anwenden,
V.,
auch rückuml.
1.
›an etw. angrenzen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  1.

Belegblock:

Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 106, 5
(
schwäb.
,
1550
):
wann zwen ecker uff ainander anwenden.
Welti, Urk. Rheinfelden
183, 12
(
halem.
,
1433
):
so sint der andern ackeren by 10 jucharten mynder oder mer vngeuerlichen, sind ouch gelegen an einander in dem bodem, [...] vnd anwendent niden vff die straße.
2.
›den Pflug auf dem Grenzstreifen zwischen Äckern wenden‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.

Belegblock:

Dinklage, Frk. Bauernweist.
38, 11
(
nobd.
,
1488
):
so einer reich oder weingarten macht [...], soll auf einer gemain darzugeben [...] und nachvolgendts auf der negsten anwenden.
Winter, Nöst. Weist.
3, 747, 11
(
moobd.
,
16. Jh.
):
wo ainer dem andern uberpaut, es wer am anwentn oder sunst.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
117, 39
(
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
das kainer soll [...] ohne wissen und wilen seines nochtborn fraventlich in dem kornfelt auf ine anibenden bei obgedochtem wondel.
Ebd.
21, 33
;
28, 24
.
3.
›sich einem Orte nähern‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Birlinger, Schwäb.-Augsb. Wb.
27
.
4.
›sich jm. nähern (meist mit negativ bewerteter, vereinzelt auch mit positiv bewerteter Absicht)‹, auch ütr.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
19072
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
daz er sî nî inblûmete, | joch nî unkûschlîch angewant.
Gille u. a., M. Beheim
198, 104
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
der [teufel] in [leib] mit anweigung verfurt, | ee er sein hern an wendet | Umb hilff und retung mit gepet.
Sachs
1, 95, 9
(
Nürnb.
1550
):
Ob gleich der vater dich anwende, | Dich greiffen will, so bist du rauch! | So wil ich dir die kleyder auch | Esaw, deines bruders, anlegn.
Ebd.
21, 199, 17
(
1563
):
Die fraw entrüst ist worn | Ob dem narren, der sie anwent, | Wie wol sie in heimlich wol kent.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
102, 27
(
Ulm
1486
):
Merck wie sich alle ding zuͦ gedürstigkait deß jünglings schicken die jungkfrawen an zewenden.
5.
›etw. (z. B. eine Stadt) / jn. (Feinde o. ä.) militärisch angreifen, jn. (als Individuum) anfallen; jn. mit Worten angreifen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  8,  16,  14.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
453, 200
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Die [stat] wart auff dem wasser und lant | an allen enden angewant.
Sachs
17, 26, 6
(
Nürnb.
1552
):
Daß er gleich eim wütigen thummen | Ohn alle ursach mich anwendt.
Kurz, Murner. Luth. Narr
2134
(
Straßb.
1522
):
So darff er alle bischoͤff schenden | Und die cardinäl an wenden.
Chron. Augsb.
9, 54, 15
(
schwäb.
,
1544
/
45
):
wie offt sie die statt mit guten worten und sonst mit dem sturm und kriegszeug anwendeten, so haben sie [...] nichts fruchtbars ausrichten mögen.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
109, 11
(
schwäb.
,
v. 1542
):
hat her Jorg truckses den grössen haufen [...] der bauren [...] Beblingen und Sindelfingen angewent, angriffen und geschlagen.
Gille u. a., a. a. O.
99, 1062
;
Spanier, Murner. Schelmenz.
4, 1
;
Chron. Augsb.
3, 8, 15
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
15
;
Schwäb. Wb.
1, 284
.
6.
›sich anstrengen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Gerhard, Hist. alde e
5195
(
omd.
,
um 1340
):
[Seleucus] Sich unendelich anwante.
7.
›jn. überkommen, überfallen; sich ergeben, sich stellen (z. B. von einer Frage)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  11.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
123, 202
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
ab ain mensch | wart an gewendet mit gespensch | sam czorn und ungedulde.
Mayer, Folz. Meisterl.
48, 13
(
nobd.
,
v. 1496
):
Wan wen ein frag an went | Die er mit antwurt nit bekent.
Schwäb. Wb.
1, 284
.
8.
›etw. verkaufen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.

Belegblock:

Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
151, 13
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
das sie die bemelten österreichischen wein in der pfarr anwenden unter der zapfen und nicht unter der raifen
(d.h.: ›nicht faßweise‹).
9.
›etw. aufbrauchen, verbrauchen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm
3751
(
preuß.
,
1331
):
er [Judas] was ein dieb | Und hatte vil winkel lieb | Und trug und anewante | Di dink di man in sante.
Schwäb. Wb.
1, 284
;
Rwb
1, 786
.
10.
›etw. auf etw. verwenden, etw. aufwenden, aufbieten‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,  18,  2.
Syntagmen:
fleis
(häufig)
/ arbeit / ernst / sorge / hofnung / liebe / glauben / ere / vernunft / vermögen / kosten / geld a.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged.
837, 40
(
1631
):
fleiß, den Er [...] bei vbersetzung der Klagelieder Jeremias [...] angewendet.
Ralegh. America
17, 1
(
Frankf.
1599
):
von welchem sie eine grosse Hoffnung haben gefast / vnd grossen Fleiß anwenden / jhn in seines Großvatters [...] Landt zu setzen.
Mayer, Folz. Meisterl.
25, 59
(
nobd.
,
v. 1496
):
Mancher ein sulche frag went an.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 115, 8
(
Nürnb.
1631
):
Zu solchem End, danckbar anwend, | Glaub, Hoffnung Lieb vnd Sacrament.
Wickram
4, 21, 10
(
Straßb.
1556
):
Als er [...] seinem weib befalh / allen müglichen fleis anzuͦwenden.
Schöpper
29a
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
47, 23
;
Maaler
28r
;
Ulner D 1r;
Dietz, Wb. Luther
107
;
Rwb
1, 786
.