anleite,
die
;
, auch
-n/-.
1.
›Einsetzung in den Besitz eines Gutes, Übernahme eines Gutes‹ (zu rechtl. Differenzierungen vgl. Rwb
1, 681
); als Synekdoche: ›einmalige, anläßlich der Einsetzung in ein Gut zu entrichtende Gebühr, Handänderungsabgabe‹; ›„Abgabe, die beim Besitzwechsel eines Lehens an den Lehensherrn zu entrichten war[‹]. Sie war von dem neuen Besitzer zu erbringen. Fiel das Lehen nach dem Tode des Beliehenen an den Lehensherrn zurück und wurde es neu verliehen, so traf den Empfänger des Lehens diese Verpflichtung. Verkaufte der Beliehene - was insbesondere bei einem erblichen Lehen zulässig war - das Lehen, d. h. seine aus der Verleihung erwachsenen Rechte, so schuldete der Erwerber diese Abgabe an den Lehensherrn“ (so Hendel, Rechtsbegriffe.
1975, 58
); vereinzelt: ›wiederkehrende Abgabe, Jahresleistung‹; auch: ›Handgeld bei Käufen‹ (so Schweiz. Id.
3, 1495
; um 1343);
nomen actionis und Synekdoche nicht sinnvoll trennbar: vgl.  2.
Oobd.; rechts- und wirtschaftsgeschichtliche Texte.
Bedeutungsverwandte:
 8,  1,  5, (
die
1,  1; vgl.  5, , .
Gegensätze:
; vgl.  3.
Syntagmen:
die a. bezalen / nemen
;
a. schuldig sein
;
etw. zu a. geben
;
abforderung / reichung der a.

Belegblock:

Fuchs, Urb. Göttweig
29, 32
(
moobd.
,
1345
):
Sie ruͤgent auch von ablaet und von anlaet von einem ganzen lehen dreizich pfenning.
Steinberger u. a., Urk. Hochst. Eichst.
350, 13
(
noobd.
,
1348
):
das für mich kom in gericht der erwirdig geistlich herr her Albrecht bischoff zu Eystet und nam die anlaite wider.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
511, 15
(
m/soobd.
,
15. Jh.
):
sol innerthalb 14 tagen zu dem probst in den probsthof komen und von herrn handen empfahen und ze anlait geben von ainer hueben dem probst 60 ₰.
Winter, Nöst. Weist.
2, 323, 33
(
moobd.
,
1512
):
Wan ainer verkauft ain lehen, so sol der verkaufer geben sechzig phening zu ablat und der kaufer drei schilling zu anlat.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
28, 35
(
tir.
,
1523
):
berŭerend die anfăll von bestănnden soll phleger [...] sŏlh anfăll und anlayt nit ŭber oder hăher dann die gemainen dienst nemen.
Ebd.
30, 16
:
wo ain armer man sein anlayt, gǔllt und diennst trew̆lich betzalt.
Mell u. a., Steir. Taid.
52, 13
(
m/soobd.
,
nach 1590
):
das vil überzinsherrn solchen als ain grundzins rechnen, stiften und stören die güeter, nemen dritt anlait und andere gföll.
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
2, 94r, 25
(
moobd.
,
1526
):
beschwerung so zu zeiten auß sölher zwifache Raichung der Anlaittn erfolgt ist.
Mell u. a., a. a. O.
235, 40
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
127, 36
;
308, 15
;
Winter, a. a. O.
2, 989, 21
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 1, 370, 11
;
Fuchs, Urb. Göttweig
160, 19
;
Bischoff u. a., a. a. O.
274, 32
;
Rwb
1, 681
;
Hendel, Rechtsbegriffe.
1975, 58-65
; zur geographischen Verbreitung: Wortkarte
18
im Anhang.
2.
›gerichtliche Einweisung eines um Schadenersatz Klagenden in ein Gut des Beklagten zum Zwecke der Sicherung seiner Schadenersatzansprüche, schadenersatzweise Nutzgewährleistung‹; vom Unterlegenen aus gesehen: ›gerichtlich verordnete Zurverfügungstellung seiner Güter an seinen Gläubiger‹; zu
anleiten
 4. Im Nördlinger Stadtrecht wird zur Demonstration des Schadensersatzanspruchs ein Span vom Gebäude des Beklagten, von den Ackergrundstücken eine Scholle und von den Wiesen ein Stück Rasen (s. u. MüllerNördl. Stadtr.
94
:
wasen
) genommen und damit Einweisung begehrt. Das Schwäb. Wb.
6, 1516
führt auch für den Span und für das Rasenstück die Bezeichnung
anleite
(Metonymie) auf.
Zur Sache: Hrg
1, 175-177
; v. Künßberg, Acht.
1910, 19
;
29
.
Beleghäufung im Wobd., keine omd. Belege; rechts- und wirtschaftsgeschichtliche Texte, Chroniken.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (
der
2.
Syntagmen:
die a. besorgen / besitzen / ersitzen / erzeugen / versprechen / erteilen, a. auf etw. geben
;
a.
(Subj.)
haben kraft
;
etw. in a. bringen, etw. mit a. erklagen / erlangen, jn. in a. erklären, etw. zu a. spanen / verspänen.
Wortbildungen:
anleitbuch.

