ausschreiben,
V., unr. abl.,
vgl. aber Position 10.
1.
›etw. durch geeignete schriftliche Mittel bekanntgeben; jn. öffentlich als etw. hinstellen‹; in Verbindung mit
concilium
o. ä. mit Tendenz zu effiziertem Obj.: ›etw. einberufen, ausrufen, ansetzen‹.
Syntagmen:
einen brief, das recht, den sieg a., etw. förmlich / öffentlich a., etw. im gotteshaus a., a., wie [...]
;
ein concilium, einen frieden / landtag / reichstag a.
;
jn. einen bok a.
;
jn. für einen lügner a.
; oft subst.:
ein a. tun
;
jn. mit einem a. antasten
;
schmähliches a.
;
a. des königs.
Wortbildungen:
ausschreibung
1.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
2. Makk. 4, 21
(
Wittenb.
1545
):
NAch dem aber Ptolemeus Philometor der junge könig in Egypten / seinen ersten Reichstag ausgeschrieben hatte.
Kurz, Murner. Luth. Narr Vorr.
3
(
Straßb.
1522
):
wil ich eben derselb Murnar oder nar sein, für den sie mich halten, vnd allen tütschen vß geschriben haben.
Koller, Ref. Siegmunds
119, 48
(Hs.
um 1520
):
man hat es gehaissen ußschreiben in concily zu Basel.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
32, 41
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
die lanntlewt [...] gelanngten den kayser an, das er ainen landttag darum ausschrib.
Turmair
5, 176, 2
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Die hielten an, man solt ainen reichstag ausschreiben.
Dietz, Wb. Luther
1, 184/5
Raabe, Wortsch. Murner
2, 63
;
Rwb
1, 1094/5
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 197
;
Schwäb. Wb.
1, 511
;
Schweiz. Id.
9, 1507
.
2.
›etw. publizieren, veröffentlichen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  14.

Belegblock:

Meisen u. a., J. Eck
3, 10
(
Leipzig
1520
):
Es hat sich ein zeit her lang vil außschreibens begeben durch bruder Martin Luder.
Ebd.
26, 27
(
Ingolst.
1526
):
Ob nůn der vertrag, [...], ewerem yetzigen ußschreiben [...] gleichfoͤrmig sey, gib ich euch zů ermessen.
Ebd.
51, 23
:
wie unbesint, ongruͤnd er sein ding schreibe [...], das imm selbs yetz nit gefelt, das er vor hat ußgeschriben.
Ebd.
59, 9
.
3.
›etw. exakt verzeichnen, spezifiziert / gesondert festhalten; (einen Text) durchformulieren, ausformulieren‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  2,  2, , ,  15.
Wortbildungen:
ausschreibung
2.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
765, 22
(
preuß.
,
1408
):
so is do scholt eyn wynspil malcz den der waltmeister ouch hot usgeschreben.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V.
190, 9
(o. O.
1532
):
so soll allsdann der gerichtsschreiber die Vrtheill beschreiben vnnd vngeferlich nachvollgennder meynunge jm ausschreibenn formieren.
Rwb
1, 1094/5
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 197
.
4.
›(kanzleitechnisch) ein Schriftstück vervielfältigen, kopieren‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .
Syntagmen:
kopien a.

Belegblock:

Dief./Wü.
133
(a.
1550
);
Obenaus, St. Jörgenschild.
1961, 69
.
5.
›etw. (einen Text) hinsichtlich relevanter Inhaltsteile exzerpieren; jn. plagiieren‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  31.

Belegblock:

Heidegger. Mythoscopia
28, 19
(
Zürich
1698
):
Des Mamelucken Luciani muͤssen wir nicht vergessen / der obbesagten Iamblichi, und Lucii von Patros, (den er außgeschriben) Coætaneus gewest.
Serranus
22v
;
Rwb
1, 1094
.
6.
›jn. durch einen schriftlichen Befehl ausweisen, vertreiben‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4, ,  2,  1.

Belegblock:

Fischer, Folz. Reimp.
37, 242
(
Nürnb.
1491
):
Wie unser geistlich prelat und her, | [...] | Auch hab getan ein götlich werck | Der jüden halb und die vertriben, | Ewig verpant und außgeschriben.
7.
›etw. (eine Eintragung o. ä.)/jn. (aus einem Register o. ä.) streichen, tilgen, löschen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  12,  6.
Wortbildungen:
ausschreibgeld
›Gebühr für eine Tilgung‹.

Belegblock:

Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 63, 27
(
omd.
,
1417
):
wo man in vindet in der stat ochtbuche geschrieben, do sal man en usschreiben.
Ermisch, Sächs. Bergr.
96, 10
(
osächs.
,
1479
):
dem solten sein teil ußgeschriben werden in geinwertickeit der rechenhern.
Winter, Nöst. Weist.
1, 187, 33
(
moobd.
,
1648
):
daß, welcher sein zünß nit selbst richtig machet [...], nicht außgeschriben werden soll.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
8, 3
(
mslow. inseldt.
,
1577
):
Perśonen, die etwas laśśen in dieß Stadtbuech einśchraiben. oder ausśchraiben.
Röhrich u. a., a. a. O.
66, 17
;
Rwb
1, 1094/5
;
Schweiz. Id.
9, 1507
.
8.
›eine Schreibhandlung abschließen, beenden, vollenden‹; mit Bezug auf das Effizierte: ›etw. (z. B. ein Buch) zu Ende aufzeichnen, abschreiben‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  8,  8,  4,  5,  4.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
5. Mose 31, 24
(
Wittenb.
1545
):
DA nu Mose die wort dieses Gesetzs gantz ausgeschrieben hatte in ein Buch.
Vetter, Pred. Taulers
388, 28
(
els.
,
1359
):
Man sol wissen das dis bůch ist us geschriben in dem jore do man zalte von Gottes gebúrte drúzehenhundert jor und dar nach in dem nún und fúnftzigosten jore.
Maaler
45v
(
Zürich
1561
):
Außschreyben. Perscribere. Biß an das end schreyben.
Chron. Augsb.
2, 54, 3
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
diß abschreiben [...] ist außgeschriben am aftermontag nach sant Veits tag.
Rohland, Schäden
556
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 329
;
Schwäb. Wb.
1, 511
;
Schweiz. Id.
9, 1508
;
Pfeiffer, Kölner Ma.
1856, 50
.
9.
›jn. schreibend verleumden‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Trübner, Dt. Wb.
1, 197
(a.
1511
).
10.
in der Form des Part. Prät. gebraucht in der Verwahrformel:
alle gefärde ausgeschrieben.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Rwb
1, 1095
(a.
1419
).