aufrecht,
Adj.;
als
Adv.
auch
aufrechtlich
(selten) und
aufrechtlichen
(vereinzelt).
1.
›aufrecht, aufwärts gerichtet, hochstehend, senkrecht‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, ; vgl.
3
 23,  1, ,  1.
Syntagmen:
a. gehen / sitzen / stehen, etw.
(z. B.
den nak
)
a. halten, etw.
(z. B.
den becher
)
a. tragen
;
a. lade / linie, a. bret / gebein / feld
(Verschiebung der Bezugsgröße: ›Feld mit hochstehender Frucht‹),
a. fänlein
(„Zeichen eines obrigkeitlich gebotenen oder erlaubten kriegerischen Auszuges“ und metonymisch: ›ausrückende Mannschaft‹; vgl. Schweiz. Id.
6, 218
).

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
11462
(
rib.
,
1444
):
Van den anderen ich sagen mach | Dat die da waren up recht | Ind swummen in yren clederen slecht.
Gille u. a., M. Beheim
316, 18
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
get nicht also verslimet, | auff reht, gestrak und slecht!
Ebd.
443, 139
:
wann sy [grechtikait] sal stan auffrecht, gestrak und ungebagen.
Rupprich, Dürer
2, 170, 18
(
nobd.
,
um 1512
/
13
):
teill a b mit 6 awfreter linj jn 7 gleiche felt.
Päpke, Marienl. Wernher
7059
(
halem.
,
v. 1382
):
Menges
[Tiere]
uf zwain fuͤssen gie | Ufrecht an sinen gesellen.
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz.
1, 81, 21
(
alem.
,
um 1430
):
Do nam in der henker und band inn mit hüß und mit allem an ain uffrecht brett.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron.
91, 17
(
schwäb.
,
1551
):
im selbenn jar erfror das auffrecht feld, nemlich der weingarttenn.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
49, 35
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
sunder sieche machst du raine, | krump und lam aufrecht gepaine | setzt du an lait in maß.
Rupprich, a. a. O.
209, 822
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1095
;
Päpke, a. a. O.
5954
;
Wiessner, Wittenw. Ring.
8312
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
4, 1
;
Dietz, Wb. Luther
138
;
Maaler
155v
;
Rwb
1, 922
;
Schwäb. Wb.
1, 406
;
Schweiz. Id.
6, 218
-222;
Schirmer, Wortsch. Mathematik
1912, 8
.
2.
›aufrichtig, ehrlich, redlich, gerade, korrekt, rechtschaffen, unbescholten, vertrauenswürdig (von Menschen, menschlichen Handlungen und Haltungen)‹; Ütr. zu 1; offen zu 3.
Bedeutungsverwandte:
 2, , , , , (mehrmals),  7,  1,  8, ,  2, (Adj.) 13,  1, , (häufig),  2,  4, , , ; (zum Adverb); ; vgl. ,  2.
Gegensätze:
(Adj.) 45, (Adj.) 6, , , , .
Syntagmen:
a. handeln / kriegen / leben / spielen, a. bei etw. bleiben, jm. a. dienen, e. S. a. nachgehen, jn. a. finden, etw. a. ersetzen / gewinnen / halten / vergleichen / versprechen, das leben a. füren, a. mit etw. umgehen, etw.
(Subj.)
a. zugehen
;
mit seinem tun a. sein, im herzen a. sein, in worten / werken a. sein, märe / rede / sache a. sein
;
a. handel / tausch / wandel / friede / glaube / mut / man / hausvater / knecht / richter / zeuge, a. gemüt / herz / leben / trauen / handlung
;
a. todschlag
›Todschlag ohne böse Absicht‹.

