befinden,
V., unr. abl.
1.
›etw. auf grund von Anzeichen, darunter sinnlichen Gegebenheiten, erkennen, sicher erschließen, etw. feststellen, merken‹; offen zu 2 und 6.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
die mishellung / warheit, den mutwillen
)
b., j. b., das […]
(häufig),
etw
. (z. B.
den flus
)
wie […] beschaffen b
.

Belegblock:

Ralegh. America iij v, (
Frankf.
1599
):
Ich probierte sie [Stein] von stundt an / aber befunde eygendtlich / daß es nur Marcasita waren.
Da er aber in den Mundt deß Flusses Amana war kommen / befund er jn / wie alle andere beschaffen.
M. Cunitia. Ur. Prop.  (
Öls
1650
):
so wird er befinden das die groͤsse der verfinsterung etwas wehniges groͤsser.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
261, 31
(
Nürnb.
1548
):
Derhalben befindestu / das dir Gottes gnad von noͤten sey.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
do ich bevant daz ich dirre […] martel lidig worden was.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
477, 15
(
els.
,
1362
):
Also koment die botten vnd befundent das dis wor was.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
men leite ouch hůte uf alle türne mit geschütze und mit bühssen. dis befundent die boͤsewihte.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
Ich hatte gelesen, daß die Philosophi die weiseste Leute sein solten; befande aber im werck, daß sie offt die grösseste Narren waren.
Roloff, Brant. Tsp. 
2193
(
Straßb.
1554
):
[wie hastu] solchen můtwill lassen beschehen / | Den ich hie hoͤr / sihe / und befind.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.  (
oobd.
,
1349
/
50
):
ê daz ez [kämlein] nu sein unkäusch volpræht, dô bevant ez die wârhait.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
482, 1
 (
moobd.
,
1473
/
8
):
Do Achilles befande, das er stuend ane helm.
Turmair 5,  (
moobd.
,
1522
/
33
):
befand kaiser Karl, das er nit so lang mêr möcht leben.
Chron. Magdeb. 2, 
74, 14
;
Ralegh. a. a. O. ;
v. Keller, Amadis ;
Strauch, Par. anime int.
104, 17
;
Hübner, Buch Daniel ; ;
Löscher, Erzgeb. Bergr.
70, 23
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
123
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Karnein, Salm. u. Morolf
108, 12
;
Vetter, Pred. Taulers ;
Lauchert, a. a. O. ;
Williams a. a. O.
24, 14
;
33
;
38, 31
;
51, 3
;
513, 28
;
Rohland, Schäden
366
;
Bobertag, Eulensp. ;
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
3v, 18, 21
;
Meisen u. a., J. Eck
36, 33
;
Moscherosch. a. a. O. ;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Bachmann, Haimonsk. ;
Heidegger. Mythoscopia
38, 24
;
Rauwolf. Raiß ;
Pfeiffer a. a. O. ;
Munz, Füetrer. Persibein
402, 1
;
Fichtner, a. a. O.
119, 4
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Moscouia
B 2v, 12
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
39, 18
;
Schwartzenbach
F iiijr
;
L iiijr
;
Dietz, Wb. Luther ;
Vgl. ferner s. v.  4,  6.
2.
›etw. auf grund besonderer Aufmerksamkeit, Anstrengung, trickreicher Klugheit herausfinden, herausbekommen‹.

Belegblock:

Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
Wie er die […] Herren deß Landts […] mit heissem vnd brennendem Speck betreiffet / vnnd andere mehr Qual vnnd Marter an that / welchs ich nachmals alles also befunden.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob  (
omd.
,
1338
):
Not, betrubnis unde mu | Bevinden und irvragen | Und gar uz dem manne jagen | Ab er gantze minne trag.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
21, 28
(
els.
,
1362
):
vnd wolte vúrbas wachen das er befúnde wer der gottes diener were.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
der [bobest] waz ein wip, daz bevant man nie untze daz er wart ein kint tragen.
Ebd. (
A. 15. Jh.
):
das men das bevinden wolte, so solte men burnende gluͤte vor in legen.
dis befant ein ewangelier zů sant Steffan und verbarg sant Attalen lip.
Rieder, Gottesfr. ;
Munz, Füetrer. Persibein
13, 3
;
Weber, Füetrer. Poyt.
37, 6
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
487, 7
.
3.
›etw. hören, erfahren‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 3.

