bart,
der
;
-(e)s/-e
+ Uml., auch
+ Uml.
1.
›Bart (der erwachsenen männlichen Person)‹; sach- und kulturgeschichtliche Angaben: Lex. d. Mal.
1, 1490
/1.
Syntagmen:
einen b. haben / tragen
(jeweils mehrfach)
/ wachsen lassen / ziehen, den b. barbieren / besprengen / büffen / kämmen / scheren
(mehrfach)
/ stutzen / salben / abnemen / abschneiden / ausraufen / ausrupfen / ausziehen, den b. (mit der hand) streichen
;
b
. (Subj.)
grau / greis werden, b. etw. bedeuten, b. jm. entspringen, jm. ein b. wachsen
;
ane b. sein, etw. in den b. fliessen, in den b. knöpfe machen, jn. bis an den bart in die grube setzen, bei seinem bart schwören
;
schwarzer, (feuer)roter
(oft als Zeichen für Bosheit)
/ brauner / grauer / greiser / dicker / dünner / langer / hübscher / gesträlter / unsauberer / wilder / junger / alter b
.;
jüngling ane b
.;
bartes ärge / har
.
Wortbildungen:
bartgrau
›graubärtig‹ (a. 1616),
barthar
(a. 1536),
bartmacher
(a. 1616; dazu bdv.: ),
bartwachsen
(15. Jh.; dazu bdv.:  1).

Belegblock:

