anhängig,
Adj.
1.
›jm./etw. (darunter z. B. einer Lehre, einer Partei) treu, ergeben, geneigt, zugetan, behilflich, verbündet‹;
in besonderem Maße offen zu 2; vgl.  8,  2, ,  1, .
Bedeutungsverwandte:
, .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
jm. a.
(z. B.
got / dem teufel / keiser / könig / herren / der gemeinde
)
sein, etw.
(z. B.
dem reich, der partei / lere
)
a. sein
;
jm. a. bleiben / werden, jm. zu etw. a. sein
;
jn. a. machen.

Belegblock:

Opel, Spittendorf
461, 3
(
osächs.
,
um 1480
):
die jenigen, als die meinem gnedigen herrn anhengigk sindt gewest.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
154, 20
(
omd.
,
1554
):
wann partheyen irrig, halten sie [Berckmeister] sich gantz unvordächtig, machen sich mit annehmung einigen bergktheils keinem theil anhengig.
Sachs
16, 363, 23
(
Nürnb.
1563
):
Auff daß sie im durch disen sieg | Weren anhengig zu dem krieg | Und mithülffen zu allen sachen.
v. Birken. Erzh. Österreich
78b, 29
(
Nürnb.
1668
):
ist ihme fast der gantze Oberlaͤndische Adel anhaͤngig.
Bachmann, Haimonsk.
106, 14
(
halem.
,
1530
):
er hăt gott verlăn und sich dem tŭffel anhängig gemacht.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 150, 13
(
halem.
,
n. 1529
):
etlich under inen, die der Franzesischen partî anhaͤngig waren.
Goldammer, Paracelsus
7, 224, 4
(
um 1530
):
gott ist dér gemeinde nit anhängig, die sich streußen gegen irem herren.
Chron. Augsb.
7, 352, 18
(
schwäb.
, zu
1559
):
(es möcht) der ursach halben beschehen sein, daß er der euangelischen lehr anhengig sei.
Ebd.
8, 180, 13
(
schwäb.
, zu
1562
):
dann sie baide vil jar den widertäuffern anhengig und alhie under inen die fürnembsten gewesen.
Steer, Schol. Gnadenl.
6, 51
(
moobd.
,
15. Jh.
):
daz all nyder creft gancz gehorsam sind der öbrern vnd daz gancz gemüt ist anhengig got vnd seinem willen.
Turmair
5, 459, 25
(
moobd.
,
1522
/
33
):
gebieten wir allen [...] herren und stetten, das si im nit anhengig sein, sunder in zwingen, uns billiche gehorsam ze laisten.
Schoop, Qu. Düren
231, 28
;
Sachs
16, 363, 23
;
Chron. Augsb.
7, 121, 9
;
145, 30
;
8, 211, 12
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
238, 17
;
239, 24
;
Turmair
4, 271, 18
;
287, 6
;
477, 7
;
Dietz, Wb. Luther
1, 85
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
12
.
2.
›abhängig von etw./jm.‹; alle Belege in der Interpretation unsicher, auch zu 1 zuordenbar.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.

Belegblock:

Reithmeier, B. v. Chiemsee
29, 9
(
München
1528
):
daz solher beschaffner freyer will vnd lieb nit aigen sonder gotlichem willen anhengig sey.
Ebd.
38, 4
:
Demselben Luciper [...] seinn aller poeser geist willen anhengig.
Turmair
5, 456, 15
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Polen, so vor anhengig dem reich war.
Schweiz. Id.
2, 1447
.
3.
›e. S. zugehörig, mit etw. verbunden; in die rechtliche Zuständigkeit (einer Instanz) gehörig‹;
vgl.  10,  4.
Syntagmen
mit Dat.:
dem bergwerk/ hal
(›Salzwerk‹) /
vertrag, der hauptmanschaft / hauptsache / herlichkeit / kirche / kunst / melancholei / (-)ordnung a.
;
a. nutzung.

Belegblock:

Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 77, 24
(
schles.
,
1539
):
anders zu underfahen, so der perckwercksoberkeit und herrlicheit anhengig ist.
Ebd.
152, 35
(
1577
):
was deme mehr alles nach laut und inhalt gedachter ausgegangener neuer bergfristunge anhengig.
Rupprich, Dürer
2, 127, 30
(
nobd.
,
v. 1513
):
dy kunst der malerey, dy nit alain begert der geometrei vnd arithmetica, vrsprung aller mass, sunder vil mer der ander kunst anhengig kunst der mass, als perspectiua, [...], catoptrica, geodesia, chorographia.
Chron. Augsb.
7, 321, 8
(
schwäb.
, zu
1558
):
dieweil solche condition repetitionis dem vertrag anhengig.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
67, 10
(
smoobd.
, o. J.):
Es soll kain gerichtsman [...] nit gevordert oder geschafft werden, allain umb die artikl der haubtmanschaft anhengig und das malefiz berüerend.
Ebd.
263, 25
(
17. Jh.
):
wo künfticlich in volziechung und handhabung der vorangezaigten beschreibungen, landpoten, holzordnungen und was denselben anhengig ist.
Wutke, a. a. O.
18, 11
;
118, 34
;
121, 33
;
Mell u. a., Steir. Taid.
11, 5
;
Siegel u. a., a. a. O.
232, 29
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
174, 9
;
Pfälz. Wb.
1, 248
;
Bad. Wb.
1, 52
;
Schwäb. Wb.
1, 217
;
Schweiz. Id.
2, 1447
.
4.
›anhängig, schwebend (von Rechtsgeschäften)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.

Belegblock:

Köbler, Ref. Nürnberg
10, 7
(
Nürnb.
1484
):
das die sach derselbẽ appellacion vor dem oͤbern gerichte Jn soͤllicher erschynen Jars frist anhenngig were worden.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
1, 6
(
Bamb.
1507
):
wie bissher an den halssgerichten [...], vnd in sachen denselbigen anhengig, [...] vil vnd mancherley vbung, myssbrauch vnd gewonheyt eingewachssen.
Barack, Zim. Chron.
3, 610, 25
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
ward die sach an der cammer anhenggig gemacht.
Laufs, Reichskammergo.
179, 31
;
209, 19
;
Dietz, Wb. Luther
1, 85
.
5.
anhängiger schirm
: „im Gegensatz zum ‘Erbschirm’ ein freiwillig und auf Zeit eingegangenes Schutzverhältnis“; an 4 anzuschließen.

Belegblock:

Schwäb. Wb.
1, 217
;
Haltaus
30
.