auslaufen,
V.,
unr.
1.
›(aus einer Tür, einem Gebäude, einer Stadt) hinausgehen, hinauslaufen, nach draußen laufen‹; speziell:
a) ›weggehen, in die Fremde ziehen‹; b) mit Akk.obj.
alle land a.
›durch die Gegend ziehen‹;
c) ›herumstreunen‹;
d) ›auslaufen, in See stechen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1 (zur allg. Variante);
1
,  1,  1 (zu a);  1 (zu d).
Gegensätze:
 1 (zu d).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
19331
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz dan niemant tar uz loufen | Durch koufen noch vorkoufen.
Aubin, Weist. Köln/Brühl
132, 29
(
rib.
,
1762
):
Das nächtliche auslaufen und rottiren deren jungen purschen wird [...] verboten.
Behrend, Magd. Fragen
96, 26
(
omd.
,
um 1400
):
Mogin dy erbin nicht irfaren, wo dy usgelouffene kynder syn.
Pyritz, Minneburg
2862
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Die [hunde] luffen uz mit falschen reten.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
89, 28
(
tir.
,
1464
):
der erschrakch [...] vnd loff aus durch die chirchtüer.
Mayer, Folz. Meisterl.
95, 75
;
Sappler, H. Kaufringer
11, 489
;
Voc. inc. teut. b VIIv;
Rwb
1, 1052
;
Dietz, Wb. Luther
173
;
Kluge, Seemannsspr.
45
.
2.
›weglaufen, entlaufen; sich von etw. abwenden, abtrünnig werden‹; in den eigenen Belegen nur von Klosterleuten gesagt; speziell: ›sich dem Besuch der Ortskirche entziehen und anderswohin gehen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  9,  210;
1
 2,  3.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 106, 8
(
nrddt.
, Hs.
E. 16. Jh.
):
ist ein ausgelauffener Monnich von Helmstet alhier in der Sudenburg kommen.
Rieder, St. Georg. Pred.
222, 24
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
swer vil uz wil gelôfen mit dem libe und mit den sinnen, der mag wol sin rainkait verlieren.
Meisen u. a., J. Eck
24, 12
(
Ingolst.
1526
):
der außgeloffen, maineidig münch [...] prediget wider das klar hell evangelium.
Reithmeier, B. v. Chiemsee
1, 6, 5
(
München
1528
):
fallen wir tewtsch [...] von dem waren glawb, vnd volgen abtrünigen pfaffen, auszgeloffen moenichen vnd andern losen lewten.
Meisen u. a., a. a. O.
28, 15
;
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
239, 35
;
Crecelius
1, 70
;
Dietz, Wb. Luther
173
;
Rwb
1, 1052
.
3.
›einen Angriff, Ausfall machen‹; Spezialisierung zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1, ,  2.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
23024
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
daz sî inhant zu schricke | den sturmindin ûzlîfin.
Chron. Magdeb.
2, 218, 15
(
nrddt.
,
1550
/
1
):
Freitags [...] seindt der Magdenburger knechte außgelauffen, sehr begirig zu scharmutzelen gewest.
Ebd.
2, 219, 4
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 312.
4.
›die Sinne auf äußere Dinge richten, seine Gedanken schweifen lassen, sich in der Konzentration auf äußere Dinge verlieren‹; Ütr. zu 1.
Religiöse, vorwiegend mystische Texte.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .
Syntagmen:
her / dar a.
;
mit dem leib / den sinnen a., in die zeit / in zeitliche dinge a., sich von a. enthalten, durch etw. a.
;
das (schädliche) a. sein lassen.
Wortbildungen:
auslaufung
1 (dazu bdv.: vgl. ,  5).