Belegblock:

Tobler, Schilling. Bern. Chron.  (
whalem.
,
1484
):
lang darnach befant man, das es durch einen priester […] verstolen was.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
160, 3
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Do er diss mär befande, | mit schöner zucht er dise frawen enpfieng.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.  (
moobd.
,
1478
/
81
):
Als der hertzog von Brabant die betrüebten mär befand.
Fichtner, a. a. O.
119, 4
;
Weber, Füetrer. Poyt.
45, 7
;
Munz, Füetrer. Persibein
149, 3
;
302, 4
;
404, 4
;
4.
›etw. erleben, erfahren; jm. zu teil werden (von positiv bewerteten Bezugsgrößen); jn. überkommen (von negativ bewerteten Bezugsgrößen)‹.
Beleghäufung für Texte (oft Verstexte) religiösen und didaktischen Inhalts des älteren Frnhd.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Daz hât daz ertrîche bevunden in sîner natûre, daz ez dem himel verre ist und unglîch.
Froning, Alsf. Passionssp. 
4473
(
ohess.
,
1501ff.
):
ßo reche gott an uns syn blut | und an unßern kyndern! | das laß man uns befyndenn!
Ebd.
7348
:
uns hot befunden groisße noit.
Päpke, Marienl. Wernher  (
halem.
,
v. 1382
):
zehant | Kain not si me bevant | Und ward vil balde och do zestund | An ierm libe wol gesund.
Lauchert, Merswin   (
els.
,
1352
/
70
):
dir sint alle dine sv̇nden vergeben, vnd du solt ǒch niemer fegefuͤr bevinden.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
22, 23
(
els.
,
1362
):
wir bittent dich, si es wor das men von dir seit, so los vns bevinden dine helfe.
Helm, H. v. Hesler. Apok. ;
Quint, a. a. O. ;
Froning, a. a. O.
5880
;
Koppitz, Trojanerkr. ;
Lauchert, a. a. O. ;
Dietz, Wb. Luther .
5.
›etw. erfinden‹.

Belegblock:

