aufstossen,
V., unr. abl.
1.
›etw. (meist: Abschließendes, z. B. eine Tür) durch Stoßen öffnen, aufstoßen‹; auch mit Verschiebung der Bezugsgröße auf den umschlossenen Raum.
Bedeutungsverwandte:
 4; vgl.  1, ,  3.
Syntagmen:
das fenster / tor /
˹(verschoben:)
haus / gadem
˺,
die pforte / tür
(häufig), (verschoben:)
den stal a.

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 363, 33
(
Nürnb.
1631
):
Der HErr stieß auff die Pforten, | Stieß auff das Hoͤllen Thor.
Dubizmay, kurß zu Teutze
14, 1
(
hess.
,
1463
):
Ir fursten thut auff ewer | pfortten vnd ir ewigen | pfortten werdet auffgestoßen.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 801, 8
(
schwäb.
,
1610
):
Wann aber ainer dem andern [...] haußthür oder thor, so er vor seinem hof hete, mit gewalt ufstost.
Mollay, H. Kottanerin
16, 14
(
moobd.
,
1439
/
40
):
Da ich den het eingelassen, der mein helfer was, vnd mich bedeücht, wie sy dyͤ tuͤr wol aufstossen. Da erkam ich gar hart.
Kehrein, a. a. O.
233, 5
;
Winter, Nöst. Weist.
3, 372, 4
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
131, 31
;
Maaler
37v
;
Dietz, Wb. Luther
1, 148
;
Rwb
1, 957
;
Schwäb. Wb.
1, 425
;
Schweiz. Id.
11, 1624
.
2.
›(den Sattel) auflegen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  1.

Belegblock:

Koppitz, Trojanerkr.
7930
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Den sattel er dar uff
[Pferd]
gestïss.
3.
in der Rechtsformel
mit aufgestossenem pflug
›ohne Pflügeberechtigung‹, von jm. gesagt, der seinen Pflichten gegenüber den Gemeindegenossen nicht nachkommt und dadurch das Nutzungsrecht an der Flur verliert.

Belegblock:

Schweiz. Id.
11, 1626
(a.
1516
).
4.
›jm. etw. aufdrängen, aufzwingen; aufladen, aufbürden‹; Ütr. zu 2.
Bedeutungsverwandte:
 7; vgl.  2.
Syntagmen:
jm. jn
(z. B.
gotlose leute
)
a., jm. jn. zu einem bischof a., jm. etw.
(z. B.
eine geschrift / einung
›Buße‹)
a.

Belegblock:

Maaler
37v
(
Zürich
1561
):
Aufstossen / Auftraͤchen / Eim etwas wellen geben oder Aufstossen wider seinen willen / Einen woͤllen zwingen etwas zenemmen.
Rwb
1, 957
;
Schweiz. Id.
11, 1624
.
5.
›etw. (Zeichen) aufstellen, aufrichten, sichtbar hinstellen; (Flachsbündel) aufrecht zum Dörren hinstellen; (das Haar) aufrecht frisieren‹.
Bedeutungsverwandte:
 6, .
Wortbildungen:
aufstossung
1.

Belegblock:

Koller, Ref. Siegmunds
329, 6
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
der berg, der heysset der Gothart, uff dem sol der gewihet uffstossen sin zeichen mit des richs baner.
v. Groote, Muskatblut
61, 37
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
ich sich bi dyne(n) gnaden | Feist geswollen vnd uff gestoissen har.
Winter, Nöst. Weist.
1, 386, 17
(
moobd.
,
1431
):
wo der richter [...] mit frevel aufstiess auf unserm guet.
Ebd.
3, 724, 17
(
1570
):
Es soll niemant im mark haar
[›Flachs‹]
aufstossen noch im ofen dörn.
Ebd.
4, 163, 2
(
1414
):
ob manslecht geschech, so sol chain richter nicht aufstossen auf der von Liechtenstain guet.
Koller, a. a. O.
331, 24
;
Rwb
1, 957
;
Schwäb. Wb.
1, 426
.
6.
›durch Aufstoßen des Hoheitssymbols auf den Boden das Zeichen zum Gerichtsbeginn geben‹.

