aloe,
das
;
Hiersche, Dt. etym. Wb.
1, 72/73
setzt zwei Wörter,
1
aloe
und
2
aloe
, an, die aber beide auf
griech.
alóē
zurückgehen:
1
aloe
sei
Aloe vera
›Sukkulentenart, Liliengewächs [...]‹
,
2
aloe
›Aquilaria agallocha Roxb. [...]‹
.
Die Verwendung des Wortes (bzw. der Wörter) in frnhd. Texten läßt einen sehr weitgespannten, auf den Eigenschaften der mit
aloe
bezeichneten Pflanzen beruhenden sach- und volkskulturellen Gebrauch von
aloe
erkennen. Dies könnte für die botanisch-sachkundliche Richtigkeit von
Hiersches
Doppelansatz sprechen; für so spezifische Bestimmungen wie ›aloe vera‹ oder ›aquilaria agallocha‹ bieten die Belege aber keine Grundlage.
1.
›Aloe‹, eine Gruppe von Pflanzenarten aus der Gattung der Liliengewächse mit wasserspeichernden Blättern, zu der auch kleinere und mittelhohe Bäume gehören. Das Holz dieser Bäume war bekannt wegen seines Wohlgeruchs, der Saft der Blätter diente als Medizin, aber auch das Holz selber scheint für medizinische Zwecke wie auch zur Geschmacksgebung von Wein verwendet worden zu sein; offen zu 2.
Bedeutungsverwandte:

Belegblock:

Ermisch u. a., Haush. Vorw.
37, 40
(
osächs.
,
1570
/
77
):
Zu sterkung des herzens aloes, paradiesholz genant.
Ebd.
38, 5
:
Species zum wermuthwein uf 1 eymer most. [...] weisbüchene späne, aloës oder paradisholz.
Pyritz, Minneburg
193
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Auch waz die sule gezirt so her | Mit bilden [...] | Us flader holtz gesniten, | Buchsbum, aloe, cipressen.
Mayer, Folz. Meisterl.
1, 340
(
nobd.
,
v. 1496
):
Der her zum grab bestet wart | Mit mirr und alloe die fart.
Fischer, Folz. Reimp.
45, 142
(
Nürnb.
1482
):
die reüchung der gemech sol gescheen mit durren rauten, wacholterper, mirra, ligni aloes.
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich
1405, 3
(Hs.
A. 15. Jh.
):
daz werk was also reine, als wir hören sagen, | rich von zypressen holze und lignum aloe.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
8, 20, 15
(
Straßb.
1466
):
ich bestreuwet mein schlaffkamer mit myrren vnd mit aloe.
Drescher, Hartlieb. Caes.
262, 7
(
moobd.
,
1456
/
67
):
Nicodemus prach mirren und aloes bey zwayn hundert pfuntten.
Struck, Joh. Pfannstiel
190, 6
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
49, 18
;
Koppitz, Trojanerkr.
4752
;
24067
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
355, 20
;
Gereke, Seifrits Alex.
3745
;
Henisch
49
.
2.
›eingedickter salbenartiger Saft aus den Blättern der verschiedenen Aloearten, der zu medizinischen Zwecken, darunter als Abführmittel, verwendet wurde‹; Metonymie zu 1.
Vorw. Realientexte.

Belegblock:

Weitz, Albich v. Prag
152, 4
(Hs. ˹
nobd.
,
2. H. 16. Jh.
˺):
Ain salb, die das plůt verstelt wa die ader verhawen sind. stoß weyrauch vnd aloe vnder ain ander vnd misch es mit ayr klar vnd ruͤr es vast wol vnd mach dar aus ain pflaster.
Rohland, Schäden
349
(
nalem.
/
schwäb.
,
1400
/
33
):
Aloe heilt wol die wunden, der es mit win muschet.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
354, 20
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Von der salben aloe. Aloe ist ain salb, haiz und trucken mit seiner kraft [...]. daz macht man auz dem saf des krautes, daz aloe haizt
[hier beide Bedeutungen belegt].
Eis, Gottfr. Pelzb.
123, 14
;
Lehmann, Rezeptb.
145
f.;
Stedtfeld, Roger-Glosse
41
;
Keil, Peter v. Ulm
53
;
180
;
198
;
248
;
Broszinski, Minner. Chir. Parva
234
;
Müller, Welthandelsbr.
118
;
Schmid, R. Cysat
6, 4
.