armleute,
pl. t.;
in rund einem Drittel der Belege
arme leute
2, dann in der Regel (aber nicht ausschließlich) Binnenflexion. Im Sing. steht in der überwiegenden Mehrzahl aller Fälle
armman
/
arman,
der
;
-s/
1 Pluralbeleg:
armmanne
;
falls das weibliche Geschlecht betont werden soll, kann (1 Beleg)
armefrau
und (1 Beleg)
armmensche
stehen. Die Singularbildungen werden in der Regel zusammengeschrieben.
1.
›Arme, Bedürftige, Personen, denen es an den zum Lebensunterhalt erforderlichen Mitteln fehlt‹;
zu (Adj.) 1.

Belegblock:

Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Ich sacken ettwan so viel dar inn | Das zwene armanne odir dry | Wol fulletent yre secke da bij.
Matthaei, Minner. I, (Hs. ˹
nalem.
,
1459
˺):
armer witz stat vor der tuͤr, | so richer gät in und uß, | und verdirbt vil witz in armans huß.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
; Var.
Augsb.
um 1473
):
ir armen
[P:
sein armleüt
]
satte ich mit brot.
Wmu
1, 130
.
2.
›in irgendeiner Form der Abhängigkeit, Unfreiheit oder Leibeigenschaft stehende Personen; Hörige; Hintersassen; Untertanen‹;
zu (Adj.) 4.
Bedeutungsverwandte:
(
der
1, , (
das
3, , .
Gegensätze:
 16,
1
 1, .
Syntagmen:
a. haben / betriegen / beschwären / schuldigen / verschmähen / schauern / schirmen, in das burgrecht empfahen
;
a. jm. zugehören / haben ros / wagen
;
der a. spotten
;
a. auf dem lande, in den gerichten
;
fromme a.
;
a. des gotteshauses
; weiteres s. v. (Adj.) 4.

Belegblock:

Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Der Dot hait die macht wider | In der welt uber mentschlich leben, | Und fochtent yn konnige und fursten eben | Me dann armenlude und die kleinen.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. Anm. 2 (
mosfrk.
,
1405
):
zu rechter eigenschaft, daz ich ire recht eigen angehorich arme man sal sin ... also daz si mich sullent schuren schirmen und verantwerten als andere ire eigen angehorige arme lude.
Struck, Cist. Marienst.
800, 4
(
mosfrk.
,
1412
):
eyn unß eigen angehorich armensche
Irmentrud [Regestbeleg].
Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 164, 21
(
md.
,
1471
):
er [...] sich in allem Fleiss allewege gehorsamlich und untertäniglich als ein frommer Armmann [...] halten will.
Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
1445
):
daz kain burger fürbas kainer der herschaft noch kains unsers nachburen armlüt mit geistlichem rechten umb treiben sol.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
euer arm man denselbigen Friderich umb das erste nach vermeldung euer schriften auf der freien straßen darnieder gehauen.
Meiner arman einer ist geschuldigt, er habe ein hulzene eigden gestolen.
Gille u. a., M. Beheim
123, 290
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Maria dy muter und magt | sein gewesen armleüte | Und musten ir leiplichen nar | mit arbait czamen tragen gar.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1385
):
ez wer herre oder arm man oder wer der wer.
Ebd. (
15. Jh.
):
so wurden auch unser armlut uf dem lannde ganntz verhert.
Geier, Stadtr. Überl. (
nalem.
,
A. 16. Jh.
):
wo ein armann ross und karren in der statt het.
Rapp, UB Stuttg. (
schwäb.
,
1447
):
dise gegenwertig armefrow von Stuͤtgarten
[Regestbeleg].
Hauber, UB Heiligkr. (
schwäb.
,
1448
):
wie der Brun von Hertenstain ir und irs gotzhus guͤter armeluͥt und hindersaͤssen zuͦ Gruͤnigen beschwaͤre.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1523
/
7
):
die haben erfunden, das die armenlut von Mänchingen mit irer hab in den kirchof gewischen.
der brief tuͦt auch kain sundrung der armenlute, die unns unnd den unnsern zuͦgeheren, sonnder so er gerichtzherre ist, will er sy all fur underthan haben.
Auer, Stadtr. München (
moobd.
,
1343
):
Swelich arm man auf dem land, er sey paur oder seldner, [...] zuo eleichem heyrat greiffent.
Helm, H. v. Hesler. Apok. ;
Bömer, a. a. O. ;
Lamprecht, a. a. O. Anm. 6;
Eckhardt, Ohess. Klöster
2, 413, 21
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel ;
Roder, Stadtr. Villingen ;
Hauber, a. a. O. ; ; ;
Müller, Stadtr. Ravensb.
256, 33
;