begegnen,
(md. auch kontrahiert:)
begeinen,
V.;
Perfekt mit
haben
gebildet.
1.
›jm. (zufällig) begegnen, auf jn. stoßen, jn. (an)treffen; jm. (absichtlich) entgegengehen, jn. empfangen; jm. entgegenkommen; sich körperlich zeigen, in Erscheinung treten (von sehr unterschiedlichen Bezugsgrößen, darunter von Gott, von Tieren, Tugenden, Dingen gesagt); in Konjunktion treten (von Planeten und Wettererscheinungen); zusammentreffen, aufeinandertreffen, einander entsprechen (z. B. von Buchstaben, Wörtern)‹; auch: ›etw. finden‹.
Bedeutungsverwandte:
 2,  1,  2, .
Syntagmen:
Jesus / got / son / kind / fraue / abt / feind / kaufleute / kriegsman / spielman, das volk, die schar jm. b., feuer / pech / schwefel / tod / bescheidenheit / warheit jm. b., barmherzigkeit / warheit in jm. b., barmherzigkeit der warheit b., einem bären b., tier / affe jm. b
.

Belegblock:

Kehrein, Lieder 14./15. Jh.  (
14. Jh.
):
Benedictus der gesegent. | Chom in der werlt gegent. | […]. | Im hastu frawe fur uns begegent.
Helm, H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
die wort, die siner herschaft | und siner gotlicher craft | wol gezamen und begegenden.
Ders., H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Dem a begegene nicht daz e, | Dem e daz i, noch o dem u. | […] | Wen alle rime die sint valsch | […] | Da di buchstabe begegenen.
Sin himel towes vluzzen, | Die wolken in begegenten, | Dem gerechten sie regenten.
Schöpper  (
Dortm.
1550
):
Begegnen entgegen kummen vnderaugen stossen an die händ stossen ankummen.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs. 
v. 1406
):
Fewr, pech und swebel | Sol in da begeinen.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
9990
(
rib.
,
1444
):
in mynen wech quamen | Warheit ind Bescheidenheit zo samen, | De mir begeenden ind giengen umb broit.
Schwartzenbach
C vjv
(
Frankf.
1564
):
Begegnen. Einem bekommen. Einen antreffen. […]. Sich sehen lassen. […]. Einem vnder die augen kommen.
Feudel, Evangelistar 
55, 10
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
get in dy stat unde uch wirt begeynen eyn mensche eyn legil mit wazzere tragende.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
32, 4
(
omd.
,
n. 1474
):
do die frauwen gingen zcu kundigen den heiligin aposteln, was sie gesehin hatten, do begeynte on Ihesus.
Ebd.
74, 1
:
keyn mensche vornympt on vndirwegin, weddir hen adir erweddir, deme her begeynte.
Schönbach, Adt. Pred.  (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
daz wolk daz ime [Jesus] begeigente daz breitet in dem wege sine cleider.
Luther. Hl. Schrifft. 
Spr. 17, 12
(
Wittenb.
1545
):
Es ist besser eim Beren begegen / dem die Jungen geraubt sind / denn eim Narren in seiner narrheit.
Kehrein, Kath. Gesangb.  (
Bautzen
1584
):
Weil er noch auff der strassen war, | Begegnet jhm ein grosse schar.
M. Cunitia. Ur. Prop.  (
Öls
1650
):
biß ich eine der latit. gleiche parallaxin lat-nis begegne.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
101
(
Nürnb.
1517
):
Derhalb sein in unserm seligmacher einander begegnet barmherzikeit und warheit.
Bell, G. Hager
482, 1, 12
(
nobd.
,
1600
):
Als er nun mit seinem zeüg kam, | vn ge fer im be gegnen was | Sein feind.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
als er an dis ende dis weges kumet, so begegent im der ewig tot.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 20, 15
(
Hagenau
1534
):
Gott begegnet manchem / wer yhn grüssen koͤndt. Gott begegnet allen menschen / wenn er sie zu eynem stande ordnet / darinnen sie bleiben sollen.
Schmidt, Rud. v. Biberach 
10, 22
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Disen grosen geisten begegent der gemal Cristus vnd […] vuͤrt si […] in sin gezelt.
Sexauer, Schrr. in Kart.
271, 1
(
Basel
,
um 1510
):
einandern begegnen sollen si mit frúntlicher frölikeit. vnd demütiger neigung einander wychen.
Lauater. Gespaͤnste
15v, 6
 (
Zürich
1578
):
Weñ man von Gspaͤnsten […] redt / doͤrffend die wyber vnd kind etwan kum allein für die thür hinuß gon / foͤrchtend es begaͤgne jnẽ etwz.
Morrall, Mandev. Reiseb.
106, 2
 (
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
etlich tier, wenn es den lútten begegnot, betút úbel oder gůt.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.  (
oobd.
,
1349
/
50
):
parmherzichait muoz der wârhait begegen und gerehtichait muoz sänftig sein.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera 
25, 7
(
noobd.
,
1347
/
50
):
haizzet darumb die scheinprecherinne, wanne, so deu sunne und der mon in selber begegent under der lengen, so kuͤmt ain scheinprechen der sunnen oder des monen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.  (
moobd.
,
1478
/
81
):
Dann begegneten in
[Siegern]
die burger von Rom in geordneten scharen.
Helm, a. a. O. ; ;
Wyss, Limb. Chron. ;
Meijboom, a. a. O. 
5136
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
170, 17
;
Karnein, Salm. u. Morolf
38, 23
;
Froning, Alsf. Passionssp. 
3019
;
Strauch, Par. anime int.
61, 14
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck 
223, 26
;
Schönbach, Adt. Pred. ;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
14, 9
;
Palm, Veter Buoch ;
zu Dohna u. a., a. a. O.
23
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
85, 18
;
Brandstetter, Wigoleis
210, 12
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
415, 5
;
Dietz, Wb. Luther ;
Vgl. ferner s. v.  1.
2.
›jm. auf eine bestimmte Art und Weise begegnen, jn. in bestimmter Weise behandeln, sich jm. gegenüber in bestimmter Weise verhalten‹; meist mit der Tendenz zu gegnerischer oder feindlicher Behandlung, dann: ›sich jm. (z. B. vor Gericht) entgegenstellen; jm. feindlich, zum Kampf bereit entgegentreten‹; auch: ›in fremdes Gebiet einfallen‹.
Bedeutungsverwandte:
 2,  2, (V.) 1, , .
Syntagmen:
dem feind / teufel b
.;
jm. höflich / sicher b
.;
jm. mit streit / wiederstand / freundschaft / gegenwer b., jm. mit einem grossen volk b., jm. im rechten b
.
Wortbildungen:
begegnung
2 ›Angriff, Überfall‹.

