überflüssig,
Adj.;
teils
überflüssiglich
. – Die Motivation von
überfliessen
sowie von
überflus
her ist in allen Bedeutungsansätzen teils unmittelbar einsichtig, teils aber auch mehr oder weniger unsicher (s. Ansatz 1). Die weiteren Ansätze ergeben sich aus semantischen Bezügen: 2 charakterisiert das über das Notwendige Hinausgehende, 3 den Überfluss generell; 4 und 5 fokussieren die religiösen (so 4) bzw. textlichen Aspekte (so 5) von
überflüssig
; in 6 steht die mehrfache Wiederholung im Zentrum der Betrachtung. Die Ansätze 2 bis 5 implizieren Aussagen zu den Wertkomponenten von
überflüssig
.
1.
›überfließend‹ (die natürliche Eigenschaft von Flüssigkeiten charakterisierend); im Einzelnen z. B. (je nach Bezugsgröße): ›überlaufend‹ (von Gefäßen oder gefäßartig Gedachtem gesagt); ›strömend‹ (vom Blut, vom Regen); ›tränenreich‹ (vom Weinen e. P.); wohl auch: ›schwer eiternd, triefend‹ (von Wunden); jeweils mit Bezug auf natürliches Fließen, allerdings mit offenem Übergang zu 2;
Syntagmen:
ein gewässer ü. werden, j. / ein wasser überflüssigliche(n) (herab) fliessen, j. ü. weinen, das blut überflüssiglichen von einem bildnis gehen
;
die überflüssige feuchtigkeit / wunde, der überflüssige regen / wolke / wolkenbruch, das überflüssige bluten (der nase) / mas / wasser
.

Belegblock:

Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
60, 14
(
Frankf.
1535
):
[augsteyn] stopffen auch das überflüssig bluͦten der nasen / vnd behalten das hertz gebluͤt.
Perez, Dietzin
1, 323, 22
(
Frankf.
1626
):
Gleich wie die Erden / wenn sie von dem vberfluͤssigen vnd langwehrenden Regen allzu sehr erweycht wirdt / nicht leichtlich gezackert vnnd erbawet werden kan.
Keil, Peter v. Ulm
68
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Ein rotsalben zu reinigen pöß flaisch uberflussign auß den wunden.
Sachs (
Nürnb.
1558
):
So du daran schlechst mit dem stab, | So wirdt wasser fliessen herab | Und das so uberflüssigklich, | Das die gmein trinck und all je vich.
Illing, Albert. Sup. miss.
2159
(
els.
,
n. 1380
):
Obe ich isse, so suͥfze ich vnd min weinendes srigen ist also ein vͥberflussiges wasser.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Ein guͦt maß vnd ein volles. vnd ein auff gehauftes vnd ein vberflússiges gebent sy ewerm buͤsem.
Broszinski, Minner. Chir. Parva
81v, 34
(
halem.
,
2. H. 15. Jh.
):
Capitel der úberflússigen wunden.
Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
26, 27
(
moobd.
,
1393
):
ein sneller, v̈berflüzziger wolken pruch, [...], der floͤczt dy satt hin.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
, Hs.
A. 16. Jh.
):
wuert aber ain uberflissigs wasser kumen das ainer nicht erwentn möcht, so soll [...].
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
13, 38
(
tir.
,
1464
):
vnd hub widerum an zu wainen v̈berflüssikleichen von den prünnen der zäher.
Ebd.
100, 25
:
das pluet das gieng v̈berflüssikchleichen von der selbigen pildnus von den schlegen vnd wunden als von ainem lebentigen menschen.
Qu. Brassó
5, 502, 28
(
siebenb.
,
1614
):
Das Gewässer ist auch allenthalben uberfluessig worden.
Illing, a. a. O.
553
.
Vgl. ferner s. v. .
2.