Belegblock:

Chron. Mainz
1, 339, 20
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
so sint uns dar zu me beswerkeit zugefuget, want wir zu achte getan sint, deshalben wir beide anlait, aberaicht und ander beswernisse besurgen mußen.
Leisi, Thurg. UB
6, 676, 8
(
halem.
,
1373
):
daz er [...] sin anleiti voran und darnach sin nutzlichen gewer, bi guͦten gerichten unversprochen als lange besezzen hat.
Ebd.
7, 737, 24
(
halem.
,
1389
):
reht, so die egenanten [...] mit anlaiti, mit nutzlicher gewer ald mit anderen sachen erlanget und erclegt haͮnt.
Ebd.
8, 301, 4
(
halem.
,
1397
):
bewiste da vor mir mit des lantgerichtz briefen und insigeln, dz er fúr anleity sin nutzlich gewer und oͮch sinen schirm besaͤssen hette.
Chron. Augsb.
1, 170, 19
(
schwäb.
,
1392
):
wir seczen den obgenanten hern Worsiboy an stat und in namen unsers obgenanten heren des kunigs in nuczgewer der obgeschribenn guter aller besucht und unbesucht nichts ussgenomen als vorgeschriben stet, wann er die anleit daruff ersessen und erczewgt hat.
Ebd.
2, 413, 11
(
schwäb.
,
1452
):
bis er
die von Augsburg mit iren leiben mit rechter clag und urtl in die auchte und ir gute und habe in anlait brachte.
Müller, Nördl. Stadtr.
94, 28
(
schwäb.
,
1503
):
dieselben güter zu anlait zu spanen und oder wa es acker oder wisen wern, zu schollen oder zu wasen und mit demselben span, schollen oder wasen vor gericht zu erscheinen und underschids zu begern.
Ebd.
364, 6
(
1488
):
der im daz ligend guͦt zuͦ anlait verspent mit dem span, schollen oder wasen.
Roder, Stadtr. Villingen
170, 6
(
önalem.
,
1592
):
Wür haben auch gesetzt: Wann (einer) rechtloß oder in ächt und anleite erclärt wurde.
Bastian u. a., Regensb. UB
189, 9
(
oobd.
,
1360
):
Die anleit besazz der egen(ant) Heinr. Zan nach recht mer dann sehs wochen.
Leisi, a. a. O.
5, 499, 31
;
6, 177, 14
;
683, 10
;
7, 765, 15
;
Bastian u. a., a. a. O.
299, 14
;
Crecelius
1, 32
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
13
;
Bad. Wb.
1, 56
;
Schwäb. Wb.
1, 235
;
Vorarlb. Wb.
1, 99
;
Schweiz. Id.
3, 1494
;
Haltaus
35
.
3.
›Zwangsvollstreckung eines Urteils‹.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron.
85, 25
(
mfrk.
,
2. H. 14. Jh.
):
want si in anezigen, daz he di anleide unde den zog vur si gemachet hette.
4.
›obrigkeitliche oder gerichtliche Güterbeschau‹; speziell: ›Grenzbegang, Grenzbesichtigung‹; metonymisch: ›Gebühr für die Beschau‹;
zu  5.
Keine omd. Belege; rechts- und wirtschaftsgeschichtliche Texte.
Bedeutungsverwandte:
 3,  1; vgl. .
Syntagmen:
die a. begehen / bezalen
;
der a. begeren
;
jn. zu a. mühen, jn. um a. ersuchen / verklagen, etw. mit a. beweisen
;
die a.
(metonymisch)
erlegen.

Belegblock:

Wolf, Gesetze Frankf.
183, 2
(
hess.
,
1421
):
von der geswornen wegen, umb anleyde zu begeen, steine zu seczen und land zu messen, hat der rad gecleret.
Ebd.
183, 5
:
wo man gesworn usz der stat muwet, zu anleyde oder steine zu seczen, darumb man zweyete, darczu sie geheischen wurden, do sal der, der sie also muwete, yn zu stunt 40 hll zu anleydegelde geben, und welichem dan die anleyde entpellet, der sal die anleyde bezalen.
Kläui, Urk. Hermetschwil
28, 30
(
halem.
,
1410
):
Peter von Nuͥdorff antwortete, er hetti dasselb nuͥt getaͧn, und begert daruff einer anleiti.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
2, 18
(
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
ob ain urbarman den andern [...] verclaget umb sach, gründ und poden [...] oder aber umb anlait, etz und tret.
Ebd.
326, 24
(
15. Jh.
):
wer den weren bei dem wasser auf dem urbar nicht wert, also das davon schad geschiecht, oder umb anlait auf dem urbar, das soll der brobst alles richten.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
170, 18
(
tir.
,
1525
):
so er dann ain phleger oder ambtman zŭ Hew̆nfels darŭmb ersŭecht umb anlait oder besicht und bschaw̆ angerǔefft.
Schweiz. Id.
3, 1495
.
5.
›Zunfteintrittsgeld‹; ›Zoll‹.

Belegblock:

Grimm, Weisth.
6, 185, 18
(
oobd.
, o. J.):
ez sol ein fleischman von dem zolnar enphahen und sol im sein anlait geben, als er stat on im vind.
Rwb
1, 683
.