Belegblock:

Winter, Nöst. Weist.
4, 163, 13
(
moobd.
,
1414
):
wer aber das ein diep vorfluchtig würd und chëm auf der von Liechtenstain guet, do sol chain richter darauf nicht laufen noch aufstossen wann der von Liechtenstain richter.
7.
›(Längenmaße) eichen‹; dies geschah durch Aufstoßen des Eichmaßes und des zu eichenden Maßes auf den Boden.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  7, ,
2
 1,  2,  1,  1,  3, .

Belegblock:

Winter, Nöst. Weist.
3, 214, 17
(
moobd.
,
1471
; Hs.
1565
):
schol der richter auch in dem markcht ellen aufstözzen.
8.
›nach oben dringen, heraufdringen, -steigen (von Menschen); aufstoßen (vom Mageninhalt)‹; dazu ütr.: ›jm unangenehm aufstoßen, sich in unangenehmer Weise an etw. erinnern‹.
Syntagmen:
das aufstossen benemen
;
jn. das aufstossen ankommen
(zur 2. Variante),
jm. die herschaft a.
(zur Ütr.).

Belegblock:

Strauss, A. v. Villanova dt. S.
180
(
obd.
, Hs.
1421
):
wan eß dir ofstußet in dem magen.
Maaler
282r
(
Zürich
1561
):
Magenpuluer / Ein yetliche artzney die den magen sterckt / vnd weeret dem aufstossen.
Schweiz. Id.
11, 1625
.
9.
›gären (von Bier); nachgären, schal werden (von Wein)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  14.

Belegblock:

Ermisch u. a., Haush. Vorw.
32, 18/9
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Aufstossen. Wirf neugebrante schirben ins bier, so stösset es auf.
Schwäb. Wb.
1, 425
.
10.
›in Streit geraten, aneinander geraten; jn. angreifen‹ (sowohl von Einzelpersonen wie von Herrschaftsträgern gesagt, in letzterem Falle im militärischen Sinne zu verstehen).
Wortbildungen:
aufstossung
2.

Belegblock:

Altmann, Wind. Denkw.
103, 29
(
wmd.
,
um 1440
):
do stieß der herzog von Heidelberg mit dem Romschen konige uf.
Gerhard, Hist. alde e
1066
(
omd.
,
um 1340
):
Uf der selbe Chore stiz | Mit Aaron und ken im brach.
Chron. Nürnb.
1, 155, 34
(
nobd.
,
1388
):
daz wir umb ein igliche sach nicht uff stossen und zu krieg komen.
Chron. Augsb.
1, 318, 18
(
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
das der Jllsung und Hörlin mit ainander im raut auff stiessen, das ward gestillt.
Bischoff, Steir. Landr.
223
(
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
Wer pey der nacht auf stözzt vnd lewt vecht oder în ir gût nympt.
Winter, Nöst. Weist.
3, 110, 8
(
moobd.
,
1630
):
welcher bei den panthaiding aufstosst oder auflauft oder [...] übel handl mit dröhen.
Rwb
1, 957
;
Schwäb. Wb.
1, 425
.
11.
›auf jn. stoßen, jm. begegnen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.
Syntagmen:
jm. j.
(z. B.
freund / reiter
)
a.

Belegblock:

Trübner, Dt. Wb.
1, 153
;
Schweiz. Id.
11, 1625
(
seit 1555
).
12.
›einen Vertrag aufheben, umstoßen, seine rechtlichen Verpflichtungen verletzen‹; antosem dazu: (einen Kauf) vollziehen, vornehmen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  28.
Syntagmen:
den kauf, das richtnis a.

Belegblock:

Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
225, 1
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Nun sties hertzog Cristoff sein richtnüs gar oft auf.
Niewöhner, Teichner
552, 79
(Hs. ˹
nobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
so ist anders nit dran | denn daz der koff wirt gestozzen uff.
Rwb
1, 957
.
13.
›krank werden (vom Vieh)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (s. v.  5).
Syntagmen:
vieh / gaul / hummel / hund a.

Belegblock:

Schwäb. Wb.
1, 425
(
16. Jh.
).