Reichmann, a. a. O.
76, 28
;
124, 13
;
Williams u. a., a. a. O.
157, 30
;
181, 9
;
386, 26
;
Rudolf, Peuntner. Sterbek.
150va, 17
;
Lemmer, Brant. Narrensch. 59, Vorspruch Z.
1
;
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr. 
6, 39, 5
;
Wiessner, Wittenw. Ring
1890
;
3322
;
7795
;
Sappler, H. Kaufringer
23, 88
;
Eschenloher. Medicus ;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
25, 20
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
852
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Munz, Füetrer. Persibein
158, 2
;
Bremer, Voc. opt.
37013
;
Dietz, Wb. Luther ;
Goertz, Liturgie.
1977, 310
.
11.
›etw., das aus eigener Kraft erreichbar ist, wünschen, wollen, etw. beabsichtigen, vorhaben, nach etw. trachten‹; offen zu 12.
Syntagmen:
das handwerk b.
;
des eigenen willens b
. ›auf etw. bestehen‹;
b., zu […]
(vereinzelt ohne
zu
).

Belegblock:

Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
132, 27
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Wan ich beger keyn gude cleyder me zü dragen.
Feudel, Evangelistar 
23, 4
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
dyn muter unde dyne brudere sten do vore unde begeren dir czu sprechene.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck 
192, 39
(
thür.
,
1474
):
zcwene tuchmecher belangende, dye daz hantwerg von den meystern in eyner stat begernde sind.
Luther. Hl. Schrifft. 
Hiob 9, 21
(
Wittenb.
1545
):
Jch begere keines Lebens mehr.
Opitz. Poeterey
8, 33
 (
Breslau
1624
):
gemeinet / es begehre kein Poete durch vnterrichtung / sondern alle bloß durch ergetzung sich angeneme zue machen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
92, 30
(
Nürnb.
1548
):
Alle begeret ers zu sich zu zehen vnd sie ewig selig zu machẽ.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
415, 3
(
els.
,
1362
):
Paulus wart von den erdoͤtet, die er mit flisse begerte vs allem úbel zů erloͤsende.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
der ist nit schuldig / vndervoͤgten oder pflegern zůsin / er begere dañ des eigens willens.
Lemmer, Brant. Narrensch. 
107, 37
;
Roloff, Brant. Tsp. 
2403
;
Goldammer, Paracelsus
2, 171, 24
;
Ralegh. America ;
Reichmann, a. a. O.
258, 33
;
Williams u. a., a. a. O.
769, 16
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Dreckmann, H. Mair. Troja
50, 22
;
Fischer, Eunuchus d. Terenz ;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
34, 8
;
Vgl. ferner s. v.  2,  22,  8.
12.
›religiöses Verlangen, Sehnen nach jm. (Gott) / etw. haben, (Gott, mystische Heiligung) suchen, mit seinen religiösen Kräften nach jm. / etw. trachten‹.
Gehäuft Texte religiösen Inhalts.
Syntagmen:
jn
. (
got
)
/ etw
. (z. B.
die liebe
)
b
.;
js
. (
gottes
, mehrfach,
des herren
),
e. S
. (Gen., z. B.
des guten / trostes / wesens / paradieses
)
b
.; mit Subjektschub:
sele e. S
. (Gen.)
b
.;
b
. + Inf. mit
zu
(vereinzelt: ohne
zu
)
/ das […]
;
begerende sele
.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Ez enist kein crêatûre sô snœde, sie enbeger des wesens.
Dubizmay, kurß zu Teutze
7, 13
(
hess.
,
1463
):
von | deynem leybe ist er kumen des | alle die werlt begeret hat.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
11, 3
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
wen si denne irwachtin, so begertin si abir des paradys.
Jostes, Eckhart
56, 5
 (
14. Jh.
):
der sol haben […] ein rein, dymutig begernde sel zu got.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
das er nút anders enwil noch enbegert danne Gottes.
Lauater. Gespaͤnste
34v, 11
 (
Zürich
1578
):
es werend seelen der abgstorbnẽ / die begaͤrend daß man sy vß der grossen not […] woͤlte erloͤsen.
Eschenloher. Medicus (
Augsb.
1678
):
als das heilig Wunderbarlich Sacrament denen Begehrenden zusehen vnd anzubetten vorgestelt worden.
Steer, K. v. Megenberg. Sel
465
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
das ist begir, da die sel mit begert […] ewiger ding.
Ebd.
472
:
So ist ir [kraft] isleichew aintweder begreiffent vnd erkennent des warn oder begerent des gůten.
Steer, Schol. Gnadenl.
6, 56
 (
moobd.
,
15. Jh.
):
das er nichcz ausser got sücht oder begert.
Bauer, Zist.-Pred. Haller 
75, 593
(
tir.
,
1466
):
das ich kchain andre lieb suechen oder pegeren müg denn dein lieb.
Quint, a. a. O. ; ; ; ;
ders., Eckharts Trakt. ;
Froning, Alsf. Passionssp. 
7162
;
Feudel, Evangelistar 
119, 25
;
Steer, W. v. Herrenb. Büchl. 
7
;
Strauch, Par. anime int.
18, 8
;
Vetter, a. a. O. ;
Langen, Myst. Leben 
175, 17
;
218, 30
;
Schmidt, Rud. v. Biberach 
45, 24
;
Lauchert, Merswin ; ;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1529
;
4189
;
Rudolf, Peuntner. Sterbek.
150rb, 43
;
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
234, 4
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
69, 115
;
Bauer, Imitatio Haller
54, 2
;
dies., Haller. Hieronymus-Br.
26, 24
.