baufällig,
Adj.
1.
›verwahrlost, im schlechten Zustand befindlich; verwüstet, verödet (jeweils von Grundbesitztümern)‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße als Hypallage:
baufällig werden
›auf verfallenen Gütern wohnen‹ (Rwb
1, 1290
);
vgl.  2.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 12, ; vgl.  1.
Wortbildungen
baufälligkeit
1 (a. 1573; dazu bdv.: ).

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Jes.
49, 19
 (
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
want dine wustenunge und dine wiltnisse und din buyvelligis lant nu wirt denne dir zu enge vor wonern.
Ebd. Ez.
36, 10
:
dy stete sullin bewonit werdin und das buvellige sal vornuyt werdin.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
40, 41
 (
nobd.
,
1413
):
daz die guͤt buͤfelligk wuͤrden oder buͤfelligk weren.
Weissthanner, Urk. Schäftlarn 
167, 32
 (
moobd.
,
1344
):
swenn dieselben vrbar furbaz pavfellich vnd oͤd werden von vnfrid oder prunst.
Hilliger, Urb. St. Pantaleon
365, 18
;
366, 20
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
3, 15
;
109, 15
;
Rwb
1, 1290
;
Schwäb. Wb.
1, 705
;
Schweiz. Id.
1, 764
..
2.
›baufällig, einsturzgefährdet (von Gebäuden aller Art, Festungen, Brücken, Brunnen)‹; bildlich auch zur Kennzeichnung des menschlichen Körpers gebraucht;
vgl.  8.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl.  2.
Wortbildungen:
baufälligkeit
2 (a. 1599).

Belegblock:

Rosenthal. Bedencken
5, 9
 (
Köln
1653
):
gleich sey einem Narren / der ein bawfaͤlliges Hauß auffm Sand setzet.
Küther, UB Frauensee
205, 29
 (
thür.
,
1422
/
39
):
daz wir die kirchoffsmollen […] gekaufft haben, die alsdan buwefeldig ist.
Luther. Hl. Schrifft.
2. Kön. 12, 5
 (
Wittenb.
1545
):
Dauon [Gelt] sollten sie [Priester] bessern / was bawfellig ist am Hause des HERRN / wo sie finden das bawfellig ist.
Göz. Leichabd.
307, 4
 (
Jena
1664
):
Seine hochbegabte Seele ist aus dem baufaͤlligen Leibes⸗Hause […] abgeschieden.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
201, 3
(
Nürnb.
1548
):
Die Christliche Kirche heyst er […] ein wuͤste Stadt / ein bawfelliges hauß.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
5, 398, 7
Var. (Straßb. 1466; Var. K:
Nürnb. 1483, Oa: Augsb. 1518):
vnd die pfaffen pauwen die vnbewarten
[Var.
pawfelligen
]
dechern des tempels.
Köbler, Stattr. Fryburg
202, 29
(
Basel
1520
):
Wie es mit den buwfelligẽ hüsern gehalten sol werden.
Chron. Augsb.
5, 26, 18
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
wie das kloster paufellig wer, und wie die kirch hett wellen umbfallen.
Rennefahrt, Recht Laupen
66, 20
 (
halem.
,
1526
):
daß sie
unser bruͥgg zů Louppen, so buwfellig, widerumb uffrichten.
Welti, Urk. Rheinfelden
284, 31
 (
halem.
,
1454
):
daz all brunnen presthaft vnd bwfellig sind.
Henisch
985
 (
Augsb.
1616
):
Wenn ein Wand bawfaͤllig wirdt / vnd fallen will / so seichen die Hund daran.
Leidinger, A. v. Regensb.
616, 30
(
oobd.
,
um 1430
):
ward dy fesst pauvellig.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
183, 37
;
Aubin, Weist. Hülchrath
77, 32
;
Hertel, UB Magdeb.
3, 502, 39
;
Göz. Leichabd.
243, 11
;
Chron. Augsb.
7, 478, 20
;
9, 313, 13
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 1, 1178, 15
;
2, 3, 5421, 16
;
Dasypodius
293
;
Serranus
25v
;
Maaler
285r
;
Rwb
1, 1290
;
Schwäb. Wb.
1, 705
.
3.
›schwach, gebrechlich, hinfällig (von Personen unter physischem Aspekt)‹; ütr.: ›schwach im Glauben; unbegründet, unsicher, nicht haltbar (von Wissensbeständen)‹; Ütr. zu 2.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 1, , .
Wortbildungen
baufälligkeit
3 ›physischer Verfall, Hinfälligkeit‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Jer.
6, 21
 (
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
ich wil geben dis volk in eyne buvellikeit, und dy vetir und dy sone […] werden vallen.
Luther WA
30, 2, 192, 5
(
1529
):
Welcher spruch odder gedancken auch wol kan einen bawfelligen Christen stossen.
Ebd.
47, 168, 6
(
1535
/
40
):
Die Juden […] meinen, Christus solle noch kommen, und verfuren viel einfelttiger und baufelliger Christen.
Mathesius, Passionale
38r, 27
(
Leipzig
1587
):
das vnsere Religion […] recht ist / vnnd nicht ein blosser vnd vngegruͤndter oder bawfelliger wahn.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
243
(
Nürnb.
1517
):
wann sie des nechsten schwachheit und baufelikeit warnemen, aber den tod in inen nit spüren.
Sachs
17, 474, 21
 (
Nürnb.
1562
):
Veracht sein nechsten nit darneben, | Welcher lebt arm und hartselig, | In müh und arbeit gar bawfellig.
Maaler
52r
(
Zürich
1561
):
Ein Bauwfelliger / bloͤder leyb. Caducum infirmum corpus.
Ebd.
395v
:
süchtig / Bauwfellig / Kranckheiten vnderworffen.
Barack, Zim. Chron. 
3, 594, 1
 (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
seitmals er vil jar uf ime het und sich ganz bawfellig befünde.
Ebd.
608, 4
:
so der fahl mit dem alten herren, der dann ganz bawfellig war, beschehe.
Henisch
200
 (
Augsb.
1616
):
Ein bawfellige Manns oder Frawen person.
Rwb
1, 1290
;
Dietz, Wb. Luther
1, 216
;
Pfälz. Wb.
1, 100
;
Schwäb. Wb.
1, 705
;
Schweiz. Id.
1, 764
.