Ettmüller, Heinr. v. Meißen 
36, 15
(
md.
, Hss.
14.
/
15. Jh.
):
hei künec, din bart | solt ez bewart | hân an dem edelen ritter zart.
˹Personifiziert: Stackmann u. a., Frauenlob 
5, 27, 7
(Hs. ˹
md.
,
v. M. 14. Jh.
˺):
Her Bart, ir waret doch ein manlich zeichen ie
Ebd.
8, 14, 6
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
blate unde bart, | die sint nu gar enwicht.
Karnein, Salm. u. Morolf
50, 29 
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
sinen grisen bart | sach man ime uber den gurtel gen.
Thiele, Minner. II, 
14, 210
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
din bart und och din falwes här | die beyde werdent dir griß und grä.
Luther. Hl. Schrifft. 3. Mose
13, 29
(
Wittenb.
1545
):
WEnn ein Man oder Weib auff dem heubt oder am bart schebicht wird.
Ebd. 1. Sam.
21, 13
:
sein geiffer flos jm in den bart.
Ebd. Esr.
9, 3
:
DA ich solchs höret / zureis ich meine Kleider […] / vnd raufft mein heubthar vnd bart aus.
Henschel u. a., Heidin
1375
(
nobd.
,
um 1300
):
Er saz als im wer geschorn | Der bart ane schermesser.
Gille u. a., M. Beheim 
267, 64
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
welcher hant | sy essn und zern pegÿnne, | sicht man ir hangen in dem bart.
Vetter, Pred. Taulers
339, 30
(
els.
,
1359
):
sprach der prophete: ‘recht als die salbe nider gieng von dem hoͮbte in den bart her Aarons’. Der bart der hat vil hars, und ist das alles ein bart.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 119, 29
(
Hagenau
1534
):
Wer einen bart leßt wachsen / der hat eine schalckheyt gethan.
Ebd.
2, 106, 8
([
Augsb.
]
1548
):
Mancher raufft den todten Loͤwen beim Bart.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
42, 2
(
Straßb.
1650
):
ihre Haare vnd Bärte mit schwartzer farbe vnd Bleyinen strählen büffen!
Koppitz, Trojanerkr.
16243
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Manig helm, schaittel unde bartt | Mitt swerten da gespalten ward.
˹Als pars pro toto: Wiessner, Wittenw. Ring
2432 
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Daz weteut, sam ich es vind, | Daz oft ein schönes mensch von art | Minnet einen grausen part
Sappler, H. Kaufringer
32, 32 
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
von jüngeling on part | wart solich witz nie gehort.
Henisch
193
(
Augsb.
1616
):
Bart stutzen / kleider kuͤrtzen / thet die Ammoniter ins verderben stuͤrtzen.
Ebd.
194
:
Erst bart / gauchhaar. […]. Einen weltweisen machet nicht ein langer bart / oder langes kleid. […]. Roter bart / nie gut ward / sprach Moses. […]. Roter bart / vntrewer art. Ein bleicher Mann hat Weiber art / Huͤt dich fuͤr schwartz vnd roten bart. […]. Ein roter bart / vnd erlen bogen / Wenn sie geraten / sind sie zuloben. […]. Ein starcker bart / vnd ein kecker hertz / zieret den Mann wol. […]. Bartmacher / barbierer / bartscherer […]. Langer bart […]. Von dannenher sind die Longobardi / Langbarter / jetzt Lombarder genennet worden / daß sie lange baͤrt gehabt / welches wie dann auch ein lang haar / bey jhnen ein zeichen der freyheit gewesen.
Ebd.
195
:
Kein Mauß war je so bloͤde / starb der Loͤwe / sie sprang jm mutig in den bart. Den todten Loͤwen woͤllen auch die Hasen den bart rauffen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. 
12, 15
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Der part an dem menschen bedäut mannes gesläht.
Klein, Oswald
12, 78
(
oobd.
,
1431
/
2
):
mein dienst, der loufft neur hinden nach, | seit mir die weiss durch braunen bart aufdringt.
Ebd.
111, 93
:
das si in viengen, stiessen, | hert bunden, raufften auss den bart.
Niewöhner, Teichner 
612, 14
(Hs. ˹
moobd.
,
1469
˺):
so lig auch ir [ritterschaft] manhait | an dem har. davon ist prait | har und part.
Piirainen, Stadtr. Sillein
138a
, 27 (
sslow. inseldt.
,
1378
):
Welchz mannez alder man nicht en weyz hot er har indem barte vnd nyden […] so sol man wizzen daz er czu seynen tagen chvmen ist.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
146, 9
;
Dubizmay, kurß zu Teutze
87, 16
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
19, 10
;
21, 32
;
Dienes, E. Gros. Witwenb.
92, 19
;
21
;
Gille u. a., a. a. O.
236, 59
;
329, 15
;
Karnein, a. a. O.
84, 14
;
Thiele, Minner. II, 
13, 221
;
Krebs, Prot. Konst. Domkap. 
8571
;
8580
;
Lemmer, Brant. Narrensch. 
4, 3
;
72, 25
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
53, 2
;
hail. altvaͤter
 98r
, 5;
Morrall, Mandev. Reiseb. 
13, 22
;
123, 26
;
125, 13
;
Schlosser, H. v. Sachsenh. 
27
;
233
;
671
;
Brandstetter, Wigoleis
219, 3
;
Barack, Zim. Chron. 
3, 376, 31
;
Klein, a. a. O.
63, 25
;
122, 28
;
123, 30
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
50, 7
;
Schmitt, Ordo rerum 
339, 34
;
344, 6
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 18
;
Dasypodius
107v
;
293r
;
Alberus AA iiijr;
Maaler
50r
;
Golius
85
;
Volkmar
57
;
311
;
Henisch
 192
/3;
Dietz, Wb. Luther
1, 210
/1;
Rwb
1, 1241
/2;
Stackmann u. a., Wb. zur Gött. Frauenlob-Ausg.
1990, 19
;
Dief./Wü.
162
;
Schwäb. Wb.
1, 654
;
657
;
Schweiz. Id.
4, 1611
;
Wolf, Bergmannsspr.
1958, 184
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 18
;
Winkler, Flugschr.
1975, 94
.
2.
phras. (nach Motivationsgruppen geordnet):
jm. einen strohenen / ströhernen / flächsenen bart flechten
›jn. an der Nase herumführen, jm. etw. vormachen‹,
jm. einen bart von stroh machen, einen bart von stroh drehen
;
jm. an den bart greifen
›jn. als gutmütigen Alten behandeln‹,
sich nicht in den bart greifen lassen, jm
. (auch einer Instanz, z. B.:
der oberkeit
)
in den bart greifen
›jm. unerschrocken widersprechen‹,
sich nicht im bart gruben lassen, sich in dem bart (um)grasen lassen
;
dem toten löwen den bart raufen
;
jm. etw. in den bart hineinwerfen
›jm. etw. zum Vorwurf machen‹,
jm. etw. in den bart inhin sagen
›jm. etw. glatt ins Gesicht sagen‹;
jm. kletten in den bart werfen
›jm. Schwierigkeiten bereiten‹,
wir wolten sie in unseren bart werfen
›wir würden sie aufreiben, vernichten‹;
den kopf zu dem bart verlieren
›jn. Kopf und Kragen kosten‹;
jm den bart im genik scheren
›jm. den Hals abschneiden‹;
sich keinen bart um etw. wachsen lassen, da wächst mir kein bart von
›deshalb lasse ich mir keine grauen Haare wachsen‹;
jm. schweist sein schwarzer bart
›jm. wird es heiß‹;
die alten vor dem bart leren
›Ältere lehren, bevor man einen Bart angesetzt hat‹;
es einem im bart haben
›jn. hart angehen‹;
gots bart
ein Fluch;
aus dem bart grünzen / sprechen
›versteckt argumentieren‹,
etw. aus dem bart sagen
›etw. heuchlerisch ausdrücken‹;
sonder schnaufen und bart wischen
›ohne abzusetzen (beim Trinken)‹.

