truzlich,
trazlich,
trozlich,
trutzenlich,
Adv.,
etwas seltener Adj.;
auch mit Uml.1.
›feindselig, boshaft, aggressiv, bedrohlich‹; auch: ›dreist, unverschämt‹; zu
truz
(der
) 1.Bedeutungsverwandte:
aufrürig
dräuig
erberürend
frevenich
getürstlich
hönisch
rebellisch
spitzig
ungebürlich
unverschämt
üppig
verachtlich
zornig
zorniglich
getürst
getürstig
trutzig
Syntagmen:
t. antworten / fliegen / fragen / gehen / lästern / reden / umziehen, jn. t. befleissen / verdammen, etw. t. durchdrücken / tragen / verachten, jm. t. drohen / zusprechen, jm. t. etw. vom leib reissen, sich t. baren / empören, sich t. gegen jn. stellen, t. einen auflauf machen, t. mit jm. handeln, etw. t. von jm. hören
; der truzliche anzug
›verbaler Angriff‹ / frevel / man, die truzliche aufstellung / meinung / rede, das truzliche drohen / schreiben / wesen
›Charakter‹, die truzlichen gesellen / hände / tiere / worte / zeichen
.Belegblock:
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 91, 20
(o. O. 1521
): das alles
[
in den ban thuͦn und verdammen usw.]
sollent ir unverschempt thuͦn, trutzlich und getürstlich also durch drucken und euch nichts hindern nor irren laßen. Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
16743
(preuß.
, um 1330
/40
): [ein dît] dî der cristinheit impar | unde joch mit allir macht | widir den geloubin vacht | in trotzlîchim drouwin.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
359, 32
(Wolfenb.
1594
): Hastu [...] Mir trotzliche, spitzige vnd hönische Wort gegeben.
Luther, WA
45, 725, 19
(1528
): lasst euch nur nicht das hertze bloͤde machen [...], ob jr solchs sehet und fuͤlet, wie alle welt euch so trotzlich verdammet.
Chron. Nürnb.
3, 59, 5
(nobd.
, 1488
): Trutzlichen machten die Römer ein auflauf wider den heiligen babst Leo.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
596, 33
(nobd.
, um 1525
): Am montag [...] hat Ernfrid Kumpf [...] dem priester unterm tagampt [...] trutzlich zugesprochen [...].
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 1, 2
(Basel
1497
): In tod vom iunger hin ze geben, | in syner fyend tratzlich hend.
Maaler
35v
(Zürich
1561
): Der schlang Richt sich zornigklich Auf / oder emboͤrt sich trutzlich.
Ebd.
406r
: Tratzlich ding / Tratzung. [...]. ¶ Tratzlich. Pugnaciter.
Ebd.
411r
: Trutzlich / Troͤuwig. [...] Auff troͤuwende weyß.
Chron. Augsb.
7, 219, 13
(zu 1550
): hat sich der Spänier hochmuͤt und trutzliche handlung je lenger je mer gemert.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
304, 18
(oobd.
, 1349
/50
): [ain muck] hât die art, daz si gar trätzleich
[›aufdringlich‹]
fleugt und hât daz lieht liep. Anderson u. a., Flugschrr.
8, 11, 11
; Jörg, Salat. Reformationschr.
30, 4
; Schweiz. Id.
14, 1665
; 1678
.‒
Vgl. ferner s. v. ausfilzen
.2.
›widerspenstig, störrisch, aufmüpfig, ungehorsam; selbstherrlich, überheblich, anmaßend‹; zu
truz
(der
) 2.Oft berichtende Texte.
Bedeutungsverwandte:
ergeizig
hochprächtig
hoffertig
spotlich
stolz
trutzig
turstig
wiederwärtig
Syntagmen:
t. sein
; t. herfaren / schwören / reden / sprechen, etw. t. brechen / versäumen, jn. t. verachten, jm. etw
. (z. B. den sold
) t. aufsetzen, t. gegen jn. handeln, sich t. gegen etw. weren, den hals t. emportragen, t. wieder etw. laufen
; e. S
. (z. B. einem gebot
) t
. ›einer Sache zum Trotz‹; ein truzlicher mönch, eine truzliche missive, das truzliche weib
; subst.: auf das truzlichste
.Belegblock:
Chron. Magdeb.
