angiessen,
V., unr. abl.
1.
›durch Vollgießen den Rauminhalt eines Gefäßes feststellen, prüfen, (Flüssigkeitsmaße) eichen; (geeichte Maße) durch periodisches Nacheichen überprüfen‹.
Bedeutungsverwandte:
 3, ; vgl. .

Belegblock:

Beyer, UB Erfurt
2, 536, 33
(
thür.
,
1375
):
daz vortmer unser amptlute zu Erforte erbere gude frome lude zu dem angyssen gestellen [...] sullen.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
109, 20
(
nobd.
,
1383
):
Dem Storren ist die stat verboten 1 jar daruͤmb, daz man im eins tags zwyr angegozzen
[hier: ›des falschen Weinmaßes überführt‹]
het.
Steinberger u. a., Urk. Hochst. Eichst.
154, 8
(
noobd.
,
1319
):
Dye angyesser sollent angiessen dem armen als dem reichen alle maß und alles trincken on geverde.
Mon. Boica, NF.
1, 672, 14
(
nobd.
,
1414
):
Ein vogte tzu Cadolczburg mag doselbsten angiessen lassen und tzu dem mesz lassen warten, tzu gewichten und andern sachen.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
52, 27
(
nobd.
,
1536
/
49
):
wir weißen auch seiner gnaden [...] das weinmas anzugissen.
Ebd.
61, 23
(
1486
):
so hat unser gnediger herr von Bamberg alle maß deß gedranckhs und getraidts anzugiessen.
Winter, Nöst. Weist.
2, 393, 26
(
moobd.
,
1512
):
das paid metzen auch weinmass sullen der richter und vierer alle jar ain mall zu Korneuburg angiessen lassen.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
184, 31
(
moobd.
,
1524
):
welicher burger oder leutgeb wein schengckt, der soll mit derselben schenckmass zu dem richter khomen, dieselb angiessen, zimenten und mit der statt march zaichen lassen.
Mon. Boica, NF.
1, 208, 18
;
Wutzel, Rechtsqu. Eferding
7, 23
;
Winter, a. a. O.
1, 5, 32
;
Schwäb. Wb.
1, 210
;
Scherzius
46
;
Rwb
1, 648
.
2.
›das Recht der Eichung von Flüssigkeitsmaßen haben‹; Metonymie zu 1.

Belegblock:

Mon. Boica, NF.
2, 1, 23, 3
(
nobd.
,
1464
):
ab die herrschaft daselbst geleyte, zolle, beyzolle, ongieszen, nachfolgen, froͤne uber lant, zwͤ holze und zwͤ velde haben.
3.
phrasematisch
jm. zu heis angiessen
›jm. hart zusetzen‹, im Beleg in ütr. Verwendung.

Belegblock:

Sappler, H. Kaufringer
9, 106
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
du hest mir nachet ze haiß angossen, | das ich wolt verschmolzen sein.
4.
zu einem aus den Belegen nicht näher bestimmbaren Brauch in Lübben vgl. folgende Belege:

Belegblock:

Lippert, UB Lübben
2, 201a
, 13 (
osächs.
,
1523
):
4 g. Hansen dem knechte vor weyn ggeben, ßo ehr der Taubenheymyn angegossen.
Ebd.
216a
, 22 (
1524
):
3 d. Hanse vom angyssen zw Butzks gegeben.
5.
›etw. an etw. anderem festgießen, gießend befestigen‹.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
2
Chron. 4, 3 (
Wittenb.
1545
):
es waren zwo rigen Knoten vmb das Meer her [...] die mit angegossen waren.