äfern,
V.;
zu
mhd.
avern, ävern
›wiederholen‹
(Lexer
1, 106
).
Eng zusammengehörig sind die Bedeutungen 1 bis 3 sowie 4 bis 7 (rechtsrelevanter Bereich); semantische Sonderstellung von 8.
– Vorw. obd.
1.
›etw. (meist: Gesagtes) wiederholen‹; offen zu 4.
Bedeutungsverwandte:
(mehrfach), .
Syntagmen:
die rede, das wort
(je zweimal),
die feindschaft ä.

Belegblock:

Fischer, Eunuchus d. Terenz
147, 7
(
Ulm
1486
):
Der jüngling aͤfert nit gnůg geschicklich die rede deß ritters mit disen worten.
Reithmeier, B. v. Chiemsee
66, 7
(
München
1528
):
wol wirt es [dasselb wort] durch die priester in der mess repetiert vnd offt geaefert, aber nit formiert aus jrem aigen fürnemen.
Dasypodius
288r
;
Schöpper
103a
;
Hulsius A Iv;
Henisch
26
;
Wrede, Aköln. Sprachsch.
75
;
Schweiz. Id.
1, 106
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß 6;
Bad. Wb.
1, 25
;
Schwäb. Wb.
1, 106
;
Schmeller/F.
1, 40
/41.
2.
›über etw. (Vergangenes) berichten‹.

Belegblock:

Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
36, 25
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Hie wider äfer ich aber und kum mit diser materi zu rugk an den jungen vorgemelten Theodonen.
Ebd.
83, 7
:
warumb ich sovil äferte die getat der künig von Franckreich und so lang schwig von den herren von Bairen.
3.
›etw. (z. B. den Gesichtsausdruck, die Stimme eines anderen) nachahmen‹.

Belegblock:

Maaler
12r
(
Zürich
1561
):
Eines angsicht Aeferen / Saͤhen wollen wie ein anderer.
Henisch
26
;
Schweiz. Id.
1, 106
.
4.
›etw. (Strittiges) wieder vorbringen, erneut bereden, mit unfreundlicher Absicht abermals behandeln‹; offen zu den rechtssprachlichen Spezialisierungen unter 5 bis 7.
Vorw. chronikalische sowie rechts- und wirtschaftsgeschichtliche Texte.
Bedeutungsverwandte:
1
 3,  6,  20, (V.) 1, , .
Syntagmen:
den artikel / handel / has
(mehrmals),
die atzung
(mehrmals)
/ getat / sache / schuld ä.; etw. mit werken / worten ä.

Belegblock:

Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 183, 3
(
Augsb.
1548
):
Wer sünde zůdeckt / der machet freündtschafft / Wer aber die sache aͤfert / macht Fürsten unains.
Foltz, UB Friedb.
1, 114, 33
(
hess.
,
1331
):
daz niemand gegen dem andern bis uf das obgenant zil kein alt atzung von keinerlay schulde [...] evêrn oder anden sol mit worten oder mit werchen.
Hauber, UB Heiligkr.
2, 456, 6
(
schwäb.
,
1542
):
khain tail solchs gegen ainandern in unfreundschaft [...] melden noch áfern oder weiter ainandern darumb [...] anlangen oder ersuchen.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
36, 21
(
halem.
,
1594
/
1630
):
das niemandts kein uflouf noch zerwürfnus mache, ouch kainen alten haß oder atzung äffery.
Winter, Nöst. Weist.
2, 388, 19
(
moobd.
,
1409
):
Wer der ist der nicht sagt in dem nachthäding was des aigens recht ist, [...] und wil das hinfür reden und äfern, es sei zu dem wein oder daheimen.
Chron. Augsb.
5, 206, 17
;
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
309, 28
;
Müller, a. a. O.
223, 29
;
Ders., Lands. St. Gallen
20, 24
;
36, 35
;
Herzog, Landsh. UB
347, 7
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
2, 162, 34
;
Turmair
4, 20, 10
;
Reithmeier, B. v. Chiemsee
15, 9
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
171, 24
;
Dietz, Wb. Luther
45
;
Wrede, Aköln. Sprachsch.
75
;
Bad. Wb.
1, 25
;
Schweiz. Id.
1, 106
/7;
Schwäb. Wb.
1, 106
;
Öst. Wb.
1, 97
;
Rwb
1, 451
.
5.
›etw. (vor allem: erlittenes Unrecht) rächen‹; auch: ›etw. bestrafen‹; ›sich an jm. rächen‹.
Häufig für das Wobd. belegt.
Bedeutungsverwandte:
1
 3,  4,  2,  4, (je mehrmals), .
Gegensätze:
, .
Syntagmen:
die (be)haftung / gefangenschaft / getat / handlung / sache / schmach / strafe, das gefängnis ä., got ä.; jn. mit worten / werken ä.; etw. gegen jn. ä.; am leib / gut ä.

