auswegen,
ausgewegen
(letzteres vereinzelt),
V.;
meist infinite Formen belegt, nur wenige eindeutig regelmäßige oder eindeutig unregelmäßige Belege. Schreibung des Wurzelvokals (außer bei Maaler, der nur
-ä-
hat) immer
-e-.
Hier werden alle Bedeutungen unter 1 Lemma zusammengefaßt, auch das bei Maaler belegte, sich nhd. teilweise in
-wägen
fortsetzende
auswägen
;
vgl.
mhd.
wëgen
und
wegen
(Lexer
3, 725
;
728
);
Dammers u. a., Flexion der st. und schw. Verben.
1988, 340-346
; zum Nhd. vgl. Dwb
13, 422
;
3048
.
1.
›aus bestimmten Verhältnissen in andere hinausgehen, aufbrechen; jn. aus einem Bezugsraum hinaus in Bewegung setzen‹; von Sachen: ›(eine Botschaft) ausschicken‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 12.
Syntagmen:
jn./sich a., eine botschaft a.

Belegblock:

Adrian, Saelden Hort
5094
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
Jesus, der ússer welt degen, | do der begund sich us wegen | do pflag er frowen, herren sitten.
Koppitz, Trojanerkr.
5705
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
frigen, dienstman | Die wil ich durch die magtt
[= Helena]
usswegen.
Crecelius
1, 69
.
2.
›etw. mit Gewalt aus seiner technischen Verankerung heraushebeln, herausbrechen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 532, 12
(
halem.
,
1508
/
16
):
trůg er leitteren nachtz an die beien, da er willen hat zů stellen; mocht er den sprenzel nit uswegen, er was zů stark von isen.
Maaler
47v
(
Zürich
1561
):
Außwaͤgen. Conuellere fundamenta, Emouere.
3.
›etw. abwiegen, verwiegen, durch Wiegen das Gewicht e. S. bestimmen; jn. gegen einen Gegenwert aufwiegen‹; als Synekdoche: ›etw. nach Gewicht verkaufen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1, ,  1.
Wortbildungen:
ausweger
›Kleinkaufmann‹.

Belegblock:

Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 34, 33
(
hess.
,
1573
):
daz die becker und müller alhie ire gemeste schwein selbst schlachten und [...] vermöge der metzger ordnung auswegen.
Schmitz, Schiltb.
23, 10
(
Frankf.
1597
):
als dann ein Weiser Mann [...] nit zu vil were / wañ man jn schon mit Gold außwegen solte.
Luther. Hl. Schrifft.
3. Mose 26, 26
(
Wittenb.
1545
):
ewr brot sol man mit gewicht auswegen / vnd wenn jr esset / solt jr nicht sat werden.
Welti, Stadtr. Bern
449, 11
(
halem.
,
1407
):
bi was gewicht si ouch ein jegklich ding empfachent, bi dem selben gewicht sollent si ouch daz selb ding hin wider vßwegen.
Maaler
47v
(
Zürich
1561
):
Gold mit gold Außwaͤgen.
Winter, Nöst. Weist.
2, 764, 21
(
moobd.
,
E. 17. Jh.
):
das die fleischhacker ainen armen schwangern weibern [...] umb 4 oder 2 ₰ geben und außwegen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
196, 48
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
Da ainer im markt ain falisch gewicht, waag oder maß hat und sein sach darmit außwögt, außmöst und verkauft.
Dirr, Münchner Stadtr.
456, 23
;
Dietz, Wb. Luther
1, 192
;
Rwb
1, 1132
;
1140
;
Bad. Wb.
1, 102
;
Wielandt, Leinengewerbe.
1950, 167
.
4.
›etw. hin und her überlegen, etw. erwägen, beurteilen‹; auch subst.; Ütr. zu 3.
Bedeutungsverwandte:
 1, ,  2; vgl.
1
 4,
1
 45, (V.) 6.

Belegblock:

Goldammer, Paracelsus.
6, 15, 9
(
1530
):
das auswegen der eltern lehr stet einem ieglichen zu, daß er in sein herz gang und bedracht sich selbs.
Schwartzenbach
F iiijv
.
5.
›erwachsen, lebendig werden (im ütr. Sinne)‹.

Belegblock:

Karsten, Md. Paraphr. Hiob
2524
(
omd.
,
1338
):
Daz ich lutzel mich irquicke, | Als man indem slafe phligt, | Und als min mut glich uz gewigt | Daz ich irkose mich also | Mit mir in minem bette stro.