aufschneiden,
V., unr. abl.,
gram. Wechsel.
1.
›etw. (Sachgegenstände, in der Anatomie: Körperteile) / (mit Verschiebung der Bezugsgröße:) jn. aufschneiden, durch Schneiden öffnen‹. Die Syntagmen verweisen auf den Gebrauch des Wortes in der Anatomie sowie auf grausame Kriegsbräuche.
Bedeutungsverwandte:
 4; vgl. ,  1,  2,  12.
Syntagmen:
die drüse / tasche / geis, (jm.) das herz, den bauch / fisch / körpel a., das weib (wegen der leibsfrucht) a.
Wortbildungen:
aufschneidung
(dazu bdv.: vgl. ).

Belegblock:

Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
238r, 14
(
md.
/
oobd.
,
1446
/
8
):
saltu / das wißen daz du nicht heilst / dy druße am auf czu sneyden, ee benn / sy [...] reyff / sey.
Sudhoff, Paracelsus
6, 81, 12
(
1528
):
so vermags der mumia widerumb in sein erst wesen zubringen, on aufschneidung.
Maaler
24v
(
Zürich
1561
):
Anotomist / Der ein todten coͤrpel auffschneydt.
Ebd.
36r
:
Auffschneidung. Anatomia.
Ebd.;
Golius
297
;
Rwb
1, 942
;
Schweiz. Id.
9, 1106
.
2.
›etw. auf dem Kerbholz einschneiden, einkerben, vermerken‹; von diesem Verfahren gelöst: ›etw. notieren, amtlich vermerken‹.
Syntagmen:
die garbe / den eimer (wein) a.
;
den arbeitern, dem wirt a.
;
aufgeschnittener briefzettel.
Wortbildungen:
aufschneider
1.

Belegblock:

Kollnig, Weist. Schriesh.
138, 43
(
rhfrk.
,
um 1580
):
wann ein faß 15 eimer helt, solches sonderlich und die uberenzigen eimer auch uffzeichnen und uffschneiden.
Rwb
1, 942
;
Schwäb. Wb.
1, 417
;
Vorarlb. Wb.
1, 158
.
3.
›(ein Schriftstück) durch einen besonderen Schnitt als echt erklären‹; dies geschah in der Weise, daß Original und Abschrift des Dokumentes aufeinandergelegt und am Rand deckungsgleich angeschnitten wurden.

Belegblock:

Küther, UB Frauensee
295, 2
(
thür.
,
1499
):
Matten Tichmuller ist ohem der hoff etliche jar gelassen noch luthe unde inhalt eyner ufgsneten czedel.
4.
›etw. durchschneiden, durch Schneiden entzweien‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  8,  5.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp.
4208
(
ohess.
,
1501ff.
):
snidet uff Baraban die bant | und losset en gesunt zu hant!
5.
›(Holz) hauen‹.

Belegblock:

Rwb
1, 942
(a.
1577
).
6.
›den Mund voll nehmen, übertreiben, prahlen‹; hier anzuschließen das im
Schweiz. Id.
9, 1107
(a. 1665) mit 1 unsicheren Beleg angeführte: ›jm. tüchtig die Wahrheit sagen‹.

Belegblock:

Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
43, 8
(
Straßb.
1650
):
Durch großes Pralen vnd Aufschneiden wird keiner Weise, sondern gibt nur seinen Vnverstand [...] zu erkennen.