›reichhaltig, überreichlich, überreich fließend‹; von vorwiegend mystisch bestimmten, als ‚fließend, aus-, überströmend‘ im Sinne von 1 gedachten Wesensqualitäten Gottes wie
1
barmung
1,
fülle, miltigkeit
3,
reichheit, süssigkeit
4,
volheit
, aber auch dem von Gott
erleuchteten, verklärten
Menschen gesagt. Bezeichnend in diesem Zusammenhang sind Substantive (in der Belegumgebung) wie
1
blut
1,
runs, wasser
, Verben wie
ausquellen
,
bluten
,
einfliessen
,
fliessen, flözen, reisen
(V., unr. abl.),
übergehen
2,
überlaufen
1,
überquellen, zerfliessen
, Adjektive wie
feucht, dür
1,
trucken
2; 4; 5 in ihrem jeweils flussmetaphorischen (oder auch gegensätzlichen) Gebrauch; als ütr. und bildlich eng an 1 anschließbar;
Beleghäufung für das Obd., speziell für das Wobd.; im 16. Jh. auslaufend; Texte der Sinnwelt ‚Religion / Didaxe‘, speziell der Mystik.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 4, 2; 3, .
Syntagmen
(in Auswahl):
die ungerechtigkeit, js. herz ü. werden
(z. B.
von einem wunder
),
die barmherzigkeit jm. überfloslich kommen, der wein ü. fliessen, das blut ü. von einem bildnis gehen, gottes wort ü. erscheinen, die erlösung / gnade, die werke (gottes) ü. sein, j. ü. weinen, in der minne ü. werden, Jesus sich ü. offenbaren, Maria ü. von gnaden sein, got ˹ü. geben, gnade wirken, sein blut ü. opfern, ü. erleuchtung / weisheit geben, die güte ü. in die creaturen stürzen˺
;
der überflüssige brunne / lon / minnenruns / trank, die überflüssige barmung / begierde / erlösung / feuchtigkeit
(des
alants
)
/ freude / gnade
(mehrfach) /
masse / milte / miltigkeit / minne / reichheit / süssigkeit / volheit / würde, das überflüssige gut / weinen / wunder
.
Wortbildungen:
überflieslich
,
überfloslich
,
überflossig
1.

Belegblock:

Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
ir vindet hie nach herzen ger | obirvlozziges trankes vil.
hilf du obirvlozziger brunne, | daz ich dines trankes kunne | gewinnen da du schenkest ane maze.
din herze obirvluzzik wirt / von sulchim wundir daz do birt.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Jesus der offenbâret sich ouch mit einer unmæzigen süezikeit und rîcheit ûz des heiligen geistes kraft ûzquellende und überquellende und infliezende mit übervlüzziger voller richeit und süezikeit in alliu enpfenclîchiu herzen.
daz alle grasspier sô unglîch sint, daz kumet von der übervlüzzicheit gotes güete, die er stürtzet übervlüzziclîche in alle crêatûren.
Rueff, Rhein. Ostersp.
2110
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
wil uns die barmhertzikeit ist uberfloßlich kommen.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
5b, 19
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
Got ist gewaltig alle gnade an vns ze wuͤrken vͤberfluzzik.
Pyritz, Minneburg Prolog I,
20
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
ez git der gryse | sich uns zu spise, daz sin mynne uff uns ryse. | sin uberflußig mynnen runs gen uns ye mynne gert.
Gille u. a., M. Beheim
20, 74
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Dich [schepher] muss loben dein ubergende sussichait | und auch dein uberflussige parmunge, | [...], dein ewig gothait.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
sein wunten fran, | Dar auß so uberflussig er
[Christus]|
Ym [got vater] auff opfert sein schaczper tewres plut.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
65
(
Nürnb.
1517
):
domit wo die sünd ubertrefe, das die gnad noch uberflussiger were.
Ebd.
160
:
Nichtsdestweniger nimet Christus, unser herr, aus uberflislicher barmherzikeit den geist des erwelten vilmals gewaltiglich in sich.
Sachs (
Nürnb.
1559
):
Beschleust das schöne psalm-lied, | Darinn er Gottes herrligkeit | So uberflüssigklich außbreit.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Hie git Got dem geiste sich selber in einer úberflússiger wise, das verre ist und ob allen dingen das si ie begerte.
Denne kumet die úberflússige masse; dise masse ist so vol, so rich, so milt: si gat ze mole an allen enden úber.