Belegblock:

Sermon Thauleri
2ra, 16
(
Leipzig
1498
):
ist dy sele beide mit iren nyderstẽ vnd oberstẽ crefften außgeloffen in die tzeit vñ in die tzeitlichẽ dinck.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
4, 77
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
das [...] die synne des menschen und auch die innernüße gerwet werden und sich enthalden von entstrewung und von außlauffen czu fremden dingen.
Vetter, Pred. Taulers
105, 5
(
els.
,
14. Jh.
):
dise fliehent und sliessent úch in und lossent uwer schedelich uzloͮffen sin.
Ebd.
172, 8
:
Blibe allein bi dir selber und enloͮf nút us und lide dich us und ensůche nút ein anders.
Ebd.
354, 23
(
1359
):
er sament den menschen zem ersten von aller siner usloͮffunge und zerstroͤwunge.
Bihlmeyer, Seuse
414, 1
(
alem.
,
14. Jh.
):
daz du zitlich zů kor gangest und zúhteklich da standest [...] mit andaht, und nút dicke us loͮffest.
Sermon Thauleri
4rb, 13
;
9vb, 20
;
Vetter, a. a. O.
9, 16
;
118, 2
;
315, 24
;
327, 6
;
Dietz, Wb. Luther
173
.
5.
›auslaufen, herauslaufen (von Flüssigkeiten); überlaufen, über die Ufer treten (von Gewässern)‹; speziell von Geschwüren: ›aufgehen‹; ütr.: ›sich verströmen, auslaufen, sich erschöpfen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  16.

Belegblock:

Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
104, 17
(
Frankf.
1535
):
Er [Roͤtelsteyn] dient den geschweren im leib vnd jrem außlauffen.
Ralegh. America
5, 20
(
Frankf.
1599
):
daß er bey vns were gewesen / vñ etwa 10. Tag fruͤher kommen / ehe die Wasserfluͤß weren geschwollen vnd außgelauffen.
Luther, WA
47, 216, 27
(
1538
/
40
):
Wen der Churfurst zu Sachsen dir gebe [...] eyn Zeichen, wen die Elbe auslauffen wurde.
Jostes, Eckhart
78, 10
(
14. Jh.
):
Wann also alle die kreft versturzent und di sele getotet wirt in den suͤnden, so lauffet die kraft zu verre auz und kuͤndet den schaden dez menschen.
Chron. Augsb.
7, 71, 21
(
schwäb.
, zu
1548
):
daß der Lech vil flüß machte und allenthalben auslüffe.
Maaler
43v
(
Zürich
1561
):
Der wein Laufft Auß.
Turmair
4, 1051, 16
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Derselbig poden ist feucht von natur [...] (machen ietz obgenante wasser, sos ausgên und auslaufen).
Ralegh. America
18, 14
;
Kollnig, Weist. Schriesh.
278, 31
;
Turmair
4, 282, 34
;
Vock u. a., Urk. Nördl.
1938
;
Dietz, Wb. Luther
173
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 312.
6.
im eigenen Belegmaterial nur substantiviert belegt: ›Durchfall, Diarrhö‹.
Bedeutungsverwandte:
, (s. v. , V., 3), , (subst.); vgl.  8.
Wortbildungen:
auslaufung
2.

Belegblock:

Bobertag, Schwänke
215, 3
(o. O.
1575
):
da gewan er die rodte růhr, oder das außlauffen so stark, das er sich seines lebens [...] gar verwegen hette.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
2, 406, 20
(
Straßb.
1466
):
Wann es geschach dem vatter bubly zeligen von dem ritten vnd von dem darmgicht oder von der auslauffung der derm.
Dasypodius
121v
(
Straßb.
1536
):
Lyenteria, Die růr / oder das außlauffen / der durchlauff.
Golius
253
;
Schweiz. Id.
3, 1135
.
7.
›ablaufen, zu Ende gehen‹.
Syntagmen:
seiher / stunde / zeit a.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  8,  13.

Belegblock:

Löscher, Erzgeb. Bergr.
68, 38
(
omd.
,
1544
):
so dieselbigen sandtseger ausgelaufen seindt, das wir mochten dorvon gehen, nachdem die seger ofte eher außlaufen, dan man ausleuth.
Dietz, Wb. Luther
173
;
Schweiz. Id.
3, 1135
.
8.
›betragen, ergeben, sich auf eine bestimmte Summe belaufen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  6.

Belegblock:

M. Cunitia. Ur. Prop.
248, 9
(
Öls
1650
):
wofern aber die summa der stunden uͤber 24 außlieffe; muͤsten 24 davon geworffen werden.