Belegblock:

Die Reihenfolge der Belege richtet sich soweit möglich nach der Reihenfolge der Phraseme.
Spanier, Murner. Schelmenz.
5, 6
(
Frankf.
1512
):
Wen du die sach besühest recht, | Eyn stroen bart hab ich dir geflecht.
Luther, WA
54, 406, 17
(
1545
):
On das der Bapst zu Rom […] den Koͤnigen und Herrn gerne wolte eine Nase drehen, und stroͤern Bart flechten, das sie gleuben sollen, er sey seer andechtig und heilig.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 499, 14
(
Hagenau
1534
):
er macht yhm eynen bart von stro. Das ist / er uberredet yhn eyns dings / das offentlich erlogen ist.
Ebd.
2, 69, 23
([
Augsb.
]
1548
):
Ainen bart von Stro troͤhen. Das ist […] die leüte betriegen und das überreden / das unmüglich ist.
Lemmer, Brant. Narrensch. 
86, 17
(
Basel
1494
):
Dar vmb / das jm gott ettwan spart | Meynt er jm griffen an den bart.
Spanier, Murner. Narrenb.
19, 42
(
Straßb.
1512
):
Wa findt man yetz ein solchen man, | Der mit ernst doͤrfft widerstan? | Dem bischoff in den barte gryffen?
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr. 
6, 91, 21
(
Straßb.
1520
):
ie mer er der oberkeit / vnnd mit nammen der geistlicheit in den bart gegriffen hatt.
Spanier, a. a. O.
20, 14
(
Straßb.
1512
):
Wie wol ir nit ein narr woͤlt syn, | Noch würff ich üch in bart hin yn, | Das ir vns vmb dry haselnuß, | Den ban im landt verkünden duß.
Froning, Alsf. Passionssp. 
341
(
ohess.
,
1501 ff.
):
gefyellen sie uns uff der selben fart, | mer wolden sie werffen in unßern bart | und myt unßern zenen zurissen, | das sie des solde sere vordrissen!
Lemmer, a. a. O.
16, 36
(
Basel
1494
):
Do holofernes truncken wart | Verlor den kopff er / zů dem bart.
Schade, Sat. u. Pasqu. 
3, 106, 15
(o. O.
1525
):
wenn man euer eins teils hett, man wurd euch den part im gnick scheren.
Gilman, a. a. O.
1, 119, 10
(
Hagenau
1534
):
Laß dir keynen bart darumb wachsen. […] das ist / Laß du dich unbekümmert / sorge du nicht dafür / […] / sey nicht betrübet / es wirt sich wol schicken.
Froning, a. a. O.
3439
(
ohess.
,
1501 ff.
):
dissen stryck umb synen lipp | wel ich em werffen alßo hart, | das em sweyßet syn swarczer bart!
Henisch
193
(
Augsb.
1616
):
Du lehrest die alte vor dem bart […]. De præcoci prudentia, cum imberbis maiorem natu docet. […] Da wechst mir kein bart von. […]. Sonder schnauffen vnd bart wischen […] affatim bibere sine respiratione. Verstendig was den bart belangend / das ist / einer der da scheinet klug vnd verstendig zu sein / vnd aber doch in der warheit nicht verstendig ist barbatenus sapiens. […]. Gott lest jhm keinen flessinen bart
[›Bart aus Flachs‹]
flechten.
Ebd.
195
:
Jn dem bart grasen lassen […]. Wer jhm in dem bart last umbgrasen / dem hoffieret man entlich gar auffs maul.
Ebd.
193
;
Dietz, Wb. Luther
1, 210
/1;
Stieler
1, 767
/8;
Warnke, Wb. Müntzer
95
;
Preuss. Wb. (Z) 4, 416;
Schwäb. Wb.
1, 653
/4;
Schweiz. Id.
4, 1613
/4.
3.
›Schamhaar (von Mann und Frau)‹.

