1
bär,
2
ber
(letzteres häufiger, ersteres zunehmend häufig im 16. Jh.),
der
;
-en/-en.
1.
›Bär‹.
Syntagmen:
den / einen b. anbinden / bezwingen / fangen / füren / überwinden / zämen / jagen / suchen / treiben / stechen / schiessen, einen b. an jn. hetzen, aus den menschen bären machen, einen b. vom honig schlagen
(zur Kennzeichnung der Schwierigkeit von etw.),
einen b. mit einem strohhalm stechen
(zur Kennzeichnung der Unmöglichkeit von etw.);
b.
(Subj.)
brüllen / brumme(l)n, b. jn. zerkrauen
;
dem b. einen ring in die nase tun
;
jn. für die b. werfen, sich an einen b. wagen, den ban über den b. setzen, mit einem b. umziehen, sich als b. stellen, als die b. grienen / grimmen, als ein b. schaumen, wie ein b. schnaufen, an jm. haften wie ein b. am honig
;
alter / junger / gezämter / wilder / grosser / starker / grausamer / grimmiger / gieriger / hungriger / krafthabender / leidiger b.
;
grösse / klaue / kopf / haut / mark des b.
;
jagd auf den b.
Wortbildungen:
bärenblut
,
bärenfleisch
,
bärenbrunft
›Paarungszeit des Bären‹ (a. 1508),
bärengrube
›Grube zum Fangen von Bären‹ (a. 1627),
bärengätter
›Bärenzwinger‹,
bärenkette
,
bärenklaue
1,
bärenstecher
1,
bärenzan.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
198a, 9
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
vber alle tiere ist ban gesetzet wanne ouer wolůe vnde beren vnde voxsen.
Joachim, Marienb. Tresslerb.
534, 27
(
preuß.
,
1409
):
1 fird. eyme armen manne, der dem meyster 2 junge beern brochte.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
681, 18
(
preuß.
,
1437
):
von spyse: item 14 tonnen fleisch als hirtczfleisch, rintfleisch, wiltswynfleisch und bernfleisch.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1186
(
Köln
1476
):
Op dye bolwerck ind sydtweren | Stalten sych as starcke beren | Dye Nuysser in yr wapen blanck.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
342
(
omd.
,
1338
):
daz Job | Bestunt in den noten grob | [...] | Und uberwant den leyden ber
[hier für den Teufel gebraucht].
Thiele, Chron. Stolle
365, 14
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Die von nuss
[›Neuß‹]
grymmeten als die behern, | die da widder were zu thune begern.
Luther, WA
51, 655, 296
(
um 1535
):
Schertzest wie ein beer
[›deine Scherze sind plump‹].
Ebd.
54, 283, 2
(
1545
):
wie man die Beeren fuͤret bey dem Rinck in der Nasen.
Gille u. a., M. Beheim
354, 48
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Traken, lintwürm und lebn, | liephart, pern, swein, walff, hunde, | gemsen, hirss, hinnen unde | stainpök.
Bell, G. Hager
616, 1, 2
(
nobd.
,
1622
):
Am ferb Haus beÿ dem Hiserlein | war ein Behr an gebunden fein, | Den man jung aufer zogen Hett.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
210, 11
(
Nürnb.
1548
):
Fressen vñ sauffen macht auß dẽ menschẽ rechte sew / d’ zorn macht wild bern vnd Loͤwen auß jn.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1,
S. 90, 36 (
Nürnb.
1631
):
Welch wilder Baͤr hat jemaln so brummelt, [...], wie in seinen Gsaͤngen gethan der zornig Luther?
Bihlmeyer, Seuse
40, 22
(
alem.
,
14. Jh.
):
er machet als gruͤlich krezze, als ob in ein ber under sinen spizigen klawen heti zerkrawet.
Ebd.
427, 13
:
die menschen můs got zů im ziehen mit grossem liden oder des glich, als der einen baͤren von dem hong sleht.
Fuchs, Murner. Geuchmat Kap.
5, 11, 6
(
Basel
1519
):
Ein yeder gouch, so er by wyben sitzet, sol [...] ynen vil von syner manheyt sagen / wie er [...] beren gefangen / vnd mit Sampson dem loͤwen den mundt vff gerissen.
Enders, Eberlin
3, 84, 7
(o. O.
1524
):
ist das hertz nit beschlossen, was hilfft ausserer beschluß, ist das hertz beschlossen mit gottes forcht, was ist diß beeren getter not.
Päpke, Marienl. Wernher
3679
(
halem.
,
v. 1382
):
Dar umb kament sú also, | Loͤwen, beren, tigertier, | Ain húrn und pantertier.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
55
(
Genf
1636
):
Baͤhrin / f. Deß Baͤren Weiblen.
Rieder, St. Georg. Pred.
326, 6
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Wir sont och an únsrem herren haften alz der ber an dem honge.
Hauber, UB Heiligkr.
2, 183, 46
(
schwäb.
,
1443
):
von schwin hetzends und beren jagendtz wegen sol Eberhartt Truchsaͤsz dehain hek in grave Johansen vorst nit machen.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron.
37, 30
(
schwäb.
,
1548
):
Da warenn gefyrtt berenn, äffen, hirsche, englische hund und woll by 6 oder 7 hundertt wagenn mytt aller hand rystung.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 149, 6
([
Augsb.
]
1548
):
Ain Gotloser / der über ain arm volck regiert / das ist [...] und giriger Beer.
