ausbündig,
Adj.
(1),
Adv.
(2), präd. Attr. (3; 4).
1.
›ausgezeichnet, vorzüglich, hervorragend, vortrefflich, musterhaft, vollkommen (von Personen, Fähigkeiten, Waren); reichhaltig, ergiebig (z. B. von Bergwerken)‹;
vgl. .
Bedeutungsverwandte:
(Adj.), , (Adj.) 15,  1; vgl.  5, .
Syntagmen:
etw. a. sein
;
etw. a. bereiten / können, sich a. erzeigen
;
a. advocat / doctor / lerer / bürger / fürst / knecht / christ / evangelist / ketzer
(hier mit negativ bewerteter Bezugsgröße),
a. chronica / epistel / gestalt / kirche / stat / tat / tugend, a. exempel / muster
;
a. in fromkeit / geschiklichkeit.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus L
46
(
Frankf.
1557
):
Hett er doch solch verstand vnd gmuͤt, | [...] | Also verstendig vnd erfuͤndig, | Zu allem gedicht gar außbuͤndig.
Mathesius, Passionale
40r, 11
(
Leipzig
1587
):
ein sonderlicher vnd außbuͤndiger Knecht GOttes.
Chron. Nürnb.
3, 171, 10
(
nobd.
,
1488
):
denselben wein schetzent die Behaim für den außbündigsten (an) güet.
Rupprich, Dürer
2, 46, 2
(
nobd.
,
um 1500
):
wen du nun anfehst zu machen ein awspündige gute manß gestalt seitlich an zu sehen.
Sachs
4, 364, 26
(
Nürnb.
1529
):
Ich selb hab ein hurtigen man, | Der sein handwerck außbündig kan.
Ebd.
15, 101, 29
(
Nürnb.
1559
):
Wie schön und adelicher art | Ist Hester, die jungkfraw geziert, | Außbündig wol geliedmasiert.
Ebd.
20, 500, 13
(
Nürnb.
1563
):
Die offt loben ein gruben fündig, | Von silberertz reich und außbündig.
Nyholm, Füetrer. Gralepen
2414, 1
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Istt das werck nicht aus pǔndig | mit silben zal und mass.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 145, 33
(
Regensb.
1524
):
den haißt ir [...] ainen außpündigen guͦten Christen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
41, 30
(
moobd.
,
1478
/
81
):
des graf Wittolds tochter von Naribon, ains auspüntigen manlichen fürsten.
Ebd.
116, 2
:
der auch ain auspüntige Cronica hat, wie er alles India an den glauben Cristi hat pracht.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
79, 3
;
Luther, WA
30, 2, 640, 17
;
Göz. Leichabd.
283, 5
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 270, 4
;
Rupprich, a. a. O.
1, 161, 186
;
Sachs
17, 384, 21
;
Maaler
39v
;
Ulner
283
;
Dietz, Wb. Luther
1, 162
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 168
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 289
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
387
;
Schweiz. Id.
4, 1359
.
2.
dient, oft als Gradadverb, dem Ausdruck des hohen Maßes einer Qualität, der idealen Umstände eines Sachverhaltes: ›außerordentlich, vollständig, ausnehmend, sehr‹.
Bedeutungsverwandte:
,  3, , , (s. v.
1
 17); vgl.  2, .

Belegblock:

Tittmann, Schausp. 16. Jh. Ayrer. Sidea
277, 53
(
Nürnb.
1618
):
meins gleichen nicht allhie wird gfunnen, | ein ausbündig schön cratur!
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
162
(
Frankf.
1549
):
da war ein Edelman an des Königs Hof / der het ein außbündig schön Weibe.
Mayer, Folz. Meisterl.
74, 15
(
nobd.
,
1517
/
8
):
Dem seillgen | Got, heillgen | Geist dir kündig | War aüßpindig | Ein laüter clar gespons!
Müller, Handel Paumgartner
133, 29
(
nobd.
,
1563
):
So gebürt auch außbündig wol, | Daß der elteste reden sol.
Jörg, Salat. Reformationschr. 206, Anm. zu
7
(
halem.
,
1534
/
5
):
ettlich bischof gemelts lands gar schon usbündig hüpsch.
Ukena, Zuger Trag.
3116
(
halem.
,
1598
):
Gar schnittzig es ouch alles ist | Zum Streitt vnd kampff vßbundig g’rist.
Turmair
5, 22, 26
(
moobd.
,
1522
/
33
):
nam herzog Dieth zu im [...] den geraisigen zeug, so er auspündig het.
Schöpper
116b
;
Diefenbach
43a
;
Dief./Wü.
119
;
Dietz, Wb. Luther
1, 162
;
Schweiz. Id.
4, 1359
;
Öst. Wb.
3, 1389
.
3.
als präd. Attr. in
etw. ausbündig machen
›etw. zum Austrag bringen, entscheiden‹, im Unterschied zu 4 auf die Zeit, die letzte Phase einer Handlung bezogen.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.

Belegblock:

Barack, Zim. Chron.
1, 214, 34
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
die sach güetlichen oder [...] mit aim rechtlichen spruch auspündig ze machen.
4.
sich ausbündig machen
›sich anheischig machen‹.

Belegblock:

Österley, Kirchhof. Wendunmuth
3, 262, 37
(
Frankf.
1601
):
er sich aussbündig machte, dass der teuffel diesen mord begangen.