abgrund,
der
;
-(e)s/-e
+ Uml.;
daneben
abgründe
,
das
;
-s/-Ø
;
letztere Form im 14. und 15. Jh. vorherrschend.
1.
›Tiefe, Kluft, Schlucht, Erdspalte‹; nur vereinzelt gebraucht.
Bedeutungsverwandte:
 2,  1.

Belegblock:

Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
269, 10
(
oobd.
,
1349
/
50
):
daz der track gern won in den tiefen abgrünten der erd.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
40, 17
(
omd.
,
n. 1474
):
in deme felsse ist eyn loch vnde abgrunde.
Päpke, Marienl. Wernher
11289
;
Kehrein, Kath. Gesangb. III,
161, 6
;
Maaler
3 r
.
2.
›Tiefe der Erde, Abgrund, Abyssus‹; offen zu 3.
Bedeutungsverwandte:
 2.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
den a. durchmessen; a.
(Subj.)
loben jn.; in den a. sinken; jn. in den a. schlagen / tragen; tiefer a.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc. Jon.
2, 6
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
mich hat ummeringet das wazzer biz an di sele, das abgrunde hat mich belegen.
Dubizmay, kurß zu Teutze
33, 10
(
hess.
,
1463
):
Lobt | got [...] ir hohe | vnd alle ir abgründe.
Ruh, Bonaventura
357, 3
;
361, 30
;
Schlosser, H. v. Sachsenh. Mörin
4501
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
3, 268, 57
;
Munz, Füetrer. Persibein
1, 6
;
Schöpper
80 b
;
Dietz, Wb. Luther
17 a
.
3.
›Hölle‹; überwiegend im christlichen Sinne, teils in Anlehnung an kosmologische Vorstellungen der Antike, dann: ›Unterwelt‹ (dazu Richter, Wb. NT 3-4).
Vorw. religiöse und didaktische Texte.
Bedeutungsverwandte:
2
 1 (formelhaft als genitivus definitivus angeschlossen); vgl. .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
a.
(Subj.)
verschlingen etw.; des a. gewaltig sein; jn. in den a. versenken
(häufig)/
stürzen / schlagen / werfen; unterster / niederster a.; a. der helle
(formelhaft);
kind / eingang / pfütze des a.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
14446
md.
/
nd.
˺,
14. Jh.
):
Sint males tut in Got gevalt | [...] | In die pfutzen des ab grundes.
Thiele, Chron. Stolle
390, 13
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
komet, alle tufele in der helle, furet lieb unnd sele in die undirste abtgrunt der helle!
Bihlmeyer, Seuse
293, 14
(
alem.
,
14. Jh.
):
wie sint geschaffen die ingange des abgrúndes, oder wie sint gestellt dú wasser ob dien himeln?
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
7461
;
Froning, Alsf. Passionssp.
421
;
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
489
;
628
;
Gille u. a., M. Beheim
70, 189
;
123, 509
;
132, 189
;
132, 256
;
Barack, Teufels Netz
13177
;
Rieder, St. Georg. Pred.
69, 13
;
305, 2
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
1, 162
;
32, 28
;
Kehrein, Kath. Gesangb. I,
289, 8
.
4.
›Tiefe, Abgrund, Bodenlosigkeit‹, meist für negativ Bewertetes; bildlich anzuschließen an 1-3; offen zu 5.
Syntagmen:
finsterer a.; a. der finsternis / der gedanken / des herzen(s).

Belegblock:

Eichler, Ruusbr. obd. Brulocht
3, 63
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
In dem abgrúnde der vinsternisse, do der minnende geist sin selbes inne gestorben ist.
Vetter, Pred. Taulers
44, 18
(
els.
,
14. Jh.
):
sú ging mit dem jagen in den grunt, noch naher trang sú hinin in daz abgrunde.
Gille u. a., M. Beheim
15, 120
;
16, 13
;
151, 21
;
Kehrein, Kath. Gesangb. III,
255, 1
.
5.
›Unergründlichkeit, grundlose Tiefe, Unauslotbarkeit (des Wesens Gottes)‹. – Vgl. Dehnhardt, Metaphorik d. Mystiker.
1940, 119
; Kirmsse, Tauler.
1930, 32
-38; Heidrich in Hist. Wb. d. Phil. 5; Langen, Wortsch. Pietismus.
1968, 340
.
14. Jh.; mystische Texte.
Bedeutungsverwandte:
, ,  6.
Syntagmen:
sich verelenden in den a.; a. gottes, der gotheit
(häufig) /
minne / erbarmherzigkeit / klarheit / tougenheit / ungenantheit, des wesens / liechtes; tiefer / ewiger / götlicher / wesenlicher / grundloser / offener / ungeschaffener / wilder / wonniglicher a.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
2, 68, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Her ûz drücket im got [...] die vüllede und den abgrunt aller sîner gotheit.
Vetter, Pred. Taulers
121, 30
(
els.
,
14. Jh.
):
Von der allerhoͤhster innigester nehster einunge mit Gotte so ist noch goͤtteliche nature und sin wesen hoch und hoch úber alle hoͤhi, daz get in ein goͤtteliche abgrunde das nimmer keine creature und ouch keine enwurt.
Bihlmeyer, Seuse
330, 11
(
alem.
,
14. Jh.
):
Dú warheit: Daz ist dú natur und daz wesen der gotheit; und in disem grundelosen abgrúnde siget dú driheit der personen in ire einikeit.
Ebd.
21, 28
;
181, 16
;
214, 4
;
245, 11
;
433, 15
;
Fischer, Brun v. Schonebeck
6910
;
Asmussen, Buch d.
7
Grade 1572;
Quint, a. a. O.
1, 194, 5
;
2, 68, 1
;
493, 5
;
Schmidt, Rud. v. Biberach
116, 20
;
Vetter, a. a. O.
8, 30
;
101, 30
;
102, 18
;
109, 18
;
201, 5
;
345, 28
;
368, 13
;
Eichler, Ruusbr. obd. Brulocht
1, 926
;
2, 1986
;
3, 226
.