abscheiden,
V., unr. abl.;
Part. Prät.: meist
abgescheiden,
seltener
abgeschieden,
vereinzelt regelmäßig:
abgescheid(et).
1.
›weggehen, Abschied nehmen, abreisen, sich entfernen, sich davonmachen; abziehen (im militärischen Sinne); wegziehen (im rechtlichen Sinne)‹.

Belegblock:

Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
187, 21
(
osächs.
,
1542
/
70
):
Wie, wan und warumb bistu daselb abgescheiden?
Gille u. a., M. Beheim
453, 2752
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Die gsellen schieden aber ab.
Brandstetter, Wigoleis
201, 28
(
Augsb.
1493
):
der graff [...] schied freüntlich ab vnd rit gen Britoni.
Barack, Zim. Chron.
2, 535, 30
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
damit seien seine diener [...] abgeschaiden.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
122, 31
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Do die Vngrischen zu Twingwerg abschiden, zugen sy in das Lauentall.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
90, 23
(
nobd.
,
E. 15. Jh.
):
der hie wolle [...] burger werden, der sol herebrengen, das er [...] mit willen und wissen seiner herschaft [...] abgeschieden sey.
Chron. Magdeb.
2, 181, 8
;
205, 18
;
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
24, 1
;
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
312, 2
;
Chron. Nürnb.
4, 249, 15
;
Chron. Augsb.
2, 381, 2
;
7, 90, 9
;
Grossmann, a. a. O.
107, 15
;
192, 23
;
212, 43
;
Diefenbach, Mlat.-hd.-böhm. Wb.
98
;
Maaler 5r;
Lindmeyr, Wortsch. NT.
1899, 37
.
2.
›sterben, verscheiden‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, (V., unr. abl.) 1, ; vgl.  6.
Syntagmen:
christenlich a.
(häufig).

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. Phil.
1, 23
(
Wittenb.
1545
):
Jch habe lust abzuscheiden/ vnd bey Christo zu sein.
Wolf, Norm im sp. Ma.
51, 57
(
omd.
, o. J.):
Wan der abescheidet, so sal dy erwelunge des nochkomelinges geschen.
Merk, Stadtr. Neuenb.
172, 27
(
nalem.
,
1478
):
zu welcher zeit ain lupriester [...] mit tod abschaiden wirt.
Haas u. a., Erasmus / Jud. Klag IX r,
18
(
Zürich
1521
):
nim̃ war mit flyß den bildner dines fürsten wie er in sin rych kum̃en / wie er darinn für gefaren / wie er abgescheidẽ sy.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
239, 6
(
moobd.
,
1478
/
81
):
nach dem er vor in der stat was [pey hertzog Jörgens] abschaiden.
Chron. Augsb.
8, 70, 14
;
154
; 9;
Kehrein, Kath. Gesangb. I,
44, 11
; II,
432, 10
;
Maaler 5r;
3.
›jn. (z. B. aus einem Arbeits- oder sonstigen Dienstverhältnis) entlassen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  6.

Belegblock:

Mell u. a., Steir. Taid.
55, 23
(
m/soobd.
,
n. 1590
):
so bald ainer [...] hieher kembt, er hab kundschaft seines abschaidens oder nit.
Wutzel, Rechtsqu. Eferding
36, 19
(
moobd.
,
1558
):
wan ain pöckh ainen khnecht [...] abschaiden will, das hat er zethuen guet fueg.
Ebd.
81, 45
;
Schwartzenbach H iiij v.
4.
›etw. wegschicken, absenden‹.

Belegblock:

Turmair
4, 360, 26
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Lies also die potschaft abschaiden.
5.
›etw. oder jn. (von etw. anderem oder von jm.) ab-, lostrennen, sondern‹.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc. Ezech.
48, 8
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
das lant, das ir abscheydin sullit.
Gille u. a., M. Beheim
175, 53
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Das [glid] man dann von dem leib abscheit.
Ebd.
288, 336
:
wann er [Got] des lichcz | glinster | von der vinster | abschaiden was.
Ebd.
79, 339
:
etlich hat er [gott] abgeschait | in ewig pen vervaiget.
Ebd.
175, 46
;
Wyss, Limb. Chron. U
129, 47
;
Maaler 5r;
Rot
350
;
Dietz, Wb. Luther
26b
.
6.
›sich von jm. oder e. S. lossagen, trennen, von etw. oder jm. abfallen‹; offen zu 7.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  5,  1.
Syntagmen:
(sich) vom keiser / reich, von der kirche / gemeine / disputation a.