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
6578
(
rib.
,
1444
):
Gerne wiste ich off dyne meren | Warachtich ind uprecht weren.
Chron. Mainz
1, 346, 6
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
was uns gebort nach wisunge der rachtunge wollen wir ofrechtlichen und erberlichen halten.
Kurz, Waldis. Esopus
1, 56, 30
(
Frankf.
1557
):
[das du] meinem Herren dienest trewlich, | Auffrecht, in allen sachen freundtlich.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1099
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Das ist das er oͮch haben sol | Zuͦ Gott ainen uffrechten muͦt.
Bachmann, Haimonsk.
193, 22
(
halem.
,
1530
):
es wirt nǔt beschechen, daz du wider gebest daz, so ich uffrechtlich gwunnen hab mit kriegsrecht.
Bächtold, N. Manuel. Zugabe H. R. Manuel
345, 1339
(
Zürich
1548
):
Du hast es ufrecht und redlich | Gwunnen.
Rennefahrt, Zivilr. Bern
755, 23
(
halem.
,
1615
):
das der getroffne tusch kein kauff, sonders ein wahrer uffrechter tusch sye.
Chron. Augsb.
4, 171, 7
(
schwäb.
,
v. 1536
):
auff gnuͦgsam red und widerred sind die Fugger krecht, auffrecht und redlich, frum und erbar erfunden worden.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
209a, 23
(
smoobd.
,
1624
):
wann sich etwo miessig geende leüt im gericht aufhielten, die nit arbaiten und kainen aufrechten erbaren wandl füeren.
Meijboom, a. a. O.
4624
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 140, 2
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
79, 32
;
Kottinger, Ruffs Etter Heini
1662
;
Rennefahrt, a. a. O.
756, 32
f.;
Jörg, Salat. Reformationschr.
627, 7
;
Chron. Augsb.
7, 147, 9
;
269, 34
;
278, 7
;
Voc. Teut.-Lat. b VIIIv;
Serranus
18v
;
Maaler
35v
;
213v
;
219v
;
221r
;
252r
;
455v
;
Schwartzenbach C iv; H ir;
Rot
322
;
Hulsius N ivv;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
371
;
Schweiz. Id.
6, 218
-222.
3.
›ordnungsgemäß, der Vorschrift, dem Gesetz entsprechend, gebührlich, rechtmäßig; von vorschriftsmäßiger Beschaffenheit‹ (von Sachen, menschlichen Handlungen); Ütr. zu 1; offen zu 4.
Bedeutungsverwandte:
(s. v.  3), (Adj.) 1, (mehrfach), (mehrfach),  2; vgl. , ,  3.
Syntagmen:
a. pfächten / urteilen, etw. a. ausrichten / gelten / halten / verkaufen / verlieren, jm. etw. a. verheissen
;
sache / urteil a. sein, etw. a. hergehen
;
a. brief / eid / handel / kauf / wein, a. büchse / münze / schuld, a. abgemächt / testament
; in rechtlichen Verwahrformeln:
etw. a.
(dazu bdv.:
ane gefärde
)
verkaufen.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 496, 3
(
Köln
1499
):
hadden die scheffen gewist ein urdel einre armer vrauwen dat niet uprecht was.
Merk, Stadtr. Neuenb.
123, 24
(
nalem.
,
1616
):
nach der statt erin geschir und gefächt ordenlich, ufrecht und redlich zue fechten.
Welti, Stadtr. Bern
109, 2
(
halem.
,
1311
):
wele aber sin guͦt verkoͮffen wil vfrecht ane geuerd.
Ebd.
316, 15
(
1450
):
die soͤllent ire pfruͦnde ane gnade vffrechtlichen verlorn haben.
Ebd.
500, 2
(
1452
):
Er sol ouch [...] zuͦ der appoteg vnd dem appotecker luͦgen vnd besehen, dz die vffrecht gehalten werdent, in massen die ordnung [...] innhalt.
Adomatis u. a., J. Murer. Bab.
1218
;
Chron. Augsb.
4, 169, 8
;
9, 122, 7
;
127, 19
;
Rintelen, B. Walther
8, 18
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
210, 18
;
Winter, Nöst. Weist.
3, 380, 20
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
114a, 26
;
Maaler
35v
;
Rwb
1, 922
;
Pfälz. Wb.
1, 390
;
Schwäb. Wb.
1, 406
;
Schweiz. Id.
6, 218
-222.
4.
›rechtskräftig, rechtsgültig, rechtlich anerkannt‹; Ütr. zu 1; offen zu 5.

Belegblock:

Chron. Augsb.
7, 273, 12
(
schwäb.
, zu
1552
):
das solche capitulation vermöcht, ires thails aufrecht zuͤ halten, wie erbern leuten gebürt.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
73, 5
(
mslow. inseldt.
,
1603
):
vermug vnśers bey śeinen handen habenden śchuldtścheins aufrechter śchult śchultig.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 200, 8
(
halem.
,
n. 1529
):
Uss welchen redlichen, frommen, ufrechten ursachen.
Pfälz. Wb.
1, 390
;
Vorarlb. Wb.
1, 154
.
5.
›erhalten, bewahrt‹; Ütr. zu 1.
Syntagmen:
jn. / etw.
(z. B.
haus / hof
)
a. behalten, etw. a. bleiben.

Belegblock:

Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
115, 36
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wo derselbig dein hauff vffrecht pleipt, so hostu vberwunden.
Schweiz. Id.
6, 219
.
6.
›rühmlich, ruhmreich, Ansehen bringend‹.

Belegblock:

Sachs
13, 549, 21
(
Nürnb.
1559
):
Dardurch wir zu ewiger zeit | Beide gedechtnuß-wirdig werden | Den göttern im himel und auff erden | Bey allem menschlichen geschlecht, | Durchleuchtig, rumreich und auffrecht, | Ganz für-breißlich durch alle stück.
Chron. Augsb.
9, 61, 4
(
schwäb.
,
1544
/
5
):
kain römischer könig in zwaihundert jaren vor im kain soliche auffrechte, erliche schlacht gehalten [...] hat.