baden,
V.;
in 1 Beleg unr. abl.:
gepetten
(s. u. Beleg
Mollay
).
1.
›jn. (auch: sich / den Körper / ein Tier) baden, waschen, sich in der Badewanne oder in Gewässern einer körperlichen Reinigung unterziehen‹; absolut: ›baden‹; vereinzelt von Sachen: ›etw. in eine Flüssigkeit eintauchen; etw. reinigen‹.
Phraseme:
zu heis gebadet sein
›jähzornig, leicht erregbar sein‹.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl. ,  1, , ,  1.
Syntagmen:
sich / jn.
(z. B.
das kind, den könig) etw.
(
den leib
)
b., jn. mit blut b., geschir b.
;
in einer mulde / wanne b., in den gruben b., (sich) im flus / wasser b., in hosen b., in js. blut b.
, (ütr.:)
in schweis / trähenen / unglük b.
(ansatzweise phrasematisiert: ›stark schwitzen‹, ›sehr weinen‹, ›sehr unglücklich sein‹),
in seinen künsten, in seinem willen / wissen b.
(jeweils: ›sich im eigenen Können / Willen / Wissen ergehen, erlustigen‹),
mit jm. b.
;
morgens / lange / häufig b.
; subst.:
sich badens fleissen.
Wortbildungen:
badgemach
(am ehesten hierher),
badhafen
(wohl: ›Waschschüssel‹).

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
1, 18, 54
(
Frankf.
1557
):
Besser du leidst ein kleinen schaden, | Denn das du soltst in groͤsserm baden.
Ebd.
3, 98, 130
:
Welch Man mit solcher wirdt beladen, | Der muß sein tag im vngluͤck baden.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
2228
(
omd.
,
1338
):
dy cleine schaden | Vorchten, set, dy werden baden | In grozern schaden.
Hübner, Buch Daniel
7509
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
da von sich vleiz | Badins daz vil reine wib | Sulcher zit den iren lib.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
46, 7
(
omd.
,
1487
):
Jn eÿnem bau̇mgartten. darJn sich das obgemelte weipp pflag zcu waschen adder baden.
Luther, WA
51, 647, 58
(
um 1535
):
Er ist alber / Batt ynn hosen
[Kommentar ebd. S. 671].
Luther. Hl. Schrifft.
2. Mose 2, 5
(
Wittenb.
1545
):
die tochter Pharao gieng ernider / vnd wolt baden im wasser.
Ebd.
Ps. 58, 11
:
DEr Gerecht [...] wird seine füsse baden in des Gottlosen blut.
Gille u. a., M. Beheim
111, 307
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Also waz sy [juncfraw] im selb her nǎch | all wegen auss warten und ach | [...] |Baden, wischen und eczen.
Weitz, Albich v. Prag
171, 23
(Hs. ˹
nobd.
,
2. H. 16. Jh.
˺):
ir scholt euch paden in eyner wannen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 123, 6
(
Nürnb.
1631
):
wer das Kindlein will Baden, | [...] | Der muß ein keusches Hertz haben.
Benzenhöfer, Rupescissa. Consideratione.
1989, 179
(
nalem.
/
rhfrk.
,
1438
/
40
):
setze daz geschirre in den hafen oder kessel mit wasser zu baden.
Karnein, Salm. u. Morolf
254, 12
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
kunig, dzu solt din fraue baden | niit me dan vor fremde minne.
Päpke, Marienl. Wernher
3251
(
halem.
,
v. 1382
):
Maria zoch ir kindelin | Mit sachen als die solten sin: | Heben, legen, soͮgen, baden.
Adrian, Saelden Hort
1574
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
ze hertzen solt es [kind] dik laden, | in froden richen trehen baden.
Koppitz, Trojanerkr.
17822
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Dü stoltzen ross müsten baden | In schume und och in schwesse.
Koller, Ref. Siegmunds
246, 42
(Hs. 
v. 1449
):
der mechtig kayser Constantinus [...] bat aller weysen maister rat; die rieten, er sollte baden in kindlinen blut, so wert er gesund.
Morrall, Mandev. Reiseb.
26, 10
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
da badet man im sie [frowe] und leyt ir gewand an das gar kospar ist.
Ebd.
68, 17
:
ain wenig hin uff da badent sich die cristen gemainlich.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
54, 25
(
schwäb.
,
v. 1542
):
zu weychennachten was es so warm, das etlich in der Rot batent von wunders wegen.
Rauwolf. Raiß
16, 21
([
Lauingen
]
1582
):
sprangen etliche der vnserigen ins Moͤhr hinauß vnd badeten.
Henisch
169
(
Augsb.
1616
):
Die hennen baden sich im staub / oder in der aschen. [...]. Er ist ein wenig zu heiß gebadet. [...]. Er ist bald im harnisch. [...]. Wer in allen Pfützen badet / kompt er nicht in Franckreich / so muß er doch das bad außgiessen.
Ebd.
170
:
Was hilfft den Raben das baden? er bleibt dennoch schwartz. Wann man einen Mohren gleich sein lebenlang badet / so kan man jhn doch nicht weiß waschen. Wenn die Enten bey hauffen baden vnnd quetschen / so folgt gern ein regen. Wenn man die Saw gleich badet / so will sie doch wider in den koth. Wer vil badet / der wirt offt gezwagen. Wer am lengsten badet / der lebt am lengsten. [...]. Wer erst einsteiget / der badet erst auß.
Mollay, H. Kottanerin
19, 15
(
moobd.
,
1439
/
40
):
do ward mıͤr ıͤr gnad sagen, wie sie dy fraun von Ofen gepetten hieten in einer wannen.
Ebd.
26, 22
:
do stuend ich frue auf vnd padat den edelen kung vnd richtat in zu.
Turmair
5, 37, 28
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Ain ainige sêl regiert alle glider des leibs, [...] sicht, hört, empfindt, schmeckt, gêt, stêt, gedenkt, vernimbt, verstêt, ist, trinkt, padt, wacht und auch im schlaf nit feirt.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth
1, 433, 18
;
Hübner, a. a. O.
3990
;
Thür. Chron.
15v, 2
;
Weitz, a. a. O.
166, 23
;
Rohland, Schäden
356
;
Päpke, a. a. O.
3854
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 349, 1
;
Memminger Chron. Beschr.
35, 24
;
Dasypodius
475v
;
Maaler
49r
;
269r
;
Henisch
169
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 46
;
Dietz, Wb. Luther
1, 201
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 367
;
Schwäb. Wb.
1, 569
;
Schweiz. Id.
2, 2015
.
2.
›in einem mit Heilmitteln zubereiteten Wasser baden, (kranke Körperglieder) längere Zeit in ein heilendes Wasser eintauchen‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße auch über die Krankheit gesagt.
Gehäuft in Texten medizinischen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.
Syntagmen:
jn.
(z. B.
den siechen
)
b., die hände, das bein / glied, den leib b., den schaden b.
;
in der sulze, in bütten, in pappeln b.
, (eine bestimmte Zeit, z. B.:)
drei tage, eine stunde lang b.
;
warm / heis / kalt b., morgens b.