Ebd. (
E. 14. Jh.
):
uns ensol nút genuͤgen mit guͦteme, sunder er meinet das wir daz alre beste erkriegent und das wir úberflússig werdent in der minne.
Illing, Albert. Sup. miss.
1819
(
els.
,
n. 1380
):
mit vͥberfluͥssiger begirde gap er sich selber den sinen vnd leit den tot.
Ebd.
2206
:
Von den zwein truͥbeln so fluͥsset vͥberfluͥssikliche der win der himelschen froͤden.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 1031
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
der mensche [...] sol vs gan mit erlúhteter bescheidenheit vnd mit v́ber flússiger minnen in himmel vnd in erden.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel Var. (
Straßb.
1466
):
ob dir wirt ein lútzel ioch ditz selb mitteil milticklich
[Var. 1475
2
–1518:
úberflüssigklich
;
Froschauer
1531 /
Eck
1537 /
Luther
1545, Tob. 4, 9:
reichlich
].
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
daz si all ir froͤde an Got suͦchent, [...] und vindent an im alle úber flússig suͤssekait daz sie reht zerfliessent von wunnen.
der taillet sich so volleklich den selen daz ir dehainú nút anders gert won daz si da hat, das ist Got, daz úberflússig guͦt.
Goldammer, Paracelsus
4, 114, 18
(
1530
):
gibt uns got weisheit und erleuchtung überflussig gnug, daß uns der mund überlauft.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
403
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Du [Maria] trenck uns mit den gnaden din, | Von den du über flissig bist | Von dinem kind Jhesum Crist!
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
81, 171
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Aber die vnzelleich senftichait der gotleichen gutichait, [...], von seinr uberflussigen miltichait offenpart er oft vͤber dew vorgesprochen manigüaltichleich.
Quint, a. a. O. ;
Rosenthal. Bedencken
28, 6
;
Gerhardt, Meister v. Prag
151, 22
;
Bihlmeyer, Seuse ;
Illing, a. a. O.
564
;
906
;
1640
;
Brett-Evans, Bonaventuras Leg. S. Francisci
48, 10
;
Steer, Schol. Gnadenl.
3, 142
;
Rieder, a. a. O. ;
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
135, 23
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
33, 46
.
3.
auf dem Hintergrund eines als notwendig Erachteten ›überflüssig, über das Notwendige, Erwartbare, Normale hinausgehend, nicht notwendig‹ (mit sehr weitem extensionalen Bezugsfeld, auf Personen, charakterliche Dispositionen, menschliche, speziell luxuriöse Handlungen und Verhaltensweisen, soziale Verhältnisse, Kulturgegebenheiten, auch auf Natürliches, darunter Krankheiten, bezogen), teils neutral bis positiv im Sinne von ›hinreichend, genug‹, meist aber kritisch im Sinne von ›überflüssig, im Überfluss, unnötig‹ gebraucht und mit der Handlungskomponente versehen, das
überflüssige
zu beseitigen; im Einzelnen je nach (auch übertragener) Bezugsgröße z. B.: ›reich ausgestattel‹ (von einer Bibliothek); ›in Fülle, im Überfluss‹; ›besonders ertragreich‹ (von einem Grundstück); ›wuchernd, proliferativ‹ (vom Fleisch); ›triefend‹ (von Wunden); ›überhängend‹ (von Ästen); ›übernormal viel vorhanden‹ (von Körpersäften im Rahmen der Säftelehre); ›hohen Aufwand betreibend, eigenbezüglich lebend‹ (von Personen);
vgl. 2; 4.
Phraseme:
jm. die untreue überflüssig auf dem rücken zalen
.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , , 2, 1, 1, .
Gegensätze:
.
Syntagmen
(in Auswahl):
alles ü. haben, j. ü. tugend haben, ü. bosheit finden, ein reich ü. frucht haben, eine gegend ü. begabet sein, die kunst im teufel ü. vorhanden sein, das mer ü. fische bringen, got ü. spezerei geben, j. ü. an den sitten sein
›herausragen‹,
die trachten ü. setzen, etw. als ü. weghauen
;
der (weibliche) blutflus ü. gehen, etw
. (Subj.)