Belegblock:

Mone, Adt. Schausp. 
2, 602
(Hs. ˹
omd.
,
1391
˺):
wilch mayt da hynden blybet, | dy
e
werff ich da neder | und erswinge er ir geveder, | ich ribe er kletten in den bart.
Fastnachtsp.
225, 4
(
nobd.
,
v. 1486
):
So wundert mich ein dink gar hart, | Warumb ein frau hat unden ein part.
Ebd.
324, 25
Var. (
1450
/
94
; Var.
1465
):
Ich wolt noch ein wurst mit einem part eßen
[Wortspiel].
Kummer, Erlauer Sp. 
4, 269
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
si hies Maͤtzel oder Trugart, | ich var ıͤr in ıͤrn rauhen part.
4.
›Kamm bei Vögeln (insbesondere des Hahns); bartähnliches Haarbüschel bei Tieren (besonders bei Ziegenböcken)‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 4.

Belegblock:

Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
20, 17
(
Straßb.
1650
):
Bald mit Bärten wie die Jndianische Hanen.
Maaler
50r
(
Zürich
1561
):
Bart / der menschen vnd thieren / als der geissen / woͤlffen / vnd anderer thieren.
Henisch
192
(
Augsb.
1616
):
Bart an den Voͤgeln / klocken / das rote leplin / wie die hanen haben.
˹Mit doppelter Bezugsmöglichkeit: Ebd.
195
:
Wenn der bart gelehrt machte / so were ein Ziegenbock auch wol gelehrt˺. […]. Ein Kuhe ohne schwantz / Ein hochzeit ohne dantz / Ein Bock ohne bart / Sind wider die natur geart.
Maaler
260v
.
5.
›Rüstungsstück zum Schutze der unteren Gesichtshälfte, das am Brustharnisch befestigt oder um den Hals geschnallt wurde‹; im Henisch-Beleg (s. u.) eher: ›Visier, unter dem Helm befindliche Bedeckung des Gesichtes, in welcher zwei Löcher für die Augen ausgeschnitten sind‹ (vgl. dazu Bmz
1, 88
).
Bedeutungsverwandte
(zu letzterer Variante): .

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Ämterb.
2, 24
(
preuß.
,
1404
):
248 ysenhuthe bosze und gut, item 145 helme bosze und gut, item 53 helme mit berten.
Bernoulli, Basler Chron.
4, 33, 20
(
alem.
,
1424
):
so vil und er gezúges hatt, dett er den vollen, one schirm und on bart.
Henisch
192
(
Augsb.
1616
):
Bart / das visier am helm / buccula, buccarũ tegmen, per quod spiritus ducitur.
Joachim, Marienb. Tresslerb.
101, 13
;
547, 38
;
Zingerle, Inventare 
51a
, 40;
147a
, 40.
6.
›Ansatz an der Messerklinge, deren hinteres Ende im Messergriff befestigt ist‹.

Belegblock:

Ermisch, Freib. Stadtr. 
283, 6
(
osächs.
,
um 1440
):
sal er machen yn einem tage zwenczigk sniczer mit wederwurffen bertten.
7.
›ein zum Zwecke „rascheren Anbrennens an seinen Seiten […] aufgeschlitztes Stück Holz, welches bei dem Feuersetzen in die unterste Lage des Holzstoßes gelegt wird, um das Holz rascher zum Brennen zu bringen‹.

Belegblock:

Veith, Bwb.
51
.