2, 187, 5
(nrddt.
, Hs. 1601
): sein die Magdeburgischen trotzlicher und trotziger, den sie vor je gewest sein.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
8483
(preuß.
, um 1330
/40
): hêr Swantopolc [...] | trûc den hals trotzlîch inpor.
Luther, WA
10, 2, 135, 30
(1522
): Dißem gepott [,du sollt nit stelen‘] gehen sie trotzlich und tuͤrstig unter sein augen.
Ebd.
12, 499, 21
(1523
): ungebrochne kopff, die so trotzlich her faren unnd wollen mit Got pochen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
333, 3
(halem.
, 1534
/5
): ein predicant / fast ein trutzlichs / hoffertigs münchlj.
Sappler, H. Kaufringer
3, 372
(schwäb.
, Hs. 1464
): [der Pfarrer zum Bischof:]
da sprach der pauer tratzlich das, | wie es [ungewitter] ain guot wetter sei. Chron. Augsb.
2, 214, 14
(schwäb.
, Hs. 16. Jh.
): [die pfaffen] wolten nit leiden [...], daß man durch ir heuser solt gan, und sprachen mit tratzlichen worten, die maur wer ir aigen.
Ebd.
313, 10
: in der zeit
[seit der Heirat]
han ich mich mer unliebs und übels genietet, dann darvor ie [...], besunder mit meinem zornigen, trätzlichen weib. Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
92, 12
(oobd.
, 3. Dr. 15. Jh.
): [die pawren] swuerren traczleich an alle vorcht Gottes.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
106, 7
(moobd.
, 1478
/81
): [Karolus] verkündt [...] allen cristenlichen fürsten zu ainem hof gen Yngelhaim [...]. Do versaumbt Thasilo disen hof trätzlich.
Luther, WA
21, 360, 36
; Anderson u. a., Flugschrr.
15, 11, 16
; Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 59, 16
; Schweiz. Id.
14, 1678
.3.
›entschlossen, unnachgiebig, kühn, mutig, standhaft; zuversichtlich, selbstsicher‹; im Gegensatz zu 2 positiv konnotiert; zu
truz
(der
) 3.Bedeutungsverwandte:
ernstlich
stumpf
tapfer
genende
steif
Syntagmen:
t. sterben, jn. t. angreifen, sich t. auf jn. verlassen, t. gegen etw. vorrücken, t. von jm. rümen
; der truzliche beistand / grim, die truzliche antwort, ein truzliches einsehen, die truzlichen leute
.Belegblock:
Luther, WA
18, 316, 30
(1525
): Ich will Gott die sache heym stellen [...] und mich troͤtzlich auff yhn verlassen.
Ebd.
41, 98, 19
(1535
): Solcher Glaube hat diesen David so luͤstig [...] gemacht, diesen Psalmen zu singen und so trotzlich zu rhuͤmen von diesem Christo.
Matthaei, Minner. I,
10, 72
(Hs. 15. Jh.
): in dem ward in herfert | durch vil der vogel stim, | die tratzlich süeßer grim | uff schrien gein dem himmel.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
2214
(˹wohl Straßb.
˺ 1509
): Wann wir aber das behaubten | Vnd die Berner vns gelaubten, | So seind sye alle tratzlich leüt | Vnd bfesten vnser sach mit streyt.
Anderson u. a., Flugschrr.
4, 10, 26
([Straßb.
] 1524
): Daru͂b Christlichen herren [...] woͤllen hie ein ernstlich dapffer vñ gantz trutzenlich ynsehen haben.
Turmair
4, 957, 27
Überschrift (moobd.
, 1522
/33
): Von zweien frauen, die sich des kaisertums underwunden, schriben sich geweltige kaiserin zu Rom, griffen die feind trutzlich an.
Ebd.
5, 180, 6
: es rucket kaiser Ludwig herauf mit seinem volk trutzlich gên Lugenveld.
Luther, WA
14, 24, 11
; 18, 313, 29
; Turmair
4, 541, 17
; Schweiz. Id.
14, 1665
.