Lindqvist, K. v. Helmsd. 
1899
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Wan Jubal der fand schmides list, | Der ander och gar ǎne frist | Das saitten spil also bevand.
6.
›etw. (Psychisches) empfinden, spüren, etw. auf grund innerer (oft: religiöser) Wahrnehmung empfinden‹.
Gehäuft in Texten religiösen (oft mystischen) Inhalts (oft des 14. Jhs.).
Zu den Verwendungsweisen des Wortes in mystischen Texten s.
Kirmsse, Tauler.
1930, 78-80
.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 5,  1, (V.) 2, ,  1,  3, I, 1, , , .
Syntagmen
arbeitseligkeit / beschwernis / betrübnis / kraft / lust / scham, die geburt, den schmerzen, das wunder / zeugnis b., etw. in sich / im herzen / von innen b
., oft mit Objektsatz:
b., das […]
;
der pein / untugend, des werkes / gutes, gottes b
.;
etw. geistlich b., js
. (z. B.
gottes
)
innerlich b
.;
befindende erfarnis / gebrüchlichkeit
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Percipere. Vernemen innen werden gewar werden befinden.
Rosenthal. Bedencken
27, 10
(
Köln
1653
):
daß wir in der befindenten Erfahrnuß vilerley Sünden […] offt seuffzen zur volkommenen Freyheit der Kinder Gottes.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
126, 2
 (
rhfrk.
,
um 1435
):
Jch befinden jn myme hertzen als solich bedrübnis / das […].
Kurz, Waldis. Esopus II, (
Frankf.
1557
):
Befind auch offtmals, das mirs schad | In Beynen vnd in ruͤcken grad.
Reu, Süddt. Kat. 1, 
262, 38
 (
Heidelberg
1563
):
wie auch wir diß zeugnuß deiner gnad in vns befinden.
Sermon Thauleri
3r, 30
 (
Leipzig
1498
):
ob sie [dyrn gottes] diße geburt wil in der warheit in yr befindenn.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
daz get úber alle bevindende gebrúchlicheit, so man sich do in hielte in gelicher gelicheit.
Bihlmeyer, Seuse  (
alem.
,
14. Jh.
):
der ursprunglich usfluss alles gůtes, in dem er bevand geischlich allez, daz schoͤn, lieplich und begirlich waz.
er můz ein stetes innebliben han, der gotes inrlich bevinden wil.
Ez waz ein mensche in Cristo, der […] bevand wol, daz im neiswaz gebrast, er enwiste aber nit waz.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul. II,
1399
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Vnd gebruchen lit me in smacken vnd in beuindende denne in verstande.
Ebd. II,
1763
:
Alsus wurt daz wellen gottes dem minnenden demuͤtigen menschen sine hoͤheste froͤude vnd sin aller meiste gelust nach geistlichem beuindende.
Strauch, Schürebrand (
els.
,
E. 14. Jh.
):
so ir edellicher […] geleret werdent aller tugende meister sin und der untugende nút bevinden.
Lindqvist, K. v. Helmsd. 
1752
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Mit ungefuͤges zornes brechen | Hiess er ab dromen ir gewand. | Vil grossz scham er do bevand.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag 
2v, 7
 (
Zürich
1521
):
so vil sy [boͤß lüt] mind’ jr arbeitsaͤlikeit vnd vnglück befinden / so vil sind sy meer vnglückhaffter.
Bachmann, Morgant  (
halem.
,
1530
):
do der wurmm den schmertzen des todes befand.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
404, 1
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
so mag etwer erkennen, ob er die gnade habe, in dem unde er bevindet, daz er in got gelustiget wirt.
Quint, Eckharts Pred. ; ; ;
ders., Eckharts Trakt. ;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
107, 12
;
Vetter, a. a. O. ; ; ; 7;
Bihlmeyer, a. a. O. ; ;
Lauchert, Merswin ; ; ; ; ; ;
Strauch, a. a. O. ;
Eichler, Ruusbr. steen
54, 27
;
Morgan, a. a. O.
92, 15
;
117, 32
;
170, 15
;
Vgl. ferner s. v.  3, .
7.
›sich (meist:) gesundheitlich, (seltener:) psychisch in einer bestimmten Weise (meist: schlecht o. ä.) fühlen‹.
Syntagmen:
refl.,
sich schwach / übel
(jeweils mehrfach)
/ beschweret / beleidiget / abgestochen / verwundet b., sich voller schwachs b.

Belegblock:

Reichmann, Dietrich. Schrr.
212, 34
(
Nürnb.
1548
):
Mein krafft solt du sehen / wenn du dich am schwechsten befindest.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
Do sich Magis wund und abgestochen befand.
Do sich Ruolland also verwundt befand, do nam er sinn schwert.
Jaeschke, Anna v. Diesb. Arzneib.
1978, 84, 23
(
halem.
,
1658
):
wen sich ein mensch v̈bel befindt.
Barack, Zim. Chron.  (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
das er gar nit wol uf, sonder sich ganz übel befende.
A. à S. Clara. Deo Gratias  (
Wien
1680
):
Der Hirsch / wann er sich uͤbel befind / so curirt er sich mit dem Kraͤutlein Dictam.
v. Birken. Erzh. Österreich ;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
51
.
Vgl. ferner s. v. .
8.
›etw./jn. (letzteres seltener) aufgrund gesellschaftlicher, rechtlicher, religiöser Normen in einer bestimmten Weise beurteilen, ansehen, betrachten, etw. als etw. (z. B. gut) erachten‹; offen zu 9.
Syntagmen:
etw. einförmig / gleich / falsch / gut / mangelhaft / nachteilig / unrecht / war b., etw. e. S. zuwieder b., etw. vor gut / notwendig b., jn. straflich / ungehorsam / unwürdig b., sich geäffet b.