Belegblock:

Keil, Peter v. Ulm
260
(
nobd.
,
1453
/
4
):
So nym varm
[›Farnkraut‹]
vnd seud den in wasser vnd pad den siechen dorjnn vnd legs im warme auff den schaden.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
208v, 9
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Nim rosen mist vnd ain hant voll knobloches bletter vnd súde das vnd bad dar inne.
Sudhoff, Paracelsus
2, 29, 11
(
1525
/
6
):
alle die da seind volles leibs, voller flüssen, voller feuchtikeit, voller inwendigen schleimikeit, [...], die sollent in diser sulz baden.
Ebd.
11, 102, 24
(
1537
/
41
):
also baden wie in der cur macht auch perfect die conservativen, also das sie genauer suchen nicht alein im magen, deuen, verdeuens, zeren, verzerens, sonder das im ganzen leib solche digestion angehe.
Keil, a. a. O.
126
;
Fischer, Folz. Reimp.
43, 364
;
Rohland, Schäden
356
;
Ott-Voigtländer, a. a. O.
212v, 8
;
Plant u. a., Main. Naturl. 296v, c,
8
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 46
.
3.
›ins Badehaus gehen, am Badebetrieb teilnehmen, ein Bad genießen‹; mit dem Baden waren bestimmte Formen der Körper- und Gesundheitspflege verbunden, z. B. das Rasieren, der Aderlaß, das Schröpfen.
Phraseme
(hierher ?):
jn. schwimmen und baden lassen
›jn. im Stich lassen‹.
Syntagmen:
mit den feinden, mit juden b., in js. haus b.; fiel b.; unordentliches baden
(subst.).
Wortbildungen:
badegang
›Besuch des Bades‹,
badenkleidung
›Kleidung von Badegästen‹,
badkosten
›Badeauslagen‹,
badrok
(Komposita teilweise auch zu
bad
1 stellbar).