ü. vol sein, eine zierde ü. sein, ein haus ü. gefüllet, eine hose ü. an tuch, j. ü. an gewand sein, eine flotte ü. mit proviant versehen sein, die kunst / weisheit in jm. ü. sein, jm. ü. gold geben
;
der überflüssige ast / blutflus / buchstabe / krieg / misbrauch, schaz, die überflüssige begierde / beschwerde / feuchte / feuchtung
(z. B. der
flegmatici
) /
hochfart / klugheit / kunst / lieberei / minne / ritterschaft / wunde, das überflüssige benügen / essen / prassen / trinken / zechen / harnen, blut / fleisch / gut
;
ü. in kleidung / trank
; subst.:
in jm. nichts überflüssiges sein, ein kalb nichts überflüssiges
(durch
brunzen, schmeissen
)
von im
›sich‹
getan haben
;
das überflüssige der natur
.
Wortbildungen:
überflossig
2.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Opulenté. Vollauff genug reichlich vberschwencklich vberfluͤssig.
Luther, WA (
1549
):
das die Lufft allerley Vogel gebe, das Meer vnd wasser mancherley Fische vberfluͤssig bringe.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1582
):
Man wirt ihm aus Arabjen reich | Gold vberfluͤssig geben.
Hajek, Guͦte spise
1569
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Dan kunst, weyßheitt, ouch alle lehr | Ihn dir
[dem
teüfel
]
so v̈berflüßig ist.
Volz, Prophet Daniel W
5, 12
(
Worms
1527
):
Vrsach halb / das vberflüssiger
[
Mentel
1466:
merer vnd witziger
;
Eck
1537:
mer
;
Luther
1545:
hoher
]
geyst / kunst / vnnd kluͤgheyt / die treum außzuͦlegen [...] vnnd alle knoͤpff auff zuͦloͤsen / an jm erfunden ward.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
76, 14
(
Frankf.
1535
):
Spießglaß [...] benimpt das überflüssig fleysch / das da wechset in einer wunden.
Ebd.
132, 12
:
alle fluß des leibs die einen vrsprung haben von hitz odder überflüssiger feuchtung.
Knape, Messerschmidt. Bris.
2, 8
(
Frankf./M.
1559
):
ALS nun Brissonetus [...] sprachen gelehrnet / daran denn sein Preceptor ein vberfluͤssigs benuͤgen [...] hetten.
Perez, Dietzin
1, 133, 21
(
Frankf.
1626
):
muß ein Wirthin vnverdrossen / eines guten Verstands / vnd faͤrtig von der Hand seyn / welche Tugenden alle meine Mutter vberflússig gehabt.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Ubervluzzig er [tuvel] vindet | Bosheit, da mit en schindet | Lucifer Gotis riche.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Ire hus sint bespunnen wol | Und mit werltlicher habe vol | Gevullet ubervluzeclich.
Hertel, UB Magdeb. (
omd.
,
1487
):
es sol auch nymand von den schutczen [...] sich unhubisch und unczuchtig [...] mit uberflossigem essen und trincken, [...], halden.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
10, 18
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
dorynne worin alczu schone pallas, [...] obir vlussik an allir vrucht unde lust, czu vordirst von schonen juncvrowin.
Ebd.
39, 6
:
Dy stat unde das rich hot vil schonir gartin und vrucht obirvlussik.
Sachs (
Nürnb.
1528
):
Harr! ich wil dir zalen | Dein untrew und dein falsche dück | Uberflüssig auf deinem rück.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
144, 41
(
Nürnb.
1548
):
was vnser art sey / wenn wir alles vberfluͤssig haben / weyst du guter maß wol.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1474
):
[Dye orden] betrigen den babst und clagen yr demut und sein uberflussig reich.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1529
):
Der was ain uberflussig, kosstfriger her, aber gar streng.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
und umb das | Nút úberflússiges inim was, | Da von im moͤchte swiczen nicht.
Broszinski, Minner. Chir. Parva
81v, 34
(
halem.
,
2. H. 15. Jh.
):
Capitel der úberflússigen wunden. Cura der wunden, die da úberflússig feisch habent, [...].
Ukena, Zuger Trag.
1569
(
halem.
