aufrecken,
V.;
vereinzelt (vor allem md./nobd.) rückuml. (
aufrakte, aufgerakt
) sowie mit dem Reflex der Primärberührung (Part. Prät.:
aufgerecht, aufgeracht
).
1.
›etw. hochziehen, aufrichten, aufrecht halten, etw. in die Höhe, nach oben richten, etw. senkrecht aufstellen; jn. körperlich emporrichten (z. B. Christus am Kreuz)‹; refl. (von Menschen und Tieren): ›sich erheben, aufstehen, aufrichten‹, in dieser Variante auch ütr.: ›sich aufbäumen, aufrichten gegen etw. (z. B. die Sünde)‹; oft Verwendung als Part. Perf., dann: ›aufrecht, aufgerichtet; gestreckt; hochgezogen‹.
Phraseme:
die oren a.
›die Ohren spitzen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, (zum refl. Gebrauch); vgl.  1.
Syntagmen:
den hals / sper, das haupt / fadem, jn. a.
;
aufgerekt gehen / stehen, etw. aufgerekt haben / sprechen, gegen den himmel aufgerekt sein, wieder etw. aufgerekt sein
;
aufgerekter finger / hals / krage / mast / sper / stab / steig / stecke, aufgerektes fänlein / panier, aufgerekte gleve / spitze, aufgerekte federn, aufgerekter halm
(Zeichen der Übernahme eines Grundbesitztums).

