1
auskeren,
V.;
zu
mhd.
kêren
›kehren, wenden‹
(
Lexer
1, 1552
).
1.
›von der Schule ab-, weggehen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
7, 8
(
Straßb.
1650
):
Befande ich endlichen vnd im außkehren, daß alles dasjenige, so ich daselbsten in den Büchern von der Welt [...] gelesen, mir dergestalt vorkame, daß ich [...] mich darein nicht wohl richten konte.
2.
›(Vieh) auf die Weide treiben, weiden‹; im
Rwb
1, 1043
auch antosem: ›(Vieh) von der Weide treiben‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3,
1
 3,  5.

Belegblock:

Siegel u. a., Salzb. Taid.
149, 43
(
smoobd.
,
1694
):
die gaiß sollen auch unbehuet nit außkert werden.
Ebd.
172, 30
(Hs.
18. Jh.
):
Von öczen und außkören.
3.
›einen Teil von Gewässern für den Eigenbedarf ableiten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
2
 8,  4,  9.

Belegblock:

Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
70, 19
(
m/soobd.
,
1537
):
Ob ainer [...] di gräben nit ausraumet oder das wasser nach altem herkömen nit auslaitet und keret.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
39, 41
(
smoobd.
, Hs.
1625
):
wo es [wasser] aber auf ain ehemüll, sag oder zu heüsern rune, so mag er am sambstag [...] ein thail außkern und denselben biß auf den sontag zu mittag brauchen.
Pfälz. Wb.
1, 451
.
4.
›(Kleidung) ausziehen, ablegen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  14,  13.
Gegensätze:
 5; vgl.  1.

Belegblock:

Chron. Augsb.
8, 441, 9
(
schwäb.
, zu
1557
):
[eine Frau ohne Arme]
hat sich auch selbs kinden anlegen, auskeren und wunderbarliche sachen treiben.
5.
›sich (meist von Menschen, vereinzelt von menschlichen Handlungen gesagt) nach außen kehren, wenden, seine Sinne auf äußere Dinge richten, sich irdischen, die Hinwendung zu Gott störenden Gegebenheiten zuwenden‹.
Religiöse Texte, vorwiegend der Mystik.
Gegensätze:
vgl.  7,  1.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
276, 13
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
der mensche muoz sich ûzkêren, sol er ûzwendigiu dinc würken; wan kein werk kan gewürket werden dan in sînem eigenen bilde.
Vetter, Pred. Taulers
25, 27
(
els.
,
14. Jh.
):
wie der mensche sine gesiht het uzgekert und irre get, doch so het er ein ewig locken.
Illing, Albert. Sup. miss.
164
(
els.
,
n. 1380
):
Nu sehe wir doch der selen nút, wenne sú ist geischlich. Vnd sin wir der súnden halp vsgekert mit den liplichen sinnen – die múgent die sele nút gesehen, wenne sú geischlich ist.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
364, 5
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
sit daz alle uzgaunge sint nach etlicher tüewunge: [...] die sich da uzkeret in die uzern materien.
Quint, Eckharts Pred.
250, 10
;
Vetter, a. a. O.
264, 27
;
Schwäb. Wb.
1, 479
.
6.
›sich über e. S. erheben, sich e. S. (z. B. einer Stimmung) nicht hingeben‹.

Belegblock:

Dietz, Wb. Luther
1, 171
.
7.
›etw. (z. B. Geld) für einen bestimmten Zweck aufwenden, anlegen‹; mit Verschiebung des Obj.: ›eine Strafe bezahlen‹.

Belegblock:

Rwb
1, 1043
(a.
1485 ff.
).
8.
›etw. nach außen kehren, genauer betrachten‹ (ütr.).

Belegblock:

Pyritz, Minneburg
5045
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Mir ist daz auwich uz gekert.
Goldammer, Paracelsus.
7, 289, 18
(
1530
/
34
):
das seindt nun falsche propheten, die so vil wissen wöllen und auslegen, das im psalmisten selbs nit also ist; im auskern gibts die glossa selbs.
9.
phras.:
die grauen hare auskeren
›etw. offen zeigen, nichts verbergen‹; am ehesten an 8. anzuschließen.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
4, 49, 124
(
Frankf.
1557
):
[Sie] sind jrs raubens wol bekant, | Gleich wie du [Wolff] deine grawen har | Außkerst vnd tregst sie offenbar.