Belegblock:

Apherdianus (
Köln
1575
):
Begegnen. Widersetzen / aufflehnen / widerlegen / bruͤsten / gegen einen ziehen […] sich wehren / den Kopff bieten / widerstand thun.
Köbler, Ref. Wormbs
103, 4
(
Worms
1499
):
So aber ein Person […] gezenck anfinge mit worten oder wercken vñ dan der ander demselbẽ anfaher glicher masse begegent mit widerstant.
Weise. Jugend-Lust  (
Leipzig
1684
):
Begegnet man den armen Supplicanten also?
Jhr. Maj. haben befohlen / allen Sicilianern hoͤflich zu begegnen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
130, 35
(
Nürnb.
1548
):
Sintemal wir dem Teuffel mit nichten / denn durchs gebet koͤñen begegnen.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
do begegentent ime [künig Wilhelm] die Friesen und schlůgent in zů tode.
Welti, Stadtr. Bern  (
halem.
,
n. 1437
):
Wer ouch dem andren […] fuͥrgebuͥt vnd sich der secher uor gericht begegnet.
Maaler (
Zürich
1561
):
Begegnung (die) Incursio.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
daß er [hertzog Conrat] dem feind, so die schwäbisch legiones […] in not gepracht hette, begegnen und
(den Schwaben)
zu hilf komen sollte.
Klein, Oswald
35, 26
(
oobd.
,
1431
/
2
):
Ain ochs dem esel, tierlich sipp, | mit freuntschafft tet begegen.
Turmair 1, 
560, 39
 (
Ingolst.
1516
):
wie er seinem feind pegegen und abprechen wel.
3.
›(einen Vorgang, einen Sachverhalt) in bestimmter Weise behandeln, auf eine Situation reagieren‹; meist im Sinne des Entgegenwirkens, dann: ›in etw. eingreifen, e. S. vorbeugen, etw. verhindern; sich e. S. entgegenstellen, e. S. entgegenwirken‹.
Phraseme:
dem feuer mit strohälmern b
.
Syntagmen:
einem dienst, dem anschlag / anspruch / übel / unglük / unflat / unwillen / verdries, der irrung b., dem rechten fürderlich b., e. S. füglich b
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
An dem brote daz man segenet | Und siner [Crist] geburt begegenet.
Allg. Schau-Buͤhne (
Frankf.
1699
):
dem [Anschlag] aber der Hertzog von Lerina also zu begegnen wuste.
Thiele, Chron. Stolle  (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
do mit danne allen unwillen, vordriss unnd irrunge, dy sich […] begeben muchten, begent unnd vorkomen werde.
Rennefahrt, Statut. Saanen (
halem.
,
1403
):
das oͧch si sich ze dem rechten fuͥrderlich begegnen und dem gnůg tůn soͤllent.
Ukena, Luz. Sp. 
2187
(
halem.
,
1575
):
die Alltten Rät zRom hand | […] | […] bedacht den sachen zbegnen | Im so vil gwalltt nit zvertregen.
Sexauer, Schrr. in Kart.
267, 34
(
Basel
,
um 1510
):
All dienst. […]. denen yegklicher in sonders nit begegnen. oder die volbringen mag / sollen von den andern. demütiklich. […] erfúlt werden.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
dass si glich gmein êr und eignen nuz erwaͤgen koͤntid, gůten sachen fůglich begegnen und statlich end geben.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Dem vnglück begegnen / […]. Wo man nicht mit list begegnet.
Merz, Urk. Lenzb.
66, 4
;
Dietz, Wb. Luther ;
Vgl. ferner s. v.  8,  8.
4.
›auf eine Situation mit einer mündlichen Äußerung reagieren; jm. auf eine Frage antworten; etw. auf eine Anklage oder Behauptung entgegnen, erwidern‹.
Bedeutungsverwandte:
 2,  1,  13, .
Syntagmen:
jm. mit (gebürlicher / spitziger / untertäniger) antwort
(oft)
/ ausflucht / erdichtnis / spotworten b., jm. tapfer b
.

