abfal,
der
;
die Verwendungen 1-3 sind nur spärlich belegt.
1.
›das Fallen, Herabfallen von etw.‹; daran metonymisch anzuschließen: ›Fruchtabfall der Bäume, Fallobst‹; ›Abgefallenes von Ladungen‹;
vgl.  13.

Belegblock:

Sachs (
Nürnb.
1541
):
Das meer war wütig alles sander. | Die wellen schlugen gen einander, | Hoch wie die berg mit lautem schal, | Mit schröcklich brausendem abfal.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
17.
/
18. Jh.
):
sollen sich dieselben nachparschaften nit unterstehen solche aichen zu schitten, sondern iren gemainen abfall.
Wrede, Aköln. Sprachsch.
14a
.
2.
›Wehr, Staustelle in fließenden Gewässern‹; Metonymie zu 1.

Belegblock:

Müller, Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
1510
):
vom abfall ob der Berckmülin an untz zu Baldinger thor.
3.
›Abhang, Hang im Gelände‹;
Metonymie zu 1.; vgl.  2.

Belegblock:

Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1654
/
68
):
darnach geet unser gerichts [march] [...] geen Obbßlauffen aufs abfählel, von demselbigen abfählel wider in die Salzach auf.
Wrede, Aköln. Sprachsch.
14a
.
4.
›Abfall, Lossagung, Apostasie‹;
vgl.  6.
Bedeutungsverwandte:
 2, , .

Belegblock:

Müller, Alte Landsch. St. Gallen (
halem.
,
1490
):
die anfenger und stifter diser ufrür und abfals.
Luther. Hl. Schrifft.
Esra 4, 19
(
Wittenb.
1545
):
Das diese Stad von alters ber wider die Könige sich empöret hat / vnd auffrhur vnd abfall drinnen geschicht.
Ebd.
2. Thess. 2, 3
:
Denn er kompt nicht / Es sey denn / das zuuor der Abfalle kome.
Maaler (
Zürich
1561
):
Abfal zum feynd / Weñ einer zü feynd falt.
Dietz, Wb. Luther ;
Lindmeyr, Wortsch. NT. ;
Preuss. Wb. (Z)
1, 24
.
5.
›Verfall, Niedergang, Rückgang, Untergang (vor allem von Gütern, Reichen, Herrschaftsgebilden, auch von Personen)‹;
offen zu 6 und 7; vgl.  10.
Gesamtfrnhd.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1,  1, , (
der
123, , , , .
Syntagmen:
etw.
(z. B.
krone / name / haus / gut / erbe
)
in a. kommen; etw.
(z. B.
Rom / reich
)
in a. bringen; a. des bergwerks / reiches, der stat; gewisser / unwiederbringlicher a.

Belegblock:

Löscher, Erzgeb. Bergr.
139, 7
(
omd.
,
1529
/
30
):
was abfals und zuruttung des bergkwergs [...] erwachsen wurden.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
wer also gemainer stat abfall und schmellerung des gemainen nutz dermaßen ervolgt.
Ebd. Anm. 1 (
schwäb.
,
1556
):
diser alten löblichen stat, derselben burgern und inwonern, zuͤ gewissem abfal und endtlichem verderben.
Ebd. (
schwäb.
, zu
1561
):
das bapstumb dardurch gar in abfal kome.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Nachdem das heilig römische reich in abfal bracht ist worden.
Sein nachmals die erben Davids [...] in grossen abfal und armuet kumen.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. ;
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 135, 23
;
Mell u. a., Steir. Taid. ;
Dietz, Wb. Luther .
6.
im Anschluß an 5 speziell: ›Abnahme des Metallgehaltes bei Erzen‹.
Omd.; Fachtexte des Bergbaus. – Vgl.
Veith, Bwb.
.

Belegblock:

Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1546
):
dardurch die zeche in abfal nicht gedeye.
7.
›Lösung, Loslösung von etw. (z. B. von jeder Gegenständlichkeit)‹; ütr. auch ›Tod‹. Oft Verschiebung auf die Gegenständlichkeit, von der die Lösung erfolgt. – Vorwiegend mystische Texte des 14. Jhs.;
vgl.  9 und (für ›Tod‹)  5.

Belegblock:

Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
so mag aber der liplich tod wol heissen ein núwú gebúrt von dez sweren libes abval, von dem frien ingang in die ewigen selikeit.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Allez, daz gebrestenlich ist, daz ist abeval von wesene.
Mîn varwe enist mîn natûre niht, mêr: ez ist ein abeval mîner natûre.
Allez, daz lîplich ist, daz ist ein abeval und ein zuoval und ein niderval.
Bihlmeyer a. a. O. ;
Dehnhardt, Metaphorik d. Mystiker.
1940, 73
;
Wrede, Aköln. Sprachsch.
14a
.
8.
›Abgabe, Abgabeverpflichtung‹;
vgl.  13.

Belegblock:

Müller, Alte Landsch. St. Gallen (
halem.
,
1525
):
wie der vertrag [...], so uf den abfal von der vier orten boten gemacht.
9.
›Zurückgehen des Wassers, Ebbe‹;
vgl.  3.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  6, .
Gegensätze:
 15.

Belegblock:

Henisch (
Augsb.
1616
):
Der anfall vnd abfall deß Meers /aestus.