affenspiel,
das
;
-s/-.
1.
›närrisches Spiel, Posse, Affentheater, Gaukelei, die j. treibt‹; seltener: ›närrisches, seltsames Benehmen, über das man jn. verlacht‹;
offen zu 2; vgl.  4.
Häufig in agitativen Texten der Reformationszeit, vor allem von protestantischer Seite, belegt.
Gegensätze:
(
der
4.
Syntagmen:
ein a. treiben
(formelhaft) /
schreiben / fürtragen; aus etw. ein a. machen, mit jm. a. halten; a. bringen dem teufel freude; dem a. zuschauen; a. des teufels; seltsames a.

Belegblock:

Luther, WA
41, 184, 8
(
1535
):
Dis ist ein affen spiel, wie Gott priester hat gemacht mit weihen.
Ebd.
30, 3, 76, 7
(
1529
):
sie haben damit den segen Gottes und gemein gebet holen wollen und nicht ein lecherey odder heidenisch affenspiel treiben.
Sachs
17, 257, 14
(
Nürnb.
1562
):
Wenn ich verlier der schantzen viel, | So helt man mit mir affenspiel.
Ebd.
14, 241, 32
(
Nürnb.
1552
):
Treibt mit im ein solch affenspiel, | Wie ich baß unterrichten wil.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
2288
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Der brůder was ein schneider knecht | Vnd thett mit gbaͤrden nieman recht, | Treib wunder bossen worlich vil, | Gleich als man treibt das affen spil.
Pfeiffer-Belli, Murner im Glaubensk.
3, 64, 19
(
Luzern
1528
):
so ist es vch alles ein gruwel vor gott, ein gotz lesterung, ein affen spil.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 172, 18
(
obd.
1525
):
Kůnz. Hastus nie gesehen, wie man altar, kirchen und pfaffen wihet? Hůrenwirt. Ich bin nie bei solichem affenspil gewesen.
Sachs
21, 259, 29
(
Nürnb.
1563
):
Nach dem thet der jüngling zu-mal | Durch den korbe ein schwinden fal | Herab, daß im sein leib thet krachen. | Darunden thetten in verlachen | Ein hauffen gar schöner jungfrawen, | Theten seim affenspil zu-schawen.
Lesung als Metonymie möglich in Chron. Magdeb.
2, 170, 19
(
nrddt.
,
1601
):
an dem unbesetiget die losen bilde den mehrern theill von den Altaren und wo die gestanden, abgeworffen, zum theil entzwey geschlagen, auch etzliche vor ein Affenspiell mit wegk genommen
(›Gegenstand religiöser Verehrung, mit dem man seinen Spott treibt‹).
Thiele, Luthers Sprichw.
139
;
Mayer, Folz. Meisterl.
23, 140
;
Barack, Zim. Chron.
2, 318, 29
;
3, 2, 5
;
4, 81, 36
;
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 227, 1147
;
3, 278, 26
;
Fischer, Eunuchus d. Terenz
77
;
Turmair
1, 542, 17
;
4, 518, 5
;
5, 195, 10
;
Wrede, Aköln. Sprachsch.
75
;
Schwäb. Wb.
1, 109
;
Dietz, Wb. Luther
1, 46
;
Rwb
1, 451
.
2.
›Betrug, Heuchelei, Täuschung‹.
Vorw. agitative Texte.
Bedeutungsverwandte:
, .

Belegblock:

Luther, WA
30, 2, 120, 16
(
1529
):
was bisher ynn Stifften und Kloͤstern buckens und knyens gewest ist, hat keinen ernst gehabt und ist ein recht affen spiel gewest.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 253, 8
(o. O. o. J.):
die groben bauern speien die messe an und ist inen ein affenspil und ein ergerlicher greuel darauß worden.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron.
167, 5
(
schwäb.
,
1553
):
lase ale kirchen zumachen und ir affenspill angevangen.
Dietz, Wb. Luther
1, 46
.