anderheit,
die
.
1.
›Andersartigkeit, Unterschiedlichkeit, Verschiedenheit bis zur Gegensätzlichkeit; Fremdheit‹;
vgl.
2
 34.
Texte der Mystik; 14. Jh.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 165, 14
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
dirre mensche, der dâ gevrîet ist von aller anderheit und von aller geschaffenheit, in den menschen enkumet got niht: er ist dâ wesenlîche.
Jostes, Eckhart
7, 36
(
14. Jh.
):
Alle creatur di haben einen widerslac in sich: ein, di versait, daz ez niht di ander si; der oberst engel der versait, daz er niht der niderst sei. Got der ist ein versagen dez versagens; (daz) daz ein daz verseit alle anderheit.
Ebd.
85, 30
:
wann die gotheit in ir selber ein vernúftig wesen ist, dor um auztreit sich gotlich wesen der gotheit in anderheit der reden, anders si sein niht ein andert.
Bihlmeyer, Seuse
157, 23
(
alem.
,
14. Jh.
):
Wol ist daz war, daz der gereht mensch, als vil er und ellú ding nah ire ewigen ungewordenheit in der úberweslichen gotes vernúnftkeit daz selb sind in keiner foͤrmlicher anderheit.
Ebd.
177, 3
:
Es ist nut ein zerteiltes wesen diser ald der creatur, wan daz geteilt wesen ist alles vermischet mit etwaz anderheit einer múglichkeit iht ze enpfahen.
Ebd.
329, 19
:
Ob in der hoͤhsten einikeit kein anderheit muge bestan.
Ebd.
487, 17
:
Dar umbe habent anderheit der werke und einikeit der meinunge.
Ebd.
489, 18
:
ob ir wellent volgen, ach, mine vil lieben, so gebent urlop [...] der anderheit von innan und von ussan, und boͤugent uwer schultern under die búrde Jhesu.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
3, 33
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
got begriffen vnd verston [...], daz ist got sin mit gotte sunder mittel oder einige anderheit, die hindernisse oder mittel machen mag.
Ebd.
3, 129
:
so hat sv́ got angesehen vnd bekant in im selben mit vnderscheide in lebender rede vnd in einre anderheit sin selbes, doch nv́t ein anderheit in aller wis: wan alles, daz in gotte ist, daz ist got.
Ebd.
3, 139
:
Wan hie enist vnderscheit, noch anderheit, noch reden, dis gelich ist noch dan ein mit dem selben bilde der heiligen driualtikeit.
Bihlmeyer, a. a. O.
330, 1
;
27
;
Nicklas, Seuse.
1914, 33
.
2.
›Bezug auf den Mitmenschen, Hinwendung, Liebe zum anderen, Rücksicht auf den anderen‹; vgl. ebenfalls
2
ander
3; 4.

Belegblock:

Bihlmeyer, Seuse
334, 3
(
alem.
,
14. Jh.
):
dú selikeit lit an der voller goͤtlicher gebruchunge, da alles mittel und anderheit ist ab geleit.
Ebd.
352, 28
:
Da der mensch nach allem sinem můtwillen lebet sunder anderheit, ane allen anblik in vor und in nach.