angiessen,
V., unr. abl.
1.
›durch Vollgießen den Rauminhalt eines Gefäßes feststellen, prüfen, (Flüssigkeitsmaße) eichen; (geeichte Maße) durch periodisches Nacheichen überprüfen‹;
zu (V.) 5.
Bedeutungsverwandte:
 3, ; vgl. .

Belegblock:

Beyer, UB Erfurt (
thür.
,
1375
):
daz vortmer unser amptlute zu Erforte erbere gude frome lude zu dem angyssen gestellen [...] sullen.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
109, 20
(
nobd.
,
1383
):
Dem Storren ist die stat verboten 1 jar daruͤmb, daz man im eins tags zwyr angegozzen
[hier: ›des falschen Weinmaßes überführt‹]
het.
Steinberger u. a., Urk. Hochst. Eichst.
154, 8
(
noobd.
,
1319
):
Dye angyesser sollent angiessen dem armen als dem reichen alle maß und alles trincken on geverde.
Mon. Boica, NF. (
nobd.
,
1414
):
Ein vogte tzu Cadolczburg mag doselbsten angiessen lassen und tzu dem mesz lassen warten, tzu gewichten und andern sachen.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
52, 27
(
nobd.
,
1536
/
49
):
wir weißen auch seiner gnaden [...] das weinmas anzugissen.
Ebd.
61, 23
(
1486
):
so hat unser gnediger herr von Bamberg alle maß deß gedranckhs und getraidts anzugiessen.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1512
):
das paid metzen auch weinmass sullen der richter und vierer alle jar ain mall zu Korneuburg angiessen lassen.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
184, 31
(
moobd.
,
1524
):
welicher burger oder leutgeb wein schengckt, der soll mit derselben schenckmass zu dem richter khomen, dieselb angiessen, zimenten und mit der statt march zaichen lassen.
Wutzel, Rechtsqu. Eferding
7, 23
;
Winter, a. a. O. ;
Scherzius
46
;
2.
›das Recht der Eichung von Flüssigkeitsmaßen haben‹; Metonymie zu 1.

Belegblock:

Mon. Boica, NF.
2, 1, 23, 3
(
nobd.
,
1464
):
ab die herrschaft daselbst geleyte, zolle, beyzolle, ongieszen, nachfolgen, froͤne uber lant, zwͤ holze und zwͤ velde haben.
3.
›jm. zusetzen‹.
Phraseme:
jm. zu heis angiessen
›jm. hart zusetzen‹ (im Beleg in ütr. Verwendung).

Belegblock:

Sappler, H. Kaufringer
9, 106
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
du hest mir nachet ze haiß angossen, | das ich wolt verschmolzen sein.
4.
zu einem aus den Belegen nicht näher bestimmbaren Brauch in Lübben vgl. folgende Belege:

Belegblock:

Lippert, UB Lübben
2, 201a, 13
(
osächs.
,
1523
):
4 g. Hansen dem knechte vor weyn ggeben, ßo ehr der Taubenheymyn angegossen.
Ebd.
216a
, 22 (
1524
):
3 d. Hanse vom angyssen zw Butzks gegeben.
5.
›etw. an etw. anderem festgießen, gießend befestigen‹.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
2. Chron. 4, 3
(
Wittenb.
1545
):
es waren zwo rigen Knoten vmb das Meer her [...] die mit angegossen waren.