,
1598
):
Dan kunst, weysheitt, ouch alle lehr | Ihn dir
[dem
teufel
]
vberflüßig ist.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern (
halem.
,
1628
):
die gefeldeten und ingestochnen kurtzen hosen, die gantz uberflüssig an tuͦch sind.
Maaler (
Zürich
1561
):
Zierden die Vberflüssig sind vnnd allein zuͦ pracht dienend. Ambitiosa ornamenta.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
201, 25
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
der vressig, daz er gnuog si der frasheit, so isset er überflüzigü ding.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
v. 1536
):
1481 ist [...] ein kalb geboren wurden, hat 6 fieß gehept, [...], hat nichtz geschmeist noch gepruntzt, noch nicht überflissigs der nature von im gethan.
Ebd. (
1544
/
5
):
daß er [...] überflissige libereien mit allerlai biechern, göttliche kunst lerende, auffgerichtet hat.
in der zeit der not, so sie mit überflissigen kriegen beschwert gewesen.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch. (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Marggraf Leupolt waz an dem leibe wol gestalt und schön überflüssichleich an den siten.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wan die veigen ziehent die überflüzzigen fäuchten zwischen vel und flaisch und die füllt dann die runzeln.
Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
41, 18
(
moobd.
,
1393
):
Ein ygleicher hoffartiger mensch ist [...] vberfluͤzzig an gewant, hoffertig an dem gang, hochprangig mit aufgeraktem hals.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
es ward auch dabei gesehen gar grosse und uberflüssige hochfart.
Ziesemer, Marienb. Konventsb.
66, 4
;
J. W. von Cube. Hortus
103, 34
;
Ralegh. America ;
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
232v, 5
;
Jörg, Salat. Reformationschr.
292, 27
;
Dreckmann, H. Mair. Troja
34, 4
;
Löffler, Columella/Österreicher ;
Eis, Gesundheitsl.
149, 13
;
Gereke, Seifrits Alex.
4171
;
Bauer, Imitatio Haller
94, 15
;
Voc. Teut.-Lat.
hh vijv
;
Vgl. ferner s. v. ,
1
2.
4.
›überaus deutlich, genau, ausführlich (in der Textaussage), dabei an die Grenze zu ‚weitschweifig‘ heranreichend, diese aber nicht überschreitend‹; auch: ›wiederholt, mehrfach‹; ›mehrfach anerkannt‹ (von Rechtsregelungen); vgl. 2; in einzelnen Belegen nicht sicher von 5 abgrenzbar.

Belegblock:

Luther, WA (
1529
):
wie ich davon uberfluͤssig anders wo, sonderlich ym buͤchlin von kriegsleuten und von weltlicher Obirkeit geschrieben habe.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
96, 20
(
um 1571
, Hs.
1615
):
Johannes Thaulerus schreibt vberflissig dauon fast in allen seinen Predigten.
Chron. Köln, Koelhoff
3v, 9
(
Köln
1499
):
dae got verueirlich straifft dye ouertreder synre gebode Ouch mach men dat myrcken ouervluyssichlich in dem nuwen testament.
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
14, 7
(
Frankf./M.
1563
):
Daß nuh die Scribenten der Heyden so vil von Zauberey schreiben, da bellen sie fuͤrwar auß keynem Hundskopff / sondern zeygen uberfluͤssiglich an daß Zauberey sey.
Pfeiffer-Belli, Murner im Glaubensk.
2, 35, 25
(
Luzern
1526
):
sittenmal aber der Zwingly solche nuwe ler, nit allein in Zürich piet, sunder ouch sein überflissiges schreiben vnd gedruckten biechlein, allenthalb in vnser eidtgnoschafft vß gossen hat, des halb wir [...].
Turmair (
moobd.
,
1529
):
bei den alten historischreibern findt man solch ordnung und regiment überflüssig als bei Tacito [...] und andern beschriben.
5.
