auffahen
(
auffangen
bis zum Ende der Epoche in den diesbezüglich interpretierbaren Formen selten),
V., unr. abl.,
gram. Wechsel.
1.
›jn. gefangen nehmen, (Menschen) einfangen‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  1,  9,  7,  5,  18,  2,  8.

Belegblock:

Chron. Nürnb.
5, 669, 9
(
nobd.
,
1504
):
solten die soldner auf vahen und all erstechen.
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
1, 168, 12
(
whalem.
,
1484
):
darin si [...] mit [...] ermúrden priestern, wib und kinden [...] und mit ufvachen derselben gros mort und gewalt stiften.
Maaler
32r
(
Zürich
1561
):
Auffahen oder gefangen nemmen. Excipere, Intercipere.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
111, 3
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
das volckh wardt vast auffgevangen.
Ebd.
141, 5
;
195, 10
;
Rwb
1, 864
;
Dietz, Wb. Luther
1, 128
.
2.
›(Tiere) einfangen, auffangen‹.
Syntagmen:
den hund / bracken / wint, das folen, die brut a.

Belegblock:

Chron. Augsb.
7, 428, 12
(
schwäb.
, zu
1564
):
bis doch Sathan [...] schuͤf, dem hellhundt zuͤ wehren und in wider aufzuͤfahen.
Mell u. a., Steir. Taid.
35, 5
(
m/soobd.
,
1568
):
durch solche freie zuelassung berurte zwo Traun und Kanischpach nit ausgeödt und das klain pruet aufgefangen werde.
A. à S. Clara. Glori
11, 2
(
Wien
1680
):
so von dieser Vestung ausgeflogen / durch erfahrne Leut auffangen / denselben unter die Fluͤgel brennende Schwammen [...] binden.
Rwb
1, 864
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 229
;
Schwäb. Wb.
1, 373
.
3.
›(Heu o. ä.) zubereiten, dörren, ernten‹.
Oobd.; rechts- und wirtschaftsgeschichtliche Texte.
Bedeutungsverwandte:
 1.
Syntagmen:
das heu / tagwerk, die mahd a.

Belegblock:

Winter, Nöst. Weist.
2, 283, 8
(
moobd.
,
1513
):
sollen die 14 holden ainem pfarrer all sein hei auffachen.
Ebd.
3, 827, 6
(
A. 15. Jh.
):
müllner hofstetär und lechner sullens [mad] aufvangen oder recchen.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
231, 11
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
die hofstetter [...] mues yeder zway tagwerich aufvachen.
Winter, a. a. O.
1, 315, 27
;
Bretholz, a. a. O.
61, 11
;
123, 12
.
4.
›etw. (z. B. Kleinholz) zusammensuchen, sammeln, auflesen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  7, , ,  1.
Wortbildungen:
auffaher
2.

Belegblock:

Siegel u. a., Salzb. Taid.
150, 34
(
smoobd.
, Hs. 
v. 1694
):
alles gei- und klaubholz, das aufgefangen würd und der, so es also aufgefangen hat, über drei tag ligen last, solch holz mag ain anderer ohne des auffachers und sonst meniglichs irrung weckfieren.
Rwb
1, 864
.
5.
›(eine Fläche) durch Umfriedung abgrenzen und für bauliche oder landwirtschaftliche Zwecke nutzen; (eine Fläche) mit einem Graben umziehen und militärisch nutzen, sich wo eingraben‹; mit Verschiebung des Objekts: ›eine Festung anlegen‹.
Obd.
Syntagmen:
den auffang a.
(figura etymologica),
den anger / boden, die gemeine, hofstätte / weide, den berg / garten a.
; mit verschobenem Obj.:
die feste a.

Belegblock:

Chron. Nürnb.
1, 30, 28
(
nobd.
,
v. 1407
):
Man sol [...] den walt umb reiten, beraynen und vermarken, ob ymant dez waldes podem auf gevangen het, daz der wider zu dem walde koͤm.
Chron. baier. Städte. Mühld.
385, 34
(
moobd.
,
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
zugen im di hertzogen gein Perchtoltzgaden in daz land [...] und fiengen eine neue fest darin auf und genummen ain turn.
Ebd.
386, 2
:
[si] teten grossen schaden vor der stat und fiengen auch den Dornwerch auf.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
21, 28
(
smoobd.
, Hs.
1625
):
es soll auch niemand sich understeen von derselben freihait [ân] aines pflegers zu Altenthan vorwissen [...] waß aufzefahen oder einzezeinn.
Winter, Nöst. Weist.
3, 666, 13
(
moobd.
,
1536
):
welcher herren holden si sint, die aufveng wolden aufvahen, so haben wir daß recht daß wir die selben aufveng auf miegen prechen.
Ebd.
3, 690, 17
(
um 1500
):
das der burger gemain nimant sol auffahen oder darauf pawen.
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
174, 25
;
Siegel u. a., a. a. O.
35, 44
;
39, 23
;
179, 27
;
Rwb
1, 864
;
Schwäb. Wb.
1, 373
.
6.
›etw. (Worte) aufschnappen, etw. z. B. (Worte, Sätze) in ihrem Sinngehalt verstehen und sich merken, notieren, sich etw. merken‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1, (V.) 3,  14, I, 910, , ; vgl.  3.
Syntagmen:
die predigt, das wort a.

Belegblock:

Schwartzenbach
L iiijr
(
Frankf.
1564
):
Mercken. Ein ding augenscheinlich spuͤren / [...] Verstehen. Empfinden / Oder / greiffen. Darauß mag man abnemmen. Spuͤren / vnd Befinden. Auffangen.
Rot
309
(
Augsb.
1571
):
Empfahen / auffahen / auffassen. Jtem inn schrifft verfassen was geredt wirdt.
Hulsius
E ir
;
Dietz, Wb. Luther
1, 128
.
7.
›etw. in bestimmter Weise auffassen; jm. etw. anrechnen‹.

Belegblock:

Chron. Nürnb.
1, 136, 37
(
nobd.
,
1383
):
biten wir euch aber, daz ir uns dez niht fuͤr uͤbel habt und uff vahet.
Pyritz, Minneburg
4843
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Daz vocht sie uff in arge | Gein mir.
Völker, Antichrist
259
(
wschwäb.
,
15. Jh.
):
Der selb der vnsúnnig ist, dem mag man sine böse werch nit auf gevahen.
8.
›etw. (z. B. Pfeile, Schläge) auffangen, von jm. abhalten‹.

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 367, 8
(
Köln
1619
):
Du bist der Helm vnd Schilte, | Daran die Pfeil der Schlangen, | All wurden auffgefangen.
Ebd.
2, 377, 13
(
Nürnb.
1631
):
So sey vns Maria bereit, | Hilff zornig schlaͤg aufffahen.
9.
›(eine Flüssigkeit) auffangen, sammeln‹.

Belegblock:

Turmair
4, 151, 26
(
moobd.
,
1522
/
33
):
[si] stachens ab wie ein kalb oder schwein, fingen das pluet auf in das peck und sagten darnach wâr.
10.
›jn. zu etw. machen, wählen, erheben‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  10.

Belegblock:

Chron. Augsb.
7, 135, 6
(
schwäb.
, zu
1548
):
zunftmaister, so vom groben povel aufgefangen und an das regiment komen seind.