Belegblock:

Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
686
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Noch tuschen uch
[Eheleuten]
sin kein abescheiden.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
140, 7
(
schwäb.
,
v. 1542
):
die send eben vormalß ach also von dem romischen reich abgeschiden.
Pfeiffer-Belli, Murner im Glaubensk.
3, 79, 10
(
Luzern
1528
):
Wo man von disser disputation vnchristlich abscheidt vnd die ketzerischen schlußreden beschlüßt zů halten.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
120, 22
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Herr Andre woldt solhs nicht auffnemen und schyed von dem kayser ab.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 18, 23
;
Chron. Augsb.
9, 388, 30
;
Turmair
5, 581, 9
;
Voc. Teut.-Lat. a iijv;
Preuss. Wb. (Z) 1, 55.
7.
speziell im religiösen Sinne: ›sich (von Irdischem, von allen die Hinwendung zu Gott störenden Gegebenheiten) lösen; (solche Gegebenheiten) von sich stoßen, überwinden‹.
Vor allem in mystischen Texten des 14. Jhs.
Bedeutungsverwandte
erste Nuance mit:
2
 11; zweite Nuance mit:  22,  3,  1,  4,  7,  7; vgl.  2.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 328, 9
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Wan ein kraft ist in der natûre, diu scheidet abe daz gröbeste und wirfet ez ûz.
Ebd.
403, 2
:
Der eine ist ein abescheiden aller lîplicheit.
Quint, Eckharts Trakt.
432, 9
:
Dâ von ist abegescheidenheit daz aller beste, wan si reiniget die sêle und liutert die gewizzene und enzündet daz herze und wecket den geist und machet snel die begirde und tuot got erkennen und scheidet abe die crêatûre und vereiniget sich mit gote.
Vetter, Pred. Taulers
92, 11
(
els.
,
14. Jh.
):
vindet er út do das do gemeinet wurt anders denne Got, das man daz abescheide und uzsliesse.
Ebd.
330, 4
(
1359
):
die [lustheit] sol sich zem ersten abscheiden von lustlicheit der naturen und der sinne.
Schmidt, Rud. v. Biberach
148, 21
(
whalem.
,
1345
/
60
):
so das gemvͤte abscheit vsser ding, so wirt es in sich selben gesamnot [...] vnd wirt erhaben zvͦ beschoͮd himelscher dingen.
Quint, a. a. O.
1, 315, 6
;
2, 274, 4
;
343, 10
;
381, 3
;
Thiele, Minner. II,
26, 79
.
8.
›(jm.) etw. nehmen, entreißen‹.
Bedeutungsverwandte:
 10; vgl. (V.) 11.

Belegblock:

Adrian, Saelden Hort
5004
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
git tůt main und indorfern swern, | die gůt abschaident und aberent.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
522, 39
(
m/soobd.
,
1586
):
das der andern vich daß futter für den maul wirt abgeschieden.
9.
›sich erschöpfen, auslaufen (von Betrieben)‹.

Belegblock:

Sachs
14, 155, 5
(
Nürnb.
1551
):
Mein berckwerck hat sich gar abgschitten; | Mein factorey ich nit mehr hab.
10.
›e. S. oder jn. rechtlich abfertigen, jm. in e. S. einen Rechtsbescheid erteilen; jn. rechtlich abweisen‹.

Belegblock:

Schmidt, St. Kastorst.
2, 505, 32
(
mosfrk.
,
1466
/
7
):
Item ist in dem aiffscheiden ouch beslossen, das.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
344, 20
(
smoobd.
, o. J.):
allain er hab den gegenthail hievor vor ordenlicher obrigkait oder gericht fürgenommen und sei daselbst abgeschaiden worden.
Winter, Nöst. Weist.
3, 523, 19
(
moobd.
,
1519
):
das die vom radt [...] die klage [...] helfen verhorn, handeln und abschaiden.
Ebd.
3, 732, 27
;
Chron. Augsb.
7, 33, 10
.
11.
›jn. vermögensrechtlich abfinden‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Wrede, Aköln. Sprachsch.
36a
.