Belegblock:

Gropper. Gegenw. (
Köln
1556
):
Were nů des Herren / rede Figurlich oder Tropisch gewesen / so wurde die erzellung der worter des Herren nit so gar gleich bei jn allen befondē.
Rosenthal. Bedencken
14, 5
 (
Köln
1653
):
wann sie [meinung] dem Wort Gottes zu wider wuͤrden befuͤnden.
Leman, Kulm. Recht (
omd.
,
1. H. 13. Jh.
):
do sullet yr […] noch vwyr stat kore dorobir rychten was yr der [masse] befindet daz do vnrecht yst.
Luther. Hl. Schrifft.
Sir. 4, 22
 (
Wittenb.
1545
):
Wo er aber falsch befunden wird / wird sie jn verlassen.
Ebd.
2. Kor. 1, 13
:
Denn wir schreiben euch nichts anders / denn das jr leset / vnd auch befindet. Jch hoffe aber / jr werdet vns auch bis ans ende also befinden / gleich wie jr vns zum teil befunden habt.
M. Cunitia. Ur. Prop.  (
Öls
1650
):
was darinne gut befunden wird; Gottes gnaden […] zuzuschreiben.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
100
(
Nürnb.
1517
):
Wo du aber befindest seine werk der schrift […] durchaus einformig.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
217, 14
(
Nürnb.
1548
):
vnser widertheil […] so grob an der luͤgen befunden […] wirt.
v. Birken. Erzh. Österreich (
Nürnb.
1668
):
befanden sie sich in ihrer hoffnung geaͤffet.
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1523
):
die […] solche feurbschau […] verrichten und was si nachtailig und manglhaftig befinden dem richter anzaigen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1478
):
wer dar innen ungehorsam befunden wurde, der waͤr leib und guet verfallen.
Ebd. (
m/soobd.
,
16.-18. Jh.
):
so es der forster vor nothwendig befündet.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
67
 (
mslow. inseldt.
,
1537
):
wue sie [maß] Imantz strafflichen befunden ernstlich straffen vnnd puessen.
Ralegh. America ;
Opel, Spittendorf ;
Heidegger. Mythoscopia
72, 26
;
Munz, Füetrer. Persibein
175, 5
;
526, 7
;
Mell u. a., a. a. O. ;
Vgl. ferner s. v. .
9.
›etw. abwägend, urteilend entscheiden, durch ein Urteil festsetzen; Recht sprechen‹.
Bedeutungsverwandte:
 7,  9.

Belegblock:

Bindewald, Texte schles. Kanzl.
19, 20
(
schles.
,
1330
):
wer, daz si nicht do zcu quemin, so sulde der here ader sine hobyt lute wrumin adir schadin habin, als her bewunde.
Kehrein, Kath. Gesangb.  (
Bautzen
1567
):
An ihm [Christus] kein schuldt befunden ward.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1528
):
wo der bergmeister in der muttung befindet, dass der aufnehmer bey seiner muttung aus rechten ursachen nicht verbleiben mag.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
44, 24
(
els.
,
1362
):
hette der keyser sinen rot gesamment vmbe dise sache zů befindende.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
45
):
ward im rat zwischen inen befunden, wölicher gestalt sie zu den feinden […] ziehen wollten.
Moscouia
D 1r, 17
 (
Wien
1557
):
Basilius der zuuor Gabriel hieß / da er seiner Heyrath halben Rat hielt / befannde er sol aine auß seinen vnnderthonen nemen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
17. Jh.
):
das der befintente marktrichter die […] resignierung seines habentes richterambts […] thue.
10.
›etw. besichtigen, prüfend betrachten‹.

