1
balke,
der
;
-n/-n.
1.
›Balken, vierkantig zugehauenes Holz von relativ großer Länge und Stärke (in der Regel) für Bau-, Gerüst-, Stützzwecke‹; auch speziell für einzelne Balken, z. B. den frei tragenden Spannbalken zwischen Scheune und Tenne, für die Latte zum Anbinden von Reben; in letzterer Verwendung ansatzweise Übergang zur Maßbezeichnung:
acht balken lang
(; a. 1619).
Phraseme:
jn. an den / an die balken (und türen) anzeichnen / schreiben
›jn. öffentlich eines Versäumnisses, der Lüge o. ä. zeihen‹;
jn. über spottes balken foltern
›jn. verspotten‹;
liegen
(meist)
/ eiden / schweren, das sich die balken biegen
(meist)
/das die balken krachen
;
(für grosser hoffart) an balken reichen
›sich (aus einem Hochgefühl) für groß, reich beschenkt achten‹.
Syntagmen:
den b. (aus)hauen / beilen / einzäpfen / schlechten / legen / verbauen
;
b.
(Subj.)
sich unter dem last setzen
;
b. mit zapfen
;
zapfe des b.
;
holz zu b.
;
ausgearbeiteter / polierter / hübscher / kleiner / spitzer / dicker / grosser b.
Wortbildungen:
balkenhauer
›Handwerker, der Balken zurechtschlägt‹,
balkenholz
,
balkennagel
›langer, starker Nagel‹,
balkenspiker
(dasselbe, zu mnd.
spiker
, nl.
spijker
›Nagel, Bolzen‹).

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb.
585, 26
(
preuß.
,
1409
):
6 holzer zu balken, soller zu machen in der herzogen kamer.
Quint, Eckharts Pred.
2, 243, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
als dâ ein spân abevellet von einem balken, den man houwet.
Herborn u. a., Rechn. Jülich
96, 15
(
rib.
/
snfrk.
,
1398
/
9
):
des vrijdaigs nae Paisschen umb II balken zu Coll(en) gegulde(n), die ma(n) up den groisse(n) sail zu Cast(er) legen soilde.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 157, 17
(
hess.
,
1598
):
daß keiner den andern [...] umb schuldtwerth [...] willen aufftreibe, an die balcken und thüren anzeichne.
Luther, WA
49, 626, 21
(
1544
):
Jch bin ein armer man, aber so reich bin Jch, das Jch auch fur grosser hoffart an balcken reiche.
Ders. Hl. Schrifft.
1. Kön. 7, 6
(
Wittenb.
1545
):
ER bawet auch eine Halle [...] mit seulen vnd dicken balcken.
Pyritz, Minneburg
2563
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Ich wird auch dicke gefultert | Zwor uber spottes balken.
Chron. Nürnb.
4, 285, 9
(
nobd.
,
15. Jh.
):
da henkt man zu Nürmberg einen juden von Apswind an den eusern palcken auswendig an den galgen.
Hulsius
A ivr
(
Nürnb.
1596
):
glatter Balcke / darauff die obere buͤne ligtt / vn poultre soustenant l’edifice.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
513, 36
(
halem.
,
1431
):
schloss, staͤgriff, biss, sporen, strigel, balchennagel, lattennagel und suss ander gross nagel.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 66, 6
(
Hagenau
1534
):
Auff dem eyse ist nit gut gehen / denn es hatt keyne balcken.
Ebd.
2, 93, 20
([
Augsb.
]
1548
):
Er leügt das sich die Balcken biegen.
Henisch
173
(
Augsb.
1616
):
Ein Hall mit dicken balcken / fecit porticum columnatam. [...]. Ein balcken schlechten / breit beilen [...]. Balcken außhauwen / vnd einzaͤpffen.
Ebd.
174
:
Die meuse vnd wuͤrm in balcken hoͤren auch. Durch faulheit sincken die balcken [...]. Wenn ein balcke kracht / so meinen wir / das gantze hauß lige auff vns.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
319, 12
(
oobd.
,
1349
/
50
):
des cypressen holz ist gar guot zuo palken in kirchen und zuo grôzem gepäw.
Ziesemer, Marienb. Konventsb.
296, 7
;
Joachim, a. a. O.
67, 31
;
Chron. Augsb.
5, 308, 24
;
Schmitt, Ordo rerum
53, 15
;
54, 20
;
Brack
b 5v
;
Dasypodius
238v
;
309r
;
Schöpper
72a
;
Serranus
24v
;
Maaler
49v
;
Hulsius
A ivr
;
Volkmar
663
;
Dietz, Wb. Luther
1, 203
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 380/1
;
Pfälz. Wb.
1, 537
;
Schwäb. Wb.
1, 590
;
Schweiz. Id.
4, 1188/9
.
2.
bildlich im Anschluß an Bed. 1 ›Balken im Auge‹ im Gegensatz zu , , ; dazu phras.
an seinem balken ritter werden
›seine eigenen Schwächen bekämpfen und überwinden‹;
aus einem splitter einen grossen balken machen.
Wortbildungen:
balkendoctor
,
balkenrichter
,
balkenträger
: abwertende Bezeichnungen Luthers für die Juristen parallel bzw. im Gegensatz zu , .