Henisch
172
(
Augsb.
1616
):
Junge Herren / junge Baͤren. Alte Herren / alte Baͤren. Wilde baͤren / sind bey einander geren. [...] Je groͤsser Herr / je wilder baͤr. Es ist ein naͤrrisch ding / so einer nach Baͤren jaget / vnd hat nit hund [...]. Jung ein aff / alt ein Wolff / Baͤr und Loͤw. Die Loͤwen / Baͤren / wilde Schwein / Drey boͤse thier zu zemen sein. Er sucht den Baͤren vnd steht vor jhm / das ist / er sucht außflucht / auß furcht / vnd last das gegenwertig geschefft fahren. [...]. Weil der baͤr verhanden / suchestu seine fußstapffen / das ist / du suchest / wie du dich auß der gefahr machest [...]. Loͤwen vnd jung gezemte Baͤren / Soll niemand in sein Hauß begeren. Man soll die haut nicht verkauffen / ehe man den Baͤren gefangen / oder gestochen hat: die Huͤner verkauffen / ehe die ayr gelegt [...]. Jch kauffe die haut nicht / ehe der Baͤr gestochen ist. [...]. Vil jagen den Baͤren / aber niemand will jhn stechen. Wenn der Baͤr hunger leidt / Saugt er seine pfaten allzeit / So muß auch thun der traͤge Mann / Der nicht will arbeiten / wenn er kan. Wer den baͤren treiben kan / Der ist der Welt ein werder Mann. Wer meint eim Wolff auß dem weg zu entgehen / dem begegnet ein Loͤw oder Baͤr.
Munz, Füetrer. Persibein
134, 6
(
moobd.
,
1478
/
84
):
er schuempt vor / grimm gleich wie ain per, | der helld mit seiner gläuy in do rúerte.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
18, 8
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Ignatius ward für lewen und peren geworfen.
Wopfner, Urk. Agrargesch.
332, 13
(
tir.
,
1396
):
mag ain iegclicher talman pern, wölf, fuchs, dann hasen, [...] vahen.
Zingerle, Inventare
7a, 19
(
tir.
,
1485
):
Ain eysnein perẹnketẹn mit aym eysnein halspant.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
119, 11
(
tir.
,
1525
):
das die iăger die schedlichn thier wolf, lŭx und pern sollen iagen und aŭsreŭten.
A. à S. Clara. Deo Gratias
22, 31
(
Wien
1680
):
Der Beer / wann er uͤbel auf ist / so heilet er sich mit dem Epheu.
Kehrein, a. a. O.
1, 516, 10
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
28, 4
;
Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
136, 19
;
Joachim, a. a. O.
107, 31
;
Frantzen u. a., Kölner Schwankb.
3, 1121
;
Lehmann, Rezeptb.
155
;
Kurz, Waldis. Esopus
1, 94
;
4, 34, 43
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
29, 7
;
Hübner, Buch Daniel
5745
;
Thiele, a. a. O.
376, 25
;
Thür. Chron.
10v, 17
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
10, 8
;
Opel, Spittendorf
217, 23
;
Henschel u. a., Heidin
609
;
Gille u. a., a. a. O.
311, 76
;
319, 16
;
Mayer, Folz. Meisterl.
2, 57
;
102, 8
;
Sachs
14, 57, 15
;
15, 458, 1
;
465, 12
;
Luther, WA
17, 2, 151, 33
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
42, 31
;
74, 20
;
Koppitz, Trojanerkr.
1568
;
21943
;
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
328, 33
;
ders., Stadtr. Bern
421, 19
;
ders., Gebiet Bern
417, 37
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
156, 1
;
Rieder, St. Georg. Pred.
120, 4
;
Schlosser, H. v. Sachsenh.
1024
;
5820
;
Chron. Augsb.
1, 220, 15
;
Brandstetter, Wigoleis
209, 17
;
214, 9
;
Fischer, Eunuchus d. Terenz
100, 13
;
Gilman, a. a. O.
216, 19
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
162, 15
;
Klein, Oswald
23, 122
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
72, 7
;
Weber, Füetrer. Poyt.
260, 2
;
288, 2
;
289, 5
;
343, 4
;
Roth, E. v. Wildenberg
70, 26
;
Wopfner, Bauernkr. Tirol
82, 19
;
156, 10
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
87a, 16
;
Mollay, Ofner Stadtr.
398, 3
;
Bremer, Voc. opt.
45170
;
47014
;
Schmitt, Ordo rerum
304, 11
;
Maaler
49v
;
Ulner
305
;
Golius
279
;
389
;
Henisch
171
;
Dietz, Wb. Luther
1, 209
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 228
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 398;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
30
;
Bad. Wb.
1, 119
;
Schwäb. Wb.
1, 632
;
1591
;
Schweiz. Id.
2, 694
;
4, 1447
-1452;
Öst. Wb.
1, 1025
/6;
3, 1169
.
2.
phras. (an 1 anschließbar):
keinen bären stechen
›sich nicht überarbeiten‹;
den bären treiben
›Kuppelei betreiben‹;
bären fangen
›Heldentaten begehen‹;
etw. ist minner den eine fliege gegen einem bären
;
den bären stechen
›mit einer Frau schlafen‹ sowie ›sich an etw. heranwagen‹;
den bären aufwecken
›etw. in Angriff nehmen‹;
e wet ich, das mich fräs ein bär
(Ausdruck der Beteuerung);
an bären hetzen und darnach dahinten bleiben
›sich großtun und dann zurückziehen‹. – Vgl. die Syntagmen zu 1 mit nicht phrasematischer Verwendung eines Teils der hier aufgeführten Ausdrücke.

