ausreissen,
V., unr. abl.
1.
›etw. aus seinem natürlichen Zusammenhang herausreißen, etw. ausreißen‹; ütr.: ›jn./sich aus einer physischen Umklammerung befreien‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1, ,  1; vgl.  1,  1, ,  5, ,  1; zur Ütr. vgl.  3.
Syntagmen:
bäume / steine, die blattern / schweren / hörner, den boden, das gefieder a.
, (
jm.
)
die zunge, ein auge a.
Wortbildungen:
ausreissung
,
ausris
1.

Belegblock:

Chron. Köln
1, 2379
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
e ich in [rocke] uisrissen lasen woilde.
Luther. Hl. Schrifft.
4. Mose 16, 14
(
Wittenb.
1545
):
Wiltu den Leuten auch die Augen ausreissen?
Ebd.
Lk. 17, 6
:
Der HErr aber sprach / Wenn jr glauben habt / als ein Senffkorn / vnd saget zu diesem Maulberbawm / reis dich aus / vnd versetze dich ins meer.
Ders., WA
41, 304, 4
(
Nürnb.
1535
):
wil man eiserne berg umb werffen und beumen ausreissen.
Gille u. a., M. Beheim
115, 35
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
an meinen flügeln sy mir auss | reissen mein arms gevider.
Vetter, Pred. Taulers
52, 7
(
els.
,
14. Jh.
):
die [gespilen] rissent ime [mensch] stúckelin us hie und do, das ist sú zerziehent ime sin hertze.
Winter, Nöst. Weist.
2, 499, 23
(
moobd.
,
1727
):
Alle die da sein die ihren nachbarn ausriss machen oder weingartenstock ausgrueben.
Mell u. a., Steir. Taid.
74, 10
(
m/soobd.
, Hs.
1. H. 17. Jh.
):
das gegen den jenigen, welche dem richter in gricht widerstand tuen [...] oder, wan er iemand zu gehorsam bringen will, ime denselben mit gwalt nemben und ausreissen.
Schmitt, Ordo rerum
645, 12
;
Maaler
44v
;
Dietz, Wb. Luther
1, 178
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 193
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 139
;
Winkler, Flugschr.
1975, 92
;
Byland, Wortsch. Zürcher AT.
1903, 30
.
2.
wohl: ›(ein Schriftstück und seine daraufgelegte Abschrift) am Rande so ausreißen, daß durch Wiederauflegen die Echtheit der Abschrift bewiesen werden kann‹.
Syntagmen:
ausgerissener zettel.

Belegblock:

Schwäb. Wb.
1, 498
(a.
1536
).
3.
›etw. durch Einritzen, Anreißen zum Ausschneiden anzeigen‹.
Syntagmen:
das leder a.

Belegblock:

Schweiz. Id.
6, 1351
(a.
1421
).
4.
›durchbrechen, schadhaft werden, undichte Stellen erhalten (z. B. von Teichdämmen)‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße: ›auslaufen (von Teichen); über die Ufer treten (vom Meer)‹.
Wortbildungen:
ausris
2.

Belegblock:

Lohmeyer, K. v. Nostitz
16, 1
(
preuß.
,
1578
):
Die schleuse an der Banauischen mule ist ausgerissen.
Ebd.
18, 12
:
uberdaß sein nach 3 alte ausgerissene teiche gar leichte wider zuzurichten bevolhen.
Ebd.
90, 21
:
Die mole [...] ist ausgerissen.
Luther. Hl. Schrifft.
Sir. 43, 25
(
Wittenb.
1545
):
DVrch sein wort / wehret er dem Meer / das es nicht ausreisse / Vnd hat Jnsulen drein geseet.
Lohmeyer, a. a. O.
56, 6
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 321
;
323
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 193
.
5.
›ausreißen, auf und davon gehen, Reißaus nehmen, entfliehen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (V.) 1.
Wortbildungen:
ausreisser
,
ausris
3.

Belegblock:

Allg. Schau-Buͤhne
66, 46
(
Frankf.
1699
):
die Fuß-Knechte wie das Viehe an das Schantzen zu treiben / und die Außreisser zu verfolgen.
Goedeke, Fischart. Flöh Haz
3988
(
Straßb.
1594
):
das kain floh kain soll beissen, | Er wiß dann auch schnell auszureissen.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
907, 5
(
halem.
,
1628
):
was starcke [...] baͤttler sind, die lybs halb zur arbeit vermuͤglich, zum gemeinen werck angefeßlet und gebrucht, die ußryssenden widrumb ingespannen [...] werden soͤllind.
Rwb
1, 1073/4
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 321/2
;
323
;
Schwäb. Wb.
1, 498
;
Schweiz. Id.
6, 1351
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 193
.