begerde,
die
;
-Ø/-Ø
;
zum
-e-
des Wurzelmorphems vgl. : „wohl aus dem V[er]b herüber genommen“.
1.
›Triebhaftigkeit des Menschen, sinnliches Begehrungsvermögen, Trieb‹; speziell: ›Hunger‹;
vgl. (V.) 35.

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch 
1792
(
rib.
,
1444
):
Ir gelijchet wale dem wilden swijn | […]; | Id heldt beide ougen ind houft in de erde, | Zo den eichelen is alleyne syne begerde.
Neumann, Rothe. Keuschh. 
856
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
di begerde in den sinnen alles bliben | unnd hindern den menschen lange zyd | das her ir nicht kan werden quid.
Ebd.
1229
:
[der] crutzige nu uf disser erden | sine laster unnd bosen begerden.
2.
›natürlicher Wunsch, Ersuchen, Bitte‹;
vgl. (V.) 810.
Bedeutungsverwandte:
1
 2, , .

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch 
438
(
rib.
,
1444
):
off du des haves eynche begerde: | Dat wiste ich gerne zo deser stunt.
Ebd.
471
:
So dat ich hadde begerde ind syn | Dat ich komen mochte dar yn.
Wolf, Norm im sp. Ma.
25
(
omd.
,
v. 1496
):
Der bebistlich stuͤl phlegit czu volborten den milden gelobden vnnd den hobischen begherden der bether gutwillige gunst medeteylen.
Gille u. a., M. Beheim 
125, 26
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Wie gut aber ain sölches werk | und arbait sei, ach mensch, daz merk | und hab in deinn pegerden.
Sachs
14, 71, 17
(
Nürnb.
1550
):
Doch ist unser aller begerdt: | Wolt uns die kurtzweil habn vergut.
Chron. Köln
3, 930, 5
;
Gille u. a., a. a. O.
80, 226
;
Sachs
12, 261, 16
.
Vgl. ferner s. v. .
3.
›Antrag auf ein Rechtsverfahren oder einen Verfahrensteil‹;
vgl. (V.) 8.

Belegblock:

Köbler, Ref. Wormbs
44, 11
 (
Worms
1499
):
So […] die widerparthy in soͤlichem den anforderer diser begerd halb geuerde beschuldigt.
Ebd.
77, 17
:
soll die begerde wes der cleger meindt das ym der beclagt syner clag oder zuspruch nach zuthůn pflichtig sy. ende der clag by gesetzt […] werden.
4.
›Ernst, Nachdruck; Eifer‹.

Belegblock:

Mayer, Folz. Meisterl.
10, 146
 (
nobd.
,
v. 1496
):
ich ger | Zu unter wisen werden | Mit innigen begerden | […] | In meins lebes zukunffte.
Bell, G. Hager
76, 3, 7
(
nobd.
,
1594
):
sant paulus vergleicht mit begerde | das al mus geben mit den henden | Einen samen, den man wierft zwar | jn einen acker offen bar.
Sachs 15, 
62, 18
(
Nürnb.
1557
):
So wil ich denn auch mit begerden | Der aller nechste umb dich sein.
5.
›religiöse Sehnsucht‹;
zu (V.) 12.

Belegblock:

Neumann, Rothe. Keuschh.
2388
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
das ir [kusche maget] nach iren begerden | fruchte werden nach ir zu vorsicht | in dem ewigen leben uss gericht.
Gille u. a., M. Beheim 
139, 425
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
so er hat auff diser erd | ain solche senung und pegerd | und hafft czu kummen eine | Czu dem ewigen leben.
Mayer, Folz. Meisterl. 
14, 140
(
nobd.
,
v. 1496
):
loß unß ausß jamers we | Von dem elend | Nach unser sel begerden.