Belegblock:

Siegel u. a., Salzb. Taid.  (
smoobd.
,
1494
):
und die hernach beschribne gäng durch gemains nuz willn befuntn und betracht habent.
11.
›bei jm. etw. erreichen, zuwege bringen‹.

Belegblock:

Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 306, 19
 (
halem.
,
1508
/
16
):
In mittler zit befand er sovil an denen von Basel, […] das si zů der sach wolltend lassen reden.
12.
›sich aus Anzeichen ergeben, zeigen, erweisen, herausstellen, offenkundig werden; sich zutragen‹.
Syntagmen:
refl.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus II, (
Frankf.
1557
):
AUß der erfarnheit sich befindt, | Das die Menschen gemeynlich gsinnt.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck 
33, 22
(
thür.
,
1474
):
hat eß sich befunden, daz er eynes bedderbe mannes tochter zcu elichem lebin begert hath.
Ebd.
244, 14
:
Nu hat eß (sich) befunden, daz dyselbin gesinde […], dye sich also eyn jar […] zcu dynen vormytet hatten, yren hern nicht lenger danne uff sente Peters tag […] gedynet.
Luther. Hl. Schrifft. 
Röm. 7, 10
(
Wittenb.
1545
):
es befand sich / das das Gebot mir zum Tode reichet / das mir doch zum Leben gegeben war.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1403
):
Were aber, daz er das nút taͤte und sich das dar nach befunde, so sol er denne dem selben schaffner vervallen sin.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
und wie sichs befand, so kamend dise grusen warnungen […] uss erdachter pratick.
Siegel u. a., Salzb. Taid.  (
smoobd.
,
17. Jh.
):
befindt sich bei demselben die zicht war, soll man kain wirt weiter über drei tag damit beladen.
Ebd. (
1624
):
wo sich aber befundt, daz bait tail geiert.
sover mit ja und nain sich befindt, daz der antwurder dem klager ëtlich artigkl vernaint.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
16.
/
18. Jh.
):
Es hat sich befunden daß etliche mit fleiß kleinere garben gemacht vor dem zehend.
Thür. Chron.
10r, 5
;
Grosch u. a., a. a. O. 
72, 5
;
204, 17
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
134, 16
;
Meisen u. a., J. Eck
52, 10
;
V. Anshelm. a. a. O. ;
5, 193, 5
;
Bischoff u. a., a. a. O. ;
Vgl. ferner s. v. .
13.
›etw./jn. finden, antreffen; etw. in einem bestimmten Zustand vorfinden, jn. in einer bestimmten Disposition oder Tätigkeit vorfinden‹; auch: ›jn. ertappen, erwischen‹ (dazu Wortbildung:
befinder
).
Syntagmen:
jn
. (z. B.
die bauern
)
b., sich bei jm. b., jn. willig / geneigt b., jn. mit einem laster / meineide b., jn. auf untreue b., jn. im wirtshaus b., das kloster baufällig b., ein zeichen, eine wunde, lügen / mängel / trost / unordnung / wiederstand b
.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged. (
1635
):
Es ist mir besonders lieb, mein Polus, daß ich dich itzt bei mir befinde.
Quint, Eckharts Trakt.  (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Ein suochent alle crêatûren, […], und daz ein bevindent die obersten.
Chron. Köln (
rib.
,
1499
):
welche wunde der vngehoirsamheyt wyr verjaigten ellende kynder Eue noch nu tzer tzijt bevinden leyder in vnsem vngehoirsamen vleisch.
Grimm, Weisth. (
1454
):
of einicher […] sin karen […] untweldicht worde, ind dair imants aver befonde […], so sal doch der selve befinder den entweldiger […] wisen.
Küther, UB Frauensee 
354, 11
(
thür.
,
1524
):
euch zw willfaren bfindt ir mich geneygt.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 399, 14
(
Hagenau
1534
):
Er hats lang befunden / Gott vergebe es yhm. […] Got woͤlle yhnen yhre sünde verzeihen / denn sie haben funden / was sie finden sollen.
Päpke, Marienl. Wernher  (
halem.
,
v. 1382
):
Gebúrte zaichen nút da sint | An můter noch an kinde, | Das iement da bevinde.
Steer, Schol. Gnadenl. V,
11
 (
halem.
,
15. Jh.
):
Der gnaͮden art ist, daz si nit itel mag sin, si wil aintweder liden, got beuinden oder aber mit den werken gote naͮch ringen.
Küther, a. a. O. 
354, 9
;
Dietz, Wb. Luther ;
Preuss. Wb. (Z)
1, 459
;
Vorarlb. Wb.
1, 269
.
14.
befunden werden
, (refl.:)
sich befinden
›anzutreffen sein, sich aufhalten, verkehren, sich finden (von Personen)‹.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1470
):
of einich kremer […] mit falschen goede befonden wurden.
Weise. Jugend-Lust  (
Leipzig
1684
):
er befindet sich nicht weit von hier.
Eschenloher. Medicus (
Augsb.
1678
):
die Soldaten / vnder welchen sich auch obernanter Thomas befunden.
Siegel u. a., Salzb. Taid.  (
smoobd.
,
1654
/
68
):
Wo ainer auf dem urbar gefangen und darinen befunden wurd, das er den todt verschuldet hiet.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1672
):
wann sich einer […] befunde, welcher sich mit seinen eingezeunten orth gemain nicht wolte vergnügen lassen.
Ebd. (
1565
/
1581
):
welcher man sich in solchen ungehorsam befund, der ist der herrschaft […] verfallen sechzig und funf phund phennig.
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Göz. Leichabd. ;
Vgl. ferner s. v.  2.
15.
befunden werden, zu befinden sein
, (refl.:)
sich befinden
›zu finden sein, sich vorfinden, sich finden; begegnen, vorkommen, vorhanden sein, existieren (jeweils von Sachen)‹.

