appellieren,
V.
vereinzelt: ›eine als Autorität unbestrittene Person oder Instanz zur Durchsetzung eines Anliegens anrufen‹; meist in rechtssprachlicher Spezialisierung: ›bei einer höheren Rechts- oder Verwaltungsinstanz Berufung gegen ein Urteil oder eine Verwaltungsmaßnahme einer unteren Instanz einlegen, um Abänderung oder Aufhebung eines Entscheids klagen‹.
Bedeutungsverwandte:
 4, (V.) 6.
Syntagmen:
an jn.
(z. B.
den fürsten / richter / berghauptman / heiligen vater
)
/ etw.
(z. B.
den oberhof, das recht
)
a., auf jn.
(z. B.
die keiserin
)
a., von etw.
(z. B.
ban / interdikt / urteil / gericht
)
an jn. / etw. a., für jn.
(z. B.
den richter
)
a.
;
j.
(Personen, Parteien)
a.
;
das a.
(subst.)
gestatten, vom a. abstehen, jm. one a. gehorsamen
;
appellierender teil
;
förmlich / füglich / schleunig / rechtmässiglich a.
Wortbildungen:
appellierbrief
,
appellierer
,
appelliergeld
,
appelliersweise
,
appellierung.

Belegblock:

Rosenthal. Bedencken
22, 27
(
Köln
1653
):
vile andere hohe Obrigkeiten / zu deren man doch nit gleich das Appelliren wil gestatten.
Köbler, Ref. Wormbs
279, 19
(
Worms
1499
):
daby auch die parthyen blyben vnd kein teil wyter appelliren reduciren oder suchen soll.
Kollnig, Weist. Schriesh.
139, 20
(
rhfrk.
, o. J.):
so soll er fur gericht sich hinder meins gnedigen herrn hoffgericht ghen Wormbs berufen, [...] und sonsten hin zu appellirn nit erlaupt werden.
Thiele, Chron. Stolle
413, 7
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
umme die anczehunge des furstlichen hoffes haben die von erffort appellirt an unsern heiligisten vater.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 263, 14
(
schles.
,
1528
):
Wo aber ein partei an denselben urtl beschwer truge, der mag und sall an uns oder unsern berckhauptman ferrer appelliren.
Köbler, Ref. Nürnberg
156, 16
(
Nürnb.
1484
):
das yezuzeitten der appellierendẽ widerparthey mit Jrem gut. das die Appellierer. wie wol vnpillich. Jngehabt haben. bekriegt [...] wordẽ sein.
Mayer, Folz. Meisterl.
13, 115
(
nobd.
,
v. 1496
):
All irer werck sie
[Menschen beim Jüngsten Gericht]
rechnung tunt, | Do von gancz nymant appeliren mag.
Sachs
3, 199, 14
(
Nürnb.
1537
):
ich heut von dir, | Fortuna, appellir | An kayser Carolum | Tugenthafft, ghrecht unnd frumb.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
372, 29
(
halem.
,
1543
):
wann raͤchtshaͤndel fúr uns appellierswyß kommen.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 44, 31
(
schwäb.
,
1552
):
so aber die ein oder baid partheyen nit [...] beniegig, alsdann mögen sie gen Schorndorf appellieren.
Rot
290
(
Augsb.
1571
):
Appellirn, Nennen / reden / ein mit namen ansprechen. Jtem in dem rechten / ein andern Richter anruͤffen.
Henisch
92
(
Augsb.
1616
):
Bettlen vnd appellieren / stehet jederman frey.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
13, 31
(
tir.
,
1519
):
so will er dann den peswertn solh pschwer an die ort [...] weitter nit fŭren noch appelliern lassen.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
1, 1039,
Anm. 1;
Brinkmann, Bad. Weist.
274, 17
;
Köbler, Ref. Wormbs
279, 5
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
145, 35
;
Löscher, Erzgeb. Bergr.
107, 3
;
115, 29
;
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
135, 1
;
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
226, 1
;
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
245, 17
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
2, 394, 14
Var.;
Chron. Strassb.
1, 50, 29
;
Geier, Stadtr. Überl.
373, 28
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
163, 19
;
Graf-Fuchs, a. a. O.
305, 2
;
Welti, Stadtr. Bern
648, 7
;
Müller, Lands. St. Gallen
39, 12
;
Koller, Ref. Siegmunds
297, 28
;
Schlosser, H. v. Sachsenh.
2403
;
Wintterlin, a. a. O.
2, 227, 1
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 19, 16
;
Chron. Augsb.
9, 131, 9
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
4, 1
;
Piirainen, Recht Schemnitz
278
;
Alberus b IVv;
Schöpper
100b
;
101a
;
Maaler
28v
;
Pfälz. Wb.
1, 316
;
Bad. Wb.
1, 68
;
Rwb
1, 803
;
Eckel, Fremdw. Murners.
1978, 24
.