Belegblock:

Sachs
14, 269, 7
(
Nürnb.
1553
):
Wenn ich im ob dem halß nit bin, | So sticht er warlich keinen bern.
Ebd.
17, 13, 3
(
um 1545
):
Wann ich hab zwischen beyden lieben | Den beren ie trewlich getrieben.
Lichtenstein, Lindener. Rastb.
138
(o. O.
1558
):
Wa er [pfarrer] ir aber nit vernam, sich mynder mühet unnd sein gesang nicht so hoch füret, doch den beren in solcher maß treyben kundt, das weder der frawen mann, noch die nachbarschafft sein nye wharnam.
Vetter, Pred. Taulers
326, 9
(
els.
,
1359
):
da fúr des vigendes gewalt vil minre ist denne ein fliege gegen einem bern.
Spanier, Murner. Narrenb.
32, 20
(
Straßb.
1512
):
Man schetzt die welt yetzundt so vil, | Damit man beren fahen wil, | Die thürcken von bizanzun schlagen | Vnd die tartaren dannen iagen.
Barack, Zim. Chron.
3, 172, 10
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
ein junges, schönes und frombs weible, [...]. Es muest der man stets daran und den peren stechen, es were im gleich lieb oder laidt.
Ebd.
325, 27
:
Damit hat er mit der ainen handt hinab uf den latz gedeut und gesagt, derselbig welle den beren nit stechen, er thue im gleich, wie er welle.
Schweiz. Id.
4, 1448
/9;
Vilmar
25
.
3.
›Bär als Wappentier‹; dazu metonymisch ›der Stand Bern‹; Bär als Emblem in Wirtshausschildern, als Eigentums- oder Ursprungszeichen (speziell von Bern), als Eichzeichen.