›über die Grenze des Inhaltes und der Stilmittel hinausgehend, die für einen gesprochenen oder geschriebenen Text bzw. für eine Textsorte als notwendig, angemessen erachtet werden‹, demnach: ›wortreich, weitschweifig, überflüssig, überdeutlich, die notwendige Präzision und sprachliche Gestaltung stilistisch überbordend‹; in rechtsbezüglichen Texten sowie (seltener) in Texten der Sinwelt ‚Religion / Didaktik‘ steht die Länge und Gestaltung einer Rede speziell vor Gericht im Verdacht der rhetorischen Einflussnahme (der
insinuatio
,
elocutio
, auch der
dispositio
) in Richtung auf Vermeidung von rechtlich Irrelevantem, Ablenkung vom Thema, Aufmerksamkeitssteuerung der Parteien; als Spezialisierung an 3 sowie 4 anschließbar;
vgl. 5.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 2, , 5; 7, 3, , , , 1, , , ›wunderlich‹.
Gegensätze:
5; 6, (Adj.), 5, , , .
Syntagmen:
wieder jn
. (z. B.
wieder die hurer
)
ü. reden
;
der überflüssige beisaz, die überflüssige andingung / frage / interrogation / rede / süssigkeit, das überflüssige rechtsbot / wort
(dies mehrfach).

Belegblock:

Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
163, 11
(
Magdeb.
1615
):
der wird nicht viel fragen nach andere Leuthe Schrifften [...] denn er fuͤnde es alles in jhm selber reichlich vnnd vberfluͤssig.
Voc. inc. teut.
o iijv
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Lange vberflussige red.
Köbler, Ref. Franckenfort
71, 14
(
Mainz
1509
):
So woͤllẽ wir dz die fürsprechẽ solch sach moͤntlich handeln sollẽ / dariñ nit vnnütze od’ vberflüssige wort bruchen.
Ders., Ref. Nürnberg
136, 4
(
Nürnb.
1484
):
so sollen sy allein notturftig vnd zu Recht dienstliche Interrogatoria geben dar Jnnen auch den vrteilern vorbehaltẽ ist die vber flussigen abzeschneiden.
Laufs, Reichskammergo.
257, 21
(
Mainz
1555
):
daß er die recht nicht uberflüssig und unnottürftig allegir.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
287, 2
(
thür.
,
1474
):
wy danne solliche zcusage unde wedderrede in [...] langen, obirflüeßigen wortten ußwisen.
Fischer, Folz. Reimp.
25
, Überschrift (
Nürnb.
1479
):
erlernen sie dester ernstlicher [...] dem priester fur zuhalten an ander vber flussige wort oder peisetz.
Franck, Decl.
343, 24
(
Nürnb.
1531
):
der so hoͤflich vnd uͤberfluͤssig wider die hurer vnd spiler redende / das er der fuͤllerey mit dero er behafft ist / nicht allein leßlich vnd nachguͤltig / sonder auch lobs werth [...] acht.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
ein red solt sein | Kurtz und warhafft allein, | Dem handel gmes und gleich, | Nicht außschweifig, künstreich, | Mit worten uberflüssig.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 335, 11
(
halem.
,
n. 1529
):
das die puͤndischen uns wider Got, alle recht, billikeit, und uber unsere uberflissige rechtsbot abgetrungen hond.
Lauater. Gespaͤnste
69r, 24
(
Zürich
1578
):
Doch soͤlle man kein vnnoͤtige vnd überflüssige wundergaͤbe frag an jn thuͦn.
Bauer, Geiler. Pred.
468, 8
(
Augsb.
1508
):
Czu dem .xix. seind überflüssige wort. daz beschicht da ain sach wol mitt wenig wortten moͤcht ausgericht werden So brauchest du überflissige wort darzu.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch. (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Marcus Varro und Thitus Livius: dise zwen besunderleich der Römer kroniken mit worten überflüssiger süezzichait habent beschriben.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
21, 35
(
Venedig
1483
):
wan vͤberfluͤßig wort gesprach sy nie.
Voc. Teut.-Lat.
hh vijv
.
Vgl. ferner s. v. 1.
6.
›außerordentlich, allzu, besonders‹; gradadverbial gebraucht, schwach belegt.

Belegblock:

Cirurgia H. Brunschwig (
Straßb.
[
1497
]):
Ob aber des eyters vberflüssig vil were So mach im diß plastyer.
7.
bedeutungsverwandt zu 2; anschließbar an 5.