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
4, 5, 99
(
Frankf.
1557
):
Werd erst an deinem Balcken Ritter, | Darnach zeuh auß deins nehsten splitter.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
7, 3
(
osächs.
,
1343
):
waz sihstu eine aine in dînes brûders ouge und einen balkin insihstu in dîme ougen nicht.
Stackmann u. a., Frauenlob
6, 4, 13
(
md.
, Hs. 
v. M. 14. Jh.
):
Man sicht ein korn von talken | in mines ougen valken – | und la sich einen balken | in dinen ougen walken.
Anderson u. a., Flugschrr.
5, 5, 3
([
Zwickau
]
1524
):
Nit ein splitter sůchẽ in eines andern aug / Vñ seines eygen balcken nit acht haben.
Luther. Hl. Schrifft.
Mt. 7, 3
(
Wittenb.
1545
):
Was sihestu aber den Splitter in deines Bruders auge / vnd wirst nicht gewar des Balcken in deinem auge?
Henisch
173
(
Augsb.
1616
):
Wer selbst ein balcken im aug hat / vnd behelt / der will aller Welt den splitter herauß ziehen.
Goldammer, Paracelsus.
2, 134, 21
(
1530
/
5
):
ob er nur ein mucklein hat im auge und die obrigkeit ein balken, so treibets aber diabolus auf.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
4, 19
;
Bechstein, a. a. O. Lk.
6, 41
;
Feudel, Evangelistar
108, 20
;
Luther, WA
41, 391, 9
;
Henisch
141
;
Dietz, Wb. Luther
1, 203/4
;
769
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 8
.
3.
›obere Balkenlage eines Hauses, Boden, Speicher, Bühne‹.
Phraseme:
auf den balken tasten und nicht darunten
›sich auf Kosten eines anderen in dessen Haus selbst verpflegen, ohne zu plündern‹ (Formel für die Beschränkung der Selbsthilfe der zu Herberge und Verpflegung Berechtigten);
jm. fält das erbe im balken
(Ggs.:
auf dem feld)
;
fleisch auf dem balken
›Fleisch in der Vorratskammer‹;
ochse / ku an dem balken
›geschlachteter Ochse (usw.)‹; dies letztere Phrasem ist möglicherweise anzuschließen an die für das Frnhd. nicht belegte Bed. ›Holz zum Aufhängen von Schlachttieren‹ (vgl. für die rezente Mundart:
Preuss. Wb. (Z)
1, 38
).
Bedeutungsverwandte:
vgl. , .
Wortbildungen:
balkdiele
›auf der Balkenlage angebrachtes starkes Brett, Diele‹.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
382, 4
(
preuß.
,
1414
):
1 schok und 28 spisse durres fleysches uf dem balken.
Ebd.
685, 12
(
1389
):
18 lebende ochsen, item 35 ochsen an dem balken.
Ebd.
739, 34
(
1404
):
12 kue an dem balken.
Loersch, Weist. Boppard
43, 15
(
mosfrk.
,
1460
):
abe die nyt myt dem dage konden [...] heym gereichen und underwege bliben musten, [...], da mogent sie leger nemen und tasten off den balken und nyt darunden, und nemen so gelympliche, das nyemantz von yn clage.
Ebd.
48, 30
(
A. 16. Jh.
; Hs.
2. H. 17. Jh.
):
da wird er finden essen und drinken und fuder zu den pferden; wo ers aber also nicht finden wird, so soll er macht haben, selber zu holen, zu tasten auf den balken und nicht darunten.
Scholz-Babisch, Klev. Rheinzollw.
656, 29
(o. O.
1688
):
Balckdeelen, von 1 und 1½ und 2 daumen dick.
Hulsius
A ivr
(
Nürnb.
1596
):
Oͤberen Balcken / les cheurons ou planches d’une maison.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 725, 15
(
schwäb.
,
1577
):
bleibt dem junkherrn von habern er stee noch uff dem acker oder liege noch uff dem balcken nach absterben des underthonen der dritte tail.
Schwäb. Wb.
6, 1583
;
Schweiz. Id.
4, 1190
.
4.
›(balkenartige) Verriegelung von etw.; Ofentüre, Fensterladen‹; als Metonymie: ›Luft- und Lichtöffnung; Zaundurchlaß‹.

Belegblock:

Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 100, 3
(
halem.
,
1489
):
daz er [...] in sölicher gefenknüß kein ander balchen, noch luftloch nit haben.
Zingerle, Inventare
9b, 29
(
tir.
,
1485
):
Ain eysner palk vorẹm offennloch.
Ebd.
10b, 27
:
Zway glasvenster, vor dem dritẹn venster ain eysnẹr palkẹn.
Schweiz. Id.
4, 1189
;
Öst. Wb.
2, 134
.
5.
›Sitzstange der Vögel‹.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
54, 14
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Dort uf dem palk | sparber und valk | sein under ire, | Straus und auch greiff.
Ebd.
275, 15
:
ich gib dir nicht | des vogels von dem balken, | wann du da mit vergissest mein.
6.
›Waage‹ (als totum pro parte für den Waagebalken).

Belegblock:

Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
467, 24
(
preuß.
,
1423
):
so habe ich czu Brugge gelossen 1 balken mit schalen von holtcz, do sint 14 stucke gewichtes.
7.
›Balkon, Erker‹.
Syntagmen:
b. mit zwein fenstern.

Belegblock:

Schweiz. Id.
4, 1190
(a.
1307
).
8.
›ungepflügt gebliebener Streifen Bodens (zwischen zwei Furchen)‹.

Belegblock:

Ermisch u. a., Haush. Vorw.
54, 32
(
osächs.
,
1570
/
7
):
achtung darauf geben, das nach gelegenheit des bodems nicht zu flach noch zu tief gepflüget, nicht uberhin gescherft noch balken gemacht.