Belegblock:

Fuchs, Murner.
4
Ketzer 3439 (˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Er weisß wol, wie die sachen godt, | Das der baͤre nit schimpff verstodt.
Rennefahrt, Gebiet Bern
46, 8
(
halem.
,
1591
):
dheine waffen noch gschirr, [...] machen ze laßen, noch ußzelichen ane wüssen und gheiß herren seckelmeisters, welche(r) ouch mit dem bären gezeichnet werdent.
Ebd.
444, 15
(
1488
):
Es sol ouch ein jeclich wildgarn ein maͤßbuͥki mit dem baͤren bezeichnet [...], by im haben.
Ebd.
839, 20
(
1590
):
einen wyn- oder mostzüber in 10 theil abscheiden und fecken laßen, und wz dann der zechnist theil inhaltet, demselben ein geschirr und züberlin, daruf der bär brönt sye, machen laßen und dißer geschirren jedem huß, [...] uf die 3 oder viere zůstellen, damit die zendenufnemer von jedem züber wüßint den gebürlichen zenden ze empfachen.
Ders., Wirtsch. Bern
582, 26
(
halem.
,
1616
):
den inhalt der schatzung uff jede stuck, und wie es der wahren g’legenheyt ervorderet, durch ein ufgehefftes zedelin, daruff ein bär getruckt und das wärt der wahren geschryben syn soll.
Henisch
171
(
Augsb.
1616
):
Ein gesaumter Baͤr ist der Statt Freysingen wappen.
Turmair
4, 21, 6
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Ber, ein kriechisch und teutsch wort, wir haben vil alter näm davon: Bern, Bernau, Beringer, der des bern gert.
Rennefahrt, Gebiet Bern
215, 20
;
Dietz, Wb. Luther
1, 208
;
Schweiz. Id.
4, 1449
.
4.
Gebrauch des Wortes als Name für Geschütze, Fahrzeuge / Flöße für Kriegszwecke, Pferde.

Belegblock:

Schweiz. Id.
4, 1451
(
seit 1526
).
5.
grosser bär, kleiner bär
Sternbilder der nördlichen Halbkugel; zur Geschichte dieser Bezeichnungen vgl. Kluge/S.
1989, 60
; Pfeifer, Etym. Wb. d. Dt.
1993, 97
; vgl.
bärengestirn
,
bärin
 2.
Wortbildungen:
bärenhimmelspitze
›Nordpol‹,
bärenschwanz
›Schwanz des Großen Bären‹.

Belegblock:

Dasypodius
12r
(
Straßb.
1536
):
Arcturus, ein stern nach dem beren schwantz.
Maaler
49r
(
Zürich
1561
):
Der groß Baͤr oder Herren wagen. Vrsa maior.
Henisch
172
(
Augsb.
1616
):
Groß baͤr / Herren wagen / nordbaͤr / ein gestirn / ursa maior. [...] Klein baͤr / ursa septentrionalis minor.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
32, 3
(
noobd.
,
1347
/
50
):
so hat der pog beslozzen zwischen dem pernkraizz und der pernhimelspitzzen auch als vil grad.
Ebd.
49, 15
:
den leuten, der haubtpunct ist zwischen dem pernkraizze und der pernhimelspitzze, geschiht, daz ir augenender uͤberschrenket den tyrkraiz an zwain puncten.
Volkmar
38
.