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
1601
):
wie er […] viel trefflicher Lugen […] vortrage, aber es solle ihme der Syndicus gar tapffer begegnen.
Küther, UB Frauensee 
394, 30
(
thür.
,
1530
):
Hab ich ime mit antwort begegent mir dieselbigen thetter antzutzeigen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1547
):
daß die sach in besessenen räten ferner beratschlagt werden und den gesandten alsdann mit gebürlicher antwort begegnet werden sollte.
Fischer, Eunuchus d. Terenz  (
Ulm
1486
):
ich mag nit der leüt goͤggelman sein. § Sunder begegnen ich inen mit spotworten.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. ;
Chron. Augsb. 4, 
347, 3
;
7, 268, 11
;
Dietz, Wb. Luther ;
5.
›jm. widerfahren, passieren, zustoßen, jn. überkommen; auftreten (von negativ Bewertetem); jm. zuteil werden (von positiv Bewertetem)‹.
Syntagmen:
jm. antwort / ere / freude / glük / heil / reichtum b., jm. afterreue / (die) anfechtung / böses / gebrechen / kummer / unglük / unwillen / wiederdries, eine irrung, das leiden / wiederspiel b., jm. b., das […]
;
begegnete beschwerden
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
der gruz begegent en: | ,Get ir in daz ewige vur‘.
Toeppen, Ständetage Preußen 5, 
300, 33
(
preuß.
,
1476
):
Was forder von deme hernn N. Tungen uns wirt bogeinen.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Wiltu han der sele heil, | Daz mac vil wol begein dir, | Ob du wilt sin gehorsam mir.
Kurz, Waldis. Esopus  (
Frankf.
1557
):
Gar manchem thut das gluͤck begegen, | Vnd bringt mit jm ein guten Segen.
Luther. Hl. Schrifft. 
1. Petr. 4, 12
(
Wittenb.
1545
):
Lasset euch die hitze so euch begegnet nicht befrembden.
Kehrein, Kath. Gesangb.  (
Bautzen
1567
):
Das mir kein Feind nicht schaden kan, | Noch kein vngluͤck begegnen.
Goldammer, Paracelsus
3, 277, 3
(
1530
/
5
):
nun begegnet undter denen im neuen testament ein große irrung.
Sudhoff, Paracelsus  (
1531
/
5
):
die beschreibung mannae urticae
[Saft der Brennessel]
ist also, das sie alcalizirt werde, demnach in seiner aquositet so lang rectificirt durch ventrem equinum bis die oleitet begegne.
Langen, Myst. Leben 
178, 18
 (
nobd.
,
1463
):
starck sein in dem gelauben vnd all anfechtum, dy in pegegen, gancz außschlahen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
176, 17
(
Nürnb.
1548
):
haltest ferner dich inn besser hut / das der gleichen dir nicht mehr begegne.
Jörg, Salat. Reformationschr.
287, 16
(
halem.
,
1534
/
5
):
sunder jst uns von jnen allweg das widerspil bgegnot.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
waz den lúten ussewendig begegent das goͤttelich ist, das erwecket das innewendige leben.
Roloff, Brant. Tsp. 
769
(
Straßb.
1554
):
Nun begegnet aber mir darneben | […] | Das sich mein jüngste dochter hett | On mein wissen mit eim verredt.
Vetter, Schw. zu Töß  (Hs.
15. Jh.
):
so kam ir alles das ze gůt das ir begenet.
Maaler (
Zürich
1561
):
Es ist jm Begegnet / od’ zhanden gestossen das es gefurcht hat. […] Es ist mir wider meinen willen vnd hoffnung Begegnet.
Lauater. Gespaͤnste
12v, 27
 (
Zürich
1578
):
von waͤgen grosser vnfaͤlen / die jnen begaͤgnet / schwaͤrmuͤtig vnd beküm̃eret sind.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Armen gesellen begegnet offt ein vnuersehen gluͤck / wenn sie es nur wusten zugebrauchen. […]. Wer nach vngluͤck ringet / dem begegnets.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.  (
moobd.
,
1478
/
81
):
Nu begegnet mir vil frag, was sey das gross haus, oder was die sach sey, das […].
Do sagt in der künig auch alle ding, die im begegnet waren.
Küther, UB Frauensee 
393, 22
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann 
4, 2
;
14, 4
;
Kehrein, a. a. O. ;
Vetter, Pred. Taulers ;
Lauchert, Merswin ;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
247, 14
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron. ;
Dietz, Wb. Luther ;
Vgl. ferner s. v.  4,  1,  5,
1
 3,  2,  4.