Belegblock:

Rosenthal. Bedencken
27, 4
 (
Köln
1653
):
Dergleichen Wort befinden sich bey dem H. Augustino an unterschiedtlichen Orthen.
Allg. Schau-Buͤhne (
Frankf.
1699
):
weil sie [Straff] in Kayser Carls peinlichen Halßgerichts-Ordnung nicht zu befinden.
Küther, UB Frauensee 
388, 16
(
thür.
,
1529
):
hab mich erkünth, das sich noch etzliche brieff befindden werdden.
Ebd.
409, 38
(
1540
):
was daselbst an schaffen, hawßrathe und anderm befunden.
Anderson u. a., Flugschrr.
1, 5, 26
(
Leipzig
1520
):
das solcher Symonijscher misszgebrauch […] mit anderen strefflichen handeln […] befundenn / außgerewth […] werden mochten.
Weise. Jugend-Lust  (
Leipzig
1684
):
Es befand sich ein kostbarer Schatz darbey.
Opitz. Poeterey
22, 3
 (
Breslau
1624
):
die vielfaͤltigen maͤngel vnd irrungen so darinnen sich befinden.
M. Cunitia. Ur. Prop.  (
Öls
1650
):
Weil auch […] unterschiedliche spruͤnge der zeiger / nemblich uͤber 2. 3. 5. auch 10 grad sich befinden.
daß die unter gleicher signatur befundene zahlen / genaw unter einander gefuͤgt werden.
Anderson u. a., Flugschrr.
8, 4, 1
([
Nürnb.
]
1524
):
Es wirt aber viererley weyß solcher institution befundẽ.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
45
):
Und wirt in römischen historien befunden, daß die Römer […] tragen mußten.
Eschenloher. Medicus (
Augsb.
1678
):
befindet solches [Wachs] in zwey Theil abgesoͤndert / doch gleich als mit subtilen Aederlein noch aneinander hangendt.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
16. Jh.
):
Wo böse laster und ergernus […] befunden werden, die soll man straffen.
M. Cunitia. a. a. O., ; ;
Bischoff u. a., a. a. O. ;
Preuss. Wb. (Z)
1, 459
;
Vgl. ferner s. v.  2, (
das
4,  3,  1.