Belegblock:

Große, Schwabensp.
214a, 39
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Jz sal oͤuch dichein cristen mit Joden baden.
Luther, WA
33, 132, 7
(
1531
):
Da ist denn der Tuͤrcke her, badet viel, betet viel und gedenckt, Gott gefallen diese seine werck wol.
˹Ütr. bei: v. Groote, Muskatblut
8, 147
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
wan keyner farb wil er [jochant] nit darb, | sin dugent ich můs baden
[›genießen‹]˺.
Sachs
14, 178, 25
(
Nürnb.
1551
):
So er etwan auff mich thet blatzen | Und thet mir an dem leyb ein schaden, | So list du mich schwimmen und baden.
Roloff, Brant. Tsp.
1689
(
Straßb.
1554
):
Heüt ist gůt schwitzen / schrepffen / unnd baden | Ich will euch guͤtlichen thůn.
Jörg, Salat. Reformationschr.
882, 19
(
halem.
,
1534
/
5
):
Alls dann ouch den v orten bullver zů kamm / von Rotwylern / welchs gen Baden zů gefertigett ward / jn rüstung / und fůr alls waͤr es badencleydung.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
68, 43
(
halem.
,
1577
/
94
):
Dise sonn- und feyertagen sollen ouch die gotzhusleut halten [...], es seye mit werkhen, baden, schmiden.
Chron. Augsb.
6, 35, 11
(
schwäb.
, zu
1527
):
da was Ulrich Rechlinger, derzeit burgermeister, der padet da in seinem haus.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
83, 18
;
Lemmer, Brant. Narrensch. 24, Vorspruch Z.
3
; Anhang Z.
4
;
Roloff, a. a. O.
1677/8
;
1730
;
Rennefahrt, Gebiet Bern
337, 4
;
Memminger Chron. Beschr.
36, 7
;
Fischer, Eunuchus d. Terenz
105, 1
;
Schmitt, Ordo rerum
663, 13
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 367
;
Schweiz. Id.
3, 550
;
6, 834
;
Pfälz. Wb.
1, 527
.
4.
›das Bad offenhalten, den Badebetrieb gewährleisten; jm. das Baden ermöglichen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.
Wortbildungen:
badeordnung
,
badewerk.

Belegblock:

Stackmann u. a., Frauenlob
5, 34, 7
(
md.
, Hs. 
v. M. 14. Jh.
):
Ein smit sol smiden, ein bader baden, ein jeger jagen, | ein treger tragen.
Sudhoff, Paracelsus
11, 104, 31
(
1537
/
41
):
nit not hie solche badeordnung zu beschreiben.
Dirr, Münchner Stadtr.
516, 12
(
moobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
So sol dhain pader den juden, ir hausfrawn, irew chind, ir ehalten nicht paden.
Winter, Nöst. Weist.
5, 49, 25
(
moobd.
,
1477
/
94
):
das der pader soll albeg in der wochen zwen tag paden.
Dietz, Wb. Luther
1, 201
;
Rwb
1, 1167
.
5.
in Bildern oder Übertragungen auf den religiösen Bereich, teilweise anzuschließen an 1 oder 2 über das tertium comparationis ‘reinigen, heilen’; in 1 Beleg (s. u.
Klein
) in erotischem Zusammenhang.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
11441
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
die mit mins geistes bade | Gebadet sin.
Ebd.
13375
:
Als sich die werlt geunreinet | Und in Gotes dienste nicht enbadet.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
10108
(
omd.
,
1338
):
Sy muz baden inden unden | Des ebgrundes ewiclich.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 5, 10
(
Nürnb.
1631
):
bitt daß Gott mit seiner Gnad, | Dein Leib vnd Seel inwendig Bad.
Klein, Oswald
21, 48
(
oobd.
,
1431
/
2
):
Mai, dein gezellt gevellt mir wol, | wo man grëslin baden sol.
Dietz, Wb. Luther
1, 201
.
6.
als Ableitung von
Baden
(Ort im Aargau, in dem die Badener Disputation stattfand): ›nach Baden gehen‹, möglicherweise mit Tendenz zur Phrasematisierung: ›sich eine Niederlage einholen‹.

Belegblock:

V. Anshelm. Berner Chron.
5, 165, 25
(
halem.
,
n. 1529
):
wiewol der Zwingle nit wolt baden, so hat er dennocht sinen geist im truk dahin den Eidgnossen zůgeschikt.