Belegblock:

Leisi, Thurg. UB
6, 903, 22
(
halem.
,
1371
):
sú niendert me bekrenken, bekúmberen, ůben noch aͤfferen sol mit wortten noch mit werken.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 602, 2
(
schwäb.
,
1644
):
das du dise gefäncknus und gefangenschaft, auch wer darzu schub, rat und tat geben haben möchte, gegen jemand anden, affern, noch rechen.
Leidinger, V. Arnpeck
688, 30
(
moobd.
,
v. 1495
):
all vergangen sachen [...] sollen gericht und geschlichtt sein und hinfüran in unguten nit geandt noch geäffert werden.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
227, 35
;
Geier, Stadtr. Überl.
64, 5
;
Gehring, a. a. O.
742, 46
;
Müller, Grafsch. Hohenb.
1, 325, 16
;
Hauber, UB Heiligkr.
2, 136, 32
;
Chron. Augsb.
5, 207, 29
;
Leisi, a. a. O.
8, 89, 25
;
Wrede, Aköln. Sprachsch.
75
;
Bad. Wb.
1, 25
;
Schweiz. Id.
1, 106
/7;
Schwäb. Wb.
1, 106
;
Vorarlb. Wb.
1, 52
;
Schmeller/F.
1, 40
/41.
6.
›etw. rechtlich verfolgen; rechtlich gegen jn. vorgehen‹.
Bedeutungsverwandte:
 8, .

Belegblock:

Geier, Stadtr. Überl.
161, 17
(
nalem.
,
16. Jh.
):
‚Hört, hört ihr herren, reich und arm! | diße sach solle niemand äfferen ahn | meine herren die burgermeister.‘
Chron. Augsb.
3, 373,
Anm. 4 (
schwäb.
,
1478
):
daruf ist im aller handel gütlich begeben und nachgelaußen ferrer in unfrüntschafft gegen im nicht mer ze äfren noch zerechten.
Hauber, UB Heiligkr.
1, 466, 3
(
schwäb.
,
1369
):
waͤr das der selb brůder Conrat Stoll [...] der stuk [...] aͤverti anspraͤch, vordorti oder widerkeren woͤlt.
7.
›jm. übel nachreden, jn. verleumden‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  14, .

Belegblock:

Auer, Stadtr. München I,
420, 2
(
moobd.
,
1343
):
Wer den andern haizzt liegen vor dem rechten, oder ainen äffer, der geit dem richter zwir als vil.
8.
›etw. (Grundstücke o. ä.) bearbeiten, bebauen, ordentlich nutzen‹.
Halem., rechts- und wirtschaftsgeschichtliche Texte.
Bedeutungsverwandte:
 4, , .
Syntagmen:
das ried / (-)gut, den acker / sandwurf, die strasse ä.

Belegblock:

Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
247, 26
(
halem.
,
1486
):
So soͤllen aber die von Oberhoffen ir holtzmeis der straß halb ouch in gůten eren hallten und die also aͤfren, das sie zů gůtem bruch [...] diene.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
331, 29
(
halem.
,
1525
):
So denne sol ein lechenman, diewyl er sin lechengůt in gůttem buw und eren haltet, von sinem lehensherren nit abgestossen waͤrden, der selbig lehenher welle dann dz selbs personlich besitzen, aͤffren und buwen.
Ders., Gebiet Bern
491, 9
(
halem.
,
1526
):
das (!) sandtwurf, so an siner matten zů Oltingen die Aren geworfen, guͤtigklich vergoͤnnt und nachgelaͧssen, solichs zů aͤffern, buwen, nutzen und niessen und damit zů handlen, schaffen und thůn nach sinem willen.
Ders., Wirtsch. Bern
766, 24
;
Ders., Recht Laupen
287, 36
;
Schweiz. Id.
1, 106
/7.