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
225, 12
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ein edel-stein, der grosse kraft hat, in dem das er hat ein instan, Ein insiczen in sich selber, in dem selben reket er ieczet das hǒpt vf vnd luͦget vs.
Wyss, Limb. Chron.
61, 11
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
ein große rot, me dan ses hondert wol bereit mit ufgerachten paniren.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
6506
(
rib.
,
1444
):
Der wolke sij [Redelicheide] mir bedeckde | Den der licham upreckde.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
122, 37
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Da rachte sye [konnigynne] sich vff / vnd wolde vffstene.
Luther. Hl. Schrifft. Hiob
10, 16
(
Wittenb.
1545
):
wie ein auffgereckter Lewe jagestu [Gott] mich.
Gille u. a., M. Beheim
3, 216
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wann er [mensch] mit denn funf sinnen ist pegaubet, | mit aug und mund gen himel auf gerekt.
Ebd.
196, 25
:
der [wurm] gie auf grekt in weibs gestalt.
Mayer, Folz. Meisterl.
1, 130
(
nobd.
,
v. 1496
):
Zwen schecher warn sein mitgenoß, | Ab wart gezogen all sein hoß, | [...] | Man reckt yn auff geswinde.
Koppitz, Trojanerkr.
20269
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Ain ritter mitt uff gerektem sper.
Roder, Hugs Vill. Chron.
81, 6
(
önalem.
,
1519
):
zugend wier mit fortaill gen Aichhallden mit uffgerecktem fenlin.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
49, 31
(
oobd.
,
1349
/
50
):
dem die überprâwe aufgerekt sind und diu stirn niht gerunzelt ist.
Ebd.
169, 1
:
sô hüet ain gans allzeit und rekt den hals auf, daz der rauber, der ar, iht köm.
Ebd.
170, 7
:
wenne der habich gesunt ist, sô hât er aufgereht federn.
Ebd.
277, 5
:
Plinius spricht, si [salamander] hab diu aftern pain aufgerekt und lenger wan diu vodern.
Ebd.
295, 14
:
wâ si [spinn] daz [vadem] under ainem paum aufrecket an dem schaten.
Gereke, Seifrits Alex.
8372
(
oobd.
, Hs.
1466
):
das er nit mocht gen | noch halt auf gerakcht sten.
Sexauer, Schrr. in Kart.
218, 18
(
nöst.
,
v. 1450
):
sprechen sy allain auf di form genaygt mit grozzer andaht ain pater noster / darnach sext vnd pater noster aufgerakt.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
21, 22
(
tir.
,
1464
):
Ist er aber vbertreten, so sol er sein aufgerëkht wider die sünden durch die lieb der gerëchtikhait.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
199, 5
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
da trueg [...] hertzog Ernst von Sachsn das ploß schwert mit aufgeracktem spytz untz auff das ewangely; da senckt er den spytz gegn der erdt als lang, das der priester das sacrament genoß; da reckt er den spytz wider auff.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
56, 19
(
smoobd.
,
17. Jh.
):
ain ieder panzaun sol friden und steen mit aufgereckten stecken winter und sumer.
Wyss, a. a. O.
100, 19
;
Meijboom, a. a. O.
12588
;
Roder, a. a. O.
76, 19
;
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
43, 3
;
Pfeiffer, a. a. O.
191, 6
;
408, 2
;
Niewöhner, Teichner
359, 146
;
672, 21
;
Turmair
4, 460, 7
;
Golius
251
;
Hulsius N ivv;
Maaler
35v
;
313r
;
Dief./Wü.
107
;
Dietz, Wb. Luther
139
;
Rwb
1, 923
;
Bad. Wb.
1, 85
;
Schwäb. Wb.
1, 407
;
Schweiz. Id.
6, 810
.
2.
›(die Finger, seltener: die Hände zum Schwur) erheben; (die Hände zum Dank, Bittgebet) erheben, (zum Zeichen der Freude) hochwerfen, (zum Eingeständnis einer Niederlage) hochhalten‹; Spezialisierung zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,
1
 1,  2, .
Syntagmen:
teils ohne Obj.;
die finger / hände a.
;
a.
(subst.)
der finger
;
mit aufgerekten fingern / händen
(formelhaft); mit Verschiebung der Bezugsgröße:
aufgerekter eid.
Wortbildungen:
aufreckung.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron. U
147, 49
(
mfrk.
,
1396
):
han wir daz mẏt uffgerachten fẏngern uffinberlichen liplichen zuͦ den heẏligen gesworen.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
27, 25
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Er sol den himel ansehen, dir alle tag mit aufgerackten henden danken.
Luther. Hl. Schrifft. 2. Makk.
14, 34
(
Wittenb.
1545
):
DJe Priester aber reckten jre Hende auff gen Himel / vnd rieffen den an / der allezeit vnser Volck beschützt hat.
Gille u. a., M. Beheim
453, 375
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
die treten auss | Her zum paner der herne, | die reken auff und swerne.
Mayer, Folz. Meisterl.
47, 21
(
nobd.
,
v. 1496
):
reckten sie die finger auff gemeinen | Und huben an so jemerlich zu weinen.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
608, 21
(
nobd.
,
um 1525
):
das sy alle ytzunt gleich dem reich und bund hulden und schweren solten, mit vil andern worten, das alßbalt geschage mit aufgereckten fingern.
Sachs
15, 542, 11
(
Nürnb.
1563
):
Also das verrucht weib, die hur, | Ein auffgereckten eyde schwur.
Chron. Augsb.
1, 143, 7
(
schwäb.
,
1368
/
9
):
des haben auch wir [...] gelert aid gesworn mit ufgerackten handen.
Koller, Ref. Siegmunds
323, 30
(Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
sol er sweren mit dreien auffgereckten vingern.
Jaksche, Gundacker
5026
(
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
ract uf sein hende | gegen himelriche.
Niewöhner, Teichner
239, 33
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
er hat also grozzew schuld | sam der auf gerekcht hat.
Buijssen, Dur. Rat.
97, 30
(
moobd.
,
1384
):
welichew aufreckchung der hend auz der alten ee hat genomen sein anphanck.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
94, 34
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
reckten die untrewen pawren ir henndt vor frewden auf.
Ebd.
212, 13
:
ire hennd zusamengeschlagen und aufgereckt auf das, das in der kunig het ainen frid zugesagt.
Turmair
1, 342, 18
(
Nürnb.
1541
):
fiengen die kindlein an zu echzen und schreien im zu mit aufgereckten hendlein.
Chron. baier. Städte. Regensb.
24, 10
(
moobd.
,
1514
):
das dy ganz gemain [...] drey mal auffgereckt aid zusamen geschworen.
Chron. Magdeb.
2, 72, 24
;
Wyss, a. a. O. U
129, 63
;
Chron. Mainz
1, 39, 23
;
Baumann, a. a. O.
256, 18
;
Chron. Augsb.
1, 309, 24
;
Thiele, Chron. Stolle
404, 9
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
48, 27
;
Chron. Nürnb.
1, 81, 10
;
Geier, Stadtr. Überl.
398, 18
;
Turmair
4, 348, 36
;
Chron. baier. Städte. Regensb.
18, 8
;
Winter, Nöst. Weist.
1, 567, 24
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
29, 19
;
Dietz, Wb. Luther
139
;
Rwb
1, 923
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 249;
Schwäb. Wb.
1, 407
;
Vorarlb. Wb.
1, 154
.
3.
›etw. gründen‹; Ütr. zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  8.

Belegblock:

Leidinger, V. Arnpeck
672, 25
(
moobd.
,
v. 1495
):
ward di probstei abgetilgt und sand Benedicten orden aufgereckt.